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Die Wahrheit · 1918-01-25 · Heft 2 (25.1.1918) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 2 (25.1.1918)
Date
1918-01-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit hinter der Front, in der Kriegswirtschaft Arbeit suchten und fanden, ist begreiflich: weil sie, durch Anlage und Schulung, für solchen Dienst besser als für den im Graben vorbereitet waren. Auch die Posten in^der Verwaltung feindlichen Gebietes und in den (viel zu vielen) Kriegsgesellschaften mußten besetzt werden, sind nicht Pfründen für Müßiggänger; und empfahlen nicht Vernunft und Landesinteresse, bei der Besetzung zunächst an die kaufmännisch' durchgebildeteu Söhne der Bankherren, Industriellen, Händler zu denken? Unter den mit Geld gemästeten Lieferanten, Konjunkturschmarotzern, Wucherern ist sicher mancher Semit; kaum einer unter den Hauptgewinnern. Alles von Juden aus der Kriegsnot Erraffte verschwände neben dem Papiergeldgebirg, das im Rheinland, in Westfalen und Oberschlesien Ummelan ragt. Urarische Christen, denen der Krieg eine Viertelmilliarde, eine halbe eingebracht (und die dafür nicht etwa Tadel oder Schimpf einhandeln sollen), kennt jeder: keiner einen Juden. Nicht Israel hat Schätze gehäuft, aus denen, als wär's Pappenstiel, Verbänden, Parteien, Meinungsplantagen Millionen, Dutzende, gespendet werden. Ohne die Leistungen der Professoren Haber und v. Wassermann (deren öffentliche Durchleuchtung noch nicht möglich ist), ohne Rathenaus Organisation des Rohstoffbezuges war nach der Aussage der' zu Urteil berufen«: Instanz, der Krieg nicht so zu führen, wie er geführt worden ist: auch nicht ohne den Hilfsdienst der HandHflotte, die Ballin schuf und mit der er, ohue ein Recht zuverletzen, Englands Vormacht minderte. Im Schwarm brüllender Patterjohten, in der Fahnenkompagnie Alldeutschlands waren Juden; auch in der ernsten, sittsam schreitenden, nicht dem Menschheitbewußtsein entrückten Patriotenschar. Der von ungemeiner Sprachkunst in abscheulich verwirrtem Gefühl erzeugte „Haßgesang gegen England" trug den Dichternamen Lissauer ins Licht. Die Abgeordneten - Bernstein, Cohn, Haase (aber auch im Lager der Scheidemannschaft leuchtende Häupter) sind Juden; nicht ihre Genossen Hoffmann, Ledebour, Liebknecht, Mehring, Rühle, Stroebel noch die stauen Zetkin und Zietz. Wie die Vervollkommnung des Einzelnen nicht damit anfängt, daß er seine Vortrefflichkeit sich gegenwärtig hält, sondern damit, daß er seine Fehler begreift, so ist es auch für ein Volk ein gefährlicher Zustand, dem Narcissus ähnlich in Selbstbewunderung zu versinken. Praktisch wie ethisch war dem heutigen Zustand der Deutschen der Zustand vorzuziehen, da sie noch gern in vielen Stücken ihre Unterlegenheit zu bekennen pflegten. Gerade weil sie die Vorzüge anderer Nationen bereitwillig anerkannten, gelang ihnen in manchen Fällen, die von Natur ihnen versagten Vorzüge durch gewissenhafte Arbeit sich anzueignen. Das Nationalgefühl der Deutschen ist heuter bewußter Kosmopolitismus, weil die Deutschen von der geistigen Höhe, auf der sie zu leben gewöhnt sind, ringsum weit in die Welt schauen." Diese Sätze hat an einem Feiertag der Berliner Akademie Wissenschaften vor vierzig Jahren der Naturforscher Emil Du Bois-Reymond gesprochen. Noch ist die Hoffnung, die aus Ihnen duftet, nicht in Erfüllung gereift. Nun will „der bewußte Kosmopolitismus", das aus Erlebnis gewordene Weltbürgertum Israels in das feste Haus seines Nationalgefühls heimkehren; als selbständig Ganzes sich wieder in die Menschheit einfügen. Die Sonne tönt nach alter Weise in der Brudersphären Wettgesang und ihre vorgeschriebene Reise vollendet sie mit Donnergang. Das Ohr Jesaias aber hört aus Jahwas gewaltigem Mem das Wort: „Einst wird die Zeit, alle Völker und alle Sprachen zu versammeln. Sie werden kommen, werden meine Herrlichkeit sehen und weithin verkünden. Auf Rossen, Maultieren, Dromedaren, in Wagen und Sänften werden sie, aus allen Ländern, Opfergaben nach Jerusalem bringen, auf meinen Heiligen Berg, gleichwie die Kinder Israels das Speisopfer in reinem Gefäß meinem Hause darbringen. Denn wie der neue Himmel und die neue Erde, die ich mache, ebenso lange wird euer Same und Name bestehen. Von Neumond zu Neumond,- von Sabbat zu Sabbat wird alles Fleisch kommen, vor meinem Nr. 2. Angesicht zu beten. Und sie werden hinausgehen und die entseelten Leiber der von mir Abgefallenen ansehen; denn ihr WUrm wird nicht sterben, niemals ihr Feuer erlöschen und allen Fleisches Abscheu werden sie sein." Dann endet die Nacht, durch die Jeremias Klagelied schluchzt: „Juda ist ausgewandert, wohnt unter Fremdoölkern und findet keine Ruhe. Von der Tochter Zion ist alle Pracht gewichen. Ihre Hände breitet sie aus : doch niemand ist, der sie tröste. Unser Erbe siel Fremden zu. Darum rinnt aus meinem Auge in Bächen das Wasser." Mjüdilches. Der Gelehrte — ein Paradiesapfel. Rabbi Jakob von Kozlow, ein bescheidener, großer Gelehrter, erhielt den Ruf als Rabbiner der Gemeinde in Brzezany. Er folgte jedoch dem Rufe nicht, weil er von der Lehre keinen Nutzen ziehen wollte. Als einnral dessen Gattin in Brzezany weilte, traten die Gemeindevorsteher an sie mit der Bitte heran, ihren Gatten zu beeinflussen, daß er ihren Wunsch erfüllen soll. Die Gattin kam nachhause und setzte ihrem Manne sehr zu, daß er den Posten annehmen soll. Es war gerade vor dem Laubhütkenfeste, da sprach Rabbi Jakob zu seiner Gattin: „Wenn du mir für das Fest einen schönen Esrog kaufen wirst, dann werde ich die Stelle in Brzezany antreten." Da die Frau dies hörte, begab sie sich gleich nach Brzezany, teilte den Gemeindevorstehern die Antwort ihres Gatten mit und es wurde für ihn der feinste Esrog ausgewählt. Die Frau kam nachhause und Rabbi Jakob war über den mitgebrachten Prachtesrog hocherfreut. An den Festtagen kamen die vornehmen, die Durchschnitts¬ und auch die niederen Leute zu Rabbi Jakob, um über seinen Esrog zu sprechen. Freilich war der Esrog, iveil er in vielen Händen, die mit ihm umzugehen nicht verstanden, verwelkt und fleckig geworden, so daß er am Schlußfest fast unerkennbar war. Da sprach Rabbi Jakob zu feiner Gattin : „Siehe, als du mir den Esrog gebracht hast, war er schön, kein Fleckchen war zu bemerken und hatte einen Paradiesgeruch. Wie sieht er jedoch jetzt, da er in verschiedenen Menschenhänden war, aus? Vollbefleckt, verwelkt, geruchlos. Ebenso ist der jüdische Gelehrte: Solange er sich als Privatmann dem Studium der Lehre widmet, hat er einen guten Ruf und von allen angesehenen Gemeinden wird gewetteifert um seiner als Rabbiner habhaft zu werden. Doch tritt er seinen Posten an und wird er von verschiedenen Gemeindemitgliedern abhängig, dann sieht er nicht anders als dieser Esrog am Schlußfesttage aus ..." Die „iteueti" Verordnungen. In Metz war es Sitte, daß jeder neu aufgenommene Rabbiner beim Antritt seines Postens im Gemeindememorialbuch irgend eine neue, das Gemeindeleben betreffende Verordnung („Tkune") einschrieb. Als der berühmte Gaon Rabbi Leib (Verfasser des Werkes „Brüllen des Löwen") dort seinen Posten angetreten hatte, schrieb er die Gebote: „Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligst," „Du sollst nicht ehebrechen," „Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes." Die Gemeindevorsteher drückten ihr Befremden darüber aus, indem sie sprachen: „Rabbi, das sind Verordnungen? Das steht ja in den zehn Geboten." Rabbi Leib antwortete: „Da ich mich überzeugt habe, daß ihr die Gebote der Thora mißachtet, hingegen nach den „Verordnungen" handelt, wandelte ich die drei wichtigsten Gebote in Verordnungen um und hoffe, daß ihr diese von nun an hüten werdet." „Die meisten Diebe sind Israeliten." Als Rabbi Akiba Eger seinen Rabbinerposten in Posen angetreten hatte, erfuhr er bald, daß dort der „Brauch" bestand, am Freitagabend zum „Sabbatvergnügen" das Theater zu besuchen — was bekanntlich nach Entscheidung

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