Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 1 (15.5.1860)
- Date
- 1860-05-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 wird, der Europa du-chtont, trotz seiner hübschen Novellen, seiner epischen und dramatischen Gedichte.! Du wunderst Dich darob, lieber Leser? Liehe, ich kenne einen Uhrmacher, der im Besitze einer Gelehr- § samkeit ist, um oie ibn Gclebrte von Fach beneiden und doch würde ich Bedenken tragen, ihm meine Uhr anzuvertranen, er ist trotz seiner Gelehrsamkeit ein unwissender Uhrmacher. Ziehe die Nutzanwendung Dir selbst. — Herr l>-. PH. fragt an, ob Herr N. Levian und Herr Nabbinatsassessor Nosenstein eine Zeile in seinem Bibelwerk gelesen haben. Die Herren kön nen getrost „nein" antworten, es thut ihrer Wurde! und Achtbarkeit keinen Eintrag; wir tragen an, ob Herr I)r. PH. jemals auch nur einen einzigen Tractat des Talmuds mit den dazu gehörenden Commentatoren und Casnisten, oder auch ohne diese! Letzteren durchstudirt hat, und will er aufrichtig sein, so muß er mit „Nein" antworten. Aus seinen zahlreichen Schriften ist die Nichtigkeit dieser Behauptung leicht zu erweisen, aber auch jeder Sachverständige, der Herrn vr. PH. persönlich kennt, wird die Wahrheit derselben bezeugen müssen. Man liest in der Zeitung des Jndenthums oft genug, daß man heutzutage keine Raddiner mehr gebrauchen könne, die Nichts als Talmud verstehen; kann man aber Rabbiner gebrauchen, die Nichts vom Talmud verstehen, und wenn eine große Menge der Unkundigen, derlei Männer doch als Rabbiner verehrt und besoldet, darf man diesen Rabbinen trotz Lucian und Spinoza ein Urtheil über Juden und Judenthum, über Bibel und Talmud zugestehen, darf man die heiligsten Interessen unsrer Religion getrost in ihre Hände legen? Die Absurditäten des Herrn vr. PH. zu widerlegen, verlohnt sich kaum der Mühe. Was sagst Du, verehrter Leser, zu der Behauptung, die orthodoren Rabbinen gingen mit den Missionären Hand in Hand? Bedarf das einer Widerlegung? Oder was sagst Du zu der Schlußfolgerung, daß es erlaubt sei die Schrift willkürlich zu deuten , weil der Talmud, die mündliche Gotteslchre, die Schrift hundertfach au-legt? Herr PH. stellt sich in einen Rang mit den Talmudisten, die er nicht kennt, oder vielmehr, weil er sie nicht kennt, denn würde er sie kennen, er würde nicht die Stirn haben, dein eignen Geiste ein gleiches Recht mit der mündlichen Gotteslchre zu vindiciren. Die .wer di'e Schrift gesetzeswidrig erklärt, und sollte er selbst gesetzeskundig und reich an guten Thateu sein, hät keinen Antheil an der zukünftigen Welt," scheint PH. ganz unbekannt zu sein, wiewohl sie im Gebetbuch? steht. Aus dieser Unkenntniß erklärt sich ferner das endlose Schwanken zwischen Gesetzestreue und Gesetzesübertretung, die stereotyp gewordene Inkonsequenz, in der die allgem. Zeitung des Judenthums seit ihren! Bestehen versirt. Daß trotzdem PH. sich nicht nur als Mcinungsausdruck einer großen Menge unsrer Brüder gerirt, sondern in der That einen großen Einfluß übt, ist ein trauriges Zeichen der Zeit, dessen Ursachen aber auf der Hand liegen. Es ist eben die leider so allgemeine Unkenntniß in Bezug auf unsre heiligen Bekenntnißschriften, die dieses Phänomen bewirkt hat. „Du gleichst dem Geist, den Du begreifst." Die Frage, wie dem abzuhelfen sei, führt uns wieder auf das Thema: „Was ist zu thun," dessen Erörterung wir uns für die nächste Nummer bereits Vorbehalten haben. FiterLnscker Wockenberickt. --S2, Rabbinische Gutachten von R. Joseph Karo, herausgegeben von Fischel. Leipzig. 5619. Die Bedeutung des R. Joseph Karo, des Ver-! fassers des Schulchan Aruch, ist für Juden und Ju-! deuthum eine kaum zu ermessende; es ist der große j Mann, der sich den Namen p-2 d. i. „unser Lehrer" erworben hat, wie man dereinst Rabbi Judah ha Kadosch, schlichtweg '2^ nannte. Die Sammlung der von ihm ertheilten Gutachten ist daher vom größten Interesse und ist die neue Ausgabe derselben um so willkommener, da sie die alte, ohnehin höchst seltene, an Papier, Druck und Gefälligkeit übertrifft. Die Sammlung enthält 217 Gutachten, in denen auch einige culturhistorisch merkwürdig sind; wir weisen in dieser Beziehung auf Gutachten 60, 90 und 134 hin. 4. dpp' .->^rx Ansprache an das HanS Jakobs, oder die drei besonderen Pflichten jüdischer Ehefrauen.