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Neue jüdische Presse · 1905-12-29 · Heft 50 (29.12.1905) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 50 (29.12.1905)
Date
1905-12-29
Page
Seite 11 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ßst in diesen Flüssen ein stagnierendes, die Ufer Und dom Meersand verschüttet üit5 deren Wasser- Aüegel befindet sich fast ans gleicher. Höhe mit dem Meere. Diesen Flüssen wird' zwar frisches Wasser durch kleinere, nicht anstrocknende Nebenflüsse immersiprt zugeführt, aber das Wasser verdunstet bald wieder auf der großen Oberfläche dieser umfang» »eichen Wasserbecken und unter den sengenden Strahlen der südlichen Sonne.; » Zur letzteren Kategorie 'gehören: der Nähr Luibin, südlich von Jaffa, der Nähr Jskandernne Md der Nähr Mefdjir, südlich und nördlich der jüdischen Kolonie „Chedera" und ferner der Nähr Mnkk'ata oder, wie er uns aus der Bibel bekannt ist, der Nachal Kischon, in der Nähe von , Haifa, welch letzterer Fluß in vielen Beschreibungen Palästinas irrtümlich zu den strömenden Müssen gezählt wird. Den beiden oben erwähnten Kategorien von Müssen ist keinerlei Bedeutung als Kraftquellen beizumessen. Da dieselben aber süßes Wasser enthalten, jo kommen sie für künstliche Bewässerung in Betracht. So werden z. B. in letzterer Zeit am , Ufer des Flusses Mefdjir in der sandigen Kolonie „Cheszi-Bo" mit Erfolg Orangegärten angelegt. 3. Zur letzteren, dritten Kategorie, als Kraftquellen von größter Wichtigkeit, sind eigentlich nur folgende Flüsse zu zählen: a) Der Nahr-Litani oder Kasniä, d) der Jordan mit feinen Nebenflüssen, -c) der Nahr- Odja und d) der Rahr-Serka. Weniger wichtig find die -Gebirgsbäche Galileas und des Transjordauiens, so z. B. der „Waad-El-Karn", welcher in seinem oberen Laufe arabische Mühlen mit einem oder zwei Gängen in Bewegung setzt, während er, in das Tal mündend» sich im Sande verliert. Die kleineren Bäche, wie der Nähr-Tifle bei Tantur und der Nähr-Fa lick, nördlich von Jaffa, sind zu klein, wasserarm und haben ein zu geringes Gefälle.und seichte Ufer, als daß sie als Kraftquellen von Bedeutung sein könnten, obwohl sie nie versiegende, in das Meer mündende Flüsse blldeu. a) Der Nahr-Litani. Derselbe nimmt seinen Anfang in der Nähe von Baal-Bäck, auf einer Höhe von U70 Meter' über dem Aieeresspiegel. Er fließt von Norden nach Süden etwa 100 Kilometer weit, in gerader Luftlinie gerechnet, und erreicht nahezu die jüdische Kolonie »Methula". Hier biegt der Litani plötzlich nach Westen um und schon unter einem anderen Namen „Nahr-Kasniä" mündet er in das Mittelländische Meer nördlich von Tyrus. Zu Palästina gehörig ist eigentlich nur der südliche Tell dieses überaus wasserrächen und schnellen Flusses. In seinem südlichen Laufe von Norden nach Süden trennt der Litani den Libanon bon den Ausläufern des Antilibanon und des Chermon, wobei derselbe, in Gebirgsschluchten eingeengt, ein großes Gefälle und eine große Stromgeschwindigkeit aufweist, bei. einer Spiegelweite von ca. 40—50 Meter, wodurch die Errichtung von Schleusen, Damben usw. sehr begünstigt wird. In der Nähe der Kolonie Methula ist der Nahr-Litani imstande, an jedem Punkte einen Effekt von ca. 2000—3000 Pferdestärken zu entwickeln. Wasseranlagen können hier aus obigen Gründen leicht und relativ billig errichtet werden. In .diesem Gebiete, am rechten Ufer des Litani, befinden sich auch reiche Magerungen von Eisenerzen. b) Der Jordan, im Arabischen „Scheriath-El-Kcbir" oder „großer Wasserbehälter", der wichtigste Muß Palästinas, jedoch wird dessen Bedeutung in den meisten Beschreibungen, insbesondere in der jüdischen Presse, stark übertrieben. Der Jordan ist kein für die Schiffahrt geeigneter Fluß und wird es auch kaum jemals werden. Um den Jordan richtig fahrbar zu machen, müßte man kostspielige Schleusen und Userregulierungen errichten, die sich aber nicht rentieren können, nachdem die wichtigsten Vcrkehrsstraßen, auf welchen die Ausfuhr von Getreide und Vieh aus dem transjordanischen Gebiet geschieht, von Osten nach Westen führen, während eine Verkehrsstratze den. Jordan entlang, also von Norden nach Süden, keine besondere Bedeutung für Handel und Industrie fellst in fernerer Zukunft erlangen könnte. Der Jordan trägt den Charakter eines Gebirgsflusses, und muß nur als solcher betrachtet werden, d. h. als Wasserkrastquelle. Den Ursprung des Jordans bilden drei Bäche, die sich nahezu an einem Punkte vereinigen, etwa 12 Kilometer oberhalb des Meromer Sees. Den Hauptnebenfluß bildet der N a h r - C h a 8 b a n i, der in der Whe von Chasbea entspringend, eine Länge von 35—40 Kilometer hat, bei einem Gesamtgefällc von ca. 475 Meter. Am 3iahr-Chasbani befinden sich mehrere arabische Mühlen. Weiter stach Osten hin folgen■:. der Nahr-Leddan, über 8 Kilometer lang» mit einem Gesamtgefällc von 110 Meter und der Nahr-Banias, über 40 Kilometer lang, von der Stadt Banias ab gerechnet, und mit einem Gefamtgefälle von ca. 285 Meter. Durch die Vereinigung dieser drei. Flüsse entstanden, fließt der Jordan in ziemlich flachen Usern durch das sumpfige Tal „Ard- El-Chule", welches von Schilfgras bedeckt ist und als Weideplatz für den Viehbestand des zahlreichen Nomadenstammes „Ravaris" dient, und ergießt sich in . 'Frankfurter Israelitisches FamUienblatt. den Merom-See oder „Barath-El-Chule", der auf einer Höhe von nur 2 Meter über dem Meere liegt. , (Fortsetzung folgt.) Aus aller Welt. Derrifches Reich. Stratzburg i. Elf. Siebzehn hiesige Studentenvereine haben sich zu einem „Ausschuß zur Vertretung allgemein studentischer und nationaler Fragen" zusammengeschlossen und verweigern den sogenannten konfessionellen Vereinen den Beitritt zu diesem Ausschuß. Da diese siebzehnVereine keine, Juden als Mitglieder aufnehmen, so waren die jüdischen Studenten gezwungen, sich zu einem besonderen Vereine zusammenzuschließen und' sie gründeten den „Verein jüdischer Studenten" und den Stammtisch „Jsaria". Jetzt machen ihnen nun, wie Figura zeigt, die judenreinen Vereine einen Vorwurf daraus, daß sie eigene Vereine gegründet haben; eine merkwürdige Logik! Hannover. .Das Kuratorium der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem hielt am 17. Dezember seine diesjährige ordentliche Sitzung in Hannover ab. Ans dem Bericht des Vorstandes ist als wichtigster Punkt zu erwähnen, daß seit dem 1. Januar 1905 14 ausgelernte Zöglinge die Anstalt verlassen und, bis auf einen erkrankten, sämtlich Unterkunft als Gärtner hezw. Handwerker gefunden haben; ebenso ist dies mit 4 Mädchen der Fall, die durch Vermittelung der Fürsorge-Kommission - des Damen-Komitees ebenfalls Stellung als Haus- oder Küchenmädchen erhalten haben. Der Voranschlag für 1906 zeigt, daß fortdauernd große Anforderungen an die'Anstalt herantrcten (dje Zahl der Zöglinge beträgt gegenwärtig etwa 160), deren Deckung sticht geringe Schwierigkeiten macht. Die statutengemäß ausscheidenden Mitglieder des Kuratoriums und des Vorstandes wurden wiedergewählt; außerdem wurden neu gewählt die Herren Meyer Simon-Hannover (ein Bruder des verstorbenen Stifters der Anstalt), Dr. Paul Arons-Berlin, I. de Beer - Harzburg, Dr. med. Catzenstein - Hannover, Rechtsanwall Dr. Cohn-Dessau, Konsul Jaffe-Hannover in das Kuratorium und Herr S. Vorreuter» Hannover in den Vorstand. Schließlich erklärte der Vorstand unter allseitiger Zustimmung der Anwesenden, daß er es sür eine Pflicht der Anstaltbetrachte, sich an der Erziehung verwaister rusfisch er Kinder, die bei den letzten Greueln ihrer Eltern beraubt worden sind, zu beteil i g e n. Es sollen sechs Kinder, vorzugsweise Mädchen, Aufnahme finden. Treysa. Am 29. November wurde im Hause des hiesigen angesehenen Kaufmanns Benedict Strupp das Dienstmädchen vermißt. Da alles Suchen resultatlos blieb, machte Strupp dem Bürgermeister, die Anzeige. Am andern Morgen nahm die Polizei eine Haussuchung vor, bei der man sogar im Keller nachgrub. Tie Untersuchung wurde am nächsten Tage wiederholt, zunächst wieder ohne Erfolg. Da kam der Stadfförster auf den Gedanken, das -Heu nochmals und besser zu untersuchen, und fand das Mädchen lebend, aber anscheinend bewußtlos, tief im Heu versteckt. Ter herbeigernfene Arzt konstatierte sofort Irrsinn. Von der Anstalt Hephata aus wurde das Mädchen. in die Jrrenheilanstalt zu Marburg überführt und nach acht. Tagen entlassen. Soweit der Tatbestand. Was uns hier interessiert, ist die Tatsache, daß schon am Tage nach dem Vermissen des Mädchens die Lüge des Blutmordes auftrat. Man lief zum Bürgermeister und teilte ihm mit, daß die Juden das Mädchen ermordet haben, um sein Blut für Ostern zu gebrauchen. Man drohte den Juden, mit Gewalttätigkeiten gegen sie vorzugehen, ihre Habe zu vernichten, ihnen das Schicksal der russischen Juden zu bereiten. Und die Gebildeten? Keiner tritt dagegen auf. Man spricht von einem „Schächffall". Und die Geistlichkeit? Ihre seelsorgerische Wirksamkeit bleibt aus. In Treysa ist Ruhe cingetreten, aber die Umgegend ist noch immer in-Gärung. — Und da wundern wir uns über die Vorgänge in Rußland! Amerika. Rew-Bork, 12. Dez. Einwanderung In dem am 31. Oktober zu Ende gegangenen' Halbjahre landeten in den Vereinigten Staaten 545 148 Einwanderer gegen 442 685 zur gleichen Vorjahrszeit. Besonders stark ist die Zunahme der Einwanderung aus Rußland, sie beträgt zehn Prozent gygen bas Vorjahr. _ Personalien. Frankfurt a. M. Stadtrat Dr. Levin wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden des „Sparkassenverbandes für die Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentum Waldeck" gewählt.' — Rechtsanwalt Dr. Leo R,o s e n st e i n wurde zum Justizrat ernannt. Kol« a. Rh. Wie demIsrael. Gemeindeblatt' mitgeteilt wird, hat Herr Sally Bielefeld das Amt als Vorsitzender des Repräsentanten-Kollegiums der Ist. Guneinde, das.er seit 5 Jahren inne hatte, niedergelegt. Rr 50 Hamburgs Bei der am 20. b! Mts. staattgefundenen teilweise« Neuwahl des Tclegjertcnkollegiums des Deutsch-Israelitischen Synagogenverbanbes wurden die folgenden Herren zu Mitgliedern des Kollegiums gewählt: Jak. Alexander (in gleicher Firma), Leop. Durlacher (in Mrma Gebr. Durlacher), Tr. med. E. Fink, Moritz Heim ann (in Mrma Hartwig Herz Nachf.), Ludwig M a t h i a s o n (in Fa. Mathiason u. Trier). Tie meisten der gewählten Herren gehörten bereits früher auf kürzere oder längere Zeit dem Kollegium an, dem jetzt durch die bevorstehende Eröffnung der neuen Gemeindeshnagoge vor dein Tammtor, durch Revision der Synagogenordnung usw. große Aufgaben erwachsen. Tie gewählten Herren wären sämtlich die Kandidaten des „Vereins zur Förderung jüdischer Gemeindeinteressen in Hamburg", der bei dieser Wahl sich zum ersten Male als maßgebender Faktor für die jüdischen Gemeinde-JUteressen in Hamburg bewiesen hat. Breslau. Stadtv.-Borsteher Geh. Justizrat Dr. Freund und Stadtrat Milch würden zu Proyinzial-Landtags-Abgeordneten gewählt. Stratzburg. Dem Bibliothekar an der Universitäts¬ und Landesbibliothek, Prof. Tr. Samuel Lau-, bau er ist der Titel Oberbibliothekar verliehen worden. Landauer (geb. zu Hürden in Bayern) ist zugleich ordentlicher Honorarprofessor sür semitische Philologie. - Stauislau. (Galizien) Hier verschied der Ge« richtsrats-Sekretär Moses L>eckel im Alter von.59 Jahren. Trotz seiner Stellung war der Verstorbene ejn frommer Jude. Ta er auch in echt jüdischem Sinne wohltätig war, so gestaltete sich sein Leichenzug zu einem außergewöhnlich imposanten. Paris. Der bisherige Generalsekretär M Bri fa ck ist zum Nnterpräfekten von Dunkerque ernannt worden. Wien. Hier starb der Baurat Max Fleischer der in seinem Fache ein hervorragen der- Künstler war. Er ist der Erbauer vieler öffentlicher Gebäude, u. a. dreier Synagogen in Wien (im im 6., 8. und 9. Gemekirdebezirk), sowie der Synagogen von Budweis, Pilgram, Krems, Lündenburg, Nikolsburg und Brünn. Fleischer nahm am jüdischen Gemeindeleben lebhaften Anteil, er gehörte seit vielen Jahren dem Vorstande der Kultusgemeinde an und war Präsident des Mariahilfer Tempel-Vereins. Wien, 27. Dez. Der nhestedakteur des „Extrablatt", L o e w Y, ist heute Nachmittag an den Folgen einer Blinddarmoperation im 55.-; Lebensjahre gestorben. Cincinnati. Mortoe S. Cohen, ein angesehener Bürger Cincinnatis, ist im 84. Lebensjahre verschieden. Ter Verstorbene, der in den biblischen und talmudischen Schriften sehr bewandert war, spielte im jüdischen Gemeindeleben eine Rolle. Mit seiner Frau, die - ihn überlebt, war er fast 62 Jahre verheiratet. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M., 27. Dez. Gestern Abend hielt im Verein Nachlaß Zwi Herr Rabbiner und Seminarlehrer Dr. M. Kahn, aus Eßlingen einen Vortrag: „Die Kriegs- und Friedensidee im Juden fum." Redner ging davon aus, daß in dem Dankgebete al hannissim für Chanucka; welches vor allem die Vergangenheit feiert, das kriegerische Element ziemlich stark hereintönt, während in dem Berichte des in die Zukunft schauenden Gesetzbuches, des Talimld, das kriegerische Moment durchaus in den Hintergrund tritt, ja fast verschwindet (Sabbat fol. 21d). Er erklärt das damit, daß das Judentum' im Prinzip den Frieden will (Ps. 120, 7) und als den Jdealzustand der Menschheit hinstellt, daß cs aber die Konzession macht, daß, so lange die Menschheit noch nicht für den allgemeinen Frieden reif ist, Kriege geführt werden dürfen. Denn das Judentum stellt sich ans den Boden der realen Verhältnisse und sucht, sie allmählich seinen Idealen entgegenzuführen. Er zeigt, daß, wie die-hebräische Sprache beweist, das israelitische Volk des schlimmen, auch' für . den Sieger Nachteil unp Schaden bringenden ILharakter des Krieges sich wohl bewußt ist, indem Millocheim („Kämpfen") ursprünglich bedeutet „sich' auffressen" siechem „Speise") „sich vernichten" (Vergleiche auch. IV. Buch Moses 14,9a). Ans der anderen Seite bedeute scholaum nicht allein 3iuhe vom -Kampf und Streit, sondern auch „Vollkommenheit" und „Harmonischer Einklang", sod.aß schon in der hebr. Bezeichnung sür den Begriff „Frieden" eine »nendlichePerspettive alles Segens und aller hohen idealen Güter. sich eröffne. Wenn mm auch das Judentum, d. h. die Thora zugebe, daß . Kriege geführt werden dürften, so sind aber 2 Umstände. von nicht zu unterschätzender Be-!, deutnng: 1) das Resultat eines Krieges gegen Heid-, nische Völkerschaften soll neben materiellen Errungenschaftenauch kulturelle, zivilisatorische, humanitäre, moralische und religiöse Fortschritte für den Besiegten und unterworfenen Gegner enthalten, indem im Friedensvertrage notwendigerweise und ausnahmslos, die Anerkennung und. Ausführung der sogenannten 7 noächidischen 'Gebote gefordert werden muß (S. Maimonides IV, Hilchans melochim). 2) Die Art und Weise der Kriegsführung ist eine, solche, daß den

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