Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1869
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Im Jahre 1806 bildete sich „die neue jüdische Gesellschaft zu Frankfurt a. M." Am 6. September 1806 hatte bekanntlich der Fürst Primas Carl von Dalberg die Stadt und das Gebiet von Frankfurt mit allen Souveränitätsrechten in^Besitz genommen. Der neue Herrscher hatte sofort die Lage der Juden verbessert, er Zeigte sich wohlwollend und geneigt, ihnen endlich Menschenrechte einzuräumen 2), und nun wollte jene neue jüdische Gesellschaft durch die Verbreitung von Bildung unter ihren Glaubensgenossen, sie „für diese Wohlthat desto empfänglicher machen und das wahre Wohl derselben so viel als möglich befördern." Schon im Jahre 1807 zählte sie mehrere hundert Mitglieder^). Inzwischen hatte der bereits erwähnte Jacob Sachs den Versuch, eine deutsche Schule zu gründen, aufgenommen; schon 1802 hatte er vom Senate die Erlaubniß erhalten, Unterricht zu ertheilen, seitdem wirkte er hier als Lehrer. 1804 gründete er eine Schule, die schnell emporblühte, die aber wegen des hohen Schulgeldes nur Kindern wohlhabender Eltern zugänglich war. Das Bedürfniß einer guten deutschen Schule für arme jüdische Kinder war längst vorhanden, es trat jetzt um so dringender hervor. Es fehlte nicht an Männern, die ein Herz für die gute Sache hatten. Ein geringfügiges Ereigniß gab ihnen eine willkommene Veranlassung, Hand an's Werk zu legen. 1) Vergleiche hierüber Sulamith. Eine Zeitschrift zur Beförderung der Cultur zc. Dessau 1807, Jahrg. I, Bd. II, S. 188. Es ist das dieselbe Gesellschaft, die uns in den Sitzungs-Protocollen der Vorsteher des Philanthropin als „die Gesellschaft zur Stadt Ulm" begegnet. Die jüdische Gemeinde in Berlin ist damals in Allem vorangegangen. Dort ward 1792 die „Gesellschaft der Freunde" gegründet, die viel Gutes gestiftet, für das Schulwesen aber, auch in neuerer Zeit, wo ein Zweigverein derselben die Mittel gefunden hat, für 80,000 Thlr. glänzende Gesellschaftsräume zu schaffen, während die Schulräume zweier Gemeindeschulen sich in dem allerkläg- Uchsten Zustande befinden, gar nichts gethan hat. 2) Bis dahin galten die drückenden und entehrenden Bestimmungen der Stätiigkeit von 1616. Der Fürst Primas ließ sofort Erleichterungen eintreten (schon am 9. September 1806 Bekanntmachung, daß auch den Juden die Promenaden offen stehen!), gewährte am 30. Nov. 1807 eine neue Stättigkeits- und Schutzordnung und verordnete am 7. Febr., dann am 28. Decbr. 1811 die Ausführung des Grundsatzes der Gleichheit der Rechte sä'mmtlicher Einwohner des Groß-Herzogthums Frankfurt. Bender: Der frühere und jetzige Zustand der Israeliten zu Frankfurt a. M. Franks. 1833 S. 48 ff. und Großherzoglich frankfurtifches Regierungsblatt Bd. I, 609 ff. s) Sulamith a. a. O. 183—196. Am 25. November 1606 schickten sie eine von 250 Personen unterzeichnete Adresse an das damals in Paris versammelte Synedrium; als Vorsteher der Gesellschaft sind bei dieser Gelegenheit genannt: I. Stern, vr. S. I. Oppenheim, I. Hildesheim, Daniel Elias Ullmann, Anselm Wolf Schnapper, David Cassel und Salomon Flaschin.