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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1933-02-01 · 6 (2.1933) · p. Seite 138

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
6 (2.1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 138 (sequence 4)
Language
German
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Seite 138 Die an einer Stelle4) auftretende Erzählung von dem Propheten Idris, der von Gott „an einen hohen Ort erhoben" worden sei, bezieht die islamische Tradition ohne nachweisbaren Grund auf den biblischen H e n o c h, der ja in den Himmel entrückt wurde. An zahlreichen Stellen des Korans wird die Geschichte von Noah erzählt. Unter anderem ist ihm die 71. Sure gewidmet, die davon ihren Namen trägt. Diese Sure schildert zunächst die Predigt, mit der Noah sein „Volk" wegen ihrer Sünden warnte; doch blieben sie hartnäckig und wollten -nichts hören. Noah beklagt sich bei Gott, worauf die Menschen ersäuft und ins Feuer geführt wurden. Die Sure schließt mit einem Gebet Noahs. An anderer Stelle5) wird gesagt, daß Noah 1000 Jahre weniger 50 unter seinem Volke verweilte, und zwar offenbar vor der Sintflut. Nach der Bibel aber lebte Noah dm ganzen 950 Jahre. Von der Arche ist oft andeutungsweise die Rede; die Flutgeschichte selbst Avird6) ausführlich erzählt. Noah baut die Arche auf Befeld Gottes: die Ungläubigen, die das sehen, verspotten ihn. Auf Gottes Geheiß bringt Noah von allem ein Pärchen in die Arche: einer seiner Söhne glaubt sich auf einem Berge vor dem Wasser schützen zu können, ertrinkt abei. Nachdem die Arche auf einem Berge zum Stehen gekommen ist, bittet Noah wegen dieses Sohnes um Verzeihung, welche Gott dadurch gewährt, daß er den Sohn nicht zu Noahs Familie rechnet. Darauf verläßt Noah mit den Seinen die Arche. An anderer Stelle wird von Noahs Weib als einer Sünderin gesprochen. Abraham nimmt unter den im Koran erwähnten biblischen Persönlichkeiten eine besondere Stellung ein: nach ihm heißt die 14. Sure. In der mekkanisehen Zeit werden einzelne Geschichten von ihm nach Bibel und Midrasch berichtet; seit dei Prophet aber in Medina zu den dort, lebenden Juden in scharfen Gegensatz getreten ist. wird Abraham für ihn der Stifter der wahren Urreligion. die Muhammed erneuert und die die Juden verleugnet haben. Insbesondere erseheint Abraham ais der Begründer des Kultes der Kaaba, der großen Moschee in Mekka mit dem eingemauerten schwarzen Stein, die das Zentralheiligtum des Islam und bis heutigen Tages das Ziel der alljährlichen Wallfahrt bildet, nach der sich auch der Muslim im Gebet hinwendet und auf die hin sämtliche islamischen Moscheen so orientiert sind wie unsere Synagogen nach Misrach. Diese Dinge hier weiter auszuführen, liegt außerhalb unseres Themas-, ebenso müssen wir die Geschichten von Abraham. Nimrod und dem feurigen Ofen, von der Gottesverehrung. zu der Abraham nach vorheriger Gestirnverehrung gelangt, oder von der Zertrümmerung der Götzen seines Vaters, die aus dem Midrasch stammen, programmgemäß übergehen. Daß Abraham sich von seinem Vater lossagte, weiß auch der Koran. Der Name des Vaters ist Asar. offenbar eine Verwechslung mit Abrahams Knecht Elieser. Als seine Söhne werden mehrfach Isaak und Jakob bezeichnet: doch kennt der Koran auch Ismael als Abrahams Sohn. Von den biblischen Geschichten über Abraham erscheint zunächst") der B u vi d zwischen den Opferstücken (Gen. 15). allerdings .in seltsamer Entstellung. Statt daß wie in der Bibel drei Säugetiere zerteilt und zwei unzerteilte Vögel dazugelegt werden, nimmt Abraham im Koran vier Vögel, von denen er „auf jeden Berg" ein Stück legt. Wenn Abraham sie ruft, werden sie zu ihm kommen, zum Zeichen, daß Gott die Toten erwecken kann (!). Die Opferung des Sohnes erzählt der Koran8) ohne Nennung eines Namens. Dies gab den Muhammedanern die Möglichkeit, die Erzählung auf Ismael zu beziehen, den bei ihnen bevorzugten Sohn Abrahams, umsomehr als an der betreffenden Stelle die Ankündigung der Geburt Isaaks mit ausdrücklicher Namensnennung unmittelbar auf die Opferungsgesehichte folgt. Die Opferung wird Abraham nach dem Koran im Traum befohlen, zu einer Zeit, da der Sohn das arbeitsfähige Alter erreicht hat. Er teilt dem Sohn den Traum mit. der sich mit ihm in Gottes Willen ergibt. Die Unterbrechung der Opferhandlung berichtet der Koran ohne Anführung von Einzelheiten: nur daß ein Ersatzopfer stattfindet, wird erwähnt. Das Erscheinen der Boten Gottes bei Abraham und ihre Bewirtung wird mehrmals9) ausführlich erzählt. Besonderer Wert, wird auf den Zweifel an der Ankündigung Isaaks erwähnt, der einmal von Abraham, ein anderes Mal von seiner (ungenannten) Frau geäußert wird; auch die Lachszene mit Sara (Gen. 18. 12—15) wird ausführlich beschrieben. Auch an anderer Stelle zeigt Muhammed sich mit dem Umstand bekannt, daß Abraham erst in hohem Alter Kinder bekam. Daß die Boten Abraham den Untergang Sodoms verkünden und daß Abrahamfür die Sünder bittet, ist auch dem Koran bekannt. Eine, eigene Rolle als Prophet spielt L o t im Koran. Aus <) Sure 19 v. 57—58. °) Sure 29 r. 13. 6) Sure 11 v. 27—50. 7) Sure 2, 262. 8) Sure 37 v. 96—111. 9) Suren 11, 15, 51. seinem Gespräch mit den Sodomitern, wie es die Bibel erzählt, hat Muhammed die Darstellung eines warnenden Gottesboten gemacht.10) Die Erzählung stimmt im allgemeinen mit dem biblischen Bericht überein; entsprechend dem in der Bibel erhaltenen Gespräch ist der Hauptinhalt der Predigt Lots an die Sodomiter eine Warnung wegen ihrer Perversion. Auch die Anbietung der Töchter anstatt der Gottesboten (Gen. 19, 8) wird berichtet. Daß bei der Zerstörung der Städte Lots Weib runkommt, wird von den Boten vorhergesagt. Von der Zerstörung wird im Anschluß an einen biblischen Ausdruck (Deut. 29, 22) mehrfach in der Weise gesprochen, daß das Oberste zu unterst gekehrt wird. Die Zerstörung selbst geschieht teils durch Regen — offenbar in Verwechslung mit der Sintflutsage —, teils durch einen Wirbelwind, teils durch große Steine, die die Ungläubigen treffen. Von Jakob weiß der Koran nur, daß er seine Söhne auf dem Totenbette versichern ließ, daß sie seinem Gott treu bleiben werden.11) An anderer Stelle12) wird von einem Bund Gottes mit den Israeliten gesprochen und dabei zwölf Führer des Volkes erwähnt, die offenbar mit den Söhnen Jakobs identisch sind. Am ausführlichsten wird die Josefsgeschichte behandelt:-ihr ist die ganze 12. Sure gewidmet, die auch Josefs Namen trägt. Für die Umgestaltung "durch Muhammed können hier nur einige Beispiele gegeben Averden. Die Brüder Josefs fordern Jakob auf. Josef mit ihnen zum Spielen auf das Feld zu schicken. Jakob fürchtef. daß ein Wolf ihn fressen werde; sie aber verbürgen sich für seine Sicherheit. Abends, nachdem sie ihn in die Zisterne geworfen haben, bringen sie dem Vater das mit Blut gefärbte Hemd: dieser aber glaubt, sie hätten den Tod Josefs erdichtet, Später in der Episode mit Potiphars Frau ergreift die Frau das Hemd des Fliehenden und zerreißt es hinten. Daran erkennt Potiphar. daß sie der schuldige Teil ist. weil das Hemd hinten nur auf der Flucht zerrissen worden sein kann. Die Frau kommt ins Gerede und lädt alle Weiber der Stadt ein. um ihnen Josef vorzuführen; wie sie ihn sehen, schneiden sie sich beim Essen vor Erstaunen mit den Messern in die Hände und halten Josef für einen Engel. Frau Potiphar sieht sich gerechtfertigt und droht Josef mit dem Gefängnis, falls er ihr nicht zu Willen ist; er aber bleibt standhaft und kommt ins Gefängnis. Nun geht es weiter wie in der Bibel. Die Träume Pharaos13) deutet Josef dem Schenken, der ihn im Kerker besucht. Pharao schickt darauf einen Boten ins Gefängnis, um Josef an den Hof zu holen: er aber vermutet eine List der Frauen, die sich bei Frau Potiphar in die Hände geschnitten hatten, und läßt den Boten zunächst mit der Frage zurückkehren, was jene Frauen -vorhatten. Da die Sache nun dem König kund wird, muß Frau Potiphar abermals gestehen. Josef kommt nun vor den König und wird zum Ernährungsminister gemacht. Die Geschichte mit den Brüdern Josefs, die um Getreide nach Aegypten kommen, geht mit mancherlei Verwechslungen vor sich. Die Verhaftung Simons auf der ersten Reise fehlt: doch fordert Josef die Brüder auf, ihren Bruder (Benjamin) zu bringen. Als sie mit ihm kommen, nimmt .Josef •ihn beiseite und gibt sich ihm zu erkennen. Dann folgt die Geschichte mit dem Becher. Rüben (!) schickt die übrigen allein zurück zu Jakob; wie sie ihm berichten, klagt er erneut um Josef und befiehlt den Söhnen. Josef und seinen Bruder zu suchen. Dann folgt die Erkennungsszene. Die Söhne kehren zu Jakob mit Josefs Hemd zurück, das er am Geruch erkennt (dieser Zug aus der Geschichte von Jakob und Esau vor Isaak!); man wirft es ihm übers Gesicht so daß er sein Augenlicht wieder erhält, Josef nimmt seine Eltern bei sich auf und setzt sie auf den Thron, nicht ohne darauf hinzuweisen, daß so sein eigener Traum (Gen. 37, 9—10) in Erfüllung gegangen ist. Mit einem Gebet Josefs schließt die Geschichte. Der letzte große Sagenkreis, der aus der Bibel in den Koran übergegangen ist, betrifft Mose s; von nachmosaischen Persönlichkeiten sind nur wenige und auch diese nur recht kurz behandelt. Die Mosesgeschichten kehren mit so viel Einzelheiten und an so vielen Stellen wieder, daß hier nur eine sachlich geordnete Auswahl geboten werden kann. Die Geburtsgeschichte14) enthält alle wesentlichen Züge der Bibel; ebenso weiß der Koran von dem Aegypter, den Moses erschlug, seiner Flucht nach Midian und der Tränkung der Herden Jitros. Er erhält eine der Töchter Jitros gegen achtjährige Dienste zur Frau (aus der Jakob-Laban-Geschichte!). Daß den Anlaß zu Moses Errettung durch das Aussetzen im Wasser auf Pharaos Befehl zur Tötung der Knaben zurückzuführen ist, wird ebenfalls berichtet; dieser Befehl Pharaos wird auch sonst an zahlreichen Stellen zum Beweis von Pharaos Unglauben erwähnt. 10) Suren 7, 11, 15, 26, 27, 29, 54. ") Sure 2 v. 126—27. 12) Sure 5 v. 15. *3) In der Sure heißt er stets „der König"; daß es sidi um einen .Pharao" von Aegypten handelt, ist Muhammed unbekannt 14) Sure 20, 38—42; 28, 6—28.

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