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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-03-01 · 7 (3.1933) · p. Seite 163

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
7 (3.1933)
Date
1933-03-01
Page
Seite 163 (sequence 9)
Language
German
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Seite 163 und Kopf „genäht", mit Stroh ausgefüllt und zu einem Ganzen zusammengesetzt. Dann wird noch das Gesicht bemalt und die Figur auf das Dach des Hauses oder in die Ecke des Hofes gebracht, um der Dinge zu harren, die da kommen werden. Wenn Purim herannaht, dann beginnt das große Ereignis für die Kinder. Sie holen den von ihnen angefertigten Haman heraus, errichten im Hof oder auf einem anderen freien Platz einen Scheiterhaufen, in dessen Mitte sich ein Galgen erhebt, und auf ein Zeichen hin wird Haman an diesem Galgen aufgehängt und der Scheiterhaufen zum Entzünden gebracht. Das durch Oel oder Benzin geschürte Freudenfeuer wird von allen umringt, und unter Johlen und Schreien wird „Haman harascha" dem Untergang geweiht. Um ihm ein noch schnelleres Ende zu bereiten, als die Flammen es vermögen, werden Steine auf das gemalte Gesieht dieser Haman- Figur geworfen, bis nichts mehr von den Figuren zu erkennen ist, um gleichsam zu erfüllen den Vers „es soll das Andenken Amaleks ausgewischt werden". Wenn ich Rothschild wäre Monolog eines Kinderlf Von Scholen Der anter dem Namen „Scholem Alediem" berühmt gewordene russisch-Jüdische Schriftsteller Sch. Rabinowitsch (1859—1916) gehört zu den Klassikern der jiddischen Literatur. Seine humorvolle Schilderung de' Ges alten und Lebensformen des Meinen jüdischen Städtchens im früheren Russland hat ihm den Namen des. „jüdischen Mark Twain" eingetragen. Wenn ich Rothschild wäre — so begann eines Donnerstags ein Kassrilewker „Melamed", als seine Frau ihn um Geld für Schabbos mahnte und er keins hatte — ach, wenn ich Rothschild wäre! Ratet, was ich tun würde? Zuerst, Anfang aller Weisheit, führe ich einen neuen Gebrauch ein, daß jede Frau immer einen Groschen bei sich hat, damit sie dem Mann nicht den Kopf mitsamt der Mütze verdrehen muß, wenn der gute Donnerstag kommt und nichts da ist auf Schabbos. Und zum zweiten löse ich meinen Schabbosrock aus, oder nein — den Katzenfellmantel meiner Frau, damit sie aufhört, mir in den Kopf zu hacken, daß sie kalt hat! Und dann kaufe ich dieses ganze Häuschen mit allen drei Stuben, mit der Kammer, dem Verschlag, dem Keller, dem Speicher, mit allem und jedem Winkel, damit sie nicht sagt, es sei ihr zu eng; da hast du zwei Stuben, koch dir, back dir, wasch dir, brock dir und laß mich in Ruh, daß ich mit meinen Schülern mit freiem Kopf pauken kann! Keine Nahrungssorgen, nicht darüber nachzudenken, wo man Geld hernimmt für Schabbos — ein Hochgenuß! Die Töchter alle verheiratet, eine Last von den Schultern herunter — was fehlt mir noch? Ich fange an, mich ein bißchen in der Stadt umzusehen. Zuerst stifte ich ein neues Dach für das alte Bethaus, damit es den Juden nicht mehr auf die Köpfe tropft, wenn sie beten. Und — nicht in einem Atem zu nennen — das Badhaus baue ich neu; warum nicht gleich heute morgen? Dort muß doch ein Unglück passieren, Gott behüte, vielleicht stürzt es gerade ein, wenn Frauen dort baden. Und gleich nach dem Bad muß sofort ganz bestimmt das Asyl niedergerissen und ein Krankenhaus hingestellt werden, aber ein wirkliches Krankenhaus mit Betten, mit einem Doktor, mit Arzneien, alle Tage Hühnersuppe für die Kranken, wie es sich für feine Städte gehört. Und ein Altenheim errichte ich, damit alte gelehrte Juden nicht im Bethaus auf der Ofenbank herumliegen müssen. Und eine Genossenschaft „Kleidung für Nackte", damit arme Kinder nicht, hrers in Kassrilewka AI e ch em mit Respekt zu sagen, mit bloßem Nabel umhergehen müssen; und eine Genossenschaft „Liebeswerke", damit jeder Jude, sei er Kind erlehr er oder Handwerker oder Kaufmann, das Zahlen von Zinsen spart und nicht das Hemd vom Leibe verpfänden muß; und eine Genossenschaft „Brautausstattung", damit man, wenn irgendwo nebbich ein armes herangewachsenes Mädchen ist, sie ausstatten und Hochzeit machen kann, wie es sich gehört; und noch andere derartige Genossenschaften führe ich bei uns in Kassrilewka ein . . . Aber warum eigentlich nur bei uns in Kassrilewka? Ueberall, wo sich unsere Brüder, die Kinder Israel, befinden, führe ich solche Genossenschaften ein, überall auf der ganzen Welt! Und damit alles ordentlich zugeht, wie es sich gehört — ratet, was ich tun werde? Ueber alle Genossenschaften werde ich eine große Genossenschaft setzen, eine zentrale Wohlfahrtsgenossenschaft, die auf alle Genossenschaften und alle Juden, das heißt auf ganz Israel acht gibt, damit die Juden überall ihr tägliches Brot haben, in Einigkeit leben und in den Rabbinerschulen sitzen und lernen: das Fünfbuch mit Raschi, mit Gemoro, mit „Tosfos", mit „Maharschoh", mit allen sieben Wissenschaften und allen siebzig Sprachen. Und über allen Schulen soll eine große Rabbdnerschule stehen, eine jüdische Akademie, am besten in Wilna, und von dort sollen die größten Gelehrten und Weisen in der Welt hervorgehen. Und alles soll umsonst sein, „für Rechnung des Vornehmen", aus meiner Tasche, und alles soll nach Ordnung und Plan geführt werden, nicht „gib mir, da nimm dir", und alle sollen nur das Wohl des Ganzen im Sinn haben! . . . Und damit man das Ganze im Kopf hat, muß man doch den einzelnen beachten. Und wie kann man den einzelnen beachten? Am besten mit dem Broterwerb: das nämlich, hört ihr, ist die wirkliche Hauptsache; ohne Broterwerb gibt es keine Einigkeit, um ein Stückchen Brot, dem Stein sei's geklagt, trachtet einer dem anderen nach dem Leben, ist bereit, ihn zu töten, zu vergiften und zu hängen! . . . Sogar die Feinde Israels, unsere Hamans auf der ganzen Welt, was, meint ihr, haben sie gegen uns? Gar nichts. Nur wegen des Broterwerbs. Hätten sie ihren Broterwerb, so wären sie gar nicht so schlecht. Broterwerb bringt zu Neid, Neid bringt zu Haß, und daher, Gott erbarme, kommt alles Mißgeschick auf der Welt, alles Unglück, fern sei's von uns, mit Wählt Zentrum Feld 4 denn: Das Zentrum kämpft seit seinem Bestehen für religiöse und politische Befreiung aller Unterdrückten. Das Zentrum ist gegen Klassenhaß und Rassenhaß und steht unter allen Umständen zur Volksgemeinschaft. Darum wählt Zentrum Feld k v

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