Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 2 (25.1.1918)
- Date
- 1918-01-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7. Nr. 2. Die Wahrheit der Dezisoren einfach, eine Entweihung, des Sabbat ist. In seiner Antrittspredigt führte Rabbi Akiba zum Schluffe daher folgendes aus: „Lange war mir die Stelle im Talmud unerklärlich, wo es heißt: „Die meisten Diebe sind Israeliten," da dieses Wort der Wirklichkeit nicht entspricht. Doch hier in Posen wurde ich belehrt, daß es Fälle gibt, wo der Israelit, wenn auch unwissentlich, tatsächlich zum Diebe wird. Unsere Weisen behaupten nämlich, daß mit dem Einzuge des Sabbat sich jedem Juden zwei Engel anschließen, die ihn den ganzen Sabbat über begleiten. Wenn daher ein Jude am Freitag, abend ins Theater geht, sollte er rechtgemäß auch für seine Begleiter Billette kaufen. Doch höre ich, daß dies nicht der Fall ist, so werden ja die Juden unwissentlich zu Dieben." Wie die Berliner Inden Eupikoren wurden? Man fragte Rabbi Zwi-Hirsch Lewin, den Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlin, wie es komme, daß in Berlin, welches viele Jahrhunderte die Stätte der Gesetzestreüe und Frömmigkeit war, so viele Freisinnige gebe. Er antwortete: „Die hiesigen Juden haben das Studium der Lehre vernachlässigt, ftttb den ganzen Tag in ihren Geschäften vernommen, so daß sie erst nachts dazu kommen, sich mit der Lehre zu befaffen. Und da nahmen sie den „Führer der Wankenden"*) hervor, in dein sich Frage auf Frage häuft, um sie nachher zu beantworten, und studieren darin. Doch sie sind von der Tagesarbeit erschöpft, haben die Fragen gelesen, schlafen ein, ohne an die Antworten zu kommen. So bleiben in ihnen die Zweifel haften, die durch diese Fragen aufgewirbelt werden, und sie werden zu Eupikoren." Verschiedene Nachrichten. Wien. (Fürsorge für schulentwachsene derlasseneKinder.) Der Verein „Zukunft" hat es sich bereits im Jahre 1912 zur Aufgabe gemacht, solche Jugendliche, die bis zu ihrem erreichten 14. Lebensjahre durch die israelitische Kultusgemeinde, den israelitischen Waisenverein oder andere Jugendfürsorgestellen in Heimen, Waisenhäusern oder bei Kostparteien untergebracht waren, nach erreichtem 14. Lebensjahre inseinen Schutz zu nehmen, für ihre ordentliche Unterbringung in Pflegestellen zu sorgen, ihnen ihrer Fähigkeit entsprechende Lehrstellen zu beschaffen, bei Ggnung die Fortsetzung des Studiums zu ermöglichen und insbesondere durch eine systematische Inspektion ihre moralische und körperliche Entwicklung zu fördern. Einer großen Anzahl solcher verlassener Kinder hat der Verein bereits den Weg für das Leben geebnet und die Vorbedingungen geschaffen, daß sie sich selbst erhalten und nützliche Mitglieder der Gesellschaft geworden sind. Eine bedeutungsvolle -Etappe in der segensreichen Tätigkeit des Vereines bildet die Errichtung eines eigenen, vorläufig für 40 Knaben und Mädchen bestimmten Heims im VIII. Bezirke, Bennoplatz 1, deffen feierliche Eröffnung am 15. d. M. stattfand. Die Präsidentin des Vereines, -Frau Minna Hecht, begrüßte die erschienenen Festgäste, verwies aus .die bisher erzielten Resultate und berichtete, daß bisher 160 Jugendliche im Schutze des Vereines stehen, von denen ein Teil wohl in .der Lage ist, sich bereits selbst zu erhalten. Dann dankte sie all jenen, die die Errichtung dieses Heimes ermöglichten, insbesondere dem Vorstände der israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Bezirksvorsteher Johann Bergauer und Herrn Amtsleiter Rudolf Kraus, welche die - Ziele des Vereines jederzeit gefördert haben. Herr Rabbiner Dr. Moritz Bauer nahm nach einer wirkungsvollen Ansprache die rituelle Weihe des Heimes vor, worauf Herr Rabbßrer Dr. I. Taglicht der Präsidentin Frau Minna Hecht wie den Btzepräsidentinnen Frau Nina Nobel und Frau Gisela Gruber sowie Frau Raab und allen anderen Borstandsdamen für die Schaffung dieses schönen Werkes dankte und sie ermunterte, auf diesem Wege fortzuschreiten. Besonderen Dank zollte er Herrn Moritz Ungar, Oberoffizial der israelitischen Kultusgemeinde, der dem Vereine nickt nur die Anregung zur Betätigung auf dem Gebiete der Jugendfürsorge und zur Errichtung dieses Heimes gegeben hat, sondern auch von der Stunde des Entstehens des Vereines bis zum heutigen Tage unermüdlich an der Entwicklung des Vereines mitgewirkt hat. .Hierauf ergriff der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern das Wort. Er wies darauf hin, daß bereits seit 20 Jahren der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde der Fürsorge für verlassene Kinder sein besonderes Augenmerk zugewendet habe, und deückte dem Bereinsvorstande sowohl in seinem als auch int Namen des Vorstandes der Kultusgemeinde für sein ersprie߬ *) Philosophisches Werk von Maimonides liches Wirken seine vollste Anerkennnng aus. Namens der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen überbrachte Herr Dr. Löwy die herzlichsten Glückwünsche für das weitere Gedeihen des Vereines. Diej Präsidentin Frau Minna Hecht hatte in ihrer Eröffnungsansprache Gelegenheit zu begrüßen: Den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern, Freistau CharlotteKron Königswarter, iu Vertretung der Bezirksvorstehung des VIII. Bezirkes Bezirksvorsteher-Stellvertreter Rudolf Bieröckl, Magistratsrat Doktor Josef Krzisch, Kultusvorsteher Emanuel Grünwald, die Rabbiner Dr. Moritz Bauer, Dr. I. Taglicht und Frau, Dr. D. Feuchtwang und Frau, in Vertretung der Kultusgemeiude in Baden, Tempel Vorsteher Adolf Raab, Sekretär der Kultusgemeinde Dr. Emil Adler, Dr. S. Bloch, für die Zentralstelle für das jüdische Armenwesen Dr. M. Löwy, Amtsleiter Rudolf Kraus, Frau Anitta Müller, Kommerzialrat Simon, Architekt Emil Reitmann, Sekretär Brückner, für die „Weibliche Fürsorge" Frau Prof. Friederike Roth, für den Wiener Frauenverein zum Schutze armer, verlaffener Kinder die Präsidentin Frau kais. Rat Laura Krenberger, Frau Hermine Bernfeld, Frau Martin Kohn, für das städtische Jugendamt Frl. Böhm, für die Kurfürsorge Frau Dr. Helene Stein und Frau Weiner, die Btzepräsidentin des Kaiserin Elisabeth-Kriegerwaisen- und Lehrmädchen-Heimes Frau Cäcilie Frankl, Bund österr. Frauenvereine Frau Selma Peretz-Böhm, für die „Rohö" Frl. Stefanie Endlicher, für die Ausfpeisung des 12. und 15. Bezirkes Frau Hermine Simon. Mit der Absingung der Bokkshymne durch die Heimzöglinge und anschließender Besichtigung fand diese schöne Feier ihr Ende. Die Schaffung dieses Heimes ist ein Werk, das jeder Förderung würdig ist, und werden sich gewiß edle Menschen finden, die dem Vereine helfen werden, das so schön begonnene Werk auszubauen und zu erweitern. Wie». (Gründung des „Vereines Jüdischer Schrebergärte n".) Dieser Tage ist ein neuer Verein ins Leben getreten, der versucht, praktische Gegenwartsarbeit mit praktischer Zukunftsarbeit zu verbinden. Der „Verein Jüdischer Schrebergärten" will jüdische Kinder beiderlei Geschlechtes von neun Jahren aufwärts sammeln und auf von der Wiener Gemeinde hiezu überlaffenen Gründen unter Leitung von Aufsichtspersonen Schrebergärten errichten. Für die Kinoer bedeutet die Bewegung in frischer Luft Behütung vor den Gefahren der Gaffe und Gewinnung manueller Geschicklichkeit und Liebe zur Natur und für deren Eltern eine gewiß nicht zu unterschätzende Entlastung. So können und sollen alle an dem Zwecke des Vereeines gewinnen. Daß hiezu jedoch größere Mittel nötig sind, und diese nur durch ausgiebigste Förderung und zahlreichen Beitritt zum Verein geschaffen werden können, bedarf keiner Begründung. Die Statuten des Vereines sowie alle näheren Aufklärungen werden jederzeit den Jnterellenten persönlich oder im Postwege gegen Anstage beim „Verein JWischer Schrebergärten", Wien, XVIII., Hasenauerstraße 43, übermittelt. Wie». (Kriegstrauung.) Dienstag, den 15. Jänner, 3 Uhr nachmittags, fand in der Roßauer Kaserne die Trauung des Fräulein Rosa Braunfeld, Tochter des Kantors und Sekretärs der israel. Kultusgemeinde Holleschau Herrn Adolf Braunfeld, mit Herrn Jur. Dr. Oskar Kohn statt. Den Trauungsakt vollzog Feldrabbiner Dr. Frankfurter. Oberkantor Morgen st ern mit dem Tempelchore und Harmoniumbegleitung durch Profeffor M e n z e r versah die Hochzeitsgesänge in ausgezeichneter Weise. Wie». (Todesfall.) Sonntag, den 6. Jänner, fand am Zentralfriedhofe das Leichenbegängnis der Frau Toni Menkes, Gattin des Kantors der israel. Kultusgemeinde Hermann Menkes, statt. Dieselbe verschied nach kurzem Leiden im Alter von 65 Jahren. Die Verstorbene hinterläßt außer dem tiefgebeugten Gatten, mit dem sie 46 Jahre in glücklichster Ehe gelebt hat, fünf Söhne, fünf Töchter und acht Eukel. Das Leichenbegängnis fand unter großer Teilnahme statt. An der Bahre hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Bach einen tiefergreifenden Nachrnf. Erster Kantor Matyas versah mit dem Tempelchor in meisterhafter Weise die Trauergesänge. Wie«. (Todesfall.) Freitag, den 18. d. M., ist nach längerer Krankheit Frau Sofie Kraus, aeb. Friedmann, die Mutter der Gattin des Sekretärs der Wiener Kultusgememde Herrn Emil Engel, im 62. Lebensjahre gestorben. Die Verblichene, die nach wenigen Jahren glücklicher Ehe frühzeitig Witwe wurde und mit seltener Energie und Klugheit isre Kinder zu geachteten Lebensstellungen heranzog, genoß im Kreise ihrer Angehörigen und Bekannten allgemeine Verehrung. Das Leichenbegängnis fand Sonntag den 20. d. M. unter zahlreicher Beteiligung statt. Nach Bortrag der Trauerpsalmen durch Ersten Kantor Matyas hiel: Rabbiner Dr. Bach einen ergreifenden Nachruf, in welchem er die Heimgegangene auf Grnnd eigener Erfahrung als ein Biederweib in des Wortes vollster Bedeutung schilderte. Sie hat viel Liebe gegeben und viel Liebe geerntet. Sie ruhe in Frieden! Wien. Unter großer Teilnahme fand vor einigen Tagen das Leichenbegängnis des Zugsführers Otto Beck, Sohnes des im XVI. Bezirk bestbekannten Herrn Adolf Beck, statt. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Kaufmann, den Nachruf hielt Feldrabbiner Dr. Frankfurter. Linz. Am 3. Februar l. I. wird Herr Dr. Elias Tisch aus Wien im Kaufmännischen Bereinshause über „Der Weltkrieg und das jüdische Volk" sprechen. Beginn 8 Uhr abends.