Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 7 (3.1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 166 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 166 Buch. In ihm, wo der Kampf politischer Gruppen, die Auseinandersetzungen auf weltanschaulichem, religiösem und sozialem Gebiete zu einer wirklich überragenden Darstellung gelangen, ist die Dreyfus-Affäre, wenn auch episodisch behandelt, doch insofern von besonderer Bedeutung, als sich in ihr und an ihr die Geister entzünden und als mit ihr und ihrem Ausgang die für Frankreichs weitere Entwicklung so nötige -und unentbehrliche Klarheit und Durchsichtigkeit der in die Zukunft weisenden Linien geschaffen wird. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Jean Barois als edler und aufrechter Kämpfer, der sich mit einer Gruppe Gleichgesinnter nach anfänglichem Zögern mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit in den Kampf stürzt, immer davon überzeugt und durchdrungen, daß er damit den Kampf um die edelsten und erhabensten Ideen der ganzen Nation führt. Ein menschlich erschütterndes EinzelscMcksal, in das gewaltige Rängen um Sein oder Nichtsein, Tod oder aufblühendes, vorwärtsdrängendes Leben eingewoben! Eine Synthese, die geglückt ist und die dem Buche seine innere Berechtigung und seinen äußeren Erfolg zugleich sichert. Die von Eva Mertens hergestellte Uebersetzung ist ausgezeichnet. In der Ile des Pingouins von Anatole France, die nicht ganz neuen Datums ist und nur um ihrer in der Darstellung der Dreyfus-Affäre gegebenen Verbundenheit mit dem eben besprochenen Werke willen in diesem Zusammenhange angeführt wird, hat die Darstellung der Affäre ebenfalls nur episodische Bedeutung. Alles: Personen, Handlung u. a. m. erscheinen in dieser im ganzen symbolhaften Darstellung, in der die für den Schriftsteller France charakteristischen Eigenschaften, nämlich überlegene Skepsis und feine Ironie sich offenbaren, in scheinbar völüg anderer vom historischen Sachverhalt abweichender Form; ihre Idendität mit der Affäre wird jedoch beim Lesen sofort offenbar. Nur wer ein wahrer Künstler vom Format eines France ist, wer das historische Material so beherrscht wie er, kann den Stoff so gestalten, daß in unscheinbaren, geradezu nebenhergeschriebenen Sätzen bittere Wahrheiten gesprochen und Spannungen, Gegensätze aller Art in völliger Aufhellung und mit nachhaltigster Wirkung uns geoffenibart werden. Dr. Max ßalomon Nachum Wahr mann: Untersuchungen über dieStellun'gderFrauimJudentumimZeitalter der Tanaiten. Heft I: "Das Ermittlungsverfahren gegen eine des Ehebruches "Verdächtige. M. & H. Marcus Verlag, Breslau 1933. 54 S. Preis br. RM. 3.—. — Die vorliegende Abhandlung, der erweiterte Abdruck einer Promotionsschrift, gibt eine zusammenfassende Darstellung des Verfahrens gegen die „Sota", die des Ehebruches verdächtige Frau. Diesem Verfahren kommt schon deswegen eine besondere Bedeutung zu, weil es der einzige Fall der pentateuchischen Gesetzgebung ist, wo die Klärung eines durch menschliche Rechtsprechung nicht zu lösenden Zweifelfalles durch die Anrufung eines Gottesurteils erfolgen soll; hierauf hat bereits Nachmanides in seinem Pentateuchkommentar hingewiesen. Der darauf bezügliche Bibelabschnitt (Numeri 5, 11—31) erscheint ohne Zuhilfenahme der Tradition widerspruchsvoll und bietet dem Verständnis erhebliche Schwierigkeiten. Er gibt auch kein genaues Bild des ganzen Vorgangs. Um so zahlreicher und ins Einzelne gehend sind die Angaben im späteren Schrifttum. Der Verfasser hat das gesamte Material, wie es im babylonischen und palästinensischen Talmud sowie in den halachischen und aggadischen Midraschim zerstreut niedergelegt ist, gesammelt und übersichtlich geordnet. So erhält der Leser ein klares und abgerundetets Bild von den einzelnen Phasen der Vorgeschichte des Verfahrens und diesem selbst, angefangen von der „Verwarnung" der Frau durch den Gatten bis zur „Prüfung" und ihren Folgen. In dem Kapitel über „Die Verwarnung" wäre vielleicht auch der Ausspruch des Rabb. Chanina aus Sura in Sota 2b anzuführen, der für die religiöse Praxis auch heute noch wichtig ist; vgl Schulchan Aruch E. H. § 178, 7. Der Anhang bringt die Darstellungen des Sotaverfahrens bei Philo und Josephus, die in einigen, aber keineswegs entscheidenden Punkten von der talmudischen Ueberlieferung abweichen. Die gründliche Abhandlung verdient alles Lob. K. Fritz Jorde, Zur Geschichte der Juden in Wuppertal. Bergland-Verlag, Wuppertal-Elberfeld 1933,38 S. brosch. Rm. 2.—. Die nicht genug zu begrüßenden Einzelforschungen zur Geschichte der jüdischen Gemeinden Deutschlands werden durch diesen Beitrag eines nichtjüdischen Historikers bereichert. Die Niederlassung von Juden in Elberfeld ist verhältnismäßig jungen Datums und erst 1694 urkundlich nachgewiesen; jedoch wurde unter dem Druck der mächtiger! Bleicherzunft um die Wende des 18. Jahrhunderts den Juden das Wohnrecht entzogen, so daß Elberfeld im Jahre 1800 keinen einzigen jüdischen Einwohner hatte. Erst 1806 wurde unter der französischen Herrschaft die Niederlassung wieder gestattet. Eingehende und sorgfältig belegte Einz elangaben über die jüdischen Einwohner sowie über die Entwicklung der jüdischen Gemeinde und ihre Kultusbeamten erhöhen den Wert der kleinen Schrift. Führerdurch die Jüdische Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege in Deutschland 1932/33. Herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden. 549 S. Berlin 1933- RM. 7.—. Aus dem vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund begründeten Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege und dem 1928 erschienenen Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland ist nunmehr dieses stattliche Handbuch hervorgegangen. Es enthält in sechs Teilen alle erreichbaren Angaben über die Gemeindeverhältnisse der deutsehen Juden und die Einrichtungen des Bildungswesens und der sozialen Arbeit, über Gemeindeverbände und die wichtigsten jüdischen Organisationen im Ausland. Eine außerordentliche Fülle von Material wird in sehr übersichtlicher Form dargeboten; soweit Stichproben ergeben, ist die Bearbeitung sehr sorgfältig, wenn auch hie und da kleine Ungenauigkeiten unterlaufen sind. Die Zentralwohlfahrtsstelle hat sich mit der Herausgabe dieses für alle in den Gemeinden oder sonstwie in der jüdischen Arbeit Stehenden, aber auch für alle, die sich über die Organisationsformen des deutschen Judentums unterrichten wollen, unentbehrlichen Werkes ein Verdienst erworben, das die jüdische Oeffentlichkeit ihr hoffentlich durch verstärkte Anteilnahme an den Aufgaben, der Gemeinden danken wird.. Lucie Zobel, Die jüdische Berufsberatung. Berlin 1931, 48 S. brosch. Rm. 1.25. — Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge erwerben sich mit der von ihnen herausgegebenen Schriftenreihe ein großes Verdienst um die Klärung der Probleme der jüdischen Sozialarbeit. Die vorliegende Schrift ist die erste zusammenhängende Darstellung des gerade jetzt besonders aktuellen Gegenstandes. Besonderen Wert verleiht ihr die überall spürbare Verbindung mit der praktischen Arbeit. Anti-Anti. Tatsachen zur Judenfrage. Philo-Verlag, Berlin 1932. Herausgegeben vom Centralveredn deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. 78 S. 7. Aufl. — Von der im Abwehrkampf gegen den Antisemitismus bewährten handlichen Matenialsammlung ist innerhalb kurzer Frist eine neue erweiterte Auflage notwendig geworden. Simon Unna. Die Verwaltung der Israelitischen Männer- und Frauen - Krankenkasse hat zum ersten JahTzeittag für Simon Unna die anläßlich seines Hinscheidens gehaltenen Ansprachen in einem hübschen Bändchen vereinigt und so dem Andenken des verdienten und kenntnisreichen Mannes ein würdiges Denkmal gesetzt. Louis Lamm, Das Memorbuch von Oettingen. Verlag Louis Lamm, Berlin. 15 S. (SA. aus dem Jüdisch- Literar. Jahrbuch 1931/32.) Das Schrif'tchen enthält Mitteilungen über Inhalt und Aussehen des vor etwa 200 Jahren angelegten Memorbuchs der bayerisch-schwäbischen Gemeinde Erfreue die Deinen mit einem ■ ERMÄSSIGTE PREISE« ZOO-Jahresabonnement!§ Einzelkar'e .... RM. 15.— j§ §|I Familienkarte . . . RM. 25.— HH. Familien-Beikarte kostenlos Hü