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Die Wahrheit · 1922-11-24 · Heft 23 (24.11.1922) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 23 (24.11.1922)
Date
1922-11-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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D i e Wahrheit Seite 15 Nr. 35 Theater, Kunst und Literatm: Die Wilnaer Schauspieltruppe in Men. Für das von dem Verein „Freie Mische Volksbühne" arrangierte Gastspiel des brannten Wilnaer. ,Jüdischen Künstler- Hoaters gab sich in Mischen wie nichtjüdischen Kreisen ein ungeheures Interesse kund. Die bisherigen Vorstellu-nigen in der „Rolandbühne" waren stets vollkommen «ausveokaust. Und das ist auch kein Wunder: Die Wilnaer haben nämlich ein Zuswrnmenspiel von jener Verdichtung, wie es die Russen besitzen. Es entzündet sich an chnen inrrner wieder von selbst. Es erlischt nie. Holen sie doch aus jedem Stück nicht nur den inneren Charakter desselben heraus, der: sie auch in jedem Akt, in jeder Szene suchen. Sie haben in Wien bis jetzt von Sch. A n s k i -das beste jüdische Stück, das je geschrieben rmd gespielt wurde, „Dybuk" auf die Szene gebracht. Von demselben Dichter ferner noch „Tag und Nacht". Von Hirschbein „Die puste Kreitschrne", dann die Komödie von Sch. A l e i chem „Schwer zu sein ein Jud." Am Programm stand ferner noch „Eisersucht" von Arzibaschew. Die Trirppe besitzt in Judith La re s, Mirjam Orteska, Pola Walter und m Alexander Stein, M o r e w s k i überragende Schauspieler. Leib Kadison ist ihr bewahrter Spielleiter. Erwähnt fei noch, daß Max Reinhardt in Wien die „Wilnaer" in „Dybuk", in welchem Drama diese Darsteller zumeist den gewaltigsten Erfolg in der Reihe ihrer Darbietungen erringen, sah und «davon so ergriffen war, daß er ihnen nach der Vorstellung begeistert dankte. O. H. 100 Prozent. (Ein patriotischer Roman von Up ton Sinclair.) Nach dum Titel , wäre man zu dem Glauben geneigt, es handle sich um eine erträgmsreiche Börsen- oder GroWausmannsgeschichte, in Wirklichkeit aber geht es um den Verzwerflungskcvmps zwischen Kapitalisten und Arbeitern, zwischen Kriegs- und Friedensvartei zur Zeit des Weltkrieges. Das furchtbare Ringen geschieht in American City, der Deckname für das ganze weite Gebiet der „unbegrenzten Möglichkeiten", unbegrenzten Brutalitäten und Verbrechen. Der Sieg fällt natürlich dem „hundertprozentigen" Amerikaner zu, der alle jene Machtvorrechteigenschaften in vollstem Maße besitzt. Es ist wieder ein Sumpf, in den uns Upton Sinclair blicken läßt; in die Käuflichkeit der Dichter und hohen Regierungsbeamten, in die schamlose und grauenhafte Gewcllttätiosteit der Befitzenden gegen das weiße Sklaventum. Der jämmerliche Held dieses überrealiftischen Rvmanes ist Peter Gudge, eine jeitsr katikinarischen Gestalten, die jede Großstadt birgt, die für Gell» zu allem fähig sind und von keines Gedankens Blässe angekränkelt werden. Peter Gugde arbeitet sich, anfangs Opfer eines Verhängnisses, allmählig zum hmrderprozentigen Amerikanismus empor, durch Leiden, Foltern und die ganze Hölle, die von den Besitzenden auf das unbotmäßige Jndustrieprvletariat losgelassen wird. Minen der einen Partei stoßen auf Gegenminen der anderen Partei. Die von guten Christen an wehrlosen Arbeitern verübten Greuel übertreffen jene rasender Kannibalen. Sinclair hatte offenbar das Empfinden, man Weibe Pm altzu Lxtsse Ausgeburten der Phantaste vorwerfen, er hat deshalb in einem Nachtrag, der eben so fesselnd wie der Roman ist, ein amtliches Material zur Beglaubigung der Dichtung als Wahrheit gebracht, hundert Prozent" erschien im Rahmen der Roten Bücher des Malik-Bvrlages. d. Vermischtes Aktion zugunsten der uug. jüd. „numeru8 c1au8U8"-Studenten in Wien. Ueber Initiative unseres Mitarbeiters Herrn Nathan Cham ei des hat sich im 20. Wiener Gememdebezirke, der Brigittenau, aus mehreren Herren und Dame« ein Komitee gebildet, das seinen Sch im Caf6 „Neptun", 20. Bez., Gantzplatz 7, hat, mit der Ausgabe, jenen Jüngern der Wissenschaft, welche durch die jetzigen Machthaber in Ungarn aus ihrer Heimat, dem Elternhause und ihren Hochschulen verdrängt wurden, menschenmögliche Rettung zu bringen. Die Größe des Elends dieser aus ihrem Heimatlands fortg^ogenen jüdischen Studenten, denen eine schmachbeladene Regierung das Studium dort unmöglich macht, ist wahrhaft überwältigend und hilsegebietend. Biele dieser Märtyrer der Wissenschaft, aus armen Elternhäusern aus sich selbst angewiesen, leiden am notwendigsten Mangel an Nahrung, Kätteschutz und geeignetem Obdach. Manche verrichten gröbste Arbeit als Martthelfer und Gepäckträger, um das ttockene Mot zu verdienen. Die solchen harten Erwerbsmoglichkeiten physisch nicht gewachsen sind, verfallen der Tuberkulose. Beretts 36 der Unglücklichen find dieser Elendskrankhett erlegen. Rasche und ausreichende Httse ist hier dringendst geboten. Es gilt Leben und Zukunft jüdischer Jugend. Wessen Herz könnte sich diesem Appell verschließen! — Die Grldsammlung ist im besten Gange und verspricht sich das Komitee von derselben einen großen Erfolg. Dasselbe hat sich ferner die Ausgabe gestellt, mindestens 50 der Bedürftigsten dieser Studenten Mittagstisch zu verschaffe». — Das Komitee Littet, Geldspenden an die Redaktion der „Wahrheit" zu überweisen, die auch Gesuche der notteideuden ungarischen Studenten entgegemrimmt und nach Maßgabe besonderer Dringlichkeit, soweit die vorhandenen Mittel reichen, erledigen wird. Desgleichen hat sich der Kassaverwalter Herr Markvs G oldst e i n, Inhaber des Cafe „Neptun", 20. Bez., Gautzplatz 7, erbötig gemacht, Spenden entgegenzunehmen. Für das Komitee: Markus Goldstern, R.Klumak, R. Chameides, M. Engel, Emil Rimhäuser, N. Knoll, M. Schnitzler, Frau P a d a w e r,. Frau T a u s k y, Frau G o l d st e i n, Frau Beim. Komitee zur Sanierung der israelitischen WohlfahrtS« anstatten Wiens. FreÄag, den 17. d. M., fanden sich der Präsident Rabbiner Dr. Max Grunwald, Vrzkpräsident Kultusrait Julius Berge r, Schriftführer Redaktenr Lurdwig Hirfchfeld und Vorstandsmitglied KuLtnsvat D. Dohan in der Wohmmg des Herrn Kullusratss I. Schwarz ein,' um ihm anläßlich seiner ErnenmWg zum Ehrenmitgliede des Komitees zu gratulieren. DaL diesbezügliche Diplom überreichte Herr Rabbiner Dr. Max G r.u n w a l d und betonte in einer vom Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Ansprache die großen Verdienste des Herrn Schwarz Mn jüdische Mchiffohrtsanstalten im besonderen, und sein charitatives Wirken seit Jcchrzchnten Än allgemeinen, dessen segensreiche Früchte Herr Knlmsrat Isidor Schwarz in seiner bekannten Bescheidenheit stets arrderen zuAuschieben ^beftrM ist. Bei dieser Gelegenheit wollen wir fesHellen, daß er der Fünfte in der Reihe der EhrermnitAieder des Komitees ist. Mit ihm teilen die Wunde: Herr Rabbiner Dr. Max Grun-

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