Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 6 (2.1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 139 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3094266-3094386-3094392--3467-3519141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 139 Die Dornbuschszene wird vom Koran mehrmals15) ohne wesentliche Abweichungen von der Bibel, doch mit Mißverständnissen in Einzelheiten berichtet. Am häufigsten,10) kommt Muhammed natürlich auf Moses Auftreten vor Pharao und den Unglauben der Aegypter zu sprechen. Die Zauberer, die Moses Wunder nachahmen sollen, bekehren sich zu Gott, nachdem Moses Stab ihre Stäbe verschlungen hat, obwohl Pharao ihnen schwere Maitern androht. Pharao bleibt verstockt und befiehlt Haman (!), ihm einen Turm zu bauen (!), damit er zum Gott Moses hinaufsteigen könne, den er für einen Lügner hält. Ein gläubiger Aegypter sucht Pharao von seiner Bosheit abzubringen, indem er ihn auf Strafgerichte an früheren Völkern hinweist, ganz in der Art, wie Muhammed seine Mekkaner warnte, doch ohne Erfolg. Die zehn Plagen sind 'dem Koran unbekannt; er spricht mir von insgesamt neun Zeichen, die Moses an Pharao tut17). Von den biblischen Plagen werden nur Heuschrecken. Ungeziefer, Frösche und Blut genannt. Daß die Aegypter in der Flut umkommen, berichtet der Koran an vielen Stellen; auch daß das Meer für die Israeliten geteilt wurde, ist Muhammed bekannt. Interessant ist, daß in einem Berichte Pharao sich kurz vor dem Ertrinken reuig zeigt und gerettet wird18), während an anderen Stellen sein Untergang ausdrücklich berichtet wird. Die Spaltung des Meeres wird nach einer Stelle1") dadurch bewirkt, daß Moses das Meer mit seinem Stabe schlägt, offenbar eine Erinnerung an das Schlagen an den wasserspendenden Felsen, der im Koran mehrmals erwähnt wird. An einer isolierten Stelle-0) betet die in der Bibel nicht erwähnte Frau Pharaos um einen Platz im Paradiese und um Rettung vor Pharao- und den Ungläubigen. Von der Speisung des Volkes in der Wüste durch das Manna, die Wachteln und das Wasser aus dem Felsen ist mehrfach die Rede.21) Von der Offenbarung am Sinai sind wenig Einzelzüge aufbewahrt22): dagegen kommt der Koran ausführlich auf das goldene Kalb, das mehrfach sogar als lebendig bezeichnet wird, die Zertrümmerung der Tafeln und den Wunsch Moses, Gott zu sehen, zurück.28) Einmal begehrt auch das Volk, Gott zu sehen, nachdem Moses ihm eine Strafpredigt wegen des Kalbes gehalten hat24); an einer anderen Stelle21), wird das Volk wegen dieses Wunsches bestraft, und dann erst begeht es die Sünde mit dem Kalb. An weiteren Einzelheiten vom Wüstenzuge werden erwähnt die 70 Aeltesten2"), das Murren des Volkes wegen des Essens27), die Entsendung der Kundschafter und die Verurteilung zu der vierzigjährigen Wüstenwanderung2") und der Aufstand Korahs2'J). Schon die Verteilung dieser und der vorhergehenden Einzelheiten der Mosesgeselüchte über den ganzen Koran zeigt, wie wenig Muhammed die innere Zusammengehörigkeit erfaßt hat. welche alle diese Geschichten in der Bibel haben. Von den in der Wüste verordneten Geboten ist kaum die Rede; einzig der Sabbat ist an mehreren der bereits zitierten Stellen erwähnt. Dagegen gibt der Koran ausführlich das Gesetz über die rote Kuh (Num. 19) wieder30), nach dem sogar die 2. Sure, die längste des Korans, heißt. Als ihr Zweck wird angegeben, daß man durch Schlagen mit einem Stück von ihr einen Ermordeten beleben konnte, dessen Mörder unbekannt war: das beruht auf einer Erinnerung an das Kalb, dem das Genick gebrochen wird (Deut. 21, 1—9), während die uns hier schon zum zweiten Male in biblischem Zusammenhang begegnende Totenerweckung überhaupt keine Stütze im Alten Testament hat. Schließlich wird auch die Uebergabe des Landes an die Israeliten im Koran erwähnt31). Mirjam ist im. Koran teils die Tochter Amrams32) — Sure 3 heißt „die Familie Amrams (arabisch Imrans)" — und die Schwester Arons33), teils die Mutter Jesu34); die 19. Sure trägt ihren Namen. Die Koranstellen lassen keinen Zweifel darüber, daß Muhammed beide Frauen für eine und dieselbe Person gehalten hat. Aus Mirjams Leben werden keine Einzelheiten berichtet, wohl aber aus Jesu Leben nach der christlichen Ueberlieferung, die wir jedoch der Kürze halber übergehen. -Von sonstigen Persönlichkeiten der Mosessage tritt im Koran nur noch Moses Schwiegervater auf, der hier aber den 15) Sure 20. 8—36, 45—50; 26, 9—16; 27, 7—12; 28. 29—55. 16) Suren 7, 10, 20, 26, 28, 40, 45 u. a. 17) Sure 7, 150—131; 17, 105—104. 18) Sure!0, 90—92. 19) Sure 26, 52—66. ■> 2°) Sure 66, 11. 21) Sure 2, 54—57; 7, 160; 20, 82—84. 22) z. B. 2, 87: 7, 170; 57. 114—122. 23) 7, 154—155; 20, 85—98. 24) 2, 51—52. 25) 4, 152. 26) 7, 154. 27) 2, 58. 28) 5, 25—29. 29) 28, 76—82; 29, 58. 30) 2, 65—68. 31) 17, 106. 32) 5, 51; 66, 12. 33) 19, 28—29. *») 3, 40; 4, 156; 5, 109 ff.; 55; 43, 57 ff.; 61, 6. Die Kultussteuer müsste unter den vielen Steuern, die heute zu zahlen sind, insofern eine Ausnahme bilden, als jeder sie gern bezahlen sollte, denn: 1) sie ist viel niedriger als die übrigen Steuern 2) durch die Zahlung der Kultussteuer ermässlgt sich die Einkommensteuer 3) in der jetzigen Zeit ist es mehr als je dringend erforderlich, die Gemeinde als älteste und einzige Organisationsform, die alle Juden umfasst, zu erhalten. Dies gilt besonders auch für alle, die von den Einrichtungen der Gemeinde nur geringen oder gar keinen Gebrauch machen, für die aber die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft mehr als ein leeres Wort ist 4) sie bietet der Gemeinde die einzige Möglichkeit, neben ihren religiösen und kulturellen Verpflichtungen zu den gewaltig angestiegenen Lasten für soziale Aufgaben beizutragen 5) die von der Gesamtgemeinde gewählte, alle Kreise der Gemeinde vertretende Verwaltung bürgt für sachgemässe und sparsamste Verwendung der Steuermittel. Namen Schuaib führt. Er ist im Koran der zu den Midianitern gesandte Prophet, der seine Landsleute in der im Koran üblichen Weise vor Unglauben warnt3"'). Febrigens beruht die Gleiehsetzung des Schuaib mit Jitro lediglich auf der nachkoranisehen Tradition: im Koran selbst findet sich dafür kein Anhaltspunkr. und gerade an der Stelle, wo von Moses Verheiratung nü* der Tochter des Midiauiteischeiehs die Rede ist30), kommt kein Name vor. Von nachinosaischen Persönlichkeiten wird zunächst Saul und seine Erwählung zum König erwähnt. Allah prüft ihn mit einem Bach: das ist eine Erinnerung an die Gideon-Geschichte (Richter 7. -1—7). Weiter wird Davids Kampf mit Goliath erwähnt37). David lobsingt, von Bergen und Vögeln begleitet, und kann Panzerhemden machen38). Die Geschichte von den zwei Streitenden, die Xatan nach 2. Sam. 12. 1—15 dem David erzählt, um ihm seine Sünde mit Urias Weib vor Augen zu führen, macht der Koran zu einer wirklichen Begebenheit3'J). Der Psalter ist nach dem Koran4") die dem David geoffenbarte Schrift, die also Moses Tora und Jesu Evangelium gleichsteht. Von Salomo spricht der Koran vornehmlich als von dem weisen Zauberer, dem die Geister Untertan waren41), der die Sprache der Vögel beherrschte42) und der Beziehungen zur Königin von Saba hatte, allerdings ohne daß von einem persönlichen Zusammentreffen beider die Rede ist43). Die nachsalomonischen Könige sind dem Koran unbekannt; von Elia wird, berichtet"), daß er das Volk vor dem Baal warnte, ohne weitere Einzelheiten, während Elisa, nur erwähnt wird. Von den Schriftpropheten wird im Koran kein einziger erwähnt; der mehrfach vorkommende Zacharias ist der Vater Johannes des Täufers aus der christlichen Ueberlieferung. Dagegen wird an mehreren Stellen von der Geschichte Jonas berichtet: Jonas Namen trägt die 11). Sure. Gerade in dieser wird am wenigsten von dem Propheten gesprochen: in Vers [)H wird nur gesagt, daß sein ..Volk" für eine Zeitlang vor der Strafe gerettet wurde, weil es sich bekehrte. An einer anderen Stelle45) wird der Unwille des ..Mannes mit dem Fisch" erwähnt, der sich beklagt und aus der Finsternis betet. Am ausführlichsten steht die Jona-Geschichte in Sure 37. 139—148: an einer späteren Stelle40) wird noch einmal darauf angespielt. Von E s r a glaubt der Koran47), daß die Juden ihn für Gottes Sohn halten wie die Christen Jesus. Noch eine andere Stelle'"'), nach der jemand an einer verwüsteten Stadt vorbeikommt und auf die Frage, ob sie wieder erbaut werden werde, von Gott in einen hundertjährigen Schlaf veisenkt wird, aus dem er erwacht und nur 3ä) Suren 7, 11, 26. 29. 36) Sure 28. 22—28. 37) 2, 247_252. 38) Ü, 79—80; 34, 10. 39) 58, 20—28. 40) 4. 16!; 17, 57. 4») 21, 81—82; 54. 11—13; 38, 35—57. 42) 27, 16 ff. «) 27, 20—45. 44) 37, 123—132. 21, 87—88; vgl. Jona 4 ii. 2. I ff. 4«) 68, 48—50. 47) 9, 30. 4a) 2, 261. 49) 21, 83—84; 38, 40—44.