Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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— 17 — war bei den geringen Mitteln, über die das Phllanthropin zu verfügen hatte, freilich sehr karg. „Aber die Begeisterung, von der alle durchglüht waren, das innige Verhältniß, welches zwischen ihnen und dem vom gleichen Eifer beseelten Vorstande herrschte, machte, daß man alle Mühe und Arbeit mit Freudigkeit übernahm und sich durch die Fortschritte belohnt fand, die in der That bei dem großen Lerneifer der Schüler das gewöhnliche Maaß überstiegen." ^) Dem entsprechend waren auch die Leistungen der Schule. Sie traten zunächst hervor bei den öffentlichen Prüfungen. M. Die öffentlichen Prüfungen im Philanthropin. Man weiß, wie lebendig bei unfern Vorfahren das Interesse der Eltern an dem Fortgange des Unterrichtes ihrer Kinder war. Nicht selten erschien der jüdische Bater wahrend des Unterrichtes in der Schule, um sich von den Fortschritten seines Sohnes zu überzeugen; an jedem Sabbath wurde das Kind in dem geprüft, was es die Woche über gelernt hatte Wie in alter Zeit der Tag, an welchem der Knabe in der Schrift zu lernen anhob, als ein Festtag mit einem Gastmahl gefeiert wurde so gab ehedem auch die Beendigung eines Abschnittes in der Thorah oder eines Tractats im Talmud willkommene Gelegenheit zu einer Familienfeier. — Etwas davon gewahren wir noch in dem Philanthropin. Die Vorsteher, die am Sabbath die Schüler besuchen, prüfen sie auch. Es gehört mit zur „Constitution" des Philanthropin, daß sich die Vorsteher und Lehrer desselben nach der öffentlichen Prüfung am Schluß des Jahres bei einem Gastmahl vereinigen 4) und daß dann auch die Zöglinge festlich gespeist werden. Im Uebrigen schloß man sich in dieser Beziehung dem an, was hier an anderen Schulen üblich war. An dem hiesigen Gymnasium fanden damals halbjährliche Prüfungen der Art statt, daß jedem Lehrer zu seinen Lectionen ein halber Tag überlassen wurde. Dadurch dauerte die Prüfung zuletzt beinahe fünf volle Tage; die kaum 200 Schüler wurden also jährlich 10 Tage hindurch öffentlich geprüft. Mos che beschränkte die Dauer der halbjährlichen Prüfungen auf drei Tage 5). Beim Philanthropin sollte jährlich eine Hauptprüfung stattfinden^); die erste wurde am 6. Januar 1805 abgehalten. Außer den Vorstehern und zahlreichen Subscribenten waren unter 1) Heß, Die Bürger- und Realschule S. 19. 2) Das war eine so feststehende allgemeine Sitte, daß unser Landsmann, Herr Professor Oppenheim dem „Verhören" mit Recht ein schönes Blatt in seinen „Bildern aus dem jüdischen Leben" gewidmet hat. 3) S. Zunz: Zur Geschichte und Literatur. Berlin 1845, Bd. I, 167. 4) Zu der ersten derartigen Feier erschienen „Frohe Lieder zur Feier des ersten Stiftungsfestes des jüdischen Philanthropins zu Frankfurt a. M. am 6. Jänner 1305", gesammelt von S. G eisen hei mer. Zum Besten des Instituts gedruckt bei Sauerländer. 23 Seiten. ») Mosche Einladungsschrist zur Prüsungsseierlichkeit im hiesigen Gymnasium. April 1805. S. 37. «) Die Dauer derselben nahm mit der wachsenden Zahl der Schüler und Klassen zu. Anfangs genügte ein Vormittag, 1612 dauerte sie vom 27.-30. Jan. incl. täglich von 2—7 Uhr Abends. Baerwald, Zur Geschichte der Realschule. Z