Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 23 (24.11.1922)
- Date
- 1922-11-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 i c_2B a h r h e i t Sei re 1Ö mir den südrussischen Tartaren, ein großer Teil, der westlichen mit. den mordasrKanffchen Mauren überein." .. Noch ungewöhnlicher ist seine Auffassung des Begriffes. N a t i o n. Die „Alten" sind nicht als Nationen, sondern, von Plato -und Aristoteles nicht anders als in der Stadt-Staatsform gedacht worden; der Hellenenname bezeichnet.-kein „Volk" in uüsevem Sinire, sondern die Summe. der Nationen im Gegensatz zum Barbarentum. Später bezeichnet Nation erst den Inbegriff einer Gemeinschaft von Bekennern, einen Gla ltibe it s.verband. Unter den Juden der Makkabäerzeit spielt. der Stamm noch eine «große Rolle, den Juden der talmudischen Zeit bedeutet er nichts mehr. Der Fürst von Adiabene trat in urchvistlicher Zeit mit seinem .ganzen Volte zum Judentunr über; damit «waren sie der jüdischen Nation einverleibr, wie es beim Adel Armeniens und kaukasischer Stämme sowie «bei den Beduinen Arabiens der Fall war; das Einheitsgefühl der Nation ist offenbar selbst durch solche Rassenunterschiede nicht erschüttert worden. Die Christen fühlten sich von Anfang an als Nation und sind von den übrigen Griechen („Heiden") wie Juden nicht anders ausgssaßt worden; diese Haben ihren Mfall vom Jndentülm ganz folgerichtig als Hochverrat behandelt. Die Christen begeichneren die Arrdersglänbigen als ta etbne (eine Uebersetzung von Amchaarez ins Griechische). Spengler weist darauf hin, daß Antiochus Epiplhanes nicht das Judentum, sondern JNdäa bekämpft häbe, ferner, daß das Leben der Juden 'in der Zerstreuung schon seit Jahrhunderten bestand, daß sie in der Zeit von Cyrus bis Titus schon eine Nation ohne Land sind und der ÄreuWug von 115 dem jüdischen, aber nicht dem fuidäischen Jdeäl gallt. „Mit dem Zionismus' ist «es damals wie früher unter Cyrus und heürte «nur einer ganz geringen und geistig ^beschränkten Minderheit ernst gewesen. *) Hätte man das Unglück wirklich als ,Verlust der Heimat' empfunden, so wäre die Rückeroberung seit Marc Aurel hundertmal möglich gewesen. . . . Die ideale Form der Nation war die Synagoge', wie die «urkatholische Kirche und wie der Islam, und gerade sie ist durch die Vernichtung von .Judäa und dem hier geltenden Stammesgeist erstganz verwirklicht worden." Wichtig erscheint uns seine Feststellung, daß die Sittensprüche Christi gar keine neue Lehre enthalten; „es waren Sprüchwörter darunter, wie sie damals jeder kannte; seine Lchve war einzig die Verkündigung der letzten Dinge und 'des himmlischen Reiches und letzten GeriWes." Sehr treffend ist die Bemerkung daß das Bild der Evangelien von ihm notwendig in diesem Punkt falsch geworden sei, als seine Lchre sich in die Lehre von ihm .verwandelt hatte. Richtig schildert er das vollkommen Abständige Austreten von Paulus, der das alte Testament für erfüllt Und abgeschlossen erklärt hat und bemerkt dazu: „Es scheint uns heute unfaßbar, daß hundert Jahre Christentum, und Judentum dieselbe heilige Schrift, nämlich den jüdischen Kanon besaßen. . . . Marion hat die Christenbibel geschaffen." Spengler nennt die.Juden ein -Fellachenvolk, weil sie so wie die Aegypter ihre Kultur vollkommen bendet halben, und da es mehrere solche Völker annoch gibt, meint er, ihre Stellung sei gar keine so einzigartige, wie allgemein angenommen wird; auch das Judentmn nennt er eine Fellachenreligion, d. h. eine völlig abgeschlossene. „Seit Maimonides fft der Lehrstoff in seiner- Gänze als etwas Fertiges und Starres in einem großen Werke KUsammengerrqgen und nicht mehr erweitert worden." Die spanische ' Das karm nicht gerade behauptet Werden. (Anm. d. Vers.) Periode nach 500 bezeichMt er als das jüdische Barock. „Darrageua, Toledo irnd Granäda sirid vorwiegend' jtidische Großstädte." Die Karäer nennt er die Träger einer puritanischen Bewegung, die den Talmud verwarf und zur reinen Thora zmückkehren wollte. Vom Mittelalter sagt er: „Man haßte und verachtete sich kaum aus dem Bewußtsein eines Rassenunterschiiedes, sondern aus Mangel an /Gleichzeitigkeit'. Die Judengasse des eigentlich großstädtischen proletarischen-Ghettos ist der gotischen Stadt um tausend Fahre voraus. Kam ein Rabbiner aus Mainz oder Salerno nach Kairo, Basra oder Motto, so war er in jedem «Ghetto zu Hause. In diesem schweigenden Zrrsanrinenhalt lag die Idee der Nation, er war Staat, Kirche und Volk zugleich — was man int Mendlnnbe nicht wußte. Spinoza und Uriel Acosta sind aus diesem Staat, der fein eigenes Recht und seiu eigews öffentliches Leben hatte, duich einien wirklichen Hochverratsprozch ausgewiesen worden, ein Vorgang, den die Christen reicht verstehen konnten." Hübsch ist auch «folgerr.de Betrachtung: „Die Römer waren Idie ,Juden' der srüharabischen Zeit und in denr apokalyptischen Haß -der Aramäer «gegen sie liegt airrch etwas dem «westeuropäischen AntisenMsmus «Verwandtes; es war einechter Pogrom, als inr Jahre 88 «aus einen Wink von Mithridates hin an einem Dag 100.000 römische Geschäftsleute von der erbitterten Bevölkerung Klemasierrs ermordet worden sind. Damals waren die Juden Bauern, Haüdwevker, Kleingewerbetreibende." Speugler bestreikt die Möglichkeit, daß wir uns voll und ganz innerlich «als Angehörige eines Wirtsvolkes betrachten. Ans Mangel «an kultureller Gleichzeitigkeit bleibe uns der letzte Sinn dessen, um was dieses käm-pft, verschlossen; so sei es auch 1914 gewesen, dlber er sagt selbst, daß z. B. der Vorsprung unseres uralten geschäftlichen Denkens dem Amerikaner gegenüber kaum mehr vorhanden ist. Da also die Schnellebigkeit nrrserer Zeit den notwendigen Ausgleich rasch «vollzieht, dürste die Behauptung nicht aufvechttznerhalten sein. Disraeli z. B. war gewiß nicht bloß imstande, gute englische Politik zu machen, er hat sie auch gemacht. Ebenso ist Unsere „Aufklärung bis zum Zynismus", unsere Beteiligung «anr Sozialismus und Atheismus nicht richtig gedeutet, weil Spengler übersieht, daß uns seit den Propheten, ja eigentlich seit dem größten Einanzipator Moses ein Trieb zur Negation, zur Revolution, zu fortschrittlicher Veränderung und Verbesserung im Blute liegt. Er -übersieht, wie leicht verzeihlich, daß das Einzigartige «am Judentum der untrennbare Zusammenhang von Religion und Rasse ist und daß er diese Religion nicht mit in Betracht zieht, bildet «die einzige Schwäche seiner «geschichtlich sonst einwandfteien Beurteilung. Diese Objektivität tragt ihm «den Haß der urteilslosen Antisemiten vom Rassenstaudpunkt ein, die ihm nicht verzeihen können daß er urteilt und nicht schinrpft. Zur Frage des jüdischen Weltkongresses. Die publizistische Diskussion über der: jüdischen Weltkollgretz in zionistischen 'Kreisen weist sehr bemerkenswerte Widersprüche aus, welche darauf schließen lassen, daß der diesbezügliche Beschluß der Karlsbader Jahreskonferenz die bestehenden tiefgreifenden Gegensätze nicht überibrückt hat. Zwischen den Anschauungen des nationalistischen Flügels der zionistischen Organifativn unter Führung des Ingenieurs Stricker und jenen der opportunistischen Gruppe unter Führung 'des Obervabbiners Doktor C h a j e s findet sich kaum ein gangbarer Mittelweg. Herr Stricker schreibt: . „Meine StellunWahme gegen einen alljüdischen Weltkongreß für die Palüstinasache ist cmf die Ansicht gegründet,