Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 9 (10.3.1883)
- Date
- 1883-03-10
- Page
- Seite 3 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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3 2. Antrag von I. Bauer: Der Beginn des Vereinsjahres möge vom Tage der zweiten Einreichung der einmal von der hohen Behörde bereits corrigirten Statuten, d. i. vom 1. Juli 1882 bestimmt werden. Diese Bestimmung sei auch in Folge der leichteren Eintheilung des Jahres in Viertel empfehlenswerther. Die Wichtigkeit dieses Punktes veranlaßte eine sehr rege Debatte, an welcher die Herren I. Schiller, D. L. R o t t e r und M. Schlesinger besonderen Antheil nahmen. ' . Schließlich ward der Antrag Bauer angenommen und zugleich beschlossen, den Vereinsmitgliedern in der. ״österr.- Ungar. Cantorenzeitung" zur Kenntniß zu bringen, daß dieselben ihre Jahresbeiträge vom 1. Juli 1882 ab zu leisten, und an den Vereinscassier ehestens einzusenden haben. Auch die Mitglieder in Böhmen und Mähren haben bis zur Wahl eines Vorstandes in diesen beiden Kronländern ihre Beiträge an die Casse der Centrale zu entrichten. Zu dem dritten Punkte der Tagesordnung: ״Die Bildüng eines größeren Fonds durch Einleitung von Sammlungen" stellt der Präses den Antrag, bereits mit dem Beginne der nächsten Woche die Sammlungen nn Wien einzuleiten. Bei dem bekannten Wohlthätigkeitssinne der hervorragenden hiesigen jüdischen Capacitüten sei von solchen Sammlungen ein günstiger Erfolg zu erwarten. Der Antrag wird angenommen und zu diesem Behufe ein Comito, bestehend aus dem Präses I. Singer. Präses- Stellvertreter I. Bauer, Cassier A. Fischer eingesetzt, welches seine Thätigkeit schon in der nächsten Woche beginnen wird. Hierauf wird zum vierten Punkte der Tagesordnung geschritten. ........ Cassier A. Fischer bemerkt, daß bereits viele Vereins- Mitglieder bei ihm um ein Statutenexemplar angesucht hätten und es wäre daher dringendst angezeigt, die Statuten baldigst in Druck zu geben. Der Präses theilt mit, daß die Verzögerung des Statutendruckes dadurch eingetreten sei, daß vom hohen Ministerium eine Ergänzung der Statuten bezüglich der Zweigniederlassungen gewünscht wurde. Herr J. Schiller beantragt, der Statutendruck fei bis zur Bewilligung der Zweigniederlassungen seitens der hohen Behörde, welche in kürzester Zeit erfolgen wird, aufzuschieben, damit durch eine abermalig bedingte Drucklegung dem Vereine unnöthige Kosten erspart blieben. Wird angenommen. - Schriftführer A. Kulka stellt den Antrag, daß den Statuten eine Legitimationskarte für die Vereinsmitglieder beigegeben und ein Mitgljederverzeichniß angehängt werde. Der erste Punkt dieses Antrages wird angenommen, der zweite jedoch fallen gelassen, da in dem vom Vorstande jährlich herauszugebenden Rechenschaftsberichte, wie es in allen Vereinen üblich ist, auch das Mitgliederverzeichniß enthalten fein wird. Nach Erschöpfung der Tagesordnung stellt Herr Moriz Schlesinger den Antrag, die Versammlung möge dem Präses I. Singer den Dank für seine Bemühungen aussprechen, da derselbe vom Vorstande der isralitischen Cuttusgemeinde die unentgeltliche Benützung eines Saales zu den Sitzungen des Cantorenvereines erwirkt hat. — Wird angenommen. Die Zchtußacrorde im Liede der Deborah. Noch niemals ist der völlige Mangel an Uebereinstimmung erörtert worden, welcher obwaltet zwischen den Liedersprüchen (Richter V. V. 28—31), mit denen die Mutter Sira's, dessen Heimkehr im Triumphe erwartet wird, der mittlerweile aber seinen Tod gefunden, ihren Heldenfohn feierte und dem Schlußsätze des rhytmischen Liedes der Prophetin mit dem Flammengeiste. Ja nicht einmal eine glücklich contra st irende Wirkung in der Zusammenstellung ist vorhanden, man müßte denn folgendermaßen ergänzen: Während die Mutter des gefallenen Helden in Erwartung großer Erfolge hangte und bangte, war es ganz anders gekommen. ״Möge es allen Gottesfeinden so ergehen, doch die Gott lieben, mögen wie die Sonne in ihrem Vollglanze erstrahlen" (Richter Y. V. 31.) Wie unpassend, wie gefühllos aber wäre dann diese Anfügung in einem hochpoetischen Liede und wie unharmonisch die einfache Verwünschung der Feinde im Vorderfatze, mit der metaphorischen Verherrlichung derer, die Gott lieben. Darum ist nach der Analogie meiner im Aufsatze ״Aufklärung eines Mißverständnisses im Leben des Königs David" mit dem 21. Cap., Sam. I unternommenen exegetischen Operation der Translocation auch im Liede Deborah's zu verfahren. Daß diese statthaft und unter Umständen unerläßlich ist, beweist der Umstand, daß im Freiheitsgesange Moses, beim Durchzuge durch das Meer (Exod. 15) der 19. Vers: ״Denn die Pferde, das Gespann und die Reiterei Pharaos waren in's Meer gegangen, über jene waren - die Wellen hinweggegangen, so daß Israel mitten im Meere im Trocknen zog" im vorausgegangenen 5. Capitel, zwischen den 28. und 29. Vhineinzuschieben ist. In dieser Weise wird auch im .Deborah- Liede der Schlußvers (Richter V. V. 31) sammt der Bemerkung: ״Hierauf hatte das Land Ruhe vierzig Jahre lang" in umgekehrter Satzstellung nach dem vorangegangenen Capitel IV hinter den 24/Vers, welcher die Demüthigung Kanaan's behandelt, mit guter Folgerichtigkeit zu versetzen sein. Es würde sodann im Anschluß andie poetische Sentenz: Daß die Frommen der Sonne gleichen, die anfangs umdämmert und umflort nicht gekannt oder verkannt erscheinen, später aber im Hellen Mittagsglanze erstrahlen; weil die Wahrheit und die Liebe die ewigen Lichter sind, welche an der Sonne der Gottheit sich entzünden, in unvergleichlicher Schönheit das Lied zur Geltung gelangen, getragen von den beiden Lichtsäulen der Religion der Poesie und der Poesie der Religion: Barak und Deborah. Beide zerreißen wie der Blitz (ברק) das Gewölk, welches Israel umdüstert, zünden mit einer Flammensprache (לפידוה) das Herz des Volkes. Sie singen: (Richter V., V. 2 und 5). Wenn Zerfahrenheit in Israel einreißt, ein Theil des Volkes aber noch Hochgefühl bewahrt: Nun dann danket Alle Gott! Berge zerflossen vor Gott, doch Sinai ragt vor Gott in die Höh! Wien, 7. März 1883. Dr. S. N a s ch 6 r. Der erste Präses -es ״Oesterr.-uugar. Cantorrn- Vereines". Die in Wien erscheinende ״Deutsche Kunst- und Musikzeitung" bringt in der Nummer vom 6. d. M. das wohlgetroffene Bild unseres Präses, Herrn Obercantor Josef Singer,