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Der Israelit · 1860-06-13 · Heft 3 (13.6.1860) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 3 (13.6.1860)
Date
1860-06-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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32 Mainz, 10. Juni. In unser«: gesegneten Lande, in welchen: die Emancipatiön in voller Wirklichkeit schon seit einer langen Reihe von Jahren durchgeführt ist, und, was mehr ist als das, in welchem Gewissensfreiheit auch den . gesetzestreuen Israeliten einer reformsüchtigen Majorität gegenüber gegönnt ist, ist der 9. Juni, der Geburtstag! des Monarchen, immer ein froher Festestäg. Derselbe wurde auch gestern in der Synagoge der isr. Neligionsgesellschast (orthodoxer Richtung) Hieselbst unter großer Betheiligung und in ergreifender Weise durch Gebet, Gesang (Psalmen in der Ursprache) und Predigt gefeiert. Kassel, im Juni. Die Schilderung der religiösen Zustände in unserer Gemeinde dürsten für viele Leser Ihres geschätzten Blattes nicht ohne Interesse sein. Wir werden uns erlauben, Ihnen von Zeit zu Zeit darüber zu berichten, und beschränken uns heute nur darauf, im Allgemeinen auf unsre öffentlichen'Gemeinde-Anstalten hinzuweisen, die aus früherer Zeit hier noch bestehen, indem wir uns für später Vorbehalten, jede einzelne einer nähern Besprechung zu unterwerfen. Unsre religiösen Einrichtigen sind derartig, daß die orthodoxesten Gemeinden sich ihrer nicht zu schämen brauchten, und wenn einzelne ihren: Verfalle entgegenzugehen scheinen, so liegt die Ursache vornehmlich darin, daß sie leider nicht viel benutzt werden. Der durchreisende orthodoxe Jude kann sich daher von unfern jüdischen Institutionen sehr befriedigt fühlen; die i-w'siw ist hier bis jetzt in guten Händen; die Restaurationen entsprechen allen billigen Anforderungen, er findet in unserer prachtvollen Synagoge keine wesentlichen Neuerungen,' und das ist Alles, was ein strenggläubiger Jude in unserer Zeit draußen erwarten und wünschen kann. — Allein trotz dem ist und bleibt in den: Schooße unsrer Gemeinde noch Manches zu wünschen, Manches zu verbessern übrig; und wiewohl unser Rabbiner Herr Or. Adler dies wohl einsieht, und mit vieler Anstrengung für die Hebung der Religiosität thätig ist, so erblickt maN doch wenige erfreuliche Fortschritte, wenn man den Besuch des Gottesdienstes während der Predigten nicht etwa als solche bezeichnen wolle. — Es ist keine leichte Aufgabe, den Ursachen dieser Erscheinung nachzuspüren; auch liegt dies auch keineswegs in der Absicht des Einsenders -dieser Zeilen. Denn wir beabsichtigen mit uNsern Berichten nicht, Jemandem wehe zu thun, und müssen daher Manches unerörtert lassen,' was Aufschluß über den "Grund jener Thatsache geben könnte. Allein-wir halten es für eine unzeitige und übertriebene Rücksicht, wenn man gewisse Vorkenntnisse gänzlich unberührt lassen wollte, türen wahrheitsgetreue, offene Darlegung möglicher Weise die eigne Gemeinde auf ihre Vorzüge, wie ihre Schaben " aufmerksam machen und die Beseitigung des uun einmal nicht zu Billigenden veranlassen könnte. Wir halten es auch überhaupt für sehr belehrend und zweckdienlich, wenn der unbefangene Leser aus solchen Berichten eine klare Anschauung von irgend welcher Gemeinde zu gewinnen im Stande ist, da uns diese aus vielen Gründen -nichts weniger als gleichgiltigsein kann, und es ist daher eine der schönsten Äuf-' gaben der Presse, hierdurch eine Saat äuszustreuen, deren Segen nach allen Seiten hin sich, verbreitet und für kommende Zeiten noch fortwuchert. Möge es Ihrem Blatte vergönnt sein, in dieser Weise segensreich zu wirken und des Guten viel anzuregen und zu stiften. L. Al. Preußen. Steuß, 30. Mai. Ein ganz ungewöhnliches Aufsehen hat folgender, in unserer Umgegend stattgehabter Vorfall erregt. Nachdem eine 16jährige Israelitin einige Zeit eine Nonnenschule besucht hatte, erklärte sie ihren Eltern, daß sie gesonnen sei, zum Katholicismus überzutreten, wogegen sichWetztere natürlich entschieden aussprachen. In der vorigen Woche nun reiste das Mägdlein, ohne Vorwissen ihrer Eltern, wie es heißt, in Begleitung eines Geistlichen, nach Köln und begab sich in eine klösterliche Anstalt. Der Vater, dem es gelang, die Spur der minderjährigen Tochter zu entdecken, reiste ebenfalls nach Köln und erwirkte von den Behörden, daß sich drei Polizei-, beamten in das Haus begaben, welches das Kind zu seinen: Aufenthalte gewählt. Sie kamen indeß zu spät; denn eben war die Jüdin getauft worden. Die Tochter wurde, wie es das Gesetz vorschreibt, dem Vater wieder übergeben. Wie es heißt, dürfte diese. Angelegenheit in Düsseldorf am Gerichte zum Austrag gelangen, wenn wirklich eine Klage auf Entfüh-

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