Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 23 (24.11.1922)
- Date
- 1922-11-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seite 3 2 Krems die Berufung an die niederösterreichische Landesvegierung (übertragener Wirkungsbereich) in Men ein-- gebracht werden. Der Bezirksharlptmann: Dr. S t a h l." Die Folge« des Arierparagrapheü in den Touristenverernen. Die Mitteilungen der SEon „WienGwald" des Oesterreichischen Äöuristenklubs vom November- D^emder 1922, Nr. 11-12, enthalten unter anderem folgenden Aüsivuif: „Mitalieder, hört uns! An Stelle unseres schönen Men Fvanz ^vebs-Schutzhauses am Schöpft, welches am 1. November 1920 nisdeÄrannte, begann die Seklionslsitung ans Anregung der früheren verdienstvollen Leitungsmitglieder Baurat Ing. Arnold Spitzer und Bruno Ribar mit dem Bau unseres neuen ^Schntzhaluses amSchüpfl. Im Herbst 1921, als noch nicht diese furchtbare Geldentwertung alle Berechnungen umfließ, ging der Bau ziemlich flott vonstatten. Die Hilfe erfahrener Fachleute, wie BcAvrat Spitzer, R ib a r, Ro f en, nicht zuletzt des Schutzhauspächters Kosiron ermöglichten bis zum Winter einen verhältnismäßigen Fortschritt. Das Haus konnte bis zur Pavapetthöhe gemauert, mit Eternit gedeckt und für die Pachterleute eine allerdings primitive Notwohnung geschaffen werden. Dann trat aber 1922 die schreckliche Teuerung ein. Im Frühjahr 1922 kommen noch du zu die Unstimmigkeiten wegen der Satzungsänderung des Gesamtklubs, der sich auch die SÄtirm Wienerwald" unterwerfen mußte. Sv rührige Leitungsmitglieder wie die H err e n Spi tze rund Ridar zöge.ns ich leid er zurück. Trotz aller Versuche, Geld für den Weiterbau des Haulsts zu erLangen, glückte es der Sektionslei^lng nur in einem Falle, von einem Freunde unserer Ziele ein HMwegs namhaftes Darlehen zu erlangen uftv." Diese Zeilen bedingen kerne Erklärung. Wenn dasSchöpfl-Schutzhaus nicht vollendet wird, ist diG in erster Lime Schuld des Rechtsanwaltes Dr. Walter R i e h l, des Führers der Wiener HakenkreuzLer, des Urhebers des Arierp aragraphen im Wiener „DourrifteuWub", der die Mitarbeit begeisterter und opferbereiter jüdischer Naturfreunde unmöglich machte! Dr. E. Weinberg. Oalon ckeutsrkLslerreicdiscker» Juden IX., Berggasse 4 Blifjlledsfiari fltStTflnai. Telephon 19-2-77 Die Wahrheit Nr. SS Finlsdung zu der Montag) den 27. November« präzise 8 Uhr abends, im Souterrainlokale) des »Kaffee Industrie*11) IX.« Porzellangasse 32 statlfindenden Mitgliederversammlung. TAGESORDNUNG t 1. Ansprache des Obmannes 2 Gemeinderat Dr. Rudolf S"chwaTZ'Hiller »Palästinafrage und Weltkongreß*1 3. Alexius Salzer: »Die Bedeutung derPresse im Judentum*1 4. Diskussion. Damen und von Mitgliedern eingeflihrle Gäste sind herzlich willkommen! Für den Auss-chuß: Alexias. Salzer Moriz Oesterreicher Michael MaxWeißjjj Oboufm-SUIivciireter Obmann ScJuUtfübrer Wahrheiten vom Tage WZ Aus einem akademischen Wetterwinkel. Die alte Prager Burschenherrlichkeit, die sich, als Oesterreich noch eine germmrisierende Rsgievung hatte, in tollsten Balgereien mit der tschechischen Bevölkerung der Landeshauptstadt auslebte, mußte stch nach dem Umsturz anders orientieren. Bunte Rcützen und schwarzrotgoldene! Bändpr aus dem Graben spazieren zu führen, wäre schlankweg Selbstmord. Denn keine k. k. Dragoner und ordnung^- machönde Polizisten könnten die Auslese deutschböhmischer Jugend vor dem Massakriertwerden schützen. Achs solchen Erwägungen vernahm man seit vier fahren im hunderttürmigen Prag nicht mehr den Kampfruf: „Bursche heraus!" Aber nnbetätigte, lange zurückgedrängte Rauflust droht die deutsche Jüngilingsbrust zu sprengen, Indes, Gott hat in feinem Zorne auch Juden wachsen lassen und es fügte sich, daß einer von ihnen vor kurzem sogar zum Rektor der alten deutschen Universität gekürt wurde. Was darauf folgte, ist noch in allgemeiner Evinnevung. Wer sich dem schönen Wahn hingab, die jungen Herren werden es bei einem bloßen Protest gegen die Wahl eines jüdischen Professors zum Rektor bewenden lassen, hatte aber mit ld«Mschnicttional-aNit^ Psyche nicht .gerechnLt. Man hatte sich vor den strammen Jünglingen, die Rathenau zur Strecke brachten, baß schämen müssen, wenn die Herausforderung durch iden Juden Steinherz uniMwidert geblieben wäre. In Berlin, München und Leipzig starrte das jungvölkische Germanentum mit hohen AngMbrauen nach der Moldau. Solche Erwartungen durften nicht enttänscht werdon. Die Aktion setzte auch prompte Mm Streik, Belagerung der Hvrfäle und fonsti!ge Gewalttätigkeiten. O, es ist eine schöne und vor allem gefahrlose Sache, wenn eine „vergewaltigte Minderheit" eine noch kleinere vergewaltigen kann! Es zeigte sich auch, wo die höhere Kultur zu suchen ist: beiden „Wenzeln", denen es bishermie eingefallen, die Rafsenfrage auf akademischen Boden, zu tragen, oder bei den Alld^tschen, die sich in Prag einen Sympathieradau nicht versagen wollen. Diesmal liegt aber das letzte Wort nicht bei den Farbenwagendm, sondern maßgebenden Orts. Die vorwiegend nationale Regierung der tschecho-slowakischen Republik begrüßt es vielleicht im Stillen, mit den Prager Vorgängen >auch dem Völkerbund zeigen zu können, aus welchem Holz diese Deutschen sind, die auch im Kriege nichts gelernt und nichts vergeffen haben, in ihrem Dünkel und Herrenbewußtsein ein Element der Gewalt zu sein, das nicht grundlos eine Weit von Feinden gegen sich in die Schranken gefodert hat. Es ist diesmal ein Spiel mit dem Feuer, das bedenkliche Wammenkwise ziehen kann. Eine besondere Art der Judenverfolgung. Zu der von uns bereits gemeldeten Entziehung der Schmrklizenz an Juden in der Slowakei schreibt die Prager „Wahrheit": „Das Preßbnrger MinistMium entzieht nur Juden die Schanklizenz und vergibt sie an die Gläubigen des Hebrn Mmifiers. Man kann sich vvWommen d-aruit einverstanden erklären, im Interesse des Volkes die Schank^ lizenzen aus das Mindestmaß -öinJuschränken, den Schnaps^ verkauf jedoch an die . Konzession zu binden, führt zu jener Politik, welche die jüdische Konfession m >der SlowaM mit der politischen Konfession des Paters Hlinika verknüpfte Das Unmögliche macht die Prager. Rogierrvngskunst in der Slowakei möglich," , , .