Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 1 (15.5.1860)
- Date
- 1860-05-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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6 in dem Lokale des Waisenhauses abgehaltcn, wozu von dem Euratorinm die Lehrer der Kinder d:r Vorstandsmitglieder der israelitischen wohtlhätigen Anstalten, sowie diejenigen Personen eingeladen waren, welche seither durch n iwillrge Kaden die Anstalt unterstützt hatten. Der Sekretär verlas nach einigen einleitenden Worten des Direktors den Rechenschaftsbericht für das adgelaufene Jahr, aus welchem hervorging, dass durch den Zinsertrag des Stamm Kapitals und der der Anstalt zngewendeten freiwilligen Gaben die Zahl der Waisen ans 12 erhöht werden konnte und die Aufnahme eines weiteren Kindes für das nächste Jahr beschlossen sei. Hierauf hielt Herr Landrabbiner Or. Adler die Festrede, worin er auf das segensreiche Wirken dieser Stiftung hinwies und besonders heworhob, daß man nicht allein auf die Kinder Hinsehen möchte, welche bereits in diesem Hanse eine Aufnahme gesunden, sondern auf die große Zahl derjenigen, welche flehend ihre Hände ausstreckten, um den Segen dieser Anstalt auch zu genießen. Hiermit schloß die Feier, und die dabei Betheiligten verließen die Stätte, woselbst der Stifter dieser Anstalt sich ein dauerndes Denkmal erworben hat. (Kasseler Tageblatt.) Li eben au im Hanuövrischen, den 22. April. Wiewohl Ort und Gemeinde, von denen ans wir Ihnen schreiben, klein und unbedeutend sind, so sind doch die zu besprechenden Verhältnisse der Art, daß sie in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdienen. Es ist die jetzt herrschende Sucht Synagogen zu ballen, gleichviel ob die Mittel dazu da sind oder nicht, die unsre Gemeindevcrhaltnisse zerrüttet hat. Unsre alte Synagoge war allerdings baufällig, batte aber mit geringen Kosten zweckdienlich wieder Herges stellt werden können. Da überredeten uns unsre Gemeindevorsteher eine neue, prachtvolle Synagoge zu bauen, wozu die Landescreditkasse bereitwillig die Mittel vorschoß. Als die Synagoge kaum vollendet war, verließen uns die beiden Vorsteher; der eine ging nach Amerika, der andere zog in eine benachbarte Stadt; zudem starb eins der wohlhabendsten Gcmeindemitglieder. Jetzt müssen die noch hier Wohnenden, deren Zahl sich noch täglich durch Wegzug M vermindern droht, die große Zinsenmaffe auftreiben. Das nimmt alle Kräfte der Art in Anspruch, das; wir keinen Lehrer mehr besolden können, und unsre armen Kinder, Li', an der Zahl, wachsen ohne Religionsunterricht auf. Wir sehen auch nicht, wie Abhilfe möglich ist, und beklagen zu spät unsre Tborbeit. Möchte doch unser trauriges Schicksal andern kleinen Gemeinden ein warnendes Beispiel sein! — ^S^rainz, den 0. Mai. Auf der Unterrichts- -allsialt der israelitischen Religionsg.sellschast hieielbst, die es sich zur Ausgabe gemacht hat, eine Pflanzstätte des bürgerlichen wie des religiösen Wissens zu sein, ruht sichtlich der Segen Gottes. Tie Anstalt soll ihrer.! Plane gemäß künftig aus 5 Knaben- und 5 Mädchenklassen bestehen, hat aber am 1. November vorigen Jahres mit den 2 unteren Knaben- und chen 2 unteren Mädchenklasscn ihr Bestehen angetreten. Außerdem wurden 2 besondere! Religionsklassen, eine für Knaben und eine für Mädchen, errichtet, für Kinder, die inuAlter zu weit vorgerückt in der Anstalt selbst keine Ausnahme finden konnten. Die Anstalt besuchten am 1. Nov. v. I. 52 Kinder, die Neligionsklasscn halten 30 Zöglinge. Aach fünfmonatlichem Bestehen ist schon die Anzahl der Zöglinge, die ganz der Anstalt angehören, auf 75 gewachsen und haben zwei höhere Klassen errichtet werden können. Knaben nnd Mädchen sind in allen Unterrichtszweigen selbst auf der niedrigsten Stufe vollständig von einander getrennt. Schon ist cs gelungen ein eigenes Schulgebäude zu acqninren, und gewissenhafte, tüchtige Lehrer nnd Lehrerinnen haben bereits die günstigsten 'Resultate erzielt. Möge Gott dem segensvellen Werke ferner erfreuliches Gedeihen gewähren. ^sd^llainz, den 7. Mai. Die Stadt Mainz betrauert heute den Tod ihres Oberbürgermeisters N. Nack, Ritter rc Derselbe hat sich während seiner langen Amtsführung die Liebe und Achtung seiner Mitbürger im hohen Grade erworben. Selbst streng kirchlicher Katholik, bethätigte er gegen Andersgläubige den Geist echter Humanität, der das bezeichnendste Kriterium eines edlen Eharactcrs lind eines guten Herzens ist. So hat er die Parität der Religionen, die ihm bei Ausübung seines Amtes stets Grundsatz gewesen, noch dadurch darzustcllen sich bemüht, daß seinem ausdrücklichen Willen zufolge zwei Bekenner seiner eignen Religion und zwei Juden jals Zeugen sein Testament unter-