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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1869-01-01 · 1869 · page 3

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— 4 — Ich meine nicht durch das, was ich in der kurzen Zeit und in eng begrenzten Mußestunden ermitteln konnte, Alles bis auf den Grund erschöpft zu haben, und nicht eine Geschichte der Schule, sondern nur Beiträge zu einer solchen, aus den ersten Jahren ihres Bestehens, beabsichtige ich diesmal vorzulegen. Diese aber jetzt schon mitzutheilen, zögere ich deshalb nicht, weil ich dadurch unsere ältesten Zeitgenossen, deren Erinnerungen noch bis zu den Anfängen unserer Schule Hinaufteichen, und Andere, die Manches darüber gesammelt haben, zu ergänzenden Mittheilungen veranlassen und auf diese Weise Wissenswerthes der Vergessenheit entreißen möchte. Es ist eine denkwürdige Entwicklung, die sich in dem Geistesleben der Juden am Ende des vorigen und im Anfange dieses Jahrhunderts vollzieht. Friedrich II. und Joseph II., Lessing und Mendelssohn, Rousseau und die Encyclopädisten haben auch für die Juden nicht umsonst gelebt und am Wenigsten ist die französische Revolution spurlos für sie vorüber gegangen. Auch in der Geschichte der Juden tritt da eine Sturm- und Drangperiode ein: mit mächtigem Ungestüm drängen sie hinaus aus dem Ghetto, sprengen sie die Fesseln ihrer traditionellen, einseitigen Erziehungsweise, erobern sie sich ihren Antheil an der allgemeinen Bildung. Zugleich aber sind sie darauf bedacht, was sie selbst so unglaublich mühevoll und unvermittelt sich errungen, den Eintritt in den Bildungsgang der deutschen Nation, ihren Kindern durch einen geregelten, umfassenden Schulunterricht zu vermitteln. Die Gründung der jüdischen Freischule in Berlin (1778), der Wilhelmsschule in Breslau (1791), der Jacobsonschule in Seesen (1801), der Freischule in Dessau (vor 1802), der Samsonschule in Wolffenbüttel (1807), der jüdischen Elementarschule und des Lehrer-Seminars in Cassel (1809) ^) sowie die seit dem Erlaß des Toleranzedicts Joseph's II. (1782) erfolgte Einrichtung von Elementarschulen in den jüdischen Gemeinden der österreichischen Monarchie geben Zeugniß davon. In den Kreis dieser Bestrebungen gehört die Gründung unserer Schule. Neben den allgemeinen waren aber in Frankfurt auch locale Anlässe mitwirkend. Gerade am Ende des vorigen und im Anfange unseres Jahrhunderts war hier in verschiedenen Kreisen ein seltener Verein ausgezeichneter Männer für die Verbesserung des Schulwesens thätig: der würdige Prorector Mosche hauchte damals dem Gymnasium neues Leben ein, Hufnagel und Günd ero d e riefen die Musterschule ins Leben, Klitsch er, Mieg, Engelmann, Friedrich Christoph Schlosser und Carl Ritter wirkten hier als Lehrer. Der frische Strom geistigen Lebens, der von diesen Männern ausging, mußte auch auf die Juden belebend wirken, um so mehr, als jene Männer in ihrer Mehrzahl nicht von confessionellchristlichen, sondern ganz im Sinne der Aufklärungsperiode, von rein menschlichen Tendenzen geleitet, als sie nicht vom Dogma beherrscht, sondern von echt wissenschaftlichem Geiste erfüllt waren ^). Viele von den aufgeklärten Männern suchten damals gerade den Umgang mit Juden, um ihnen und der Welt zu Zeigen, daß sie sich von den hergebrachten Vorurtheilen frei gemacht hätten^). Diese Jahreszahl ergiebt sich aus der Darstellung in der „Sulamith" Eine Zeitschrift zur Beförderung der Cultur:c. 1606, S. 9 ff. 2) Kr am er, Carl Ritter. Ein Lebensbild I., 125 klagt, daß Ritter damals — nach seiner (Kramer's) Meinung — „das Wesen des Evangeliums verkannte", dann wieder, „daß er den positiven Inhalt des Evangeliums nur wenig kannte." ») In dieser Beziehung sind auch Carl Ritters Worte in einem später anzuführenden Briefe bezeichnend: er ging zu einer Prüfung in das jüdische Philanthropin, auch „um den Juden zu zeigen, daß nicht alle Christen inhuman gegen sie gesinnt sind".

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