Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9643684-3089694--0111-3519217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 26 — so Wäre Alles noch erträglich geworden, allein dazu war zunächst keine Aussicht. Die israelitische Gemeinde sollte eine Volksschule, der Staat eine allgemeine confessionslose Realschule gründen, allein weder hier noch dort waren die Mittel zu solchen neuen Schöpfungen bereit. Das Philanthropin hatte seit seiner Begründung für den Unterricht und die Erziehung anner Kinder gesorgt, seit Jahren hatte es eine sich immer steigernde Anziehungskraft auf die wohlhabenden Mitglieder der Gemeinde geübt, es entsprach den wirklichen Bedürfnissen der hiesigen jüdischen Bevölkerung, alle Bedingungen einer gedeihlichen Fortentwicklung waren in ihm vorhanden; es hatte eifrige, begabte Lehrer, wißbegierige Schüler, einen Vorstand, der es, schon weil es seine eigene Schöpfung war, mit bewundernswerthem Eifer, ja, man kann sagen mit väterlicher Sorgfalt zu fördern bemüht war. Nun kam der Staat und wollte Alles das, was er bisher selbst in so anerkennenswerther Weise begünstigt hatte, beseitigen und dafür die israelitische Gemeinde mit einer, nach einer willkürlich gemachten Schablone einzurichtenden Volksschule beglücken. Und warum? Weil es in dem, ohne Berücksichtigung der wirklichen Verhältnisse erlassenen Gesetze so gefordert wurde. Glücklicherweise liegt unpraktischen Gesetzen gegenüber eine ausgleichende Macht in den aus den Bedürfnissen der Menschen heraus naturgemäß sich entwickelnden Einrichtungen. Heß gebührt das Verdienst, in den Zeiten der Verwirrung mit klarem Blicke das Richtige erkannt und es mit Einsicht und Energie zum Heile der Schule durchgeführt zu haben. Er begab sich aus eigenem Entschluß und ohne Auftrag zu dem General-Curator des öffentlichen Unterrichtes, Staatsrath Pauly, nach Fulda und setzte ihm auseinander, wie den Bedürfnissen der hiesigen israelitischen Gemeinde eine Volksschule, wie die Regierung sie zu gründen beabsichtige, nicht entspreche, wie vielmehr eine Anstalt nach dem Muster des Philanthropin erforderlich sei. Es war nicht schwer, einen so einsichtsvollen und wohlwollenden Manne wie Pauly war, dieses begreiflich zu machen und nach eingehender Discussion verstand er sich dazu, von der Errichtung einer neuen israelitischen Volksschule abzusehen und das Philanthropin so einrichten zu lassen, daß es eine Volks- und Realschule in sich vereinige. Heß wurde beauftragt, auf der Basis der mit Paulv vereinbarten Grundzüge einen Plan für die neue Schule auszuarbeiten. Der Plan war bald fertig, er wurde genehmigt und der Großherzog verfügte die Eröffnung einer „Bürger- und Realschule für die israelitische Gemeinde" ^). Sobald nun die im Compostell für die neue Schule bestimmten Räumlichkeiten zweckmäßig eingerichtet waren, erließ Heß am 28. Juli 1813 im Auftrage der Großherzoglichen Regierung eine, die Eröffnung der neuen Anstalt betreffende Bekanntmachung/). Danach sollte die neue, aus dem Philanthropin zu bildende Schule, in Gemäßheit großherzoglicher Verfügung, den Namen „Bürger- und Realschule für die israelitische Gemeinde" führen, diese Benennung aber „keineswegs das Ausschließen anderer Confessionen andeuten oder bezwecken". Die Schule soll aus drei Elementar- und zwei Realklassen bestehen. Die dritte d. h. die oberste Elementarklasse soll in zwei von einander getrennte Abtheilungen zerfallen; in der einen!) Die Eröffnung einer ähnlichen Schule für die katholische Gemeinde wurde schon am 4. Nov. 1812 in nahe Aussicht genommen. Man war also von dem Gesetze vom 10. Febr. 1812 schon in demselben Jahre zurückgekommen. Der Lehr-Plan für die Bürger- und Realschule der katholischen Gemeinde in Frankfurt 1812 liegt mir vor. Vergl. noch Wedewer Zur Geschichte der Selekten-Schule. Programm von 1868, S. 5 ff. Sie steht im Jntelligenzblatt von demselben Tage. Ich theile im Folgenden nur das Wichtigste daraus mit.