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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1869-01-01 · 1869 · page 5

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— 6 — Eltern hielten ihren Kindern Hauslehrer. Um nur zwei hervorzuheben, so war ein Landsmann Klitsch er's, Jacob Sachs aus Guttentag in Schlesien, Hauslehrer bei Jacob Baruch^), Michael Heß, Hauslehrer bei Mayer Amschel Rothschild^). Schon im Jahre 1794 wurde em Versuch gemacht, hier eine deutsche Schule für die jüdische Jugend zu gründen. Der Rabbiner und selbst der Vorstand der Gemeinde eiferten gegen diese Neuerung und es scheint, daß die Schule nicht in's Leben getreten ist, wenigstens erfahren wir nichts weiter von ihr^). Immer mächtiger aber wurde der Drang nach Bildung, besonders bei den heranreifenden Jünglingen. Wie es nun bei dem Herannahen einer neuen Zeit zu geschehen pflegt, daß die Menschen, die von den modernen, der herrschenden Richtung entgegengesetzten, ja feindlichen Ideen ergriffen sind, sich enger aneinander anschließen, so fehlte es damals in der hiesigen Judengasse nicht an solchen Vereinen. Unsere älteren Zeitgenossen bewahren noch die Kunde von einem sogenannten „Brunnencollegium"^). Das Losungswort der jungen Männer, die sich da vereinigten, war: deutsche Bildung. Man kam zusammen, um gute deutsche Bücher, namentlich die Classiker zu lesen, über das, was man selbst gelesen, zu berichten, Vorträge zu halten. Ereignete es sich nun gar, daß irgend einer aus der Gesellschaft, der sich den Studien gewidmet, oder sonst ein Frankfurter Student von der Universität in den Ferien heimkehrte, so gab es reich belebte, anregende Abende: man erquickte sich an den belehrenden Mittheilungen der Jünger der Wissenschaft; man benutzte eben jede Gelegenheit, um etwas zu lernen^). 1) Dem Vater von Ludwig Börne, S. Reinganum: Aus Börne's Leben in Ludw. Börne's Gesammelte Schriften. Neue Ausgabe. 1862, Bd. XII, 225 ff. 2) Heß war Lehrer des jüngst in Paris verstorbenen Baron James von Rothschild. 3) In einer 1794 erschienenen Flugschrift: „Zur Beherzigung für jeden Menschenfreund, dem die Bildung und Veredlung der jüdischen Jugend nicht gleichgültig ist,' besonders für die Einwohner jüdischer Nation zu Frankfurt a. M.", 8 S. wird der Plan dieser Schule mitgetheilt. Der Oberrabbiner hatte auf Veranlassung des Gemeindevorstandes diese Schule schon im Voraus in den Bann gethan, diesen Bann aber nach genauerer Untersuchung wieder aufgehoben. An der Hand des Planes wird nun nachgewiesen, daß, da ja die meisten Eltern ihre Kinder im Schreiben, Lesen, Rechnen und im Französischen unterrichten lassen, durch diese Schule' dem hebräischen Studium keine Zeit entzogen werde. Die Beschuldigung, „die Kinder würden in der Schule Grundsätze hören, die unserem heiligen Glauben zuwider sind", wird zurückgewiesen. „Nur Wenigen", heißt es, „gelingt es bei reiferem Alter durch eigenen Fleiß oder durch Genie das nachzuholen, was in der Jugend so ganz vernachlässigt worden ist. Und diese Unwissenheit und dieser Mangel an Bildung tragen sehr viel dazu bei, daß unsere Nation verkannt, gekränkt, mißhandelt und so oft hintangesetzt wird." „Jeden Vater, dem das Wohl seiner Kinder am Herzen liegt und jeden Menschenfreund unter unfern Glaubensgenossen, dem die Bildung und Veredlung unserer Brüder und die Verminderung des Elends und der Verachtung, worunter wir seufzen, nicht gleichgültig ist, fordert man -hiermit aus, die Schule zu unterstützen und in Aufnahme zu bringen." „Die Namen der Eltern, welche den Plan schon unterschrieben haben, sind: Getz Cosmann Amschel, .Manasses Jac. Emden, I. D. Haas, Mos. Jac. und Feist Jacob Emden, Lehm ann Moses S ichel, Mayer Wolf Schnapper, Getz Jsaac Amschel Wittwe, Abr. Löb und Jsaac Löw Göldschmidt und Seligmann Abr. Hecht. 4) Der Name rührt von dem in der Judengaffe, nicht weit von Börne's Geburtshaus in einer Nische befindlichen Brunnen her; die Gesellschaft pflegte sich in einem dem Brunnen benachbarten Hause zu versammeln. 5) Die Mittheilungen über das Brunnencollegium verdanke ich einem ehrwürdigen Greis, der noch zu den Mitgliedern desselben gehört, Herrn I. S. Scheuer, dem Vater unseres bisherigen Schulraths-Präsidenten.

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