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Der Israelit · 1881-05-04 · Heft 18 (4.5.1881) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 18 (4.5.1881)
Date
1881-05-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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scharfem Messer das Geschwür ausschneiden, um sein Leben zu erhaltend*)" „„Du fragst wohl nur, o Kaiser,"" nahm Junius Mauritius das Wort, „„um etwas Anderes mit dieser Frage einzuleiten. Es ist ja selbstverständlich, daß man die Operation, wenn sie auch noch so schmerzhaft ist, vornehmen muß, um den ganzen Körper zu retten."" „Du hast den Sinn meiner Worte richtig erfaßt, mein Junius. Ihr Alle wißt, daß die Religion unserer Väter in großer Gefahr ist. Schon beginnt man in Rom an der Allmacht des Jupiter zu zweifeln, und Minerva, meine gnädige Patronin, findet die Anbetung nicht mehr, die ihr gebührt. Ich habe die Philosophen, die durch ihre Irrlehren die Herzen der Jugend vergiften, aus der Stadt vertrieben. Aber ein mächtiger Feind unserer Götter lebt in unserer Mitte, und wird von uns geduldet. Dieser Feind, dieser gottlose Feind, ist das Judenthum. Ihr wißt, daß die Juden keine Götter anbeten. Sie unterscheiden sich hierin von allen Völkern der Erde. Die Götter der Aegypter, der Chaldäer, der Gallier, der Germanen und die aller andern Völker sind wie die unfern; cs sind nur andere Namen für dieselben Gottheiten. Die Juden aber haben gar keine Götter; ihnen beherrscht nicht Jupiter den Himmel, nicht Neptun das Meer, nicht Pluto die Unterwelt; ihnen lenkt nicht Apollo den Sonnenwagen und nicht Diana den Mond. Sie haben kein Götterbild, dem sie ihre Verehrung beweisen. Sie waren von jeher Feinde des römischen Reichs. Mein Vater, der göttliche Vespasian, hat sie niedergeworfen; mein Bruder, der göttliche Titus, hat ihren Tempel zerstört, in dem sie ein unbekanntes, unsichtbares Wesen verehrten. Trotzdem haben sie nicht aufgehört, uns gefährlich zu sein; sie verführen mein Volk zur Gottlosigkeit. Schon sind viele vornehme Bürger wegen ihrer Hinneigung zum Judenthume mit dem Tode bestraft worden. Allein die Verführung greift mit jedem Tage mehr um sich, und so lange wir diese Juden im römischen Reiche dulden, wird ihre Gottlosigkeit wie eine ansteckende Krankheit wirken. Deßhalb fühle ich mich berufen, das Werk zu vollenden, welches mein Vater und mein Bruder begonnen haben. Ihr Thun war wirkungslos; sie haben den jüdischen Staat vernichtet und den jüdischen Tempel zerstört; aber das jüdische Volk haben sie bestehen lassen. Ich will die ganze Nation verderben und so die Götter des Olympus vor dem Sturze bewahren. *) Vergleiche Abodah Sarah f. 10 b. Nicht ein Jude, nicht Mann, nicht Frau, nicht Kind,, aus diesem sündigen, gottlosen Geschlecht soll am Leben bleiben. Von heute in dreißig Tagen soll der Senat beschließen, daß sie alle umgebracht werden, alle, alle, im ganzen weiten römischen Reiche, wo immer sie auch wohnen mögen, in Rom und in ganz Italien, in Judäa und Syrien, in Aegypten und Afrika, in Gallien und Hispanien. Ich erwarte, daß Ihr alle mit mir einverstanden seid und diesen meinen Beschluß auck zu dem Eurigen macht." Flavius Clemens erhob sich. „„Cäsar,"" sagte er, „„gestatte mir ...."" „Schweige, Clemens," unterbrach ihn derTyrann, „nicht Dir geziemt es, in dieser Angelegenheit mitzureden. Es ist mir hinterbracht worden, daß Du Dich der jüdischen Sitte hinneigst, mit Juden verkehrst und den Göttern die schuldige Ehrerbietung versagst. Beim Hercules, wenn Du nicht meinem Blute der Nächste wärest, wenn ich nicht Domitilla, meine Nichte, schonen möchte, ich hätte schon längst dem Ankläger gestattet, Dich zur Rechenschaft zu ziehen wegen Deines gottlosen Betragens. Wage es nicht, zu Gunsten der Juden ein Wort zu reden, oder ich schwöre bei Minerva, meiner erhabenen Beschützerin, daß Du wirft wegen Gottlosigkeit verklagt und gerichtet werden." Flavius Clemens schwieg, und Entsetzen ergriff die Mitglieder des geheimen Raths. „So seid Ihr alle einverstanden?" „„Großmächtiger Kaiser,"" nahm Nerva das Wort, „„wohl ist wahr, was Du gesprochen, allein . . . ."" „Mein Nerva," unterbrach ihn Domitian, „ich dächte, Du wünschtest die wenigen Tage, die Dir noch beschieden sind, in Ruhe und Frieden Zu leben! Darum laß ab, die Juden zu vertheidigen." Niemand wagte mehr eine Einrede, und so wurde des Kaisers Mordplan zum Beschluß erhoben. — Ehe Domitian die Mitglieder des geheimen Raths entließ, sprach er: „Bedenket, daß Ihr meine geheimen Räthe seid. Jeder, der etwas von dem eben gefaßten Beschlüsse verräth, wird Mt dem Tode bestraft. Bewahrt das Gheimniß selbst Euren Weibern gegenüber." Bei diesen Worten sah der Kaiser seinen Vetter Clemens mit sinsterm Blicke an; ihm namentlich galt die Warnung des Tyrannen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaetton: JDr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „JSraelit* große Bleiche 45. 2. Eottsleben'L Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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