Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 4 (20.6.1860)
- Date
- 1860-06-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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39 „ns lossagen von Grundsätzen (Gebete nm Wieder- Herstellung des Opsercultus, nm Sendung des er- , warteten Messias), damit Jener Miniatur-Juden- , thum nicht mit dem Judentum in Conflict gerathe,! wenn solche Wünsche und Gebete ihren sogenannten! religiösen Anschauungen widerstreiten, sollen unsre Kinder vor Allem Neligionsplnlosophie statt praktischen Jndenthums lernen lasten, kurz, solleu den Weg anbahnen Helsen, dast die Zahl der Gesetzestreuen sich vermindre und in Zukunst verschwinde. . Dann ist freilich die Kluft ausgcfüllt, und die Versöhnung und der Friede ist da. Dürfen wir aber einen solchen Frieden wollen; und wünschen? Nein, nicht das ist der Weg, den wir geben sollen. Werden wir uns klar über die religiösen Zustände der Gegenwart. Alle Erscheinungen auf diesem Gebiete, insofern und insoweit sie gegen das jüdische Gesetz gerichtet sind, sind vorübergehende Geburten der Jetztzeit, mit ihr geboren und mit ihr verschwindend. Das isr. Neligionsgesctz hingegen ist der Ausfluß des Gottesgcistes, ist ewige Wahrheit. Nur strenges Festhalten an ihm rettet von dem Untergänge, der allem Vergänglichen gewiß ist. Jemehr Anforderungen zum Nachlaß an uns gestellt werden, desto heiliger ist die Pflicht des ernstlichen, ja des ostentativen Festhaltens pNr wie unsre Weisen cS in ähnlichen Fällen gethan, um den sogenannten Modernen zu zeigen, daß so, wie es vorgeschricben ist und nicht anders, wir das Judenthum verstehen. Man bat uns erzählt, daß im nördlichen Afrika bereits unsre Brüder diesen Weg eingeschlagen haben. Cs ist bekannt, daß die Israeliten sepbardischen Minhags und denen Verzweigungen manche Erleichterungen haben, wie .122! li im Neligionsgesctz zu befürworten, die erst noch gemacht werden sollten; aber bei gewissen Dingen, die von unfern Gegnern gefordert werden, geziemt es sich, mit Ernst und Strenge anfzntreten, die Eousirmation z. B. in allen Formen zu verpönen, heiße sie Einsegnung oder Consirmationsprüsung, nicht allein einen modern, den jüdischen Gesetzen entgegen, eingerichteten Gottesdienst sernznhalten, sondern auch den Besuch eines solchen Tempels zu untersagen! Es hat schon viele Seelen im Judenthume gegeben, die ihrer Zeit groß und mächtig waren. Israelitische Könige haben sich bemüht, den Kälberdienst, den Baalsdienst, den Molochsdienst einzusühren, — alle diese Formen sind zu Grunde gegangen, und das Gesetz des Gottes Israels blieb; die Ehntäer wollten sich mit den rückkehrenden Juden vereinigen oder sie unterdrücken; sic erfreuten sich sogar des Beistandes mächtiger Könige — den Bau des Heiligthums konnten sie zwar verzögern, aber nicht hindern; die Ehntäer erisiiren nur noch in verschwindend kleiner Anzahl. Tie Sadducäer, die da die Berechtigung der Tradition bestritten, zählten jüdische Könige zu ihren Parteigängern und ließen die Nabbinen durch das Schwert hinrichtcn — sie sind vom Erdboden verschwunden, und das rabbinische Judenthnm lebt. Auch die Karäer, die geistigen Erben der Sadducäer, waren einst groß und mächtig — sie gehen bereits ihrem sichern Untergange entgegen, i Es gab eine Zeit, sie liegt noch nicht so fern, in der > die Anhänger Sabbatai Zewi's ein neues Judenthum gründen wollten — doch auch diese erisiiren nicht mehr. Die Ausgeburten der Neuzeit stehen ans ähnlichem Boden und werden ein ähnliches Ende haben. Daß das echte, wahre, unverfälschte und unverkürzte '^21 und andre dergleichen; seit der Dccnpation Algeriens durch die Franzosen sind viele europäischen Israeliten dort eiugewandert, die vom Hauche der Neuzeit nicht unberührt geblieben; diese staunten jene Erleichterungen an, deren Sinn sie nicht begriffen, und glaubten nunmehr sich nicht allein zu Gleichem berechtigt, sondern noch weiter gehen zu dürfen. Seitdem haben Viele unsrer dortigen frommen Brüder auf jene Erleichterungen verzichtet, nur um nicht Anlaß zum Strauche! zu geben. Fern sei es übrigens von uns, Erschwerungen Judenthum, wie cs uns von den Vätern überkommen ist, seine Zukunst hat, die ewig heißt, ist über allem Zweifel erhaben; unsre Sorge muß eS nur sein, daß wir an dieser Zukunft Theil haben werden, daß wir es unfern Kindern vererben. Wir, auch wir wollen den Frieden; aber das Mittel, ihn zu erringen, sei nicht das Ausgeben unsrer heiligen Religion oder eines Theiles derselben, das Drittel sei die Thorakennlniß, die Stärkung und Kräftigung unsrer selbst und Derer, aus die Einfluß zu haben uns gegönnt ist. Die Belehrung, in Bezug auf