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Neue jüdische Presse · 1911-11-03 · Heft 43 (3.11.1911) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 43 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 1Ö Frankfurter Israelitisches FamMenblatk. SK. 43 können. Sie begründeten ihre Mitarbeit mir zionistischen Werke mit dein Bestreben, lediglich ideale und wirtschastlichc Werte für das jüdische Volk zu schaffen. Die rin September in Berlin tagende Konferenz hat die entschcidungsschwere Gcwissciisfrage eingehend erörtert und ist, wie bekannt, zu dem Ergebnis gekommen, das; es notwcndieg wäre, in der Gcsamtvrganisation zu verbleiben, und dort auch in Zukunft die Interessen des gesetzestrcuen .Judentums mit aller Entschiedenheit zu vertreten. Bestimmend für diese Entscheidung war die Ucberzcugung der Mehrheit von der überwindenden Kraft unseres Bekenntnisses, von der sieghaften Gewalt des tausendfältig bewährten, fremde Kulturen, die Zeiten überdauernden, uralten und ewig jungen volkserhaltenden und volkserneucrnden Thorageistes. Diese Zuversicht hat uns auf den selbst gewählten Posten gestellt tind gibt uns die Kraft, auf ihn, auszuharren. Kulturbestrebungeit bilden einen Teil des Programms. Aber bisher waren sic frei in ihrer Entfaltung und Entwicklung. Nunmehr finden sie ihre Bindung und Schranke in gesetzlichen Bestimmungen. Der Kongreß hat beschlossen: „Der X. Zionistenkongreß gibt seinen Willen kund, daß in keiner der von der zionistischen Organisation geschaffenen Jnstitutioncn fürr Kulturarbeit irgend etwas unteriwmmcn werden darf, was der jüdischen Religion zuwiderläuft." - Die Formulierung der Ausführungsbestimmungen dieser Resolution bildete den Inhalt von Unterhandlungen des Zentralburcaus mit dem Engeren Aktionskomitee. Das vorläufige Ergebnis dieser Unterhandlungenerfüllt uns mit der Zuversicht, daß bei der Ausführung der Kulturaufgaben der Misrachi in Zukunft auf verständnisvolles Entgegenkommen rechnen darf, daß insbesondere bei dem geplanten Schulwerk der zionistischen Organisation das misrachistische Prinzip achtungsvolle Würdigung finden wird, wie sie es in einer wahrhaft jüdischen Bewegung beanspruchen darf und znuß. In dieser Zuversicht wird der Misrachi die Kraft finden, sich in verstärktem Maße seiner besonderen Aufgaben kultureller Matur in Palästina zu widmen und durch positive Arbeit nivellierenden Bestrebungen im Bereiche der neuen Siedelung erfolgreich zu begegnen. Zm Vertrauen darauf richten wir bei Beginn der Winterarbeit an alle unsere Gesinnungsgenossen die drringende Mahnung, den Misrachi und somit dem Zionismus treu zu bleiben. Enttäuschungen in der Vergangenheit dürfen uns nicht entmutigen, entbinden uns keineswegs von der heiligen Pflicht, nationales Wirken mit dem Geis jüdischer Gesetzestrcuc zu durchdringen, religiöse B tätigung durch nationales Denken zu vertiefen. Dieses Hochziel errfülle uns mit dem ernsten Willen, den Misrachi zur Kraft und Macht zu gestalten. Wer auch an alle zionistischen Gesinnungsgenossen, die, im Prinzip mit uns einig, bisher fern geblieben sind, ergeht unser Ruf zum Anschluß an unsere Organisation. Von der Möglichkeit und Notwendigkeit einer Entwicklung vom Nationalen zum Religiösen überzeugt, erwarteten sie pielfach von der Zusammenfassung aller Gleichdenkenden nichts weniger pI§ eine Förderung dieses Zieles. Sie fürchteten mit der Betonung des Gegensätzlichcn eher eine Stärkung uns feindlicher Tendeyzen. Diese .Taktik ist nicht mehr gerechtfertigt. Fünfzehn «Jahre Find seit denr I. Kongreß verflossen. wir alle wissen heute, wo lvir stehen. Die Ueberzeugung gilt nicht mehr, eine Entwicklung in der von uns erstrebten Richtung nicht stören wollen, sondern sie tatkräftig fördern. Die Zusammenfassung Gleichdenkender sichert die Einheit als ein Wahrzeichen innerer Kraft. Bei der Begründung eines neuen Volkslebens muß die Avantgarde des jüdischen Volkes kenntlich , sein, sie hat sich bewährt im langen Goluskampfc. Die Hoffnung, daß ans derr „Luft des helligen Landes" mit Naturnotwendigkeit der Geist der Treue gegen die geheiligte Volksüberlieferung erwachsen müsse, hat sich nicht erfüllt, und der Gedanke eines religionsseindlichen Nationalismus lübt. Darum ergeht unser Ruf an alle diejenigen, welche die Widcrbelebung unseres Volkes auf heimatlichem Boden nicht mit der Preisgabe unseres teuersten Nationalgutes erkaufen wollen. Als feine Hüter und Sachwalterr können sie auch in der Urform künftiger Volksgestaltung und innerhalb einer kraftvoll geschlossenen Organisation ihrer Ucbcrzeugung zum Siege zu verhelfen. Lasset -uns nicht allein ringen und kämpfen, tretet mit ganzem Herzen in den Dienst unserer Sache! Mit Zionsgruß ' Zentral-Bureau der Foederation „Misrachi". Die im Juli auf der Frankfurter Konferenz beschlossene Kultur gesell schuft ist nunmehr unter dem Namen „T a ch k e m o n i" begründet Am Sonntag, den 22. Oktober ds. Js. fand in Frankfurt a. Meine K o u f e r e u z des K o m i t e c s der „Tach kemoni"-Schulc statt. Das Ergebnis dieser Konferenz sichert dem Misrachi denselben Einfluß auf die Leitung der Schule wie bisher. Lffenbach a. M.. 29. Okt. Mit einer heute im Kaiser-tzriedrich-Hotel stattgehabten öffentlichen Versammlung, hat die Zion. Ortsgruppe ihre Wintertätigkeit begonnen. Der Hauptredner des Abends, Rechtsanwalt Dr. Siegfr. Schwarzschild-Frankfurt a. M., referierte über das Thema: „Der X. Zionistenkongreß". Klar und ausführlich schilderte er die intensive sechstägige Arbeit des Kongresses und führte uns somit ein lebendiges, farbenreiches vor Augen. „Der X. Zionistenkongretz" — so gefähr schloß Herr Dr. Schwarzschild sein glänzendes Referat — „ist — wenn auch zu keinem Jubiläumskongreß im ganzen Sinne des Wortes — so doch zu einem Friedenskongreß in der ganzen hohen Bedeutung des Sinnes geworden. Und mit Stolz können wir auf ihn — im Gegensatz zum Hamburger Kongreß. — zurückblicken und seiner gedenken."' Es sprachen sodann die Herren G-o Levigard-Frankfurt, deren warme begeisterte Worte gleichfalls mit großen! Beifall aufgenommen wurden, und einige Herren vom Vorstande. Köln. Für Zwecke des Nationalfonds wurden vom 1. Januar bis 30. September Mark 330900 gespendet; das sind 51000 JL me h r, als in der gleichen Zeit des Vorjahres eingingen Posen. Zion. Ortsgruppe. Ueber das Thema „Der Fall Metternich und die deutschen Juden" sprach am 16. Oktober Rechtsanwalt Dr. Klee-Berlin vor einem Publikum von mehr als 600 Personen. Es sei — so führte der Redner aus — selbstverständlich nicht wahr, daß das.Milieu des Hauses Wertheim irgendwie typisch für die Juden wäre. Es bestände aber in gewissen Kreisen des Großstadtjuden tu ms die Gefahr, daß solche Dinge typisch werden könnten. Es sei dies der - Fall in jenen Schichten, für die das wirtschaftliche Ringen aufgehört habe, irgend eine Rolle zu spielen, und denen infolge des Fehlens jedes Zusammenhangs mit der Vergangenheit jene innere Wurzellosigkeit anhafte, die allein den Nährboden für derartige Würdelosigkeiten, wie sie der Prozeß aufgcdeckt habe, bilde. Noch seien solche Vorkommnisse Ausnahnien, aber sie predigten ernste Einkehr. Einkehr vor allem bei den jüdischen Eltern, der Heranwachsenden Generation den Respekt vor der Tradition mit aus den Lebensweg zu geben und ihnen wieder Ideale, jüdische' Ideale, ins Herz zu pflanzen. Scharf abzulehnen sei die Erziehungsmethode jüdischer. Eltern, die darauf hinauslaufe, jede Betonung der Religions- und Stammmes-Gemcinschaft im Empsindungsleben der Kinder zu unterlassen, ja sogar sie vielfach zur Gleichgültigkeit diesen Dingen gegenüber systematisch zu erziehen. Dies mache die Jngend dann zum Spielball wechselnder Einflüsse und öffne jedem Zufall den Weg zum Einfluß ans die Persönlichkeits-Entwickelung. Hiergegen gebe es nur ein Schutzmittel — de» Zionismus. Gerade darum aber sei der Zionismus nicht nur die für die östliche Judcnheit in Betracht kommende Kolonisationsbewegung, sondern als jüdische Renaissancebewegnng sei er gerade für die Juden der westlichen Länder einfach unentbehrlich für ihre Persönlichkeitsentwickelung. — Die Versammlung stand sichtlich unter dem Eindruck der meisterhaft vorgctraaenen Darlegungen und dankte durch stürmischen Beifall. Eine Diskussion wurde nicht gewünscht. Die Wirkung des Vortrags war diesmal bei der jüdischen und nichtjüdischen Oofientlichkeit eine außerordentliche und fand ihren Ausdruck in ausführlichen Berichten der Posener Presse. London. In Arnlfieids Hotel fand unter Joseph Cowcns Leitung die H albjaljr eskou sereuz der Englischen zionistischen Födera- Es wurde ein Protest gegen die s. ztg. Judenverfolgungen in Süd-Wales, eine Resolution, die David Wolffiohn den Dank ausspricht sowie pinc Resolution, die dem neuen Aktionskomitee das Vertrauen votiert, gefaßt. Die Leitung wirrde beauftragt, ein Komitee zu bilden, das alle Kräfte der Zionisten Englands zur Stärkung der zionistischen Institutionen in Palastina anspannt. Einen großen Raum in der Debatte beanspruchte die Frage, ob der Orden der alten Makkabäer als Sonderverband anerkannt werden sollte.' Die Frage wurde noch nicht entschieden. Aus -er Lehrerwett. Bern«. Nächsten Montag findet hier eine Mitgliederversammlung der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands statt. Auf der Tagesordnung stehen: Bericht des Vorstandes (Bloch-Posen), Wahl des Vorsitzenden und des Schatzmeisters, Resolution zur Feuerbestattung (Blumenthal-Bcrlin),. Vortrag über „Rabbincrverfammlungen und Synoden des vorigen Jahrhnn- (ärebenail, 71, Juwelen. Unren. Goldu. Silberwaren. Telephon 6069. Aiiswahlsendangen gerne za Diensten. Jean Kilp NaoM. Td 5736 Jnh. Beruh. Himmler w. 5736 Frankfurt a. M. Hochstr. 2y am Eschenheimer Turm. -—— Spezial-Haüs; , — für Beleuchtungskörper in" Gas. Hälige-Gas Elektrisch und kombiniert. Umänderung vorhandener Gas- und Keizenlüster für elektrisch Licht oder kombinierte Beleuchtung. Accnmnlatoren für elektrische Kleinbeleuchtung in grösster - Auswahl) passender GeschenkarlikeL Tnatniintini» für Gas-, Wasser-, Elektr. Lieht-, : : : Klingel- und Kraft-Anlagen^ : : : Grosses Lager in Jfodenatmeo, ßadeöfe% XeizSfen, Sasherd n usw. Technisches Büro für sanitäre Anlagen. Einige Beleuchtungskörper für Gas und elektr. 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