Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1860-06-13 · Heft 3 (13.6.1860) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 3 (13.6.1860)
Date
1860-06-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2446952-2446956--00042-3519387
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

34 verfolgte dieselbe überallhin und die Haltung der dortigen Katholiken ließ Excesse gegen ihre an Zahl schwachen jüdischen Mitbürger befürchten. Nächst dem Schutze Gottes dürste es wieder, hauptsächlich dem energischen Auftreten des Herrn Oberprocurators zu Düsseldorf zu verdanken sein, daß der Zonser Pfarrer sich bewogen fand, am Pfingstfeste in einer Predigt die Mitglieder seiner Gemeinde zu ermahnen, es solle sich Keiner auch nur ein böses Wörtlein gegen die Juden erlauben und nur „für der Neubekehrten Seelenheil zu beten." Das gespannte Verhältniß der Zonser gegen die dortigen Juden aber wird diesen nichtsdestoweniger in allen Verkehrsverhältnissen recht fühlbar, und man ist darum zumeist aus diesem Grunde zu dem Entschlüße gekommen, die wiedergewonnene Verirrte demnächst nach einer entfernteren, vorwiegend protestantischen Stadt zu schicken, wo sie in jüdischen Kreisen lebend, zunächst den ihr so nöthigen Religionsunterricht, dann aber auch die von ihr so sehr begehrte allgemeine geistige Ausbildung genießen soll. Es sind ihr zu dem Zwecke bereits aus den umliegenden größeren jüdischen Gemeinden einige namhafte Stipendien zngesichert. — Obgleich von jüdischer Seite aus naheliegenden Gründen eine gerichtliche Verfolg gung des bekehrungssüchtigen Kaplans nicht verlangt wurde, ist' diese dennoch eingeleitet und zu dem Zwecke die Einwilligung seiner Vorgesetzten geistlichen Behörde nachgesucht worden. — Die Moral vorder Geschichte lautet : Gute, echt jüdische Seminare zur Ausbildung tüchtiger Neligionslehrer und Unterstützung Ver' ärmeren Gemeinden, damit sie solche anstellen können. — Doch davon vielleicht ein andres Mall ä. —r Berlin , 3. Jmri. Morgen, p'v i"' w> begeht unser allgemein verehrter und hochwürdiger Mbbinats-Verwalter Herr I. I. Oettinger die Feier seines 80. Geburtstages, und ist eigens zur Erinnerung an dieselbe dessen wohlgetroffenes Portrait erschienen. — li'ninpi vw Ob auch unser Gemeinde-Vorstand an dieser Feier' sich betheiligen wird, darüber verlautet noch nichts, und behalte ich mir vor, Ihnen eventualiter darüber zu berichten. Berlin, 31. Mai. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat im Namen von beinahe 400 Vorständen preußischer Synagogen - Gemeinden eine Petition an daS Staatsministeriüm gerichtet? welche dasselbe angeht, „darauf hinzuwirken, daß im! Wege der Gesetzgebung a) die Bestimmungen indem ß§. 317 bis 351, Th. I. Tit. 10 der allgemeinen. Gerichtsordnung, so wie alle auf den promissorischen; Judeneid bezüglichen Vorschriften aufgehoben nnd,r unter Weglassung aller Besonderheiten, b) die Worte:; Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß u. s. w., so wahr mir Gott helfe, alsi Formel für die von den Bekennen: des jüdischen; Glaubens zu leistenden Eide festgestellt werden möchsten." Die Petition, davon ausgehend, daß die Am; gelegenheit des Judeneides in diesem Jahrhundert! namentlich von allen Seiten beleuchtet worden, und! auf einige hervorragende Schriften und Gutachtenjüdischer Autoritäten kurz hinweisend, erinnert daran,: daß bereits vor 10 Jahren (am 3. April 1850) ein! „mit sachkundigen Aussprüchen und den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung übereinstimmendes Gesuch" i von demselben Vorstande im Aufträge von 400 Ge-.' meinden überreicht worden, aber „nicht nur unbo-i rücksichtigt, sondern auch unbeantwortet geblieben sei."! Die Bittsteller erachten es als ihre Pflicht, der allgemeinen Ueberzeugung der preußischen Staatsbürger jüdischen Glaubens Ausdruck zu geben, und es ausi-! zusprechen, „daß die gegenwärtigen Formen des Ju-! deneides ihrem religiösen Bewußtsein nicht entsprechen und sie dieselben mit ihren Begriffen von der) Würde und Heiligkeit des Schwuractes nicht in Einklang zu bringen vermögen." Die Petition wendet! sich sowohl gegen die eigentliche Eidesformel, als ge^ gen die damtt verbundenen besonderen Modalitäten,: namentlich das Schwören in der Synagoge, insbe-; sondere die Vermahnung seitens eines sogenannten! „Gelehrten", deren Beseitigung im Interesse des ein-- fachen und minder kostspieligen Proceßverfahrens selbst allgemeinere Bedeutung hat, da die verlierende! Partei, ob Christ oder Jude, die besonderen Kostendes Inden-Eides tragen muß, die auch beim bloßen! Zeugen-Eide nicht wegfallen. (Pr. Z.) .. Berlin. Der Privatdocent Vv. N. Priugsheim? Naturforscher, dessen Wahl zum Mitglieds der Aca-> demie der Wissenschaften, die allerhöchste Bestätigung ' erbalten, ist der Nachfolger Humbold's und der zweite-' Jude, den die Academie als ordentliches Mitglieds aufnimmt. - Der erste ist der Physiker Prof. Du. P.-,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.