Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1918-01-11 · Heft 1 (11.1.1918) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 1 (11.1.1918)
Date
1918-01-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063774-3063775--10522-3519266
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

.Gerte 6. Dir Wahrheit Nr. 27; Schechina ruht, so fließt ihm sein-Gebet glatt und ungestört von den Lippe», und da die Schechina nur auf einem Menschen ruht, der gelehrt, gesund und reich ist (chachom, gibnr weoseher), so sollen wir, da wir doch wünschen, daß daS Gebet unserer Vorbeter glatt und ungestört von den Lippen fließe, die Scheliche zibur so behandeln, damit ste alle jene Attribute besäßen." Werichtigung. Löbliche Redaktion! Ich ersuche, der folgenden Berichtigung det mich betreffenden Aeußerungen in dem Artikel des Herrn Professor Dr. Kahan „Sch'liach Zibbur oder Kantor?" einem Raum in Ihrem geschätzten Blatte gewähren zu wollen: Daß mir die vom Herrn Dr. Kahan zitierte Stelle aus Taanis wohlbekannt war, habe ich durch meine Artikel in Nummer 37 dieses geschätzten Blattes vorn Jahre 1908 und in Nummer 38 der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom Jahre 1908 bewiesen. Diese meine Aufsätze befassen sich nämlich mit dieser Talmudstelle und den auf derselben basierenden Stellen in den Kapiteln 53 und 579 des Schulchan- Aruch Orach-Chajjim. Waren nur aber die talmudischen Bedingungen bekannt, konnte ich dann auch — denn diese Bä>eutung involvieren nach dem Gesagten die Ausführungen des Herrn Prof. Dr. Kahan — eine mir bekannte Forderung des Talmud der Wett als meinen eigenen, neugebackenen Vorschlag zu präsentieren mir erlauben? Nein! Es ist vielmchr unrichtig, daß die vom Herrn Profeffor Dr. Kahan zitterte Taanisstelle, wonach (bei Fastengottesdiensten um Regen) der für diesen Gottesdienst zum Scholiach Zibbur ernannte Private, Beamte, Kauftnanu, Handwerker, Arbeiter usw. usw. mtt Wissen gekrönt sein muß, mit meinem Vorschläge in Nummer 14 der „Wahrheit" identtsch ist, welcher Vorschlag für denjenigen, der in künftigen Zetten als besoldeter Funktionär, selbstredend in gebildeten Gemeinden, die öffentüchen Gottesdienste in der Synagoge abzuhatten haben wird, neben der gründlichen musikalischen und gesangüchen Ausbildung den berechtigten Besitz einer „Hatoras horooh," des Doktorates der Philosophie und des Titels „Rabbiner" als conditio sine qua non aufstellt. Mit vorzüglicher Hochachtung Zagreb (Agram), den 17. Dezember 1917. Oberkmttor Josef Rendi. Iacsb Fachmann. (1S46-1V05.) Bon königl. Musikdirektor Aron Friedmann, Berlin. (Schluß,) Obgleich Bachmann hohes Ansehen in allen Odessaer Kreisen genoß, fühtte er sich dennoch dort infolge der poliüschen Zustände nicht wohl. Er bewarb sich um die in Budapest (Rombachstraße-Synagoge) fteiwerdende Stelle des Oberkantors und wurde im Mai 1885 dorthin berufen. Die Pester Tageszeitungen schrieben u. a. über Bachmann: Der neue Kantor entwickelt beim Vorbeten ein Stimmaterial, wie es tatsächlich zu den Settenheiten gehört. Das Auditorium ist entzückt von dieser seltenen Stimme, die einen seltenen Schmelz und eine Kraft und Höhe entwickelt, wie sie nicht oft zu finden sind. Sein hehrer Gesang ist nicht nur angenehm fürs Ohr, sondern dringt ins Herz. Er versteht Wort unb Ton so zu verbinden, daß sie ein unzertrennbares Garnes bilden. Durch seinen Vorttag rrb» rinn fühlt man sich unwillkürlich auf den Berg Sinai versetzt. Die Odessaer Gemeinde machte wiederholt den vergebüchen Versuch, Bachmann wieder zu gewinnen. Wenn Bach-, mann dem verlockenden Ruf nach Odessa nicht Folge leistete, so war die Ursache auch darin zu finden, daß er sich eine neue Lebensgefährtin von hoher musikalischer und geistiger. Bildung aus einer angesehenen Budapester Familie-auserkoren hatte, mit der er in glücklichster Ehe lebte. So hatte er doppelte Veranlassung, in seinem neuen Wirkungskreise zu verbleiben. In der Rombachgasse-Synagoge pflegte sich an den Freitag-Abenden eine erlesene Zuhörerschar zu versammeln, u. a. Graf Emanuel Andrassy, die Intendanten der königlich ungarischen Oper und Professoren des Konservatoriums. Bachmanns Vorbeten war also ein vDN Viip im wahrsten Sinne des Wortes. In Anerkennung seiner Verdienste um die Ausgestaltung und Hebung des Gottesdienstes wurde er von der Chewra Kadischa zum Ehrenmitglied ernannt. Andere hervorragende Gemeindemitglieder überreichten Bachmann nach einem Feiertage für seine großen gesauglichen Leistungen einen prachtvolleu silbernen Lorberkranz,: dessen goldene Schleifen mtt einer entsprechenden Widmung geziert waren. Auch in Pest entfaltete Bachmann eine große kompositorische Tätigkeit. Zunächst sei sein Uw'schofar godol für Kantorsolo, Chor und Orgelbegleitung erwähnt. Diese Piece ist in Stimmführung und Harmonie großartig angelegt und die ganze Musik idealisiert den schönen Text in würdiger Weise. Denkt man sich zu dem Musikstück als Äorttagenven den Autor selbst mit seiner gottbegnadeten Stimme, so muß die Wirkung eine überwältigende gewesen sein. Dann, seien seine zwei profanen Lieder, genannt „Gondellied", Text von seinem Sohne Osias Bachmann, und „Asra", Gedicht von Heine. Diese beiden Lieder zeugen davon, daß Bachmann auch die profane Musikkunst in meisterhafter. Weise beherrscht. Eine wertvolle Bereicherung der Synagogengesangsltteratur bildete das Erscheinen seiner Kompositionen zur pop -ns» cv Hier zeigt sich der Bachmannsche Geist in vollstem Maße. Die herrlichen traditionellen Weisen sind dem Texte durchwegs schön angepaßt, so daß Gesang und Wort zu einem einheitlichen Ganzen verschmelzen. Diese Gesänge machen einen erhebenden Eindruck und haben den Ruhm des Autors erhöht.. Bachmann betätigte sich auch schriftstellerisch. Er eurpfM die Kompositionen des ehemaligen Münchener OberkantorS Löwenstamm als wertvoll und überraschend durch, die kunstvolle musikalische Form, wie auch durch das tiefe Verständnis nnd Erfassen des Textes. Ferner widmete Bachmann den Nila-Gesängen von David Nowakowski wegen ihrer religiösen Innigkeit und Weihe und ihres reichen und eigenartigen melodischen Inhaltes eine ausführliche Besprechung. Er hebt das entwickelte theoretische Können, den edlen und gelauterten Geschmack Nowakowskis hervor, Eigenschaften, die nun einmal dazugehören, wenn die Bearbeitung einer, alten Weise, ihre Ausgestaltung zu einer modernen abgerundeten Komposition sich eindrucksvoll gestalten soll. Aus der Feder Bachmanns entstammte auch eine wertvolle wissenschaftliche Studie mit pädagogischen Hinweisen über „Die Bedeutung des Gesanges in der Erziehung und seine Anwendung in der Schule." Dem Andenken Salomon Sulzers widmete er eine wertvolle Abhandlung, . in der es heißt: „Der Lebenslauf Sulzers kann auch nicht als etwas Zufälliges angesehen werden, sondern als etwas durchaus notwendiges, etwas das sein mußte, das zur rechten Zeit erschien, um seiner Bestimmung gerecht zu 'werden, um seine Aufgabe zu erfüllen." Leider war es Jacob Bachmann nicht vergönnt, ein so hohes Atter wie Sulzer zu erreichen. Am Sonntag, den 30. April 1905, nachdem er noch an den ersten Pessachtagen die Gemeinde durch die Kunst seines Gesanges zur weihevollen Andacht erhoben hatte, hauchte er, 61 Jahre alt, seine fromme Seele aus und sein liederreicher Mund schloßt sich für ewig. Am 2. Mai wurde Jacob Bachmann unter großer Teilnahme der Gemeinde zu Grabe getragen. Die^ Rabbiner Weißburg, Feldmann und Kohn hielten ergreifende Trauerreden, während die beiden Tempelchöre, vereint unter dem Oberkantor Prof. Lazarus, den gesanglichen Teil versahen. Im Aufttage der Budapester Kantoren und des österreichisch-ungarischen Kantorenvereines sprach Oberkantor Prof

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.