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Der Israelit · 1860-06-06 · Heft 2 (6.6.1860) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 2 (6.6.1860)
Date
1860-06-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ohne Kenntniß der Menschen und derGefellschaftin den engen Kreis seiner Dorfgemeinde trat: :das ist das Publikum, das Herr Sebastian Brunnern Zunächst im Auge hatL > Wer die Juden aus den furchtbarenhaarsträubenden Schilderungen kennen lernt, welche die- „Kirchenzeitung" von ihnen entwirft, dem muß es unbegreiflich ffein, wie Mrsten und. Völker nicht längst das Fallbeil aufgerichtet und den Scheiterhaufen angezündet haben, um dieses furchtbare Geschlecht mit einem Schlage zu vertilgen -- . Und in der That gibt Herr Sebastian Brunner ein . um das andere Mal verblümt zu verstehen, daß eine Katastrophe dieser Art demnächst eintreten werde, daß der wilde Haß der: „bedrohten" christlichen Bevölkerung auf die Juden .stürzen werde, — das Weitere wollen wir nicht ausmalen Die Mittel, mit welchen Herr Brunner sein edles Geschäft betreibt, sind eben so unwürdig als bequem.- Sie sind ganz angemessen jenen literarischen Handwerkern, die zu faul, zu seicht, zu leichtsinnig, um aus sich selbst zu schöpfen, die Kompilation - und den Nachdruck anwenden, um einen skandalösen Effekt hervorzubringen. Man kennt die Methode des berüchtigten VH es e. Wer die/deutschen Fürstenhöfe und.Königsgeschlechter, nur -aus den Memoiren beurtheilen wollte, welche dieser bösartige und gewissenlose Mensch aus den Abfällen der Geschichte, aus^ alten Schmähschriften, Pamphleten und notorischen Lügenchroniken zusammengetragen hat, um Schmach und Schande über Alles zu verbretten, was feine schmutzige Feder berührt, — welchen entsetzlichen Begriff von dem Charakter und der Entstehungsgeschichte der ersten. Familien Deutschlands würde der. erhalten! . . Herrn Sebastian Brunners Prozedur gegen die Juden ist aber nicht im Mindedesten von der des säubern Herrn Vhese verschieden. Es.gibt keine Schrift, die seit der Erfindungder. Buchdruckerkunst bis . auf heute erschienen istdie ihm zu schlecht märep sie ( als ^Autorität anzuführen-' wenn ste in irgend - einem Winkel , eine Verunglim-: pfung:.der Juden birgt. -Wie der Lumpensammler von" jedem -: Misthaufen.. die Abfälle für: die:: Papierfabrik- und:- die:Krrochenfür .die Spodium- Erzeugung auf-: klaubt-..so-.sucht Herr Brunner, auf.dem Kehricht der Literatur nalter. -und neuer Zeit Stoff Mr sein:. Geschäft,-.er-,citirt dewedlen Quirin Endlich;als Autorität, der natürlich nicht: unterläßtseinen edlen Freund Brunner dafür hoch zu achten! Der Hauptkunstgriff dieses spekulativen Mannes sind seine Citate aus' hebräischen Schriften. Es thut ihm-dabei offenbar auch der Gedanke wohl, daß man ihn in der? Ferne für einen ungemeinen Kenner hebräischer Literatur und Sprache halten muß. Wir werden bei einer andern Gelegenheit die Kenntnisse dieses Mannes ins gehörige Licht stellen, nicht etwa auf dem Gebiete orientalischer Sprachen und jüdischer Theologie — wo seine Ignoranz verzeihlich wäre, — sondern auf Gebieten, wo die Unwissenheit grell und lächerlich ist, wenn man so das Maul voll nimmt wie Herr Brunner. Doch für heute wollen wir bei der Sache bleiben. .; Von den hebräischen Autoren, welche die „Kirchenzettung" in spaltenlangen Auszügen allwöchentlich cttirt, hat Herr Sebastian Brunner nicht den hundertsten Theil je zu Gesicht bekommen. Er schmückt sich mit den Federn, die er auf dem Miste eines Eisenmenger, Pfefferkorn u.s. w. gefunden Denn Spekulanten, wie Herr Sebastian Brunner, hat es auch in früheren Jahrhunderten in Menge gegeben: Ein getaufter Jude, Namens Pfefferkorn, wat der Erste, der gegen Ende des 15. Jahrhunderts in seinem -Handspiegel" die Wegnahme und Verbrennung aller jüdischen Bücher beantragte, indem er einseitige und entstellende Auszüge (die Herr Brunner heute noch benützt) lieferte: Aber einer der edelsten deutschen Geister, eine Zierde deutscher Wissenschaft, Reuchlin,' deckte den wahren Sachverhalt auf, und Kaiser und Reich nahmen bei dem dadurch entstandenen Streite für Reuchlin Partei. Ein anderer getaufter Jude, Eis enmeng er, veröffentlichte zu Ende des 17. Jahrhunderts „das neu entdeckte Judenthum/ eine Sammlung von Stellen aus dem Talmud und ähnlichen Schriften, die gleichfalls in tendenziöser Weise zur Anschirrung des Judenhasses ausgebeutet wurden, wogegen Kaiser Leopold I. drei Mal einschreiten ließ. Ueber alle diese Bücher von Eisenmenger, Pfefferkorn und' Genossen hat die historische Wissenschaft und die seitdem untewden christlichen Gelehrten weit verbreitete Kenntniß: der hebräischen Sprache ein kritisches Gericht gehalten.) Jene-Bücher modern: vergessen und verachtet iw irgend-einem Antiquarwinkel. ' (Schluß folgt.).

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