Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 37 (19.9.1912)
- Date
- 1912-09-19
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37. Frantfurtzr KsraelittDS FamilieMaÜ. Leite 11. (eit?" Wie gut wäre es allerdings, könnten wir erwidern: Für beide zusammen, für das jüdische Volk. Doch zn unserem Herzweh müssen wir bekennen, daß diese Lösung noch nicht reif ist,-- weil wir kein Volk, sondern nur Juden.sind. Ferner sagt Herr Ben Koheleth: „-daß alle geistige Kultur eines Volkes haltlos, wurzellos ist, wenn ihr die wirtschaftliche Unterlage .fehlt — —." Er meint also, Achad Haam verlangt ein geistiges Zentrum ohne wirtschaftliche Unterlage- — Man vergl. den „Traum" Achad Haams in demselben Artikel, wo er ausführt, wie er sich die Schaffung des geistigen nationalen Zentrums denkt: Z. B- S. 77. Der Verein zur Förderung der Ziousliebe hat sich zum Ziele gesetzt, die moralische und m a t c rielle Lage der dort angesiedelten und sich dort ansiedelnden Juden zn heben. Am erstauntesten war ich über den letzten Absatz des Artikelschreibers. Er beginnt: „Darum sind wir noch gar nicht reif, die alte jüdische Kultur zu schaffen." — Darum der ganze Feldzug gegen Achad Haam, um zum Schluß — wieder zu ihm zurückzukommen! Freilich glaubt Herr Ben Kohelet gegen Achad Haam bas zu sagen. Aber man braucht nur die oben zitierte Stelle zu vergleichen, um zu sehen, daß das ein Gedankengang Achad Haams ist. Und nun wird man fragen: Wodurch unterscheidet sich nun Achad Haam von Herzl? — Daß Achad Haam Jntellektualsit ist und Herzl der gefühlswarme, lebendige Jude? — Nein,' Herr Ben Kohelet, da begehen'Sie den leider so alltäglichen Irrtum, daß Sie glauben, wer etwas vernünftig anpackt, hat kein blutwarmes Herz. Sie glauben, nur der sei ein Mensch voll Gefühl, der nur Gefühl hat. .Ein solcher Mensch ist, wenn er klein bleibt, ein Brausekopf, der im Leben nichts taugt, ein ganz und gar unmoderner Mensch, ein Mensch, wie man ihn gerade unter.den aus dem Ghetto kommenden Juden so häufig . findet. ,Wenn er groß wird, und das ist sehr selten, wird er'ein Prophet. Und das ist Herzl. Es-geht durchaus nicht an, Herzls Größe mit der Achad Haams zu vergleichen. Sie liegen auf verschiedenem Gebiet. Herzl istein Prophet. Er sieht das jüdische Volk im jüdischen Land, und mit genialer Kindlichkeit (ein Gerne ist oft mit einem Kind verwandt) greift er nach diesem Phantasiebild und glaubt, es in Händen zu haben. Und er weiß auch diese Zukunfts h o f f n u n g in den Herzen von vielen Juden zu entzünden. Wäre es in absehbarer Zeit auf einem absehbaren Wege möglich, diese Hoffnung zu verwirklichen, dann, nur dann wäre er auch der Führer, der uns in der Begeisterung zum Ziele hinbrächte. Denn zu einer großen Tat gehört Begeisterung und der Glaube, daß diese.Tat gelingt. Zu einer langsamen Kleinarbeit gehört Wärme. Begeisterung schadet ihr nur. Die Tat wäre vielleicht möglich, wenn die Judenheit Herzls Ruse gefolgt wäre. Da sie nicht folgte, war die Tat unmöglich, und bei' mehr als einem schlug die Begeisterung in Verzweiflung um. Und diesen Weg wird jeder gehen, dem Herzls Traum mehr ist als ein kühner Traum, mehr als ein Ideal, dein er ein verfolgbares Ziel ist. Den: gegenüber steht Achad Haam, mit ebenso warmem Herzen wie Herzl, aber nicht so genial, daher aber auch nicht so kindlich. Er ist der wirkliche, moderne Mensch in jüdrscher Form. Er schwebt viel weniger in der Lust als Herzl. Herzl kennt das jüdische Volk anfangs nicht, und als er es erkannt hat, sucht er es zn überzeugen. Achad Haam kennt das Volk von Anfang an. Er kennt die Menschenseele bis in ihre tiefsten Tiefen. Auch er wollte gern, ach so gern, das Herzl'sche Ideal wäre so leicht erfüllbar, wie Herzl glaubt. Aber er weiß, ein Volk ist nicht zu überzeugen. Erst muß das Herz gesunden (S. Nicht dies ist der Weg, II. Teil, S. 33 ff.). Das Bolr wird nicht nach Palästina zurückkehren, da es nicht zu bc geistern ist. Soll das Volk reif werden zur Tat, dann darf man ihnr nicht sagen: Du mußt nach Palästina gehen, um reif zu werden.. Denn das Volk hört es nicht. Da gibt es nur einen Weg und das ist: Diejenigen, die das Nationalgesühl im Herzen tragen, gehen nach Palästina (S. S. 41), bilden dort ein geistiges, selbstverständlich auf eigenen Füßen stehendes Zentrum und versuchen von dort aus, Interesse fiir das Judentum zu verbreiten. Das nt nur möglich, wenn die Betreffenden nicht nur wirtschaftlich gesichert sind, sondern auch kulturell hochstehen uckd ein Zentrum für die jüdische Kultur zu bilden sich bestreben. Vielleicht gelingt es dann, das Volk zu begeistern, dann, wenn es schon gesund am Herzen geworden ist. Dann kann die Begeisterung auch etwas nützen, vielleicht auch das Herzl'sche Ideal herbeiführen. Einstweilen Ivürde sie uns ein leicht erreichbares Ziel Vortäuschen und zur Verzweiflung führen. Um die Sache etwas anders auszudrücken, will ich aus das Bild des Herrn Ben Koheleth zurückkommen. Droben in den kalten Höhen sind uns unsere Organe erfroren. Was tut Herr Ben Koheleth? Er zeigt dem Krüppel, der nicht laufen kann, wie schön es im Tale ist und hofft, die Begeisterung werde ihn dazu bringen, auf einmal zu laufen. Was tun wir Achad-Haamisten? Wir reiben die Beine ganz realistisch mit dem noch viel kälteren Schnee, bis sie wieder ihren Dienst tun. Dann führen wir ihn langsam Schritt für Schritt so weit, bis er selbst wieder laufen, kann. Dann überlassen wir ihn sich selbst. David Tachauer. Erwiderung. Die Ausführungen des Herrn Tachauer resultieren im wesentlichen aris einem Mißverständnis in der Erfassung meines Gedankenganges. Worauf es mir in meinem Artikel ankam, war, den Charakter und 8ie Gefahr des Achad Haamismus als Methode, als Standpunkt, als geistige Veranlagung darzustellen. In dem Sinne war auch meine Kritik nicht so sehr speziell gegen den Achad Haamismus gerichtet, als vielmehr gegen die generelle, einseitig intellektuelle Veranlagung des Ghettojuden, wobei mir Achad Haam nur zum Exempel, zum Typus mente, 1 Bezüglich der einzelnen Anschauungen und praktischen Vorschläge Achad Haams habe ich bereits selbst im Artikel gesagt, daß sie zweifellos meist richtiger sind als diejenigen Herzls. Wovor ich aber warnte, das war, inbezug auf das Endziel von Herzl abznrücken und Achad Haam zu folgen. Daß aber die Endziele beider verschieden von einander sind, wird mir selbst Herr Tachauer nicht bestreiten wollen, tveil es nämlich Achad Haam selbst, zuletzt in seinem 'Artikel: „Sach-hakol" zugegeben hat. Bel großen Bewegungen von der Art des Zionismus ist aber das'Endziel nicht minder wichtig, mir dünkt, noch erheblich wichtiger als die unmittelbaren praktischen Aufgaben. Denn was diesen Bewegungen ihre letzte Daseinsberechtigung, zugleich ihre ungeheure Kraft und Gewalt verleiht, die Begeisterung, den Glauben, die Sehnsucht, ist in erster Reihe nur bas Endziel. Was den Unterschied Herzls von Achad Haam betrifft, so ist er nicht danlit erschöpft, daß inan Herzl den Propheten und Achad Haam den realistischen Menschen nennt. Dieser Unterschied wäre nur individueller Natur und darum nicht von allgemeiner Bedeutung. In Wahrheit jedoch ist der Unterschied viel prinzipieller und genereller. Herzl ist der künstlerische Mensch, fähig, das Konkrete zu schauen und sich dafür zu begeistern, der Mann mit hellen, gesunden, lachenden Augen, — und Achad Haam ist der einseitig intellektuelle Mensch, nur fähig, das Abstrakte zu erfassen und zu lieben, der Mann mit unorganisch entwickelten Gehirn. Herzl ist eben der neue, Achad Haam der Ghettojude. Das ist ihre wahre Differenz und ihre wahre Bedeutung. Achad Haam kann uns höchstens nur Programme, Rezepte, Ratschläge erteilen; Herzl gibt uns ein konkretes Ideal in — sich selbst. An Achad Haam ist uns nur wertvoll, was an abstrakten Ideen seinem Kopfe entspringt; seine Bedeutung erschöpft sich in seinem Werk. Herzl ist uns ebenso bedeutend durch seine Persönlichkeit wie durch 'eine Idee, und nichts größeres hat lins Theodor Herzl gegeben als — sich selbst. Und das ist es, was uns not .tut: große Menschen-Gestalten, nicht eine Erweiterung unserer Gedankenproduktion, sondern eine Verbesserung, eine Höherbildung, eine Neuschaffung unseres Menschenmaterials. Kurz gesagt: Unser Ziel darf nicht das neue Judentum sein, wie es Achad Haam will, sondern der neue Jude, wie es Herzl forderte. Und der Weg dazu, — auch ihn hat Herzl richtiger erkannt als Achad Haam. Um im Bild, das Herr Tachauer gebraucht, zu bleiben: Oben in den kalten Höhen werden wir nie das Laufen wieder erlernen. Das Reiben mit Schnee nützt nichts; der Krüppel muß eben schon mit jener geheimnisvollen, alles vermögenden Kraft, die die Begeisterung verleiht, sich aufraffen und in das Tal hinunter. Erst dort wird er das Laufen erlernen. Unbildlich gesprochen: Im Golukh die Regeneration des Juden herbeizusühren zu wollen, wie es Achad Haam will, ist unmöglich und absurd. Dies ist erst in Palästina, in einem gesunden Milieu, möglich. Erst müssen wir neue Juden haben, bevor wir nach Palästina gehen können, sagt Achad Haam. Demgegenüber sagen wir mit Herzl: Erst müssen wir nach Palästina, und dort erst werden wir neue Inden werden können. Uns dünkt, dieser Weg ist nicht nur schöner, sondern auch — praktischer. Hier zeigt sich eben wieder jene große Wahrheit von der die sogenannten „Praktiker" — d. h. die nüchternen Alllagsmenschen — keine Ahnung haben. Die scheinbar größten Phantasten, die Propheten, die intuitive Genien, die Künstler sind in Wirklichkeit auch die größten Praktiker. Nur zeigt sich ihr praktischer Sinn nicht über Nacht, sondern im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte. Um aus all dem das Fazit zu ziehen: Für die kleine Alltagsarbeit, für das langsame Vorwärtsgehen können wir oft Achad Haam folgen; was das große Ziel (der neue Jude), was die große Richtung des Weges zum Ziel (zurück nach Palästina) anlangt,' muß Herzl unser einziger Führer bleiben, Achat» Haams Vorschläge als Mittel zur Realisation der Ziele Herzls; nur soweit kann uns Achad Haam nützen und fördern. B e n - K o h e l e t h. Persoualie» u. Kleine Mitteilungen- Berlin. Hier verschied GeorgLandsberg. ordentl. Professor an der Universität Kiel, ein Schwäger Rabbiners Prof. Dr. Mahbaum. Wiesbaden. Der Händler Zitronenbaum aus Mainz sollte am Roschhaschonoh als Zeuge vor der hiesigen Strafkammer erscheinen. Er entschuldigte sein Fernbleiben damit, daß ihm an diesem Tage das Reisen verboten sei. Der Staatsanwalt ..beantragte gegen den Zeugen eine Ordnungsstrafe von 20 Mark. Das Gericht sah jedoch von einer Bestrafung ab, da - der vom Zeugen angeführte Grund entschuldige. * Nürnberg Kommerzienrat I. G a l l l n g e r, Mitglied des Vorstandes der ifrael. Gemeinde und des Zentralkomitees des Hilfsvereins der Deutschen Juden, ist verschieden. Köln a. Rb- Fanny Wolffsohn, geb. Jubel, die Gemahlin David Wolsfsohns, ist in Baden-Baden plötzlich verschieden. Sie hat ein Mer von 53 Jahren erreicht. lü) Gneseu. Unter überaus großer Beteiligung der Stadt und der städtischen Körperschaften fand hier die Beerdigung des Stadtverordneten-Vorstehers und Kommissionsrates Salo Wiessynski statt. Die Abschiedsrede am Grabe hielt Rechtsanwalt Cohen. Der Dahingeschiedene hat sich um das Wohl der Stadt und der Bürgerschaft große Verdienste erworben und erfreute sich in allen hiesigen Bevölkerungskreisen allgemeiner Beliebtheit. Er belleidete auch das Amt eines Vorstehers der Synagogen-Gemeinde und des jüdischen Schulvorstandes, Lieguitz Die hiesige jüdische Gemeinde feiert im November ihr lüOjährtges Bestehen. (L.) Posen. Das fünfjährige, einzige Töchterchen des Kauftnanns Isidor Asch wurde von einem Wagen totgefahren. In Zempelburg verschied Moritz Groß, Repräsentant der jüd. Gemeinde. In Mühlhausen verschied im 97. Lebensjahre der Rentier W o 1 fs Buko fz er. Breslau. Bor Roschhaschonoh fand die Einweihung des vonMalernreister Alt und Kaufmann L-eidemann auf ihrem Grundstücke Gartenstraße33 für dieAlt-Glogauer Synagoge erbauten Gebäudes statt. Dr. Hamburger kpelt die Festrede. Die Synagoge zählt 127 Herren- und 80 Damenplätzc. ZumJnipektor des israel. Krankenhauses wurde Max Troplowitz, hier, gewählt. In Lieguitz verschied Jacob Elkusch, Stadtverordneter und Vorsitzender der Repräsentanten der jüd. Gemeinde. Wie«. Zu der in der vorigen Nummer berichteten Auszeichnung Dr. Arnold Hildesheimer's schreibt die .Neue National-Ztg.": .Dr. H. ist em Enkel des verstorbenen Berliner Rabbiners und Seminardnektors Dr. Israel Hildesheimer. Es mehren sich in letzter Zeit die Fälle, daß jüdische Millionäre, um den Adel oder einen Orden zu erlangen, namhafte Beträge für militärische, künstlerische, ja sogar — eucharistische Zwecke spenden. Kein Wunder, daß die Leute keine Lust mehr haben, für jüdische Zwecke zu stiften". Wien. Ein jüdrscher Mrnrster in China. Der Präsident der neuerstandenen chinesischen Republik hat sich aus Angehörigen verschiedener Staaren, lauter hervorragenden Fachmännern, ein Ministerium zusammengestellt. Wir findendarunter auch einen Wiener Juden, Emil S. Fischer. Er ist im Javre 1865 als der Sohn eines kleinen Geschäftsmannes geboren, der einige Jahre darauf nach Wien zog und sich in der Seitenstettengasse etablierte. Einer seiner Schuttollegen, Ingenieur Geirmger, teilt einem Wiener Blatte folgendes über ihn mir: .Fiscde, dessen Ettern in bescheidenen Berhältniffen lebten. Hane keine Neigung für das «yinnafialstudium. Er sagte immer, er wollte ein großer Kausmann werden. Tatsächlich verließ er das Gymnasium und widmete sich dem Handetsnndinm Er kam zuerst zu einer Hutfadrck in. Mmiahüf in Stellung und ging zur Zeit der Weltausstellung als einer der Delegierten des Kaufmännischen Vereins nach Paris, wo er in der österre chischcn Abteilung sich in he>vorragender Weise berätigte. Ebenso war er in der öste>reichischen Abie iung der Weitausstellung in Buenos Ahres tätig und zog fchtießtich vor etwa 25 Jahren mit seiner Familie ganz nach Amerika, wo er zunächst bei der südamerilanischen Filiale der Deutschasiatischen Bank Stellung fand. Dann wurde er nach Schanghai versetzt, später leitete er einige. Jahre hindurch die ExportadreUung der Deutschasiatischen Bank in Berlin und etablierte sich vor einigen Jahren als setvständiger Importeur in Peling und Schanghai. Bor einigen Jahren hielt Herr Fischer in Wien ewige sehr interessante Vorträge über die komplizierte Geldwährung Chinas. Bor etwa einem halben Jahre heiratete er in London die Tochter eines englischen Großindustriellen". Wien. Ueber den vorige Woche im Alter von 80Jahren verstorbenen Prof. Dr. Theodor Gomperz schreibt die „Jüd. Ztg.": „Sein bekanntestes und umfangreichstes Werk „Grie- ■ chische Denker" wird mir Recht als ein standard Work in einem Atemzuge mit Curtius» griechischer oder Mommsens römischer Geschichte genannt. Umso erstaunlicher ist cs, daß Theodor Gomperz, dessen umfassende ’ Bildung ’ und weitreichenden Kenntnisse von jedermann hervorgehoben werden, vom Judentum und der Judenfrage keine blasse Ahnung hatte, wiewohl gerade er, als Nachkomme eines der bekanntesten Judengeschlechter und als eines der fünf jüdischen Herrenhausmitgiiedcr, zufolge des Satzes Wissenschaft verpflichtet", sich doch hätte die Mühe nehmen können, das Jrrdenproblem .wenigstens in seinen Umrissen kennen zn lernen. Wie wenig Theodor Gomperz vom Judentum und seinen Problemen begriff, bewies am schlagendsten sein Eingreisen in der Angelegenheit der jüdischen Kurie für den Bukowinaer Landtag. Wir behaupteten damals, daß er in seiner Unkenntnis des gegenwärtigen Judentums. . . zn einer Stellungnahme mißbraucht wurde, welche ihm berechtigte Verachtung eintrug. Einige Zeit später revidierten wir unsere Meinung: leider zu Ungunsten Theodor Gomperz', denn wir konnten in seinen Memoiren Nachlesen, daß er als achtzigjähriger Mann bedauerte, im Judentum, das ihm unnützer Weise viele Schwierigkeiten bereitet habe, unmotivierter Vorurteile wegen verharrt zu haben." Budapest. In Papa nahm sich die kg jährige Olga Reumann das Leben, nachdem sie einen Brief von ihrem Bräutigam erhalten hatte, daß er infolge zu Keiner Mitgift das Verlöbnis löse. — Hier starb das 90jährige Fräulein Henriette Wodianer, eine Tochter des bedeutenden Talmudgelehrten Koßmann Wodianer. Paris. Das Central - Comits der Alliance Jfralite Universelle hat für die Opfer des Erdbebens in der Türkei weitere 5000 Fr., also im Ganzen 11000 Fr. gespendet. Paris. Tepha Levy-Oulmann, die erst vor kurzem mit der großen goldenen Medaille für hervorragende Verdienste auf dem Gebiete der Wohltätigkeit ausgezeichnet wurde, erhielt den Orden Merite Agricole. London. Die Hochzeit Lionel de Rothschilds mit Fräulein Beer wttd am 3. Oktober in P a r is stattfinden. In Manchester starb im 62. Lebensjahre der hochangesehene hebräische Dichter und Schriftsteller Joseph- Massel. Er war streng orthodox und feuriger Zionist. Rew-Aork. Der bekannte Hebraist Ben Jehnda aus Jerusalem wird demnächst hier emtreffen.