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Der Israelit · 1860-06-20 · Heft 4 (20.6.1860) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 4 (20.6.1860)
Date
1860-06-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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38 Wann — er kömmt niemals zu spät und niemals zu früh; allein das Wie bleibt noch zu erörtern.! Auch mir, die mir uns die Orthodoxen nennen, die mir unser Glück, unsre Freude, unsren Lebenszweck , in der Erfüllung und Erhaltung der reinen, unverfälschten und unverkürzten Gotteslehre finden, auch wir wollen den Frieden. Wir verehren das Andenken Aharons gar zu sehr, als dag mir ihn nicht uns zum Muster nehmen sollten, mir sind den Aussprüchen der Propheten, des großen Hillel und der übrigen Weisen viel zu gehorsam, als daß mir nicht . bestrebt sein sollten, auch in Bezug auf den Friej den ihren Lehren nachzuleben; doch die Art und Weise der Herstellung des Friedens ist uns nicht - gleichgiltig, und deßhalb können mir nicht in das ' Losungswort der Vermittler, Kluft-Ansfüller, Versöhner: „Friede um jeden Preis!" mit einsiimmen. Keiner der Propheten, der Weisen lehrt, daß wir! Friede um jeden Preis wollen sollen, eins ist, was uns noch theurer sein muß als „die schöne Eintracht nno der holde Friede," das ist unsre heilige Religion selbst, und wo diele gefährdet ist, da ist „Krieg" unser Losungswort, Krieg, ernster, heiliger Krieg, ge- ' führt mit Ausbietung aller Kraft und aller ehrlicher . und ehrenmerther Mittel. ' Schauen mir ans unsre Gegner; wer sind sie,! was wollen sie, was erstreben sie? Die große Menge ' der reformsüchtigen Juden ist factisch vom Judenthume abgefallen. Kein Sabbat, kein Feiertag, kein Speisegesetz ist ihnen mehr heilig; ja, Sittengesetze und Eigenthumsrecht gilt ihnen nur dann noch, wenn diese auch durch das Laudrecht und durch die Sitte der Völker, in deren Mitte mir leben, sanctionirt sind. Das spezifisch-jüdische Eherecht, die aus dem! Sinai gebotenen Normen zwischen Mein und Dein j sind ihnen gleichgiltig. Irr Hamburg ward eine jüdische, nicht durch jüdischen Scheidebries geschiedene Ehefrau bei Lebzeiten > ihres rechtmäßigen Gatten zweimal mit Fremden ge- , traut, das erste Mal durch den Großh. Oldenburgij schen Landrabbiner vr. Wechsler, das andre Mal durch den Prediger am isr. Tempel in Hamburg, vr. Frankfurter, weil das Gericht die Ehe! mit ihrem nach Amerika ausgewanderten Manne getrennt hat; ja noch mehr, in der allgemeinen Zeitung des Judentums, einem unparteiischen Organe für alles jüdische Interesse, wurden wiederholt die Männer lächerlich gemacht, die gegen diesen in Israel unerhörten Angriff auf jüdisches Eherecht ihre Stimmen erhoben hatten, ward wiederholt mit Zustimmung des Redacteurs eine Reform ans diesem. Gebiete verlangt, „damit das Leben über die Larriöre von Get und Chalizal, hinweghelfe"; und dabei vermeint PH. noch nicht einmal zu der extremsten Richtung zu gehören, und gehört auch nicht dazu, denn sein Vorgehen auf diesem Punkte beruht nur auf Unkenntnis; der Heiligkeit und Wichtigkeit der Sache, er will bei weitem nicht Sabbat- und Speiie-Gesetze abgeschafft missen, nicht aus Achtung vor und Liebe zu diesen Geboten Gottes, sondern damit es seinem Deismus (einer religiösen Doctrin, die sich einen Gott ohne Wille und Vorstellung einbildet), nicht an praktischen und sichtbaren Zeichen mangle. Mit diesen „Juden" also, von denen der Eine nicht besser ist als der Andre, denn auf das Quantum der beizubehaltenden religiösen Pflichten kömmt es doch gewiß nicht au, sobalo die Beibehaltung selbst dem Willen und der Wahl des Einzelnen einmal sreigestellt ist, sollte man eine Vereinigung wollen, eine Ausfüllung der trennenden Kluft, wie das Programm der Friedensfreunde lautet? Womit soll denn diese Kluft ausgefüllt werden? Werden Jene sich entschließen, das Göttliche Wort und die Gottentstammte Tradition thatsüchlich zu achten, werden Jene sich entschließen jüdisch zu leben, am Sabbate zu ruhen, den jüdischen Sittlichkeitsgesetzen sich zu fügen? Ja, wenn das die Friedensfreunde zu Wege bringen könnten, dann alle Achtung vor ihnen, dann wollen wir sie als echte Aharonsjünger verehren. Aber wir glauben kaum, daß das gar ihre Absicht sein kann; selbst wenn sie den Willen hätten, das zu Wege zu bringe'!, so würden sie nur zu gut die Fruchtlosigkeit solcher Bemühungen erkennen, um einen: solchen Zwecke Zeit und Anstrengung zu widmen. Das ganze Material zur Klustausfüllung sollen wir, die Gesetzestreuen, hergeben, wir sollen verzichten auf die strenge Ausführung der Gesetze, sollen Neuerungen im Cultus dulden, sollen den täglichen Besuch des Gotteshauses uns verkümmern lassen, damit Jene bei ein- oder zweimaliger Visite im Jahre „sich erbauen", sollen

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