Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 22 (10.11.1922)
- Date
- 1922-11-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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ständigen Sttiilbcntcn Moses W. R eelr S, dessen Eltern >dt dem Jahre ly04 in Leoben wohnhaft sind. Der junge Mann hat dre Volksschule nn!d das Gymnasium in Leoiben absolviert -uitlb im Jahre 1920 daselbst ntaturiert. Das Opiionsgesuch der Familie wurde von Herrn Wabe r angewiesen nnld daraufhin die nrit Vorbehalt erfolgte Jru skription an der montanistischen Hochschule cmmifliert. Nach diesem Vorgänge sollte man meinen, daß sich die Levbener Hochschule gegen die- Ausnahme von Ausländern im allgemeinen wehrt. In Wahrheit studieren an derselben jedoch zahlreiche Polen, Ukrainer, Ungarn, Bulgaren, Rumänen und Serben. Die Zurückweisung des Reelis ist also nicht erfolgt, weil er Ausl ä n d e r, sondern weil er Jude ist. Auch hier stehen Referat und akademischer Senat im Widerspruche mit den bestehenden Gelsetzen unter der Diktatur eines deutschnationalen Hochschulabschlusses. -- Unser Rechtsschntzdüro wird die Angelegenheit energisch iveiter verfolgen. Mitteilungen aus dem Zentralvorstaud. Für unseren Pretzsonds sind -neuerlich eingegangen: Bon Herrn Alexius Salzer K 100.000, von G. S. K 50.000, Ergebnis einer Sammlung X 960. — Wir sagen den Spendern herzlichsten Dank und bitten um weitere Zuwendungen. Jene Mitglieder, welche mit der Zahlung ihres Mitgliedsbeitrages pro 1922 noch im Rückstände sind, bitten wir dringend um s o f o r t i g e E n t r i ch t u n g desselben, da die. neuerliche Verdopplung der Porti uNd Eisenbahn - tarise unser Biüdge-t schwer belastet. Aus unseren Ortsgruppen. Mitgliedschaft Wien-Alsergrund. Unter dem Vorsitze des Obmannes Herrn Moritz O e st e r r e i ch e r fand am 2. November eine zahlreich besuchte Ausschußsitzung dieser Mitgliedschaft statt. Der Obmann berichtete eingchend über das Mischerr der „Union" und dem Herausgeber der „Wahrheit" getroffene Abkommen und forderte zum Wonnement und zur Stärkung des Preßsonds aus. Sekretär Fleischer erstattete das Referat über die Stellungnähme zur Pa'lästinasrage und zum Weltkongreß welchem die Versammlung einmütig zustimmte. Herr Alexius Salzer gab seiner voller: Befriedigung über den vom Zentralvorstaud in diesen wichtigen Fragen einlgenvmmenen Standpunkt Ausdruck und betonte die Notwendigkeit einer erhöhten aktiven Tätigkeit der „Union" un!d M ihrer Ortsgruppen, um alle Juden mit dom Bewußtsein zu erfüllen, daß jedes Einzelschicksal vom Schicksal der Gesamtheit abhänge. Die Herren Michael M. Weiß und Weiner sprachen Iden Wunsch aus, daß in allenöffentlichen Erörterungen bei strenger Wahrung des prinzipiellen. Standpunktes das Bestreben nach einer friedlichen Ausgleichung der vorhandenen Gegensätze zum Ausdruck gelange. —■ Es wurde beschlossen, in nächster Zeit eine größere Ver-samnilung abzuhälten. Ort und Zeit dieser Versammlung werden in der nächsten Nummer der „Wahrheit" bekanntgegeben werden. jiHMiMiUiliiiiiiui»MiiiiBBiiiiuuiiiH»uuiaaiRRii»iiiaaiiaaiaiii*iai^ Zur Beachtung! j Wir ersuche» unsere geehrte» Mitglieder, Bestellungen ans die ,.M ahrheit" a» die Administration de« Ktattes. II., Heinestraße 13 (NostsparKassrnKonto Ur. 100.018) mit dem Vermerk: „M. d. U." (Mitglied der Union),;« richte«. Mir ersuchen dringend «m Spenden füv den Preßfond, welche an «nse» Zentralbüro, IX.» Herggass» 4, geleitet werden wollen. SiNnu Wahrheiten vom Tage Beamtenabbau. Ein bekanntes Sprichwort variierend ließe sich sagen: Einern Narren soll mau keinen nnferNgeu Resorin- und Sanierungsplan zeigen. Irr großen Umrissen in: Prinzip zwar steht er bereits fest, entsprechend den Forderungen der Völkerbunddelegierten. Aber es wird nach dein, was bisher verlautete, doch Wasser in den hüben Wein gegossen werden, weil nach aller Erfahrung durch Reden die Leute, hier die kontrahierenden Parteien, zusammen kommen. Immerhin genügte das Wort „Beamtenabban", den heftigsten Widerspruchftnrm unter den Bedrohten ausznlösen. Niemand scheidet leichten Herzens von den süßen Gewohnheiten des Daseins, niemand von einem Berufe, der hohes Einkommen bei unmerklich wenig Arbeit bringt, wi!e es in den Kreisen der Bundesangestellten das Normale ist. Wir haben uns über diesen Punkt bereits in einer früheren Notiz „Die Unzufriedenen" geäußert. Die Beanrteninslation, wie sie schon oft geschildert wurde, bildete immer öffentliches Aergernis und eine Mitnrsache des fressenden Dofiziltrebses am Staatskörper. Wenn sechs Mllionen Menschen 260.000 unproduktive Zehrer erhalten sollen, wie es bis' nun in der deutschöfterreichischen Republik Brauch, respektive Mißbrauch gewesen, dann versteht und billigt man die Forderung der Völkerbundvertreter nach Reformen und Sanierungen in der angedeuteten Richtung. Der Llbban wird das Verwaltungsgebäude der Republik um so weniger gefährden, als nach Entfernung der schädlichen Drohnen genug Arbeitsbienen zur Erledigung der Geschäfte verbleiben werden. Hier nun sind wir bei dem springenden Punkt der Angelegenheit. Der Wbau darf nicht nach jenen Prinzipien in die Wege geleitet werden, wie es bei dem lleberaufbau geschehen ist; nicht durch Pro tektion und Freund er lw irtschaft, die Sinekuren schuf und mit den ungeeignetesten Personen einige Aemter in dupio und andere gar nicht besetzte. Es wird auch kein Unglück sein, im Gegenteile, wenn diese Protektionskinder zu ihren früheren Berufen eines ehrlichen Gewerbes oder ländlichen Schaffens wiederkchren. Der Wbau muß sich vollziehen nach dem Prinzip: „Freie Bahn dem Tüchtigsten", nicht dem Parteibewähvtesten, der im Nebenberuf — Zeit genug ist ja gegeben — wüste Demagogie betreibt. Dies gilt von den Anhängern der jetzigen Majoritätsmachthabern, in deren Händen das Abbauvorsahren aller Willkür die Zügel könnte schießen lassen. Es ist kein Geheimnis, daß in manchen Bundesämtern die arische Kollegenschaft die nichtarischen hinauszuekeln lebhaft am Werke Ist. Soweit dieses Bestreben nicht den gewünschten Erfolg -hatte, wird es die Parole des Abbaus munter fördern. Bon den willfährigen Kreaturen der Schnitz, Kraft und Odehnal läßt sich schon etwas erwarten. Die jüdischen Bundesbeamten werden daran glauben müssen. Denn hier endet der legenäre „Schutz der Minoritäten", wenn er ans diemn Gebiete bei uns jemals bestanden hat. Die jüdische Canaille. Wenn der liebe Leser diesen Titel sehen wirb, so wird er sofort an eine neue G-emoin- HM von Antisemiten, womöglich an eine neue Blutbeschuldigung in einem obskuren Städtchen Polens denken. Nein, die Geschichte ist diesmal nicht so ernst, wenn man es nicht als traurig 'bezeichnen will, daß sie sich nicht im grauen Osten, sondern in der zweiten „Weltstadt" des Deutschen Reiches, in München zugetragen hat. Dort existiert ein Winkelblättchen, natürlich 'deutschnationaler Tanldsnz, der „Völkische Beobachter", dass«! Äairar Dietrich