Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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— 18 — Andern der bekannte Abb 6 Gr6goire^) und der Conrecter Mosche anwesend. Die Knaben wurden im Schreiben, Rechnen, besonders aber im Hebräischen und Deutschen geprüft: man erhob sich nicht über die Elementarstufe, es war ein ganz unscheinbarer Vorgang. Aber der edle Mosche — er hatte damals noch gar keine Beziehungen zum Philanthropin — fand sich doch von dem was er da sah und hörte tief gerührt: es waren eben Judenkinder, die er da vor sich sah, sauber gekleidet, in anstandsvoller Haltung, es war ein jüdischer Lehrer, der da unter Anderem auch in der deutschen Sprache prüfte und „der Unterricht war so gründlich gegeben und gefaßt worden", daß er nichts zu wünschen übrig ließ; rings die Zuhörer „zeigten eine große und verständige Theilnahme an der Prüfung", und es waren doch eben Leute aus der Judengasse. Mosche hatte eine Empfindung für die Bedeutung des Vorganges, er sprach die Hoffnung aus: „die Anstalt werde für die hiesigen jüdischen Einwohner und ihre Fortschritte in Kenntniß und Bildung sehr bedeutend und wohlthätig werden": fortan widmete er ihr seine thätigste Theilnahme. Noch ein Augenzeuge hat uns einen Bericht über eine zwei Jahre später abgehaltene Prüfung aufbewahrt: es ist kein Anderer, als Carl Ritter. Auf einer im Sommer 1806 für pädagogische Zwecke unternommenen Reise, hatte er die von Israel Jacobson gegründete, ganz nach philanthropistischen Principien eingerichtete Schule in Seesen besucht^). „Seit jener Reise", schreibt er, „interessiert mich die mögliche Cultur und Erhebung der jüdischen Nation außerordentlich." Gern folgte er daher der an ihn ergangenen Einladung zur Prüfung. Am 2. Januar 1807 berichtete er darüber den Seinigen folgendermaßen: „Am 29. und 30. December war ich von den Vorstehern eines hiesigen Judenphilanthrovins zu einer öffentlichen Prüfung eingeladen und ich benutzte mit Freuden diese Gelegenheit, die sich mir darbot, das Gute was sie leisten, kennen zu lernen und sie zu überzeugen, daß nicht alle Christen inhuman gegen sie gesinnt sind. Der Zweck dieser Anstalt ist sehr achtungswerth: Unterricht armer Judenkinder und Pflege, Kleidung u. s. w. Alles unentgeltlich. Fünf jüdische Familienväter sind Vorsteher der Anstalt, zum ersten Lehrer an derselben, welcher das Ganze leitet, haben sie einen Christen genommen ^), die übrigen Lehrer ^) sind Juden. Nur die Wahl des ersten ist schlecht, sehr schlecht ausgefallen, die andern Männer sind wahrlich von redlichem Eifer für das Beste der Kinder beseelt und wollen ihrer Nation Ehre machen. Sie zeichneten sich in jeder Hinsicht aus, und die Knaben bestätigen mir auch hier, daß die jüdische Nation voll Daß der Abbe bei einer Prüfung im Philanthropin anwesend war, erzählt mir der greise Sohn des obenerwähnten vr. Goldschmidt, der, gleichfalls unter den Zuhörern, von seinem Vater auf den berühmten Mann aufmerksam gemacht wurde. Da nun Gregoire im Jahre 1805 in Deutschland war (damals sah ihn auch Göthe. Sämmtliche Werke in 30 Bänden 1851, Bd. 21, S. 130), Ho liegt es nahe, ihn bei der 1605 abgehaltenen Prüfung als anwesend anzunehmen, um so mehr, da er in seinen OdservationL uouv6ll68 8ur 1e8 Mts 6t sxseialement eeux ä'^llemassne S. 12, indem er vom Philanthropin spricht, die bei Gelegenheit dieser Prüfung erschienenen Frohen Lieder von Geisenheimer erwähnt. 2) G. Kram er, Carl Ritter. Ein Lebensbild. Halle 1864 I, 150. Dem Director der Francke'schen Stiftungen zu Halle ist der Begründer der Jakobson-Schule zu Seesen, welcher seitdem Tausende von jüdischen und christlichen Knaben ihre Bildung und Erziehung verdanken, eben weiter nichts als „der reiche Jude Jakobson." s)Diehl. 4) Unter ihnen befand sich damals schon Hetz. Ein Programm scheint im Jahre 1306 nicht erschienen zu sein; Heß war erst seit Oktober 1806 im Amte.