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Der Israelit · 1860-06-06 · Heft 2 (6.6.1860) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 2 (6.6.1860)
Date
1860-06-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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45 und Ehre von. maaßlosen Feinden verdächtigt «erden könnte - schließet euch eng an einander, lernet von den Gegnern gemeinsam zu gehen und gemeinsam zu wirken- und ein neues Morgenroth wird uns aufgehen , das die Sonne verkündet, vor der die Finsterniß flieht. — ' > II. Was hat der orthodoxe Jude in Bezug auf seine Familie zu thun? Hier berühren wir in der That ein trauriges Feld. Die Jugend wächst leider vielfach auf, ohne an die Erkenntnißquellen. unsrer heiligen Religion hinangeführt zu werden, um i n Unkenntniß und a us Unkenntniß nachher bequeme Gesetzesübertretung — mühevoller Gesetzestreue, reizenden Genuß —ernster Entsagung vorzuziehen.; gesetzestreue und dennoch, g ewissenlose.. Eltern scheuen sich nicht, die ihnen anvertrauten Gottespfänder der' Sabbatentweihung zu überantworten, sobald es das materielle Wohl zu erfordern scheint; Heirathen werden geschloffen, bei denen die junge, fromm erzogene Gattin dem gesetzverachtenden Manne geradezu zum Verderben übergeben wird, wo der gesetzestreue Ehemann dem eignen Weib mißtrauen muß, in Bezug auf die Speise, die er genießt. „Ja > was ist da zu thun, wer kann diese Verhältnisse ändern?" wirst Du fragen, lieber Leser, „wer vermag den Schwachen Kraft und den Gleichgiltigcn Opfermuth zu geben?" Freilich, wer so handelt, wie wir es eben geschildert haben, der ist nicht orthodox. Wer das Gottesgebot „und Du sollst die Lehre Gottes einschärfen Deinen Bindern" nicht erfüllt, verdient nicht als frommer Jude bezeichnet zu werden, wer sein Kind der Sabbatentweihung überantwortet, und sollte er auch pünMch alle religiösen Vorschriften beobachten, steht mit dem Säbbatentweiher auf einer Stufe, wer seine Tochter einem Gesetzesübertreter ' zur Ehe gibt, gleicht selbst einem solchen, wer ein Weib nimmtdem er in religiöser Pflichterfüllung mißtrauen muß, kann -nicht mehr gesetzestreuer Jude heißen, — aber das rwirst du zugestehen, daß diese Leute 7zu den Wankenden und Schwankenden gehören,, daß-oft ein kräftiges. Wort oder - noch mehr eine thätige Hilfe den bösen Entschluß in einen .guten zu wenden vermag. Thust Du da immer, hast Du da immer Deine Pflicht gethan, mein Bruder, hast Du Dich nicht vielmehr damit begnügt, hinterher ein liebloses Urtheil zu fällen? Darum wir k e ein auf derlei Familienverhältniffe und sprich nicht: „was kümmerts mich!", gehe in Bezug aus deine eigne Familie mit gutem Beispiele voran, und Gott wird Dir helfen, auch nach außen hin wirken zu können. ' M. Was hat endlich der orthodoxe Jude in der Gemeinde und für die Gemeinde, was für die jüdische Gesammtheit zu thun? Bei Besprechung der Gemeindeverhältniffe müssen wir drei Fälle unterscheiden: 1) die Gemeinde ist ihrer großen Mehrheit nach orthodox, 2) die gesetzestreuen Jskaeliten bilden die Minderzahl, 3) der orthodoxe Jude steht mehr oder minder vereinzelt in seiner Gemeinde. Ist die Gemeinde orthodox, so ist es die heiligste Pflicht jedes Einzelnen, darüber zu wachen, daß sie es bleibe und antijüdische Elemente verhindert werden, Raum und Einfluß zu gewinnen. Ich kenne große Gemeinden, in denen die Orthodoxie vorherrscht, aber eine bedaurenswerthe Gleichgiltigkeit läßt die kleine und gut organisirte Zahl der Reformer immer mächtiger werden, die Indifferenz läßt die Sorge für Rabbinat und Schule schlafen, die Jugend wird allmählich dem Judenthum entfremdet, bis daß dereinst das traurige ,,zu spät!" die Schlummernden erweckt. Warum sorgt Ihr nicht, daß fromme und gelehrte Rabbinen Eure heiliAen Interessen wahren, warum gründet Ihr nicht Schulen, in denen dem bürgerlichen Wissen, wie dem religiösen, Rechnung getragen werde, warum bemüht Ihr Euch nicht, statt des blinden und lahmen Jndifferentismus religiöse Begeisterung zu erwecken? O , möchte das mahnende Wort doch an das Ohr aller Derer Wagen, die Kraft und Einfluß auf Nebendinge wenden und in die Zukunft wohl schaudernd, aber thatlos blicken, und an das Ohr Derer, die in stolzer Sicherheit auf die in ihrer Gemeinde noch unangefochtenen religiösen Institutionen blicken und keine Ahnung von-dem Feinde haben, der schon lauernd hinter ihnen steht. Ja', im Vergleiche mit der Rettung und Erhaltung der Religion selbst sind alle übrigen W-

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