Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 3 (13.6.1860)
- Date
- 1860-06-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Kunstgriffes bedient, indem er häßliche und gehässige Pamphlete unter dem falsche n Titel einer Kirchenzeitung erscheinen läßt, 2) daß die Wiener Kirchenzeitung eine Harlekinsjacke von ausgeschnittenen Zeitungsfetzen, Nachdruck und wieder Nachdruck seiwobei das Redactionssystem einzig in der Befriedigung der ScandalsUcht liegt, - 3) daß Herr Sebastian Brunner die Judenhetze zu seinem literarischen Industriezweig gewählt habe, 4) daß die Prozedur desselben, der des säubern Herr Vehse gleiche, der aus Pamphleten, Schmähschriften und notorischen Lügenchroniken zusammenträgt, um Schmach und Schande über Alles zu verbreiten, was seine schmutzige Feder berührt, 5) daß es Spekulanten wie Herr Sebastian Brunner auch in früheren Jahrhunderten in Menge gegeben habe. Der Gerichtshof erklärte hierauf Herrn Kuranda für schuldlos; wichtiger als dieses Factum ist die Motivirung des Urtheils, in welchem der Gerichtshof ausführt, daß er die Ueberzeugung gewonnen habe, daß die Artikel der Kirchenzeitung geradezu Haß und Verachtung predigen und daß sie Bewohner des Kaiserstaates gegen einander, sei es von Seite der Religion, sei es von Seite der Nationalität, aufzuhetzen, geeignet sind. Die betreffenden Artikel sind der Art, daß sie an den Begriff der strafbaren Handlung nach §. 302 streifen und es mit Grund zu glauben ist, daß eine Strafamtshandlung nur deßhalb noch nicht eingeleitet worden sein dürste, weil darauf Rücksicht genommen wurde, daß diese Artikel in einem Blatte erscheinen, welches nicht allgemein gelesen ist, sondern ein besonderes Publikum hat, eine größere Gefährlichkeit daher nicht zu beftirchten ist, daßferner der Inhalt der Kirchenzeitung einer Kirchenzeitung unwürdig und die Berufung auf heidnische Schriftsteller gegen die Bibel von einem katholischen Priester kaum erwartet werden sollte. Das das Urtheil des K. K. Landgerichts; jeder edle Oesterreicher stimmt aus vollem Herzen zu, und wir notiren mit großer Befriedigung, daß auch der Oesterreichische Klerus das Treiben des Herrn Brunner nicht billigt. Wir nehmen. Akt von folgendem in der Ostd. Post „zur Abwehr" enthaltenem „Eingesandt:" „Es hat sich das Gerücht verbreitet und wird von boshaften Zungen, christlichen, nicht jüdischen, weiter getragen, der Jesuitenpriester k. Joseph v. Klinkowströw habe von der Kanzel herab den Herrn vr. Sebastian Brunner in der Streitsache mit Herrn Ignaz Kuranda in Schutz genommen. Aus zuverlässigstem Munde wird hier die Versicherung gegeben, daß besagtes Gerücht eine schamlose Lüge zum Gegenstände hat: Joseph v. Klinkowströw ist ein Priester, der den Hetzereien der sogenannten „Kirchen- Zeitung" nie das Wort reden wird." Herr von K. ist einer der eifervollsten Geistlichen Oesterreichs; es gereicht uns zur Freude, von ihm auf den Oesterreichischen Clerus zu schließen und nicht von Herrn Sebastian Brunner, der nunmehr hoffentlich für immer abgethan ist. — Wir können den Bericht über diesen merkwürdigen Proceß nicht schließen, ohne noch eine Bemerkung daran zu knüpfen; in den stenographischen Berichten wird eine Stelle aus der Kirchenzeitung citirt, in der sich Herr Sebastian Brunner beklagt, daß noch kein einziger Jude aufgetreten sei und gesagt habe, der Talmud kümmere die Juden der Neuzeit nicht, diese verwerfen das gräßliche Buch (sie!). Herr B. mag sich beruhigen, dieser einzige Jude hat sich gefunden, es ist der Herr Dr. Ludwig Philipp son, Rabbiner zu Magdeburg, Red. der a. Z. d. I., eines unparteiischen Organs für alles jüdische Interesse. Herr PH. sagt in Nr. 19. seiner Zeitung, S. 278 wörtlich Folgendes: „Weiter werden wir gelangen, wenn wir zugeben, daß im Talmud und bei den Nabbinen Sentenzen und Satzun» gen zu finden, welche einer Zeit, wo die ganze Menschenwelt mit Finsterniß bedeckt war, entsprungen sind, und dem wahren Geiste der Religion und Humanität nicht angehören, die aber eben darum innerhalb des Judenthums und der Judenheit längst ihre Geltung und ihre Bedeutung verloren haben." Herr Brunner und Herr Philippson, wir wünschen gute Kameradschaft!