Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 26 (7.7.1905)
- Date
- 1905-07-07
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. Frankfurter Israelitische- Familienblaü. Nr. 26 fürchte, sie wollen den Kongreß verlleinern, dadurch, Laß sie alles, was groß denkt und einen weiten Wick hat, fern hakten. i Den Männern, denen Nordau auf ihr Drängen sein Versprechen gab, obliegt es, hier sofort Wahrheit zu schaffen." Wir glauben, baß diesen Ausführungen Sokolows, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen, nur noch weniges hinzugefügt zu werden braucht, um den Schleier zu lüften. Zwei Kreise sind es, die sich hier zu edlem Tun verbunden haben. Der eine Kreis hat bewiesen, daß auch er Nordau als den geeigneten Vertreter Herzls betrachtet, indem er den Kamps, den er — auch mit nicht sauberen Waffen — gegen Herzl führte, auf Nordau übertrug. Der zweite Verbündete aber stammt aus dem Kreise, der früher mit zu den festesten Stützen des Zionismus gezählt wurde, bis — die Versuchung kam, der er nicht widerstehen konnte, und so hat er seine Fahne dorthin gewendet, woher ein stärkerer Wind zu kommen schien. Die ehrenwerten Herrschaften — siehe den Sprechsaalartikel im „Generalanz. f. d. Jnteress. d. Judcnt." in Berlin — haben den besten Weg cingeschlagen, Nordau — hinwegzucckeln; aber noch hoffen wir, daß ihre Machenschaften nicht den Sieg auch nicht für den Moment — davontragen. Gewiß, manche der Herren, die sich so sehr abmühen — das zionistische Faß in ihren Keller rollen zu sehen, tun es, weil sie glauben, gute Küfer zu sein; aber auch ihnen können wir den schweren Vorwnrs nicht ersparen, . daß sie mit denen gemeinsame Sache machen, von denen sie überzeugt sein dürften, daß hinter dem Geschrei, der Wein sei nicht Ideal-Wein, der verdammenswerte Wunsch, das Faß in Splitter zu schlagen, sich verbirgt. Angesichts solcher Erscheinungen müssen sich alle — vernünftige Zionisten zusammeufinden, um der Gefahr, die dem Gesamtzionismus droht, äbzuwehren, erst dann ist es an der Zeit, sich über etwaige Meinungsverschiedenheiten auseinander zu setzen. Mit der Lahmlegung der unheilvollen Tätigkeit der Politikmacher, wäre eine Verständigung gegeben, denn leicht verstehen sich zwei, wenn beide das Gute wollen. S. Berlowitz. Personalien. Frankfurt a. SR., 5. Juli. Gestern starb im 63. Lebensjahre Herr Ludwig Josef Pfung st, der Besitzer der „Wormser Bolkszeitung". Der Verstorbene genoß ein großes Ansehen wegen seiner Tätigkeit auf dem Gebiete des Wohltätigkeitswesens und als ein energischer Kämpfer für die Interessen der Demokratie. Wie berichtet wird, habe er sein sehr beträchtliches Vermögen der Stadt Frankfurt zum Ankäufe von Kunstwerken für die öffentlichen Sammlungen hinterlassen. Berlin. Dem Geheimen Baurat Emil Rath enau ist vom Senate der Technischen Hochschule zu Berlin die Würde eines Doktor-Ingenieurs boooris «ans» verliehen worden. Dem Generalpostkassenbuchhaltcr Rechnungsrat 4tathan Cohn wurde anl. seines Scheidens aus dem Dienste der Charakter als Geheimer Rech- 'Uungsrat verliehen. Berlin. Wie der «Mg. Zeit. b. Indent." mittzeteilt wird, ist Professor Dr. M. Philippson aus dem gcschäftsführenden Ausschuß des Verbandes deutscher Juden ausgetreten. Züiüch. Herr Fleischmann, rumänischer Konsul, hat'von der rumänischen Regierung bas. Offizierskreuz der rumänischen Krone erhalten. Mailand. Bruno Sinigoglia. Sohn eines israelit. Lehrers, hat am 6. Mai 1902 und am 11. Jan. 1905 zwei Kinder mit eigener Lebensgefahr aus der Olona gerettet. Schon 1902 war der jetzt erst 16jährige Held mit der Rettungsmedaille geschmückt worden; nun hat er diese Auszeichnung zum zweiten Male erhalten. Aus den Vereinen Berli», 29. Juni. Vorgestern fand unter zahlreicher Beteiligung Berliner und auswärtiger Delegierter die Jahres-Versammlung des „E s r ch B c r e i n s z u r U u t e r st ü tz u n g acker - bautreibender Juden in Palästina und Syrien" statt. Ter Vorsitzende, HerrM. Dorn, eröffnete die Versammlung mit einem warmen Nachruf auf den im Berichtsjahre verstorbenen langjährigen Schriftführer, Herrn Willy Bambus, und gab dann eine kurze Uebersicht über die Tätigkeit des Vereins im Jahre 1904, dessen langsames, aber stetiges Wachstum sich darin offenbart, daß er in de» Jahren 1884—1891 9077 AL, 1892—1899 42 230 AL, 1900 bis 1904 42604.05 AL für das Kolonisationswerk in Palästina leisten und außerdem während der letzten fünf Jahre noch 21 600 .4L zurücklcgen, somit in dem erwähnten Zeitraum zusammen 64 204.95 AL (gegen, 51 307 AL in den ersten sechzehn Jahren seines Bestehens) für palästinensische Zwecke verwenden, resp. zur Verfügung stellen konnte. Für die Kolonie „B'ne Jehuda", deren endgültige Installierung und Vergrößerung der „Esra" i I. 1902 begonnen hat, ind im Ganzen 21075.95 AL ausgegeben worden. Gegenwärtig schweben Verhandlungen über den Ankauf eines östlich benachbarten Terrains, das zur Vergrößerung resp. Arrondierung der Kolonie verwendet werden soll. Taneben interessiert sich der Verein seit einigen Atonalen auch für die Insassen der s,4 Stunde von „Pethach Tikwah" neu besiedelten Torfes Jehudljc, wo sich mehrere russische Flüchtlinge seßhaft gemacht haben. Aus dem Bericht des Schatzmeisters, Herrn Konsul I. F r i e d c m a m n, war zu ersehen, daß bis zum 27. Juni 1905 an Jahresbeiträgen und Zinsen 10 540 AL eingegangen sind, und daß das Vereins- Vermögen 32 500 JL beträgt. Bei der daraus vorgenommenen Ergänzungswahl zum Zentral-Komitee wurden der Schatzmeister und die. ausscheidenden Mitglieder, die Herren T-r. D. Caspari, Bcrthold Israel, Willibald L o e w e nt h a l, Tr. Eugen Mittwoch und Pros. Dr. O. Marburg, sowie die beide» Revisoren, Herren M. Apolant und F. Philippsbvrn, durch Zuruf wiedergewählt. Taraus gab der Schriftführer, Herr Dr. Moritz So der »heim, welcher kürzlich in Palästina war und „B'ne Jehuda" und Jehudijc besucht hat, eincn Bericht über die beiden Kolonien. Hierauf ergriff Herr Prof. Marburg das Wort, um die Gesichtspunkte darzulegeu, welche für den „Esra" seiner Ansicht nach fortan maßgebend sein sollen. In erster Reihe müßte er die Bestrebungen des neu begründeten Vereins „Beza l e l", Klei iii iidu strie in Palästin a auszu bilden, fördern, denn nur durch die letztere könne der jüdische Kolonist seine zahlreichen Produkte gewiniibringciid verwerten und seine Einnahmen wesentlich vergrößern. Sehr wichttg sei auch das jetzt im Entstehen begriffene L a n d b u r e a u, resp. die landwirtschaftliche Versuchs'station. Dieselbe hat die Ausgabe, neue Kulturpflanzen, wie Hans, Erdnuß usw. ciuziisiihren, sowie die alten Kulturen durch sorgfältige Zuchtlvahl zu verbessern. Ferner werde das Bureau landwirtschaftliche Kurse sür die Kolonisten cinführeu, schädliche Pflanzen und Insekten auszurotten bemüht sein usw. Endlich stellte Rednerdie Erwerbung eines ca. 350 Hektar umfassenden, näher zu bezeichnenden Gutes in Galiläa durch den Verein „Esra" in Aussicht, um daselbst cine auf moderner genossenschaftlicher Grundlage begründete Kolonie zu errichten. Tie günstige Entwicklung der älteren jüdischen Kolonien in Palästina ermutige unbedingt zur Gründung neuer landwirtschaftlicher Zentren. Mit einem warmen Ilppcll an die Anwesenden, für den Verein „Esra" und seine Bestrebungen in Freundes-' und Bekanntenkreisen werbend sich zu bemühen, schloß der Vorsitzende die. Versammlung, deren angeregter Verlaus allseitig befriedigte. Hamburg. Ueber das israelitischeKinder- Hospiz in Duhnen bei Cuxhaven stattet der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder in Hamburg den Jahresbericht für 1904 ab; aus den: reich, illustrierten Bericht entnehmen wir folgendes: Zur Vollendung des Hospizes fehlen noch eine große geschlossene Spielhalle und ein Badehaus am Strande. Wir haben uns entickiloisen, den Bau sofort vorzunehme», damit beides schon im Sommer 1905 zur Benutzung gelangen kann. Der Verein hofft, daß ihm die dazu nötigen 15000 JL durch wohltätige Spenden noch zugehen werden. Die Zahl der Kinder, welche im Sommer 1904.das Hospiz besuchten, war in drei vierwöchigen Knrperioden 213, und zwar 103 Knaben und 110 Mädchen. Die Kinder kamen ans Hamburg, Altona, Lübeck, Hannover, Hildesheim, Berlin, aus dem Rheinland und Westfalen usw. Die früh gelegenen Festtage ließen eine vierte Kur- Periode nicht zu. Der Verein denkt jedoch, später 'eine solche auch über die Feiertage einzurichten, da ein Betsaal vorhanden ist und der Religionslchrer aus dem nahen Cuxhaven ohnehin am Freitag Abend und Sabbat den Gottesdienst abhält. Auch ein Winteranfenthalt im Hospiz ist geplant. Die Erfolge der Kuren waren vorzüglich, der Gesundheitszustand ausnahmslos gut. Die Gewichtszunahmen betrugen 1—5 Kilo. Ms Durchschnitt sind 21/* Kilo anzunehmen. Der Arzt, Herr Dr. Kamps, widmet den Kindern die größte Sorgfalt und Aufmerksamkeit. Die Anstalt steht unter Leitung der Oberin Frl. Martha Fürst, welcher fünf bis sechs junge Mädchen zur Seite stehen. Nach Ueberwindung aller Schtvicrigkeiten dankt der Verein allen Wohltätern. und den Mitgliedern des Vereins, mit deren Hülfe das schöne Ziel erreicht ist. Unna i. Wests. Das israelitische Altersheim in Westfalen wird am 9. ds. Mts. seiner Bestimmung übergeben werden. Ter Vorstand hat eincn ausführlichen Jahresbericht erstattet, dem wir folgendes entnehmen: Der Bau der Anstalt ist für den Betrag von 90 009 AL Herrn Baumeister Robert in Bochum übertragen worden. Schon jetzt kann gesagt werden, daß die Erwartungen, die der Vorstand an den Bau des Asyls gestellt, nach allseitigem Urteil weit übertrossen sind und der Plan sich in architektonischer wie praktischer Hinsicht vollauf bewährt hat. Auch vom Innern kann gesagt werden, daß es äußerst j Deckmäßig und praktisch ist und eirr behagliches heim für die Pfleglinge abgeben wird. Den Abchluß in der äußeren Gestaltung bilden die gärtnerischen Anlagen, die nach dem Entwürfe eines Unnaer Gartenkünstlers ausgeführt sind. Die geämte' zur Verfügung stehende Fläche beträgt 8500 Quadratmeter, die Wege allein nehmen 1000 Quadratmeter ein. Die ganze Anlage ist in waldartigem Charakter gedacht, die Fläche vor dem Asyl ist mehr als Ziergarten ausgebildet. Das Erdgeschoß enthält einen Speisesaal für 40 Personen, Tagesraum, Badezimmer, ein Spielzimmer, Terrassen, Veranden, 8 Zimmer für zusammen 15 Betten usw. In der Etage befindet sich ein Betsaal sirr 50 Peronen, Leseziinmer, Badezimmer, 1 Krankenzimmer, 11 Zimmer für 18 Betten usw. Die Koch- und Spükküche sind ini Kellergeschoß untergebracht. Die Heizung geschieht durch Dampfheizung. Die gesamten Bau- und Ausstattungskosten belaufen sich auf 120 000 Mark. Bei Eröffnung des Asyls werden dasselbe bereits 9 Pfleglinge beziehen, darunter ein 81 bezw. 80 Jahre altes Ehepaar. Weitere Aufnahmen stehen bevor. Zahlreiche Stiftungen und Geschenke sind dem Verein zugegangen; man hofft mit Zuversicht, es werde der Anstalt nie an Mitteln fehlen und bas Bibelwort Erfüllung finden, das im Treppenhausienster durch Künstlerhand veranschaulicht ist: „Dem Fasse soll es nicht an Mehl und dem Krug nicht an Oel fehlen." Ans der zionistischen Bewegung. Berlin. Die Delegiertenwahl der Berliner zionistischen Vereinigung für den Baseler Kongreß fand am letzten Montag statt. Nach einer überaus lebhaften Debatte wurden die Herren Prof. Marburg. (208 St.), Dr. Heinrich § ö w c (154), D r. Klee (142) und Berthold Feiwel (128) Lewählt. Außerdem erhielten Dr. tzandtke 107, Dr. Soskin 103 und Davis Trietsch 71 Stimmen. Philadelphia (Amerika). Die 8. Jahresversammlung der a m e r i k an ischen Zio- »i st e n fand am 18. bis zum 20. Juni in Philadelphia statt und war von mehr als 225 Delegierten aller amerikanischen Städte besucht. Präsident Friedenwald eröffnete die Verämmlung mit einer größeren Rede, indem er den heutigen Stand der zionistischen Fragen krisisch beleuchtete und dabei des Heimgangs Theodor Herzl's Machte, der sich in manchen pessimistischen Köpfen chon als Rückgang der ganzen Bewegung ausmalte. Freudig begrüßte er die" Nachricht, daß die Uganda- Affäre als erledigt betrachtet werden kann, sodaß die Scheidewand zwischen den über diese Frage entzweiten Parteien gefallen ist und in gemeinsamer ruhiger, aber intensiver Arbeit an dem großen Ziele weiter gearbeitet werden kann. Ein gutes Omen hierfür ist die in Aussicht genommene Kandidatur Nordau-Wolsssohn-Warbnrg. In den Vereinigten Staaten selbst hat ein engerer Zusammenschluß der einzelnen Vereine stattgesunden, der sich auch aus Heranziehung der Studenten ausdehnte und eine wirksamere Propaganda gestattet. Dieses tritt auch zu Tage in der. bevorstehenden Herausgabe eines größeren Werkes über die zionistische Bewegung aller Länder, sowie in der Belebung den eigenen Literatur. Nach einer größeren Ausführung über die Ausgaben unserer Brüder im Allgemeinen, folgt die Verlesung mehrerer eingelausenen Briese von Nordau, Marburg, Wolffsohn, Ussischkin, Reines u. a. m.» sowie die Berichte der einzelnen Komitees. Diskussionen über die verschiedensten Fragen bildeten den Inhalt der sehr anregend verlaufenen Versammlungen, doch müssen wir wegen Raummangels es uns versagen, des Näheren darauf einzugchen. Aus der Lehrerwett. Nauheim, 5. Juli. Gestern starb hier der Chassidim-Rebbe H a l b e r st a m m aus Popow in Galizien. Der Verstorbene, der ein bedeutender Gelehrter gewesen ist, war eine auffallend schöne Erscheinung. Wag-Neustadtl (Ungarn). Die hiesige israelitische Realschule blickt auf einen fünfzigjährigen Bestand zurück. Langsam pnd nur nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten hät sie sich entwickelt. 1866 wurde die zweite, 1873 die dritte und 1884 die vierte Klasse eröffnet. Die materiellen Verhältnisse der Kultusgemeinde erlaubten kein schnelleres Tempo. — In Anerkennung der Mission, welche die Schule bezüglich der Magyarisierung erfüllt, erwirkte weil. Minister Trefort für sie eine jährliche Staatssubvention von 1200 Gulden vom ungarischen Reichstage, diese Subvention wurde 1893 aus 2400 Gulden und 1898 auf 5000 Gulden erhöht. Aus der Geschäftswelt. - Tutulin ist das einzig existierende kleberfreie Pflanzeneiwejß — auf kleberfrei beruht das patentierte Verfahren —; es ist chemisch reines, homogenes Pflawzeneiweiß. Dieses Reineiweiß ist stark laci«