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Der Israelit · 1860-06-20 · Heft 4 (20.6.1860) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 4 (20.6.1860)
Date
1860-06-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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unsre heilige Religion, muß mit der Zeit den Frieden Hervorbringen, denn.-vrv2'25 V21 2^-- '2-m .n'221 ihre Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Pfade: Frieden. Das Mittel zum Frieden sei also die Erziehung unsrer selbst und namentlich der Jugend zur Thora und durch die Thora, es sei ferner das achtunggebietende, tadellose Leben des orthodoxen Juden, nicht bloß in Erfüllung der Pflichten gegen Gott, sondern auch, und namentlich in Erfüllung der Pflichten gegen den Nebenmenschen, damit alle Welt erkenne, "2 22' -2 daß der Name Gottes aus Dir ruht, ^2 d2: ^2 2i'b2> 2-- ".1 wenn alle Deine Söhne durch die Gotteslehre belehrt sind, dann wird des Friedens Fülle Deine Söhne beglücken! — MUensclirch unä Iuäentluun von A. I. Sttlzbach. Daß von Vielen angenommen wurde und noch angenommen wird, allgemeine Wissenschaft laste mit dem wahren, religiösen Iudenthume sich nicht vereinigen, Neligiösität müsse weichen, sobald Wissenschaft Platz greife, ist bekannt. Wahr ist es, daß seit der Zeit, seit welcher die Wissenschaft einen so hohen Aufschwung genommen, und seitdem sie nicht mehr das Eigenthum Einzelner ist, sondern ihr erwärmender und belebender Strahl alle Schichten der menschlichen Gesellschaft durchdringt, die Anhänglichkeit an die positiven Religionen manchen empfindlichen Stoß erlitten, und statt der früheren schlichten Gläubigkeit hier und da ein hohler Nationalismus Platz gegriffen bat. Doch brechen wir über eine Sache den Stab nicht, die nicht den Grund des Nebels in sich trägt; dieser ist vielmehr in den Vertretern derselben zu suchen. Man verstand nicht, wie man sich Wissenschaft anzueignen habe, man erkannte nicht, wo und wann der forschende Geist seine Grenze findet. Der menschliche Geist hatte Großes errungen, er war bis a n den Himmel hinangeflogen und halte den Laus der Sonnen erkundet, hatte die Gestirne gezählt; da ward er geblendet und wollte, wiewohl noch körperumhüllt, in den Himmel steigen, die Geheimnisse der Gottheit zu erforschen. Aber kein Staubgeborner vermag das Wesen der Gottheit zu fasten, so lange er noch lebt; der Geist des Menschen, i so lange ibn noch seine irdische Hülle deckt, darf sich nicht kritisch versuchen wollen über das, was außer der Körperwelt liegt, über Gott und seine Gesetze. Die Wissenschaft c^n und für sich hat noch nie geschadet und wird nie schaden; im Gegentheil, sie erhebt den Menschen über die Erdscholle, unterwirft ihm die von ihm bewohnte Erde, macht ihm die j ganze Natur dienstbar; durch sie mißt er Sonne, Mond und Sterne und bestimmt schon im Voraus - ihren Laus, als hätte er sie geschaffen. Jedoch, um auf richtige Weise sich Wissenschaft anzueignen, um die wissenschaftlichen Forschungen nicht über die ge-! sctzmäßigen Grenzen hinauszntragen, um von der Wissenschaft nicht schädliche Folgen zu sehen, bedarf es der Religion, die in des Juden Gemüth erst durch das Studium des Gesetzes sickrecht fest einpslanzt. Mit dem Studium des Gesetzes und der Ausübung desselben sollen wir unsre wissenschaftlichen Forschungen verbinden, dann redet 1 stets eine gebietende Stimme laut in uns: „Bis! hieher und nicht weiter mit deinem Forschen, suche 'das mit deinem menschlichen Verstände nicht zu beweisen, zu dessen Erkenntnis; du selbst erst ein ver- , klärter Geist sein mußt!" So haben wir den War-! ner und Hüter stets in uns. Wer, bevor er den ' Weg wissenschaftlicher Forschungen betritt, durch Gesetzesstudinm erst ein festes Fundament in sich legt, dem wird die Wissenschaft die hehre Himmelstochter j sein, die ihn ans den Pfaden der Religion zur höch- ' sten und schönsten Erkenntnis;, zur Erkenntniß eines höheren, himmlischen Waltens in den noch so verwickelten Phasen des 'Natur- und Menschenlebens leitet. Doch dem Forscher, der baar aller Gottesj furcht ist, dem wird sie ein versengendes und ver- 1 Heereudes Feuer, daS bis zur untersten Gruft brennt,! denn die Frommen wandeln geraden Weges aus des! Wissens Pfad, Frevler jedoch straucheln auf ihm. Daß aber gerade der Jude, und besonders jetzt,! allgemeines Wissen sich anzueignen suchen müsse, daß - er ferner nie blind und gefühllos an den großartigen Ereignissen und Erzeugnissen der Zeit vorübergehen dürfe, daß er jedes Neue, was auf dem Gebiete der Wissenschaft erscheint, freudig zu begrüßen habe und ihm auch das gering Scheinende nicht zu klein sein dürfe, sondern ihm als ein Thcil des großen Ganzen wichtig erscheinen müsse: erhellt daraus, daß der

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