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Der Israelit · 1881-05-04 · Heft 18 (4.5.1881) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 18 (4.5.1881)
Date
1881-05-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXII. Jahrgang. - Erste LeUage zu Ar. 18 -es Äsraelit. Leitender Artikel. Jüdisches Leben in Schule und Kaus. Von A. Senior. (Fortsetzung.) Unsre hl. Thora war Jahrhunderte lang nur in einem Theile, 2n22w min, schriftlich vorhanden und der andre, nicht geringere und der 2022^ min ebenbürtige und gleichwerthe Theil, np 2^22' mir, wurde nur durch mündliche Ueberlieserung, vom Vater auf den Sohn, vom Lehrer auf den Schüler 'ortgepstauzt. Doch dieses fortwährende Studium allein, hätte nicht vermocht, sie auch frisch im werzcn zu erhalten, wenn nicht Lehre uud U eb ung in einander gegriffen, wenn nicht das ycuw nvyj, das ganz Israel am Berge Sinai für sich und seine Nachkommen zu halten gelobt, auf's Getrenlichste zur Geltung gekommen, wenn nicht unrpn -a-npn die Basis und der 8lusgangspunkt aller Unternehmungen, wenn nickt sie das Endziel aller Bestrebungen, der Mittelpunkt des ganzen geistigen und gesellschaftlichen Lebens unsrer Ahnen gewesen wäre. So war jede einzelne Gemeinde, jedes einzelne Haus, jede einzelne Familie eine Heimath unsrer Thora; hier wurde sie gelehrt und gelernt, in Ehren gehalten und in allen ihren Theilen erfüllt. Die zarten Kinder nahmen sich ein Beispiel am echt jüdischen Leben ihres Elternhauses, jüdisches Leben und jüdischer Geist ging bei ihnen in Fleisch und Blut über, es gab ihnen jene Kraft, jenen Mnth, jene kühne Entschlossenheit, die sie ohne Furcht und Bangen selbst dem Tode kalt in's Auge schauen ließ, wenn es galt, für ihr höchstes Gut, die Thora, cinzustehen und sie bis zum letzten Blutstropfen, bis zum letzten Athemzuge ßu vertheidigen. — Und grade im jüdischen Hause, das leider bei vielen nicht mehr so genannt werden kann,t ist der Krebsschaden der jetzigen Zerissenheit, der eingewurzelten Gleichgiltigkeit gegen Alles, was Judenthum heißt, zu suchen. Das jüdische Hans mit seinen herrlichen, ergreifenden Momenten, die es täglich und fast stündlich bietet, gibt uns reichlichen Stoff und vielfache Veranlassung, es uns in seiner Sonderheit und Verschiedenheit im Vergleiche zu dem Leben andrer Confessionen, erscheinen zu lassen. Alles, was im jüdischen Hause geschieht, weiset aus Gott zurück: unsre s hl. Fest- und Fasttage und alle unsre täglichen religiösen Verrichtungen. Ich will nur Einzelnes herausgreifen und in kurzen Umrissen zeichnen. Der Sabbat und die Festtage geben Geist und Herz erhebende Lehren und lassen uns unser Verhältniß zu Gott in deutlichster Weise erkennen. Der Sabbat lehrt uns, daß Gott der Schöpfer, Erhalter und Regierer der Welt ist und wir Seine Geschöpfe, Seine Diener und geliebten Kinder, daß wir demnach auch in unverbrüchlicher Treue an Ihm sesthaltcn, wie Er auch uns in ewiger Treue beschützt. Das Peßachsest läßt uns erkennen, wie wir unter Seinem ganz besonderen Schutze stehen als Sein auserwähltes Volk, das Seinen Namen tragen und der übrigen Welt als n'jro ro^oo und vn? vi voranlenchten soll. Und die Sedcrabende! Da träumt man in die Kindheit sich zurück und gedenkt mit inniger Freude, wie wir schon Wochen vorher den Sederabeudcn zujubelteu, wenn man in der Schule ansing, die „Hagada" zu lernen, und besonders das .12 Hirte':, um cs in fehlerloser Uebersetzung vortragen zu können. Und in der That lassen sich die Sederabende derart gestalten, daß deren Eindruck ein unauslöschlicher wird. Wie viel Gelegenheit bietet sich da doch, die Kinder in recht anschaulicher Weise über Gott und Seine Gesetze zu belehren. Das Schabuothsest, das man eigentlich das Geburtssest unseres Volkes nennen könnte, denn jener in der Geschichte Israels ewig denkwürdige 6. Siwan hat uns erst unsren Berus genau vorgezeichnet und den Weg gezeigt, auf dem wir ihn erfüllen können, muß uns im Geiste wiederum vor den Sinai treten lassen, um das Gelübde unsrer Väter: r>2 r'22'^i ntpyj 'n -im -vh zu erneuen. Das Sukkothsest muß in uns jenes unbegrenzte Vertrauen erwecken, wodurch wir uns ganz in den Schutz Gottes stellen und Ihm unser Schicksal überlassen, unser Wohl und Wehe Ihm anheimstellen, „Ihm unsren Weg befehlen, denn er wird's schon gut machen." Und die „furchteinflößenden Tage?" Wer wäre so gefühllos, so verstockt, daß sie nicht einen mächtigen Eindruck aus ihn übten? „Wenn in der Stadt die Posaune ertönt, so sollte das Volk nicht erzittern?" Wenn die Posaune des „Gerichts" erschallt, da sollte jeder in sich gehen, seinen Wandel prüfen und sich bessern, damit er ruhig und gefaßt seinen Urtheilsspruch erwarten kann. „Denn, wer würde nicht gerichtet an diesem Tage?" Doch der

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