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Neue jüdische Presse · 1912-09-19 · Heft 37 (19.9.1912) · p. Seite 13

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 37 (19.9.1912)
Date
1912-09-19
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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Seite Nr. 37. Frankfurter FsraelitifitzS FamilieMM. anheimelnd naiven Melodie rezitierte. Noch heute klingen in meinen Ohren die weichen Töne seines Jigdaah Elautim-chaj ve-e-jischtabach ... . . Eine Bank hinter ihm anl ersten Sitz sitzt der kluge. Ex-Roschhakohl, der alte Judenrichter, wie ihn die Nichtjuden nannten, der zwanzig und mehr Jahre der Gemeinde als Präses Vorstand. Er ist ein ehrbarer Schneidermeister, aber der klügste Mann in der Kehillo, dessen Rat Arm und Reich stets in Anspruch nimmt. Wenn alle möglichen Ausgänge verrammelt sind, und kein Ausweg scheint aus Sorge und Not, der kluge Rvschhakohl hat doch einen entdeckt. Am liebsten hilft 'er den Armen, gegen die Reiche hat er eine moralische Abneigung, — doch ohne eine gute Eze hat er noch niemanden entlassen. Nur sich selber konnte er nicht raten, trotzdem er oft von Sorgen geplagt war. Aber das hat nie seinen frischen Frohsinn getrübt, gutmütig und launig, stets bereit mit treffenden Witzworten andere und sich selbst zu erheitern, ein rechter, braver Mann, mit einem guten jüdischen Herzen und gutjüdischer Gesinnung. Auch der stille Mann sitzt schon da, Reb Henoch mit den edlen Zügen. Ein edler Charakter, dessen.Wort ein Heiligtum, auf dessen Rede man bauen durfte, der seine Zunge hütete vom Bösen und seine Lippen von trügerischen Worten. : Und natürlich auch Reb Hillel, der wahrhaft fromme und allbeliebte Bal-Tefillo, er steht bereits im Gebete versunken, er sagt die Eingangsgebete, die Techinos und Bakoschos aus der besonderen Gebetssammlung „Likute Zewi" mit tiefer Jnnbrunst, zerknirscht vor Demut und in Tränen aufgelöst. Das kleine Männchen mit dem großen roten Barte hätte nicht den sympätischen Eindruck Hervorrufen können, den er auf jeden 'machte, wenn sein Gemüt nicht so kindlich gut und bewunderungswürdig edel, seine Seele nicht so rein, so fleckenlos gewesen. (Schluß folgt.) Eiugesauftt. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) In der Deutsch-Jsraelit.-Ztg. verössentlicht' ein Herr Gabel, Bürgerschuldirektor und Redakteur, einen Brief, der sich auch mit der Erklärung der „geehrten jungen Leute" in Frankfurt a. M. besaßt: Als Initiatoren dieser „Erklärung" sehen wir uns veranlaßt, zu diesen Ausführungen das Folgende zu bemerken: Wir müssen zunächst unserer Verwunderung Ausdruck verleihen, daß in einer uns gemeinsam so heiligen Sache der Schreiber nicht ansteht, hinter unserer Erklärung die Drahtzieherei mancher „ehrenwerter älterer Herren" als „Souffleure" suchen zu müssen, um unsere Sache von vornherein heräbzusetzen. Wir hätten zum mindesten erwarten dürfen, baß unsere een st e Erklärung auch einer ernsten Kritik gewürdigt werde. Wir müssen diese Unterstellung auf das Entschiedenste zurückweisen, da sie jeder tatsächlichen Grundlage entbehrt. — Zur Sache selbst bemerken wir, daß Herr G. unsere Erklärung in einer durch die Verhältnisse in Ungarn bedingten und uns daher durchaus verständlichen Weise gründlich mißverstanden hat. Für uns besteht kein Unterschied zwischen ,O r t ho d o x", T h o r a t r e u" oder „G e - setzestreu", wir wünschen nur — uud dahingehend war auch unsere Erklärung aufzufassen —, daß sich der Grundsatz in der Agudaß Jisroel durchringe, daß jeder, der auf dem Boden des Schulchan Aruch steht, als willkommener Mitarbeiter für diese großen Bestrebungen angesehen werde, ob Chossid oder Misnaggid, „Ungarisch Orthodoxer" oder „Frankfurter Gesetzestrener", Misrachist oder Zionist, wenn und solange er nur innerhalb der Agudaß Jisroel für taurosseinu hakdauschoh mitzuarbeiten bereit ist. — Alles für unsere Sache, aber über Worte wollen wir nicht streiten. Wir haben auch nicht gesagt, daß zwischen Chassidim und Misnagdim „tiefer gehende Differenzen obwalten, als zwischen Orthodoxen und Halborthodoxen". Wir gingen stets nur von dem, in den Sitzungen.des provisorischen Komitees nachdrücklichst festgelegten Prinzipien aus, daß zur Mitarbeit ein jeder willkommen ist, der den Schulchan Aruch als verbindlich anerkennt, — und wer möchte es wagen, diese als „Halborthodoxe" zu bezeichnen? Im übrigen wären wir froh, wenn es sich bewahrheiten würde, daß die Differenzen zwischen Chassidim und Misnagdim nicht mehr der Rede wert wären. — „Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube." — Man beobachte nur die Differenzen, die sich zwischen Alexander und Gerrer-C h assid im bei der Lodzer Rabbiner-Wahl jetzt entpuppen, wobei wir noch nicht einmal von denjenigen zwischen Chassidim und Misnagdim sprechen wollen, um die diesbezüglichen Ausführungen des Herrn G. ack absurdum zu führen. — Es scheint uns hier bei ihm der Wunsch der Vater des Gedankens zu sein. — ' , Was nun den Hieb auf die „Laien" und den speziellen Seilenhieb auf den Hamburger Verein anbetrifft, müssen wir als Kaufleute darauf Hinweisen, daß die Ausführungen des Herrn G. auf einer totalen.Unkenntnis der Verhältnisse beruh:». Der Vorstand des Hamburger Vereins besteht aus einigen Herren, die durch ihre ausgedehnten Reisen die Verhältnisse in den tu Betracht kommenden Orten ain allerbesten kennen. Des weiteren ist uns bekannt, daß den sämtlichen Maßnahmen und Instruktionen des Hamburger Vereins Urteile bedeutender Gedaulim zu Grunde liegen. Gerade wir als' ' Saufleute wissen die ersprießliche Tätigkeit des Hamburger Vereins, der sich wachsender Beliebtheit erfteut, ■ besonders zu schätzen verhütet er doch, daß, sowohl reisende jüdische Kaufleute als auch große Massen erholungsuchender Kurgäste unsre heiligen Speisegesetze zu übertreten gezwungen sind. — Herr G. glaubt berechtigt zu sein, uns einen Mangel an „Derech Erez" gegen „Moro D'Assroh" vorzuwerfen. Wir können ihm versichern, daß wir jedem Raw die ihm gebührende, wahre Ehrerbietung entgegenbringen, da wir nach jüdischer Auffassung in ihm die Tauroh, das angesammelte jüdische Wissen zu schätzen berpflichtet sind. — Indessen möchten wir hervorheben, daß der von uns vertretene Standpunkt in der Frage der Mitgliederaufnahme der gleiche ist, von dem sich auch die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" in der Praxis leiten läßt, deren Vorsitzender bekanntlich Herr Rabbiner Dr. S. Breuer ist. Wir halten daher auch in dieser Beziehung die Borwürfe des Herrn Dir. Gabel für unangebracht. Nichts desto weniger freut es uns, daß Herr G. wenigstens zur Zeit der Tat unsere Mitarbeit wünscht. Aber, sehr geehrter Herr G., seit September vorigen Jahres, als Herr Dr. Cohn- Basel seinen flammenden Aufruf zur Organisation der gesetzestreuen Massen veröffentlichte, gehen „Erörterungen" hin und her über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Agudaß Jisroel. „Diskussionen", denen selbst die ausführliche und eindringliche Beratung in Kattowitz" kein definitives Ende bereitet haben, und immer noch gehen die „Meinungen" auseinander, und ein ganzes, volles Jahr hat der „Rat der Alten" gebraucht, ohne daß die Agudaß Jisroel aus dem embryonischen Stadium der ,/D iskussio neu" in die praktisch greifbare Gestalt des Zusammenschlusses der Gesetzestreuen aller Länder, zum mindesten prinzipiell/ umgesetzt worden wäre. Kommt nicht endlich einmal die Zeit der Tat?! oder soll sich die Hilfe des in den gefährlichsten Verhältnissen lebenden gesetzestreuen Judentums in ewigen, endlosen „Beratungen" erschöpfen? Leopold Perlmutter. Martin Feist. Kunst traft Literatur. Jahrbuch der Jüdisch-Litararischen Gesellschaft. VUI. 1910. Frankfurt a. M. Verlag I. Kausfmann. 1912. Die Jahrbücher der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft pflegen stets streng wissenschaftlicher Natur zu sein und zumeist Arbeiten zu enthalten, die, so wertvofl sie für den Gelehrten sind, das größere Publikum nur wenig zu interessieren vermochten. In dieser Beziehung bietet dieses Jahrbuch eine Ausnahme, indem es 3 größere Aufsätze enthält, die auch für den Laien von erheblichem Interesse sind. Der erste dieser drei Aufsätze — und was die Bedeutung des Themas und die Anlage der Behandlung desselben anbetrijst, wohl der wichtigste Artikel des ganzen Werkes. —» ist die Abhandlung von Prof. Dr. Jsaac Breuer über „Die rechtsphilosophischen Grundlagen des jüdischen und des modernen Rechts". Der Aufsatz zeigt die Eigen-' art des Autors, Probleme, die er behandelt, von großen» allgemeinen Gesichtspunkten aus zu betrachten. Diese - . Eigenart hat den Vorteil, den Leser lebhaft zu interessieren durch die Weite der Gesichtspunkte, durch die Breite des Horizontes, durch das Philosophisch-Abstrakte, das sie mit sich bringt; hat aber den Nachteil, zu leicht zu verallgemeinern, die-deduktive Methode, die ihr am besten liegt, zu übertreiben, über das Große, Umfassende, Abstrakte oft das Einzelne, das Detail, das Konkrete außer Acht zu lassen. Besonders gefährlich ist eine solche Art und Weise der Betrachtung bei Problemen wie dem vom Autor behandelten, wo. die Detailforschung noch so sehr im Anfang steckt, wie es bei der wissenschaftlichen Behandlung des jüdischen Rechts noch leider der Fall ist. Die rechtsphilosophischen Grundlagen desjüdischen Rechts mit denen des modernen vergleicheil zu wollen, dcyu gehört — soll die Arbeit bleibenden, wissenschaftlichen Wert besitzen — eine umfassende Kenntnis des talniudischen Rechts, ein jahrelanges eifriges Studium des Materials und vor allem eine außerordentliche Begabung, im Besonderen das Allgemeine, an den einzelnen Gesetzen den zugrunde liegenden Geist erfassen zu können. Alk dies sind zu hohe Anforderungen, sodaß es für den Autor nicht beschämend ist, wenn wir konstatieren müssen, daß ihm seine Aufgabe nicht gelungen ist; eher wäre es zu rügen, daß er sich überhaupt schon herangewagt hat, die rechtsphilosophischen Grundlagen des jüdischen Rechts darstellen zu wollen, wo noch der materielle Gehalt desselben zu wenig erforscht ist. So ist es gekommen, daß die Arbeit, die Herr Dr. I. Breuer geliefert hat, wohl gut wäre für eine Wochenschrift, die nicht den Anspruch auf absoluten wissenschaftlichen Wert erhebt; dem streng wissenschaftlichen Charakter des Jahrbuches entspricht sie nicht. Abgesehen davon, daß das Resultat, zu dem der Autor gelangt, wohl zu seiner Auffassung des Juden- - Teppiche= Grosses, erstklassig assortiertes Lager in aaserlesenen Stüok.en Spezial-Orient-Teppicli-Sa-u.s O OB KLINfiEB KatHarinenpfort© 6 mm Jb MM w AB mml (Etage Duncan-Schule) Tel. I JftSfi. ■ ■ Israelitische Gemeinde. Gottesdienst am Versöhnungstag. Hauptsynagoge: Freitag, den 20.September: Abends 6 Uhr 30 Min. Predigt: Rabb. Dr. Lazarus. Samstag, den 21. September: Morgens 9 Uhr, Predigt gegen 12'/» Uhr: Rabb. Dr. Salzberger. Seelenfeier gegen 4 Uhr 30 Min. Schlusspredigt gegen 5 Uhr 30 Min.: Rabb. Dr. Salzberger, •Festesausgang 7 Uhr 05 Min. Wochengottesdienst: Morgens 7 Uhr 30 Min. Nachmittags 4 Uhr. Synagoge am Börneplatz: Freitag, den 20 September: Morgens 5 Uhr. Nachmittags 2 Uhr 30 Min Beginn des Fastens 6 Uhr 25 Min. Abendgottesdienst 6 Uhr 40 Min. Predigt: Rabb. Dr. Nobel. Samstag, den 21. September-. Morgens 5 Uhr 55 Min. Predigt: Rabb. Dr. Nobel. Schluss der Tagesfeier 7 Uhr 10 Min. Wochengottesdienst : Morgens 6 Uhr 15 Min. Nachmittags 6 Uhr. Synagoge an der Königsteinerstrasse: Freitag, den 20. September: Abend 6 Uhr 30 Min. Predigt: Rabb. Dr. Seligmann. Samstag, den 21. September: Morgens 10 Uhr. Predigt 12 Uhr 30 Min: Rabb. Dr. Lazarus. Seelenfeier: 4 Uhr 15 Min. Schlusspredigt 5 Uhr: Rabb. Dr. Seligmann. Wochengottesdienst: Morgens 7 Uhr 30 Min. Abends 7 Uhr. Frankfurt-Loge, Eschersh. Landstr. 27: Freitag, den 20. September: Abends 6 Uhr 40 Min. Predigt: Rabb. Dr. Horovitz. Samstag, den 21. September: Morgens 7 Uhr. Predigt: Dr. May. Rechneisaal, Langestrasse 29: Freitag, den 20. September: Abends 6 Uhr 40 Min. Predigt Samstag, den 21. September: Morgens 6 Uhr. Predigt. - 3. Mühlfelder, Tapezierer und Dekorateur, Frankfurt a. ■>, H. dl. sohOnan Aussicht 13, Telephon 9368 empfiehlt sich für alle in das Fach einschlagenden Arbeitern. Beeile, prompte Bedienung. — Prima Beferenzen. Inh.: Louis DoringsZeii€. Brillen, PIncenez, Operngläser, Lorgnette» etc. in allen Preislagen: Reparaturen sofort und billigst. — Lieferant der allgem. Ortskrankenkasse: In dem vornehmen Hause eines Arztes in bester Gegend Hamburgs wird zur Miterzieirang der einzigen 17 jährigen Tochter ein gleichaltriges Mädchen aus bester Familie in (nicht ritueller) Pension aufgenommen. Die Tochter besucht das Lyoeum. Beate Referenzen gegeben und verlangt. Offei ten unter H. 8.1833 an Rudolf Mosse, - Stoppage-Parisien Pariser Kunststopferei u. Weberei Haison-Fran^aise BLönls - Dutoai* 41 Grosse Bochenheimerstr. 4L Unsichtbares Nachweben od. Stapfen von jeglichen Schäden in aller Art Gewebe. Aufbügeln sämtl. 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