Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 22 (10.11.1922)
- Date
- 1922-11-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Geile H) Der Mpfel der Keuchelei. Die Karmner der deutschen Studentenschaft hat ani läßlich der geplanten Hochschulreform an den mediizinischen Senat eine Erngaöe gerichtet, in lvelcher als die eigentliche Aufgabe der Hochschulen die Vermittlung einer möglichst allgemeinen Bildung aus deutscher Grundlage, welche heute iirmtef mehr in den Hintergrund tritt, bezeichnet wird. EH wird darüder Klage gefi'ihrt, daß der Großteil der Lern beflissenen nur die Erlangring des zur Anlegung der Prüfungen notwendigen geringsten Maßes von Kenntnissen anstrebe., und das völkische Organ schaltet hier ein, daß dieser Zustand durch die „Verjudung" — sowohl des Lehrkörpers als der Hörer — wesentlich verschärft wurde. Weiters fordert das Schriftstück für die notleidende Universität die Selbsthilfe, da die deutsche Studentenschaft nicht d>i!e Almosen außenstehender,Kreise in Anspruch nehmen teüL Ein heuchlerischeres Dokument ist wohl noch nie in die Welt gesetzt worden. Wir- Haben schon jüngst darauf hingew-ichen, daß die' sogenannten Trichterschulen eine vorwiegendcwische Einrichtung sind, zu dem Zwecke, um unseredeuts^rationalen Studenten durchdasnnverm«Lliche' Jnsenno der- Prüfungen so rasch und mit so rolenitz Wissensbaüast als möglich in den Himmel fetter Aemter:und.Pfründen znführen. Von „faustischem Wissensdrang" ift-da wahrhaftigwenig zu spüren. Und die „Verjudnng"? In der Glanzzeit der Wiener Universität wirkten U n g e r, Glaser und G r ü n h n t an der juridischen, Stricker, Ne u m an n und Kaposi an der medizinischen Fakultät- unddieser Hochschule gereichen Namen wie S ch e y, M e n -z e l und G r ü n b e r g, Tandler, Fr ä n ke l, Ehrmann, Hajek, N entmann und S t<. in ach noch immer zur hohen Zierde, mögen aucheinzelne der Genannten nicht mehr Juden, sondern nur noch „Semiten" sein. Und K o rilansky und Skoda, das Dioskurenpaar, das den Ruhm der Menvr medizinischen Schule überden Erdball trug; waren nicht Teutonen, sondern Ezechen. Wirs aber die Notlage der Universität und die Frage der Selbsthilfe betrifft, so wäre gewiß nicht" das Mindeste dagegen einzuwenden, wenn die Mittel'für die Erhaltung der Hohschule aus arischen Kreisen reichlicher einflössen. Es" muß' jedoch daran erinnert werden, daß es wieder" ein Jude, Regierungsrat Klebinder, war, der die Hilfsaktion-für die Universität anregte, zu welcher die Juden in. unverhältnismäßig reichem, die Nichtjuden in unverhältnismäßig geringem Maße Beiträge leisteten. Sowenig wie die Versicherung, „faustischen Wissensdranges", wird heute die stolze Pose, mit der die völkischen Heilohbrüder die „Selbsthilfe" proklamieren, ernst genommen. Die Zeit ist vorüber, in' der man der Welt nur blauen Dunst vormachen konnte. - Z^chart Spenden für unseren Pretzfonds! WÄLet Mitglieder für die „Union^I Womrrert unser" Organ, „Die Wahrheit! Gedenket bei FLmiliettsesten, bei Destametttserrichtimgea> Spielgewinsten usw. unseres Rechtschutzbürosl Cs kouunen ernste Zeitenl Psleget den Opserfirm für unseren gemeinsamen Kamps! Nr. 22 Zur Frage des Weltkongresses. Die „Jüdische Presse", das Organ der Aguda, eröffnet in ihrer Nummer vom 27. Oktober die Diskussion über den Weltkorrgreß und schreibt in dies eia ersten- Artikel: „Die Idee ist nicht neli; daß sie jetzt Widder aktuell geworden ist, liegt in der Tatsache, daß der Zionismus nicht länger mehr mit der Fiktion arbeiten kann, -als wäre er die Vertretung des Volkes. Anderseits verlangt das Mandat, daß tatsächlich die Judenheit insgesamt zu der Palästinasrage auch irr politischen Beziehungen Stellung nehmen soll; unr die Führung nicht aus der Halld zu lassen, wagt also der Zionismus den Versuch, sich IdieLogitimation der gesäurten Judenschaft zu erholen. Es heißt natürlich, daß diese Legitimation imr gewünscht wird in bezug aus Palästina. Aber so raschvergißt die Welt denn doch nicht, daß selbst der schlichteste Mann an diese Beschränkmig glau-bt, denn iver wüßte nicht, daß man die Palästinaidee zum Vorwurf nalhm, um fast in allen Siedlungen der ^zuden jene n a t o n a l e Leidenschaft zu entfachen, die nnt der bittersten logischen und geschichtlichen- NoÜvendigkeit als Gegenstoß den Judenhaß irr niemals^ noch erlebter umb geahnter Heftigkeit entzündete. Und wir klagen hier öffentlich an jene erbärmlichen- Führer aus fotaift Westen, welche die Jüdenmassen aus dem Osten zur Anmeldung nationaler Fvrdernngen auspeitschten, um sie dann schutzlos allen jenen Ver so laungen nNd Erniedrigungen Preiszugelben, welche mit der nnauslbleiblichen starren Konsequenzder Prozentnorm verknüpft sind. Wir klagen in diesem ZusammeiHang auch an die vielleicht wohlmeinenden ThevretWr, welche in seltener' Verkennung' des -geschichtlichen Mlaiufes das absolute materialistische^ nationalistische'Wollen als dereiNbär mit dem Geiste der Judenheit beweisen zu können glaubten." Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehrburecm. Antisemitismus der- Leobener Hochschule. Die steirischen Sozialisten haben iw Nativ nalrat eine Interpellation an den Handelsminister' wogen antisemitischer Gesetzwidrigkeiten an der montanistischen Hochschule in Leoben eingebracht. Es heißt in der Anfrage: „Die an dieser Hochschule wirkenden Lehrkräfte legen eine Auffassung von ihrer Stellung und ihren Amtspflichten an den Tag, aus der hervorgeht, daß sie sich überhaupt nicht bewußt sind', Bundeslchrer zu sein. Man gewinnt den Eindruck, daß mit der Leitunig dieser Hochschule nicht Lehrer der Msserrschaft, sondern Bedi en ted eutsch"natio na ler Vereine betraut sind. An dieser Anstalt entscheidet eine Kommission über die Aufnahme von Hörern. Aufnahmsweober, deren Person der sogenannten studentischen Vertretung ans irgendeinem GrtlNbe unaNgenchm ist, wird die Inskription verweigert. E i n e m S t u d e n t e n j ü d i s ch e r K o nfesston— seine Familie wohnt seit 1903 in Leoben —, der seit frühester Jugend in Leoben wohnt, deutsche Erziehung genossen und deutsche NnterrichtsaNstälten besucht hat, wird seit d r e i I a h r e n d i e I Ns k r i p t i o n v e r w e i g e r t, angMich, weil er Ausländer ist, in' Wrvklichkeit, weil er Jude ist uNd weil es einigen döutschnationaken Burschen der Leobener Hochschule gefällt, einmal i i n ean-Jud e n da s S ind i um unm ö gl ich z u machten, dessen Mittel' nicht ausreichen, die Indien an einer^Höchschnle fern von dem ÄohNfitze seiner-Eltern Elsznnchmen." — Nach, unseren JiHovmationen handelt es sich um den 21 jährigeü, nack/'Podhajce in Galizien zu! e W ,a h r h e l i