Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 23 (24.11.1922)
- Date
- 1922-11-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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L Me ft Hai der -ucrölmbcteii Bevolkeririrg die Augen geöffnet. Wir mären also gewisivrmaßen Propheten, fürchteten die Dinge, die da kommen würden; Herr G. dagegen ist — er verzeihe das harte Wort —- rückständig, er gibt eine leider weit verbreitete Ansicht wieder, die besagt, daß die Juden wogen ihrer Teilnahme an extremfortschrittlichen Parteien verhaßt sind- Das ist ein überwundener Standpunkt, auch temporär überwunden, spuckt höchstens im Kopse einiger Leute, die nicht alle werden, wohl aber alldeutsch. Diese Leute werden die Juden hassen, auf wessen Seite-unsere Glaubensgenossen immer stehen werden, die große Masse der Sozialdemokraten nnd Kommunisten aber, denen es gleich ist, wer sieführt, sei er Christ oder Jude, werden sich, das war unsere Meinung nnd an dieser hatten wir fest, gegen den letzteren wenden, wenn er sich gegen sie wendet, das heißt, wenn er in Monarchismus machr. Damit sei nicht gesagt, daß wir an dieser sogenannten Judenschutztruppe interessiert sind, nein, unser Interesse wendet sich in christlichen Kreisen ausschließlich den! Unparteiischen -zu, die allein das abfällige Urteil der Völker über die Juden berichtigen können. Diese Unparteiischen fehlen leider zum großen Teil in der Judenfrage, und am wenigsten konnten wir nach den bisherigen Erfahrungen vermuten, daß sie unter den Monarchisten zu. finden seien Wir haben im großen und ganzen hier nochmals das ausgesprochen, was seinerzeit schon gesagt wurde und was trotz'Herrn G. nie und nimmer bei der heutigen politischen Konstellation hinfällig wird. Wir haben den Inhalt des von uns kritisierten Artikels — man könnte beinahe sagen — mit der Lupe geprüft und dann geurteilt. Eine bessere Art der Prüfung stand uns nicht, zu Gebote, wir kennen im Gegensatz zu Herrn G. nicht das Gofüge der „Oest. Staatspanei", cs ist uns auch gar nicht möglich, es zu neustrahlen und dem Regen begünstigt zu sein." Talm u d Jerusalem. .Den Reichtum edlen Zwecken zuzusühren, Uneiigennützigkeit an den Dag zu legen, ist Wille Gottes. Rabbi Jochanan ging mit Rabbi Chija von Tiberias nach 'Sephvris, Ortschaft im Jordantale, und ikamen all einem Ackerlande vorüber, welches Rabbi Jochanan als sein Eigentum dem Rabbi Chijan bezeichnt. Sie gingen weiter, und gelaugtenzu einem großen Weinberg. „Mich diese Weinbnge sind mein Eigentum" sagte Rabbi Jochanan. Da weinte Rabbi Chija. „Warum weinst diu?" fragte ihn sein Reisegefährte. „Weil du nicht an dein Alter dachtest", denn Rabbi Jvhana lvvllte dieses Besitztum verkaufen, um aus denr Erlös sich mehr dem Thorastudiium zu widmen. Rabbi Jochanan sagte dem weinenden Rabbi Chija: „So gerillgfügig erscheint es dir, daß ich Gegenstände, die Gott in 6 Tage geschaffen, für etwas, daß in 40 Tagen, wo Gott dem Moses die Thora gab; eintausche?" Midrasch Schir H as chi ru m. Rabbi Meir, ein sehr scharfsinniger, geistreicher Gesetzes- und Volkslehrer der ^tden in Pälaschna, erblart: „Reich.ist derjenige, der mit seinem Reichtume sich freut, drr durch Streben nach Mehr oder Geiz den Genuß seines Besitzes nicht verdirbt." T a l m. Beza 32. Reich ist derjenige, dar durch seinen Reichtum bei den Bewohnern seiner Stadt ehrenwert und geachtet ist. Kid d. 49/1). Wer sich der Gotteslehre vollkommen - hingibt, ist reich, Ke 1h u 6 5 0, weil ihm Streben nach Neberfluß fehlt. .Albert L ö w. Rr. U femten, denn die Herren trefferr sich — Vorsicht ist die Mutter der WeishOt!.— stets „im bekannten Lokale". Was kalill. da ein prinzipieller Gegner anderes trm, als nach ibcm sich zu richten, was er von der Partei lieft und was er von den anderen monarchistischen Parteien hört. * ‘ Und daß dies llicht immer das beste ist, beweist die folgende 'ergötzliche Geschichte von der Anhängerschaft des Herrn Obersten Wolfs, wir konnten nicht vennutM, daß die des Herrn Oberleiltnant Hoynigg besser sei. Wir wollen es nunmehr annchmen und danrit ist die „Oesterreichische Staatspartei" -für uns erledigt, nicht aber ihr Antipode, der Herr Obovft Wolfs. Wir haben uns mit diesem Herrn und seinen Konsorten nicht besonders beschäftigt, sondern nur von der merkwürdiigen Schadenfreude berichtet, die der „Mend" aus Anlaß des Freispruches dieser Herrschaften, der ihm wahlverwaildten Genossen von der „Roten Fahne" und des anscheii-ilend nicht ganz rwrmalen Herausgebers des „Volksstlmnes" enlpsand. Was nun den ersten Prozeß anbelangt, so könnte man uns, da wir lticht dazu Stellung nahmen, trotzdem bei -diesem Anlasse weidlich auf die Juden von Seite der Angeklagten geschimpft wurde, vielleicht einen Vorwurf machen. (Beim Prozeß gegen den antisemitischen „Volkssturm" erübrigt sich ein solcher Vorwurf, denn -das Blättchen leidet an krankhafter Idiotie und ist daher nicht ernst zu nehmen.) Wel wichtiger, wM inlmerhin enren Teil der österreichischen Bevölkerung vertretend, ist die „Staatswehr", urtd trotzdem sprachen wir nicht über oder gegen sie. Wenn wir heute wieder aus -den Prozeß zurückkommen, so geschieht di>es aus -einem besonderen Anlasse. Unter den Angeklagten befand/fiel) auch — vielmehr als die interessanteste Erscheinung von allen — ein hosfnullgsooller Jüngling, 'der sich stramm deutsch-christlich-monarchistisch gebärdet sowohl im Gym-- uasium als auch in der Oessentlichkeit. Der Bub kmm außer deutschen Schulaussätzen auch Artikel schreiben, eine künftige Größe der österreichischen Journalistik. Nun aber koinnlt das Ergötzliche an der Geschichte: Bei diesem jungen deutsch-christlichen Kämpfer, der Schulter all Schulter mit dem Arier Wolfs stand,, ist es mit der eigellen deutschen Abstammung nicht sehr weit her. Der Großvater war arrs dem sehr ungarischen Osten nach Wien eingewandert und der Enkel macht in deutschem Christentum und wird trotz seiner Jugend für vollwertig — sowohl iu Abstamlnung wie ln puncto des Verstandes — genommen. Haha! Wenn der von den „Wiener Stimmen" seinerzeit angekündigte Geheimbund für arische ReinemacheM es wirklich ernst mit seiner Tätigkeit meint, so müßte er vor allem auch diesen jungen Helden — wäre -er dort geblieben, von wo sein Großvater kam, so wäre er nur ein ungarisches „Jüngel" — und mit ähnlich gesinnten und äh n lich ab - stammeuden Helden aufräumen. Noch mehr aber als diesem phantastischen Bunde ist der Schuldirektivn der Fall zu empfehlen, denn die Eltern scheinen jede Macht verloren zu haben. ... An unsere Leser! Die nächste Nummer unseres Mattes, zugleich dir letzte des vorliegenden Jahrganges, erscheint als Charttikkanummer am 15. Dezember d. I. G i e Ä a hrjejt