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Die Wahrheit · 1922-11-10 · Heft 22 (10.11.1922) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 22 (10.11.1922)
Date
1922-11-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Veröffentlichungen der „Union deutscböstemicbiscber Juden" Wie« IX., Berggaffe 4 Telephon Up. 18-8-97 - Die „Völkischen». Bundespräsident Dr. Michael Hainisch ist ciu Akann von Kultnr unfr Dfftinktion. Durch Besitz und Neigung in der heimischen Scholle wurzelnd, ein Mann von umfassendem allgemeinen Wissen, mit beit wirtschaftlichen Znsaminenhäirgen in Theorie und Praxis gründlich vertrant, ist er von einem tiefen sozialen! Eurpffuden beseelt, welches ihn davor bewährte, sich aus parteipolitische Dogmen eiNzüfchwören. Mit inniger Liede hängt er an seiner österreichischen Heinrat, mit Stolz zählt er sich zum deutschen Volke, das ihm der Träger einer hohen, -allen Wechsel äußerer Macht übendaneruden GeifteskuNir ist. So mar dieser Manu geradezu prädestiniert, in kritischer Stunde -an die Spitze -unseres da rnied erliegenden Staatswesens zu treten und es war ein glücklicher Griff der Nationalversammlung — bisher vielleicht ihr einziger — als sie ihn aus feiner 'bescheidenen Verborgenheit hevvorho-lte. -und z-nnr ersten Bürger der Republik nrachte. Bei >dem Empfange der Lä-ndervertreter hat Michael Hainisch eine Ansprache gehalten, die jedem ehrlichen Freunde Oesterreichs ans Herz griff. Er betonte sein festes Vertrauen zur Lckbensfähigke.it dieses Staates und zu dem Gelingen des Uebevganges in eine geordnete Wirtschaft. „Dafür bürgt mir" fuhr er fort, „der Fleiß und die Tüchtigkeit des alten Kulturvolkes, das dieses Land bewohnt, mtd seine Liebe zum heimatlichen Boden. Oesterreich hat überdies den -großen Vorteil, ein fast vollkommen einheitlicher deutscher Nationallstaat zu sein; die fremdsprachigen Elemente machen nur einen kleinen Bruchteil -unserer Gesamtbevölkeruug aus. Ganz äilinlich verhält es sich mit der religiösen Z u s a m m e n s e tz u n g. Daher werden uns nationale u^id r e l ig iö s -e K ä m p s e, d i e i ir a n d e r e n Land e r n e i n e s o u u e r q u i ck l i ch e Rolle s p i e l e n, e rspart bleib e n." Nein! antworten. Wir sprechen nicht -voir derr aiktn-ellen Diese Worte sind eine, eindringliche Mahnung, inr Augenblicke äußerster Not und Drangsal -allen unfruchtbaren Zank und Streit fahren zu lassen und alle wirksamen Volkskräfte zu gemeinsamer Rettnngsarbeit znsammenzufassen. Wird diese Mahnrrng aus fruchtbaren Boden fallen? Uebevblickt man unser derzeitiges öffentliches Leiben, so müßte man auf diese Frage fast mit einem verzweifelten Schwierigkeiten, welche durch die taktische Stellung der parlamentarischeu Parteien der Genfer Sanierungsaktiou erwachsen. Parteien und Parlamente sind vergänglich, taktische Manöver sind wandelbar. Das Bleibende in allem Wechsel aber ist das Volk. Und wenn man nun sieht, wie der Volksgeist systematisch vergiftet, wir trotz aller gemeinsamen 'Bedränlgnis, trotz der Gefahr vollständigen und endgültigen Zusammenbrarches der Klassen- und Rassenhaß ins Große gezüchtet wird, wie die ödeste Phrase, die nichtswürdigste Hetze täglich und stündlich ihre Triümphe feiern, wie die Gesetze verhöhnt und selbst von denen mißachtet weüden, die zu ihrer Handhabung bevitsen sind, dünn kann man nur mit viüem dsr besten Männer des alten- Oesterreich in den traurigen Ruf ansbrechen: „Armes Oesterreich!" Allen voran in der Zerrüttung der Volksseele stehen unsere „Völkischen", das sind die Wortführer des 4luch- und Justameutdeutschdums, die Nationalsozialisten, die Schutz- und Trntzbündler, die Studentenverbiinduulgen, kurz all jene Halbreifen und Halbgebildeten, tb*ie schon i-m alten NatiotMlitäteustaate einen der schlimmsten und großmäuligsten Klvpsflechter, Heran H. K. Wolf, aus ihre Schultern gehoben hatten und ihre abgestandenen Kampfrufe auch jetzt noch unentwegt weitergröhlen, obwohl ja mittlerweile - a-uch Oesterreich ein eckcheitlicher deutscher Nation alstaat gowolldett iift. llitlb wie sich aus eine kranke Geiß alle Fliegen setzen, so hat sich! der aus Dentschböhmen grüit'dlich hm'ausgel-chnte K. H. Wolf pünktlichwieder eingesuuden uiD im „Verein der Deutschnationalen" das abgeleierte Lied vom Anschluß an das deutsche Reich und der „Befreiung von der furchtbaren Pest des Judentums" von neuem heruntergeplärrt. Wer kennt Herrn K. H. Wolf nicht? Wer weiß es nicht, daß dieser „Teutscheste der Tentscheu" die Tochter seures Bi!liner Gastfveundes zur hölheren Ehre Wotans verführt und zwischen sich und den deutfchböhmischein Zuckeriüidnstriellen sehr Nützliche Beziehungen hergestellt hat? Es ist ein trauriges Zeugnis für den wachsenden Verfall unserer öffentlicher/ Sitten, daß dieser Manu in Wien wieder ein Publikum — und wäre es ein noch so armseliges — zu fintberi* vermag. Er wird hier ka>tlm wilder groß werden. Ab-er die Gefahr liegt in ‘bm Brm'desläudern, wo die politische Schulung der Massen rr-och lauge nicht so weit sorltgeschriten ist, wo die kräftige Luuige, das große Maul und die geballte Faust noch für Aeußerungen eines tiefgründigen politischen Geistes, einer überquellenden Liebe zuni Bolksitunr und einer tapferen Kanepfesfreudigkeit lgenomeimn w-erdeir, die just bei den ärgsten Schreiern im -entscheidenden Moment versagen. In St. Pölten, in Linz, in Graz und in Innsbruck, da blüht der Weizen unserer „Völkischen". Vergeblich sagt der BnNbespräsident, daß uns nationale und religiöse Kämpfe, die in anderen Ländern eine so unglückliche Rolle spielen, erspart bleiben werden. Diese Kämpfe sind bereits da mit Heiloh und Hepp Hepp und sie richten sich vor allem.zögen die Juden. Gibt es für die Masse ein wirksameres und überzeugenderes Schlagwvrt als das von der „Jndenpöst"? Bergeibens ruft der Bnndespräsid'ent den Fleiß und die Tüchtigkeit des deutsch-österreichischen Volkes au-f. Fleißig in: Hetzen und tüchtig im Schimpfen, ohne Herz und Gemüt — vom Kopf wollen wir nicht reden. Wenn einst in den Befreiungskriegen der alte E. M. Arndt gesungen hat: „Das Vaterland muß größer sein!", so donnern die Herren Riehl, Wolf und Staffn e r in den völkischen Versammlungen mit Stentorstimme: „Das Vaterland' Muß kleiner sein, hinaus mit den Juden!" Und die Regierung sekundiert ihnen. -Sie mißachtet die Verträge, sie tritt ihre eigenen Verordnungen mit Füßen. Im JnnenMiiüisterinm hat der Großdentsche Dr. Frank den Großdentschen Dr. Waber >ersetzt, der die jüdischen Optanten znrückgewiesen hat. Herr Doktor F r an k tut dasselbe, nur setzt sich dieser ehemalige Staats-

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