Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 9 (10.3.1883)
- Date
- 1883-03-10
- Page
- Seite 4 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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nebst folgendem Artikel, welcher den Beweis liefert, daß derselbe während der kurzen Zeit feines Wirktns in Wien sich die Anerkennung der maßgebenden Kreise zu erringen gewußt hat. ״Beim nahenden Greisenalter des um die Verbesserung des Synagogengesanges hochverdienten Prof. S. Sulze^ mußte die Wiener israelitische Cultusgenffinde—an"^e1ne geeignete Wiederbesetzung der vacant gewordenen Obercantorstelle schreiten. — Von vielen Bewerbern um diesen für den Synagogengesang hochwichtigen Posten stel die Wahl auf den damaligen Obercantor der israelitischen Gemeinde in Nürnberg, Herrn Josef Singer. Einer bekannten jüdischen Musiker- und Cantorenfamilie entstammend, hatte Singer schon im zartesten Knabenalter Gelegenheit, beim Synagogengesange durch seine selten schöne Sopranstimme sich bekannt zu machen und, dem inneren Drange folgend, suchte er auch während seines späteren Studiums auf der Realschule und Lehrerbildungsanstatt tüchtig Musik und Gesang zu cultiviren; seine künstlerische Ausbildung erhielt er jedoch erst bei Professor F. A. Vogl am Conservatorium zu Prag. Vielseitig verlockenden Aufforderungen, die Opernlaufbahn zu betreten, widerstehend, entschied er sich für den Cantorenberuf und trat im Jahre 1866 seine Stellung in Beuthen (Oberschlesien) an, wo er schon nach kaum dreijähriger Wirksamkeit eine ehrenvolle Aufforderung, das Obercantorat in Hannover zu übernehmen, erhielt, welches Anerbieten er jedoch Verhältnisse halber ausschlug. Im Jahre 1874 von der bedeutenden Gemeinde Nürnberg gewählt, entschloß er sich, namentlich mit Rücksicht auf den dortigen vortrefflichen Synagogengesang (großer Damenchor mit Orgelbegleitung), diese Wahl anzunehmen und hatte dortselbst neben seiner rühmlichst bekannten synagogalen Thätigkeit reiche Gelegenheit, auf dem Gebiete weltlicher Musik seine hervorragende Sangestüchtigkeit zu bekunden. Seine Mitwirkung als Träger der Titel-Partien in größeren Oratorien-Aufführungen, in Saul, Messias (Händel). Elias (Mendelssohn), Odysseus (Bruch) und anderen verschafften ihm einen hohen künstlerischen Ruf auch nach außen und die schmeichelhafte Anerkennung bedeutender Musikcapacitäten Deutschlands, wie Professor Carl Riedel (Leipzig), Hofcapellmeister Abert (Stuttgart), welch' Letzterer ihn zu einer von glänzendem Erfolge gekrönten Mitwirkung im Abonnementconcerte der königl. würtembergischen Hofcapelle im Königsbau zu Stuttgart (am 13. November 1677) aufforderte. Singer's Ruf als einer der ersten CantoreN der Jetztzeit lenkte auch die Aufmerksamkeit hiesiger, für die Synagogenverwaltung maßgebender Kreise auf ihn und war zur endgiltiger Entscheidung für die Berufung Singer's. nach Wien ein warmes Empfehlungsschreiben des Regierungsrathes Professors Dr. Eduard Hanslik, der ihn zu hören Gelegenheit hatte, an den Vorstand Dr. Ignaz Kuranda von ausschlaggebendem Nutzen. Im Juni 1881 trat Singer seine Thätigkeit in Wien un und es ist ihm, trotz vieler Anfechtungen, schon in kurzer Zeit gelungen, sich die Sympathien seiner Gemeinde, wie auch anderer maßgebender Kunstkreise zu erringen. Die Stimme Singer's ist ein wohlgeschutter Bariton von bedeutendem Umfange, zartem Wohllaute und seltener Technik. Die Vertiefung in den Geist der alten Musikclassiker Bach, Händel und Gluck, deren bedeutender Interpret Singer ist, verleihen seiner Vortragsweise das Gepräge des Seriösen; in der Behandlung des traditionellen, wie modernen Synagogenrecitativs ist Singer als Pionnier einer neuen eigenartigen Richtung zu bezeichnen, welche insoferne kunsthistorisch bemerkenswerth erscheint, als sie bei allen Nachstrebern der von Singer vorgezeichneten Weise tüchtige musikalische Ausbildung, geläuterten Geschmack und Beherrschung bedeutender gesangstechnischer Mittel voraussetzt, demnach auch in kunstdidactischer Beziehung von bedeutendem Werth ist. Als Leiter seines Synagogenchores, wie als Gesanglehrer hat Singer schon in der kurzen Zeit seines hiesigen Wirkens höchst anerkennenswerthe Proben von Tüchtigkeit bekundet. Sing er's Intelligenz, leutseliges Entgegenkommen und unangetastete Moral haben ihm auch die Zuneigung seiner Collcgen in hohem Maße erworben und es ist gewiß ein überaus ehrender Ausdruck der Sympathie, daß bei der am 22. Februar 1883 - stattgefundenen Vorstandswahl des neu creirten österreichisch-ungarischen Cantorenvereines Herr Joses Singer beinahe einstimmig als Präsident gewählt wurde." . Zweite Musikbeilage. Mab towu in D-dur und M’heroh in A-dur von Ad. Grün zweig. Motto: Daß wir nichts wissen wollen, Das will mir schier das Herz verbrennen. Der Reim ist schlecht, doch der Sinn' wohl echt. Nicht der regen componistischen Thätigkeit auf synagogalgesanglichem Gebiete soll jeder Fachmann kräftigst entgegentreten, denn jede Arbeit setzt eine Summe anerkennenswerther Eigenschaften voraus, sondern der herzlichen Aufnahme jener Producte von zweifelhaftem Werthe, die darnach angethan sind, die Freude an redlichen Bestrebungen zu trüben. Wenn nun das Anerkennen gehaltloser Compositionen verwerflich erscheint, so muß die Kehrseite dieser Anschauung dieselbe Eignung besitzen, deshalb fühlen wir uns veranlaßt, Herrn Ad. Grünzweig für die uns gebotenen beiden Gesangsnummern freundlichen Dank zu sagen. Nicht eine Kritik der vorliegenden Composition wollen wir bieten; der Name Grünzweig ist ja in allen Gesangskreisen ein wohlbekannter und oft genannter, nur eine Würdigung derselben wird hiermit bezweckt. Die musikalische Gestattungsweise Grünzweigs ist eine freundliche, liebenswürdige. Die beiden genannten oxsra, die ja hauptsächlich für Aufführungen auch von nicht ganz künstlerisch geschulten Chorkräften bestimmt sind und dem entsprechend weder in der Modulation noch in der Stimmführung außergewöhnliche Anstrengungen beanspruchen, tragen auch das Gepräge der oben erwähnten Eigenschaften, Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit. Natt to^vu 0110166110 jaakow, mischkenosecho jisroel. Nicht das Halbdunkel der düsteren Ghettosynagoge, sondern die erfrischende und erquickende Helle unserer modernen Gotteshäuser begrüßt Grünzweig. Man empfindet es beim Anhören dieser zarten Melodien und ungesuchten Harmonien, die wie weiße Tauben ihre Schwingen heben, daß sie auch leicht aus der Feder geflossen und gewinnt die Ueberzeugung, daß sie auch ebenso leicht unser Herz erfassen. Die beiden Piecen werden allenthalben freundlich begrüßt leicht einstudirt, gerne gesungen und mit Befriedigung gehört werden, namentlich da es Freund Grünzweig gelungen ist, die beiden Oberstimmen so zu setzen, daß dieselben auch mit