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Der Israelit · 1860-06-20 · Heft 4 (20.6.1860) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 4 (20.6.1860)
Date
1860-06-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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46 Drum auf und lösche seiner Lüste Feuer, Da Dir gegeben ist der Herrschaft Stab, Bekämpfe seines Herzens Ungeheuer, Das ach, erbarmungslos ihn reißt ins Grab. Er muß ja Dir sich unterthänig fügen, Weil Weisheitssülle Dir ist zuertheilt, An Deines Mundes Hauch sich herzlich schmiegen, Der ihn von seiner Lüste Krankheit heilt! O, waudle mcht in starrem Eigendünkel, In seiner Pläne ränkevoller List, Durchforsche seines Herzens tiefsten Winkel, So lang im Körper Dn verschlossen bist; Verachte keck des Eigennutzes Schätze, Wenn sie sich häufen Dir mit trägem Recht; Denn ach, Gewinnsucht bahnet die Gesetze, Bethört des Weisen Herz und macht es schlecht! Drum richte lieber auf des Wandels Pfade, Den Du durchlaufen mußt, Dein Augenmerk, Demi alles Irdische ist Wurm und Made, 'Kur ein dem Staub entspross'nes trüglich Werk. Auch seinen Kräften ist ein Ziel auf Erden, Dem er sich fügen muß, von Gott bestimmt, Bis durch des Todes gräßliche Geberden Sein letzter Lebcnssunke ihm verglimmt! Ja, Tod und Leben, sie sind eng verbrüdert, Gebieten einig auf dem Erdenrund, Und bleiben unzertrennlich, unzergliedert In sietem wechselseit'gen Freundschastsbnnd. An ihrer Grenze weitem Raum verbunden, Führt eine schmale Brücke jählings ab, Die der Geschöpfe Wesen all' umrunden, Vom Lebens-Anfang bis zum kalten Grab! Das Leben bauet aus, der Tod reißt nieder Und treibt der Tyaten Pflanzungen zur Frucht! Was jenes sä't, vernichtet dieser wieder Und bringt des Lebens Werth zur finstern Schlucht. Verbindend wirkt das Leben unermüdet, Doch reißt der Tod es schonungslos entzwei. Und was das Leben sammelt, wohlbehütet, Wird bald ein Raub des Todes Tyrannei! Erkenne wohl, daß Du des Todes Trauben Zu schlürfen einst dem Körper geben mußt, Verlassen plötzlich seiner Wohnung Lauben, Wenn sie erscheint, die Zeit, Dir unbewußt. Du schwingest dann Dich aus des ZephyrS Flügel,! Nach Deiner Heimath Tempel hoch hinauf. Wo Du erblickst in dem Vergeltungsspiegel! Der Thaten Lohn nach Deinem Lebenslauf. Drum auf und neige Deines Ohres Falten, j Dein Volk vergiß und Deines Vaters Haus, i Zu preisen laut des Schöpfers hohes Walten - Bei Tages Glanz und bei der 'Nächte Graus!; Zu ihm hinauf erhebe Deine Hände, Inbrünstig betend wirf Dich vor ihm hin, , Durchbrich mit bittren Zähren Scheidewände, Mit sanfter Demuth, licbentbranntem Sinn! - Vielleicht der König findet Wohlgefallen An Deiner Tilgend strahlenvollem Glanz, Und freundlich blickend ans des Himmels Hallen Setzt er dann auf Dein Haupt des Friedens Kranz; Vielleicht erbarmt er sich ob Deiner Lage, Die heimlich Dir des Lebens Freuden stiehlt. Verscheuchend weit Dir der Versuchung Plage, Die kummerbrütend nach dem Herzen zielt! . Ja, häuf', o Seele, Dir des Geistes Nahrung, So lang noch Leben in den Adern fließt, Und halte sie, stets mehrend, in Verwahrung, , Vis sich des Himmels Pforte Dir erschließt; Denn groß und ewigdauernd ist die Reise,! Die Dich nach Edens bunten Wiesen führt; Drum sammle emsig hier viel Vorrathsspeise,; Bevor sich Deine Lebenskraft verliert! Doch wähne nicht, noch ist nicht Zeit zu sammeln, Wenn Dn noch üppig prangst im Lebensmai! Wie schnell könnt' nicht die Lebensthür' verrammeln Des Todes ungezähmte Tyrannei. Denn schnell entschwindet Dir des Tages Morgen; Unwissend, was die Zukunft einst gebiert, Belastet stehst Du stets mit neuen Sorgen, Und nicht wird Dir die Zeit zurnckgeführt! Verpflanz' drum früh ins Leben gute Werke, Obschon Dein Ende Dir noch ferne weilt, Du weißt doch nicht, ob Deine Jugendstärke i Der kalte Todesschweiß nicht bald ereilt;! Erfülle täglich des Berufes Pflichten,! Stets vorbereitet auf den Tod zu sein, '! Und säume nicht, sie pünktlich zu verrichten, Bevor die Gruft verschlinget Dein Gebein!

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