Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 9 (10.3.1883)
- Date
- 1883-03-10
- Page
- Seite 5 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 5 Hinweglassung der beiden Männerstimmen und mit nur ganz geringfügigen Veränderungen aufgeführt werden können. Also herzlichen Dank für die Gabe und die Bitte, uns bald wieder mit etwas bedenken zu wollen. W . . . . r.. Offener Meinungsaustausch. ״Aufschluß" über die vom Herrn Herrstein gestellte Frage. Das Wort >pf, in der Bedeutung a l t, kommt in der Thora 67mal vor und wird von אונקלום immer mit סבא übersetzt. Nur die einzige Stelle ז?נים הוא לו p כי, die er mit ארי בר חכים הוא לי erklärt, macht eine Ausnähme, was um so auffallender scheint, da וילל ^לליב (Gen. 42.2) mit ובר סיבתין übersetzt ist. Demnach wäre die Frage des Herrn Herrstein umgekehrt zu stellen, und zwar: Warum weicht א1^^ל1ם gerade bei dieser Stelle זל^ים p von seiner gewöhnlichen Uebersetzung ab. Die Antwort finden wir jedoch schon int באור att &er bezüglichen Stelle. או^קלום deutet nämlich, wie bekannt, an vielen Stellen, wo der Urtext einer Erläuterung bedarf, diese in seiner Uebersetzung in einer ihm eigenthümlichen Weise an. Dies ist auch hier der Fall, wo er eoutra ׳לשב״ם .ךי£״י רמב״ן und אבן ג^זרא zum Verständniß des ganzen Satzes erklärt, daß Jacob den Josef deshalb bevorzugte, weil er nur diesen allein für den Verständigsten seiner Kinder hielt, daher die erklärende Uebersetzung ארי בה בר חכים הוא לי. (Siehe רמב״ן z. st.)י Hiezu mag אונסלום wohl ausnahmsweise der Spruch des ר' יוסי הואילי geleitet haben, welcher lautet: זקן «ה שלבה הכבר,; keinesfalls aber war für ihn der talmudische Spruch: אין זקן אלא חכם als bindender Grundsatz geltend. Consequenter Weise übersetzt er also auch folgerichtig וחללה כבי זקן mit ותהדר אבי כתא. (Siehe hiezu die Erklärung des 3 רסב״ן- Stelle.) I. Wittenberg, Contor und Religionslehrer in Leitmeritz. Zamuel, der blinde Geiger. Novelle von Alois Kulka. 1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Ihre eigenen geheimen Regungen verkörperten sich in den Saitenklängen, feuriger ward der Gesang, rascher die Begleitung, bald wie lindernde Thränen von den Wimpern sich stehlen, bald wie die Engelseele eines sterbenden Kindes sich nach einem schöneren Sein und Werden sehnt. Ergriffen ließ sie die Schlußaccorde feierlich langsam verhallen, während über die rosig angehauchten Wangen sanft eine Thräne herabfloß. Samuel erging es an seinem einsamen Pulte noch viel schlimmer, als dem lieben Röschen, da sich zu den ohnedies schweren Liebesängsten noch jene gesellte, fein Lied verschmäht zurück zu erhalten. Endlich, da er kein Mittel fand, um dieser Ungewißheit ein Ende zu machen, nahm er Zuflucht zu seiner getreuen Gefährtin, der Violine, und entlockte ihr solch' elegische Klänge, wie er sie früher nie hervorzuzaubern vermocht hatte. Diese wirkten auf sein gefoltertes Herz so beruhigend, daß er sich selbst gestehen mußte, wie wenig er bis jetzt noch erfaßt, daß Musik eine Sprache der Gefühle sei, welche die Dissonanzen des Schmerzes in das beruhigende reine Dur der Hoffnung und Ergebung auflösen und das himmelaufjammernde Weh mit den reichen Sattenklängen in ein sanft dahinsterbendes Klagen verschmilzt. Nie fühlte er so in sich den Drang zum Schaffen die. von tiefster Seele herausströmende gebieterische Stimme, den flammenden Gefühlen, für die es selbst der Dichtung an kräftigen Worten mangelt, durch Töne eine Sprache zu geben, kurz eine Allgewalt der überströmenden Phantasie- und Gefühlspoesie, welche in den bekannten Versen: ״Ich höre sanfte Harmonien rauschen, Es ziehen reiche Klänge in mein Ohr, Es drängt die eig'ne Brust zu belauschen. Im Busen schlägt ein Nachtigallenchor", so passend bezeichnet ist, und die Frucht dieser Stimmung war ein zartes tiefgefühltes Adagio eaniabile, welches er eilig, um ja keine der Nuancen, die ein glücklicher Augenblick jugendfeuriger Begeisterung geboren, wieder dem Gedächtnisse entrücken zu lassen, zu Papier brachte. Er würde bis ins tiefe Dunkel der schweigenden Nacht sein Adagio — heravgeweint haben, hätte ihm nicht das Gesetz der Nachbarlichkeit eine solche Störung des Schlafes seiner prosaischen Mitbrüder verleidet. Unruhig warf er sich auf's Lager und konnte den Morgen nicht erwarten, ohne zu wissen, warum er sich nach dem Tage sehne, an welchem er eben so wenig Erfreuliches zu hoffen hatte, als in den fieberheißen Armen des Schlafes. 11. Vergebens harrte unser Samuel auf eine Antwort von seinem heißgeliebten Mädchen, welchem er in einem zweiten Schreiben seine Lage geschildert hatte. Trübsinnig schlich er täglich mit seiner Geige unter'm Arm in das Gotteshaus, woselbst sein Vater, da bte Zeit der hohen Festtage herannahte, mit dem Einstudiren der Gesänge beschäftigt war׳ mechanisch ergriff er sein Instrument um den greisen Vater bei dieser für denselben schon schwer gewordenen Arbeit zu unterstützen. Auch in Röschens Busen tobte ein Kampf — ein Kampf der Resignation und leicht konnte man aus dem Farbenwechsel der Wangen, den bald glänzend, bald matt yinftarrenden Augen den Verlauf dieses Kampfes zwischen Kindespflicht und Liebe verfolgen. Schüchternheit verbot ihr Samuel ein Biller zuzusenden. Sie fürchtete die finsteren Mienen, die gefurchte Stirne des Vaters, die klügelnden Phrasen der Besorgniß einer ängstlichen Mutter und — das boshafte Sarcasmen-Concert einer Kleinstadt mit ihren zahlreichen Klatschbasen, wie auch die ironischen Aeußerungen und Anspielungen eines reichen Hausfreundes, der unter dem Vorwand der Geschäftsverbindung mit ihrem Vater die Schwelle des Hauses übertreten und ihr Herz mit eklen Liebesbewerbungen bestürmen durfte, ohne daß sie seine Nähe fliehen konnte^ An Samuels Seite lächelte ihr das Glück häuslicher Zufriedenheit am Arme der Liebe in die Dunkelheit des Lebensbildes, der Schimmer der Hoffnung tauchte bisweilen auf aus den Wogen düsterer Schwermuth. aber ein leiser Luftzug der Ueberlegung verwehte ihn schon im Entstehen. Nach vielen herben ״Für und Wider" entschloß sich Röschen endlich, einem Glücke, das sie muthlos nie erreichen zu können wähnte, zu entsagen, — die Gefühle gewaltsam aus dem blutenden Herzen zu reißen, — ihr Höchstes zu opfern..