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Neue jüdische Presse · 1905-10-27 · Heft 41 (27.10.1905) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 41 (27.10.1905)
Date
1905-10-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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t i- €eitc 4 gfiunljutlu Israelllrfchet Famtlienblau. Är. 41. Altona.' Ueber den Lebenslaus Rabbi Jekef C o h n' s, dessen Ableben wir in der vorigen Nummer meldeten, ist zu berichten: Mit seinem späteren Amtsgenossen und Schwager Jesaja Holländer saß er zwölf Jahre lang zu den Füßen des berühmten Chasam Sofer in Preßburg. Nach seiner Vaterstadt Altona zurnckgckehrt, wurde ihm die gerade zu besetzende Stelle eines Klausrabbiners übertragen, welches Amt er 70 Jahre inne hatte. Er war Mitglied des jüdischen Gerichtshofs in Altona, der als letzter in Deutschland vor ca. 50 Jahren ausgehoben wurde; auch war er Vertreter des Oberrabbiners. Halberstadt. Dem Scniorchef der Firma A. Hirsch u. Sohn und eifrigen Arbeiter auf allen Gebieten der jüdischen Wohltätigkeit, Benjamin Hirsch wurde der Titel Kommerzienrat verliehen. Fürstenberg a. O. Der langjährige Stadtverordnete I. Baron wurde in den Kreistag gewählt. Gleiwitz. Ziegeleibesitzer Benjamin Aron heim, Ritter des im Kriege 1870/71 erworbenen eisernen Kreuzes, ist im Alter von 59 Jahren g e st o r b e u. Wien. Am Simchas-Thora beging das Vorstands-Mitglied des Brigittenauer Tempelvcreins, Herr AdolsSchwarz, seinen siebzigsten Geburtstag. Wien. General-MajorRitterV.Schweitzer. dem einzigen jüdischen General der österr.-ungar. Armee, ist auf eigenes Ersuchen von Se. Majestät die Pensionierung bewilligt worden. Schweitzer hat eine interessante Laufbahn hinter sich. Als Gcschästs-Coyunis wurde er zur dreijährigen Dienstzeit als gemeiner Soldat eingestellt; seine hervorragende Intelligenz und sein Fleiß ermöglichten es ihm, die Offiziersprüfung abzulegen, und er stieg dann schnell von Rang zu Rang. Bei Joet Okkupation Bosniens und der Herzegowina erhielt er infolge seiner bewiesenen Leistungen den „Orden der eisernen Krone 3. Klasse mit der Kriegs-Dekoration", welcher Orden die Erhebung in den Ritterstand zur Folge hat. Mattersdorf (Ungarn). Einen schweren Verlust hat unsere Gemeinde durch das Ableben ihres Mitgliedes David ZwiWols erlitten. Der Verblichene, der ein sehr frommer und gelernter Jude war, hat nur ein Alter von 61 Jahren erreicht. Langnau (Schweiz). Am 12. ds. Mts. verschied Herr Samuel L. Dreifuß im 62. Lebensjahre. Er war während einer Reihe von Jahren Armen- -gutsverwalter, war Mitglied des Ortsvorstandes und trat für die Interessen der Gemeinde jederzeit aufs wärmste ein. Warschau. Die Kanditatur Sokolows, Redakteur der hebräischen Tageszeitung Hazefirah, zur Reichsduma in Warschau findet die kräftige Unterstützung der polnischen Fortschrittspartei. Damit dürfte die Wahl dieses jüdischen Journalisten ge- , sichert sein. Lüttich. Der rasch berühmt gewordene junge Bildhauer Raum Aronspn, ein Schüler der St. Petersburger Akademie der Künste, hat auf der Ausstellung die große.goldene Medaille erhalten. Seine ausgestellten Werke erregten die allgemeine Aufmerksamkeit, sodaß er von dem Beethovcn- Denkmalkomitee den Auftrag erhalten hat, seinen Entwurf zum Beethoven-Denkmal jür das Beethoven- Museum plastisch auszuführen. Paris. Hier wurde durch den Präsidenten der Republik die zwölfte Heilstätte für Lungenkranke eröffnet. Der Präsident wurde von Herrn D r. S. Bern heim (gebürtig aus Küttolsheim i. Elsaß), einem der Hauptleitcr der Lungenhei.stättcn-Bewegung, empfangen. Philadelphia «Amerika). In seinem 81. Lebensjahre starb hier der Rentner David Teller, ein Mann, der in dem jüdischen Leben Philadelphias eine hervorragende Rolle gespielt hat. Teller war in Kirchheim in der Rheinpfalz geboren und kam bereits im Mter von IS Jahren nach Amerika. Aus de« Vereinen. Frankfurt a. M. Die vom „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" unterhaltene und unter Leitung des Herrn Direktor Ephraim Cohn stehende Lämelschule in Jerusalem erforderte im Jahre 1904 einen Kostenaufwand von JL 21125. — Der Unterricht hat auf dem Gebiete des Turnens und der Naturwissenschaften eine Erweiterung erfahren, auch besuchten die Schüler der Oberklasse die Vorträge in Hygiene an dem der Schule angegliederten Lehrerseminar. Der Direktor verweilt in seinem Bericht besonders bei dem von Herrn Distriktsrabbiner Dr. Salvendi-Dürckheim. gestifteten Kolonisationston d s. Bereits vor einem Vieteljahrhundert wurde der Anfang zu diesem Fonds gemacht. Herr Dr. Salvendi hat damals durch ein Rundschreiben an die jüdischen Lehrer und Kultusbeamten mit deren Hilfe von neuem sog. Challa-Büchsen in jüdischen Häusern anbringen lassen. Ein Teil der Sammelergebnisse, deren Verwendung fürs heilige Land dem Initiator überlassen blieb, repräsentiert zusammen mit andern größeren Geschenken den Kvlonisationsfonds, der bereits die Höhe von 84 000 M erreicht hat und hoffentlich noch beträchtliche Vergrößerung erfahren wird. — Laut Stiftungsbrief soll ein Teil des Kapitals zum Ankauf von Boden und die jährlichen Zinsen des restlichen Kapitals teils zur Kolonisierung (An- .siedlnngs- und Bewirtschaftskosten) entlassener Zöglinge des Waisenhauses und der Lämel-Schnle, teils zur Erteilung landwirtschaftlichen Unterrichts an Schule und Lehrerseminar verwendet werden. Der Kvlonisationsplan ist so gedacht, daß die für einen Kolonisten verwendeten Mittel in kleinen Jahresraten dem Fonds zurückgeführt werden, so daß die Hofftuing vorhanden ist, daß die Dr. Adolf Salvendi-Kvlonic im Laufe der Zeiten zu einer großen jüdischen Gemeinde von Ackerbauern, Winzern und Pflanzern anwachsen wird. (Es sei bemerkt, daß nach den Bestimmungen des Fonds die Kolonisten nach den überlieferten Satzungen des Judentums leben und alle auf Palästina bezüglichen rcligionsgesctzlichen Vorschriften einhalten müssen.) Der Jahresbericht schließt: „Das Lehrerseminar des Hilfsvereins der deutschen Juden im Anschluß an unsere Schule zählt im neuen Schuljahr mit der Präparanden-Klasse 32 Schüler. Die Kindergärten, die ebenfalls ihre Entstehung Mitgliedern des Lehrkörpers der Lämel- Schule verdanken und von diesen in selbstloser Weise geleitet werden, erfreuen sich fortgesetzt großer Popularität. Jin Anschluß an diese Kindergärten sollen vom Hilssverein im Herbste Elementarklassen einer Mädchenschule eröffnet werden, um einem lange gefühlten Bedürfnis abznhelsen. Während somit das Wirken der Lämel-Schnle nach so vielen Gesichtspunkten hin in direkter und indirekter Weise an Ausdehnung zunimmt, müssen wir es tief beklagen, daß die finanziellen Verhältnisse der Schule nicht in entsprechendem Verhältnis stehen. Nicht allein ist das Defizit von 21000 JL, durch den Neubau entstanden, kaum vermindert worden, sondern selbst in den jährlichen Beiträgen'ist ein merklicher Rückgang zu verzeichnen." Berlin. Am 8. Oktober hat sich der „Bezalel", Komitee für Entwicklung von Knnstgewerbe und Hausindustrie in Palöst i n a, definitiv konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde Prof. Dr. O. Marburg, zum stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Paul Nathan, zum Schatzmeister Berthold Israel gewählt. Dem Komitee gehören ferner an: James Simon, Dr. E. Mittwoch, Dr. S. Soskin, Fabrikbesitzer S. Hepner, Dr, H. Hildesheimer, Dir. P. Levy in.Fa. Gladenbeck u. Sohn, Dr. F. Oppenheimer, Prof. Dr. M.' Philippson, Dr. P. Schottländer. Den künstlerischen Beirat bilden: I. Bodenstcin, Josef Jzracls, 'Max Liebermann, E. M. Lilien, H. Struck. Es wurde beschlossen, die Schule mit Beginn des Jahres 1906 zu eröffnen, zu welchem Zweck, der Bildhauer Prof. Boris Schatz und der Maler E. M. Lilien sich demnächst nach Palästina begeben werden. Eine Anzahl Schüler hat sich bereits angemeldet, und es werden noch weitere Anmeldungen entgegengenommen. Der Unterricht in der Kunstgcwerbeschule „Be-, zalcl" in Jerusalem findet völlig unentgeltlich statt. Auch das für den Unterricht nötige Material (Papier, Farben u. dgl.) erhalten die Schüler kostenlos. Es werden von den Schülern bei dem Wettbewerb keine fertig ansgeführten Werke verlangt, sondern irgendwelche Arbeiten überhaupt, aus denen man ein Urteil über ihre künstlerische Veranlagung gewinnen kann. Bevorzugt bei der Aufnahme werden Schüler, welche Mittel zum Lebensunterhalt haben. Es können jedoch auch solche angenommen werden, welche keine Mittel besitzen, wenn sie sich durch besondere Begabung auszeichnen. Es ist deshalb sehr erwünscht, daß dem Komitee Mittel zur Bildung eines entsprechenden Stipendienfonds zur Verfügung gestellt werden. Baden (Schweiz). Der Rechenschaftsbericht des Lengnauer Altersasyls legt Zeugnis von dem großen Interesse ab, das diesem Institute aus allen Kreisen der Schweizer Judenheit entgegengebracht wird. Er verzeichnet an einmaligen Beiträgen Fr. 73 664, an jährlichen Beiträgen 11479 Franken, an Geschenken 24 577 Fr. und an Synagogenspcnden 3782 Fr. Unter den Stiftungen seien hervorgehoben: Der Louis Ris-Fonds im Betrage von 10000 F-r., das Legat des sei. Jakob I. Wyler in Endingen (1000 Franken) und Jahrzeitstiftung der sel. Eheleute Abraham und Mina Bloch in Zürich (1000. Fr.). Für Errichtung eines Betsaalcs im Asyl schenkten die Gebrüder M. und I. Guggenheim in Baden 500 Fr. Aus dem In- und Ausland sind die Spenden und Beiträge reichlich geflossen, darunter die größten: Guggenheim Söhne in Newyork (30 000 Fr.), Silvain Guggenheim Frankfurt a. M. (2000 Fr.), Moritz Guggenheim in Paris (2000 Fr.), Samuel Guggenheim in Roubaix (1000 Fr.). Vom Territorialismus. Be»'«, 24. Oktober. Nach einem Vortrag des Herrn D. Jochelmann, Direktionsmitglied der Jto, wurde hier ein „Verein I.-T.-O." gegründet. In den Vorstand des neuen Vereins wurden gewählt: D. Jochelmann (Präses), N. Schärf, C. Feldstein, S. Büchler und L. Friedmann. London. Der frühere amerikanische Gesandte bei der Pforte Oskar Strauß in Newyork und der Präsidialrichter Mayer Sulzberger in Philadelphia sind der territorialistischen Organisation beigetreten. Oskar Strauß schreibt in seinem Briefe an Zangwill: „Ich. sehe keinen Grund, warum eine Judenkolonisation nicht erfolgreich sein soll, besonders unter Britischem Schutz, vorausgesetzt nur, daß das Land hinsichtlich der Fruchtbarkeit, des Klimas und der Lage geeignet ist, und daß in den ersten Jahren wenigstens die Kolonisten mit der notwendigen Rücksicht auf ihre Fähigkeit zu den schwierigen Arbeiten ansgewählt werden, die ihnen als den Pionieren zufallen werden. Ich sympathisiere vollkommen mit den von Ihnen entworfenen Plänen, und ich freue mich zu erfahren, daß Sie mit Mr. Wolf sich verkündigt und Hand und Sinn vereinigt haben, um diesen verheißungsvollen und ruhmvollen Kolonisationsplan auszuführen. Verheißungsvoll deshalb, weil Großbritannien in der Weltgeschichte bewiesen hat, daß es selbst die fruchtbarste und selbstloseste Mutter von gesunden, selbständigen Kolonien ist. Ruhmvoll, weil der Plan, wenn er erfolgreich ist, einen Ruheplatz für die verfolgten Kinder Israel schaffen wird, >ie sich, wie schwierig auch der Anfang sein mag, als eine britische Kolonie ohne Gefahr der Schmälerung des Lebens, der Freiheit und des Glückes werden erfreuen können. Es ist ein historisches Recht für die Nachkommen Josephs, daß sie unter einem großen und friedliebenden König nach Verlauf von 4000 Jahren auf demselben Erdteil den Wiederaufbau eines Staates beginnen. Welch anderes Volk könnte solches tun und die Weisheit und die Erfahrung mitbringen, mit welchen 30 Jahrhunderte des Leidens es für das große Werk so wundervoll ausgestattet haben. Ich vertraue fest darauf, daß die Jewish Colonisation Association (I. C. A.) klar ihren Wetz erkennen, d. h. ihre Energie und ihre Hilfsquellen diesem Plaue widmen wird, denn auf Grund meiner intimen Bekanntschaft mit Baron v. Hirsch und seinen Plänen bin - ich davon überzeugt, daß er einer Kolonisation unter britischen: Schutze jedem andern Plane oder dem Schutze jeder andern Regierung vorgezogen hätte. Aus diesem Grunde wollte er die Insel Cypern wählen, wenn die Umstände es erlaubt hätten." Mayer Sulzberger schreibt in seinem Briefe an Zangwill: „Ich unterstütze von Herzen gern die Jüdische Territorial-Organisation. Sie wissen, daß ich jeder Zeit über alles empört war, was nach Anti- Zionismus roch, obgleich nur der zionistische Plan, die Herrschaft über Palästina zu erlangen, unter den gegenwärtigen Verhältnissen niemals ausführbar erschien. Das Projekt der I. T.-O. mag Schwierigkeiten in der Durchführung bieten, es ist indessen der ernsthaftesten Prüfung wohl wert. Weit davon entfernt, dem Zionismus entgegengesetzt zu sein, ergänzt die I. T.-O. ihn vielmehr und wird, wenn sie in allem erfolgreich ist, bei seiner Erfüllung und endlichen Realisation ihm beistehen. Die andere Hand streckt die I. T.-O. zur I. C. A. hin, und sie sollte schließlich in ihrer praktischen Seite imstande sein, mit jener konservativen und wohlmeinenden Gesellschaft in Eintracht z» wirken. Ich wünsche Ihnen und der I. T.-O., Gott möge sich eilen!" Grodno (Rußland). Nach einem Referate des Territorialisten Chasan und des politischen Zionisten Paperin erklärten 500 Zionisten ihren Beitritt zur territorial; st ischen Organisation. G leutlMon. Nachdruck verboten. Das Judengrab in der Steppe. Roman von Samuel Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. (Fortsetzung). „Siehst Du, Olga," beschäftigte sie fich wieder mit dem Kinde, „Väterchen muß jetzt von dem schönen warmen Ofen Weggehen, in den kalten, häßlichen Schnee draußen, und' läßt Mama und Kindchen allein zurück. Aber, nicht wahr, es schadet nicht; Mama wird Olga hübsche Geschichten erzählen, und da wird die Zeit so schnell vergehen —. Doch immer noch nicht schnell genug für die Mama,", rief sic wieder aufgeregt, Gregor ängstlich anblickend. „Ich werde mich beeilen, so viel ich kann." „Ja, tue es Gregor, denn . . . ." sie brach plötzlich ab. „Nun?" „Weil — weil — Du magst mich auslachen, so viel Du willst — weil — weil ich mich fürchte. Ich habe in den drei letzten Nächten hintereinander geträumt, daß ich wieder das.rote Kleid qnhatte und daß Kallasch sich von ■ der Kette losgerissen — Seine Stirne furchte sich, „Träume find Schäume," sprach er mit einem schwachen Versuch zu scherzen. „Uebrigens ist es eine häßliche Angewohn-

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