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Neue jüdische Presse · 1905-05-12 · Heft 18 (12.5.1905) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 18 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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tSeite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 18. schon bisher tunlichst berücksichtigt wurde und später noch mehr geschehen solle; wenn ein weiterer Religionslchrer angestellt würde, soll er zugleich Stelvertreter der Rabbiner sein. — Auf die Bemerkung des Herrn Wolfsohn, das; die Rabbiner die Funktionen vielleicht kostenlos ausüben würden, antwortet Herr Dr. Ochs, daß religiöse Amtshandlungen und Reden zweierlei sei; erstere übten sie auch jetzt ohne besondere Vergütung. — Nachdem noch eine Anfrage des letztgenannten Redners betreffs der Ausgaben für den Religionsunterricht von Herrn E l i e l beantwortet wird, genehmigt die Versammlung die Ausgaben Titel I (GehÄter) nach dem Vorschläge des Vorstandes in Höhe von 63 780 JL — Beim Titel Unterstützungen wird u. a. beschlossen, dem israelitischen Lehrer-Seminar in Köln anstatt der bisherigen Jl. 750, dieses Jahr JL 1500 Beitrag zu gewähren. — Die Steuerumlage (Titel VII) wird auf JL 134 503,64 veranschlagt. Hamburg. Stiftung. Der hier kürzlich verstorbene Herr R o b e z t s o h n hat u. a. dem Waisenhaus der hiesigen Deutsch-Israelitischen Gemeinde ein Legat von 25 000 JL und dem Israelitischen Mädchen-Bekleidungsverein ein solches von 500 JL vermacht. BreSla«. Die Lemberger Synagoge, eine der ältesten Synagogen in unserer Gemeinde, muß ihre alten Räume verlassen, welche seit über 2 Jahrhunderten gottesdienstlichen Zwecken gedient haben. Das " alte Grundstück, Carlstraße 30, zum „goldenen Hirsche!", selbst ein Stück Alt-Breslau, ist aus dem Besitze der Stephan'schen Erben in die Hände des Kaufmanns Oskar Mauasse übergegangen, welcher den ganzen Häuser-Kvmplex abreiße» und eine Art Geschäfts-Passage nach der Wallstraßc zum königlichen Palais hin Herstellen lassen will. So ist denn der alten „Lemberger Schul" nur noch eine kurze Lebens, srist bis nach den Herbst-Feiertagen gcrvährt ivvrden Oesterreich-Ungaru. Wien. Bei Besprechung des Sch ächtverbot es seitens des Wiener Gemeinderates schreibt Bloch's Wochenschrift: „Sollten den Herren, insbesondere dem katholischen Priester, Professor Dr. Laux, die Stellen aus der Apostelgeschichte Kapitel 15, 20, und namentlich Kapitel 21, 29 so ganz aus dem Gedächtnisse entschwunden sein?! Da müssen wir ihnen doch gleich ein wenig erinnernd zu Hilfe kommen. Es heißt wörtlich im Evangelium: „Denn den Gläubigen aus den Heiden haben wir geschrieben und beschlossen, daß sie nur sich bewahren sollen vor dem Götzenopfer und vor dem Blute und vor Ersticktem", — das ist vor dem nicht nach jüdischer Weise geschlachteten Fleische! Die Apostel aßen nur geschachtetes Fleisch! Christus hat niemals anderes, als solches Fleisch zw sich genommen. Und seine Jünger befahlen ausdrücklich den Genuß nur solchen Fleisches an. Sie begründen ihre Vorschrift mit dem Hinweis auf das Gesetz Mosis. Man wird doch von antisemitischer Sefte die Stifter der christlichen Relgion hoffentlich nicht der Gutheißung tierquälerischer Handlungen zeihen wollen." Wie«. Der Vorstand des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus hat den als ausgezeichneten Kämpfer für die Menschenrechte bekannten Legationssekretär a. D. Dr. jur. et Phil. Graf Coudenhove-Kalergi in das Präsidium koop tiert. Schweiz. Bafel. Die jüdische Armenkasse verausgabte im abgelaufenen Jahre Fr. 4077 für Passanten und außerdem Fr. 1404 für Reisevergütungen. Von den unterstützten 1058 Passanten waren 228 aus Deutschland (davon 97 aus Elsaß-Lothringen), 18 aus Frankreich, 233 aus Oesterreich-Ungarn, 42 aus Rumänien, 494 aus Rußland und nur 12 aus der Schweiz. Die einzelnen Gaben beliefen sich von 50 Centimes bis 50 Fr. Es erhielten 1 Fr. 36 Personen, 1.50 Fr. 40 Personen, 2 Fr. 209 Personen, 2.50 Fr. 218 Personen, 3 Fr. 240 Personen, 5 Fr. 112 Personen, 10 Fr. 40 Personen, 20 Fr. 17 Personen. Darunter und darüber liegende Summen nur einige wenige Personen. Gar keine Geldunterstützung erhielten 38 Personen resp. Familien, wohl aber statt dessen einen Bon, der zum Schlafen (50 Cts.) und zum Frühstück (20 Cts.) in der Herberge zur Heimat berechtigt oder — für solche, die über Samstag in Basel waren — eine Anweisung auf zwei Mahlzeiten. Bevey. Obwohl es hier mehrere Minjonim Juden gibt, so findet doch nichteinmal an den hohen Festtagen Gottesdienst statt, und die Jugend wächst fast ganz ohne Religionsunterricht auf. Bon verschiedenen Seiten wird nun gewünscht, daß diese unangenehmen Verhältnisse geändert werden und die hier wohnenden Juden sich zusammenschließen, um eine Gemeinde zu bilden, einen Beamten anzustellen und ein Betlokal zu mieten. Neuerdings hat diese Angelegenheit durch persönliche Aufmunterung und materielle Unterstützung des bekannten christlichen Herrn Konsul Nölding aus Hamburg kräftige Anregung erhalten. Dieser Herr, welcher in Vevey öfter wellt, hat den hiesigen Kirchen verschiedene Spenden zukommen lassen und hat gleichzeitig in echt toleranter Weise auch den Juden eine ansehnliche Summe zugewiesen. Dabei war er nicht wenig erstaunt, daß eine eigentliche jüdische Gemeinde und Gottesdienst nicht besteht. Daraufhin nahm er mit einem hiesigen Juden Rücksprache und versprach, falls die Gemeinde die Absicht hätte, einen Gottesdienst zu veranstalten, die versprochene Summe zu erhöhen und alljährlich einen Beitrag von 100 Fr. beizusteucrn. Es ist zu hoffen, daß nunmehr, nachdem selbst von christlicher Seite der Anstoß gegeben wurde, bald eine jüdische Gemeinde zu Vevey entstehe und dieselbe von behelligter Seite diejenige Förderung erhalte, welche die Wichtigkeit und Heiligkeit der Sache erfordert. Frankreich. Paris. „Petit bleu" bringt den folgenden Appell an die zivilisierten Völker zum Abdruck: „Der Ukas des Zaren über die Religionsfreiheit ruft tiefe Entrüstung unter den Israeliten hervor. Sie betrachten ihn als ein Ausnahmegesetz, das ihre Lage noch mehr erschwert, denn da sie allein von den Wohltaten des Erlasses ausgeschlossen sind, werden sie jetzt mehr als jemals als dem „allgemein giltigen Gesetz nicht uilterstehend" betrachtet tverden und als Parias, von neuem geknechtet, dem Hasse und der Verachtung der unwissenden Masse und der Verfolgung der Regierungsorgane ausgelicfert. In gewissen Kreisen scheint man die Juden beschwichtigen zu wollen und sagt, daß sie nur für den Augenblick von der Wohltat des Ukases ausgenommen sind; der Erlaß hätte von den Christen gehandelt, sei am Tage vor Ostern erschienen und es sei nicht am Platze Lewcien, die Kinder Israels mit hinein zu mengen. Maßnahmen der Toleranz gegen die Juden ergreife man später, aber die Unglücklichen bezweifeln es stark, denn sie haben kein Vertrauen mehr zu den Versprechungen der Negierung. Sie rechnen ans das liberale Ausland, das eine große ewegung zu ihren Gunsten in Szene setzen sollte, in der Form eines gemeinsamen P rote st es aller Völker gegen den Ukas, der die Juden in eine immer mehr und mehr beklagenswerte Lage bringt." Josi. Marseille. Aus Rußland gebürttge, jüdische Dockarbeiter haben am Strande eine Hütte zurcchtgezimmert, >vo sic jeden Samstag Minjon machen, mit Andacht beten, — aber dann wieder zur Arbeit zurückkehren. Vor einige» Wochen hat ein Schiff 5000 Kisten Palästina-Orangen gebracht. Die Frucht ist ausgezeichnet im Geschmack, hat keine Kerne und ist bc deutend dicker, als die sonst auf den Markt kommende Ware. Josi. Rußland. Petersburg. EineneueJargon-Tagesz e i t u n g. Wie die „Nowosti" mitteilt, hat die Regierung dem Schriftsteller Z. P r i l u z k y die Erlaubnis zur Herausgabe einer Jargon-Tageszeitung „D i e W e g" gegeben. Der bekannte Schriftsteller R u b i n B r a i n i n, bisher in Berlin, ist in die Redaktion dieser Zeitung cingetretrn. Petersburg. Wie gemeldet wird, sollen die Judm fortan nicht mehr dem Polizcidepartcment, sondern dem D e p a r te in e „ t für K u l tu s a n g clcgenhciten unterstehen. — Die St adtvertretungen Litthauens haben eine Eingabe an das Ministerkomitee gerichtet, man möge den Juden gestatten, außerhalb des Ansiedlungsrayons zu wohnen. Petersburg. F e st n a g e l n! In einenr kürzlich erschienenen Buch zum Andenken P l e h w e s findet sich unter den anläßlich seines Todes an seine Hiirtcrbliebcnen gesandte,: Beileidstelegrammen auch ein Telegramn, des jüdischen Millionär Baron Ui ns bürg abgedruckt. Dieses Dokument rückgratloser Kriecherei lautet: „Ich bitte, die Gefühle meiner aufrichtigsten Teilnahme, die an die Erinnerungen seiner letzte» Wohltaten verknüpft sind, entgegenzunehmen". Petersburg. Fräulein D., Dr. med. der Berner Universität, Jüdin, die der Charkowcr Land schast aus Grund ihres ausländischen Diploms ge dient hatte, war hier seit dem März als Ordinator in einem Hospital beschäftigt. Sie beabsichtigte, sich nach einem der von del Cholera bedrohten Punkte.zu begeben und besuchte hier „Cholerakurse". Dieser Tage — so schreibt der „Ssyn Otetschestwa"— erhielt sie aus der Stadthanptmannschaft ihren Paß retour mit der Weisung, sofortdieResidenzzu verlassen, Erst auf ein spezielles Gesuch wurde ihr gestattet, eine Antwort auf eine Petition beim Ministerium des Innern abzuwarten. Petersburg, 9. Mai. Die Abendnummer der „Mrshewija Wjedomosti" meldet, daß am 7. Mai in S ch i t o m i x eine In den Hetze ansgebrochen ist. Läden und Magazine wurden zerstört. Die Juden leisteten bewaffneten Widerstand. Am folgenden Tage wurden 12 Tote und 50 Verwundete gezählt, obwohl seitens der Ortsbehörden Maßnahmen zur Unterdrückung der Unruhen ergriffen worden waren. Petersburg, 10. Mai. Die Judenmetzele in Shitomir. Die Blätter melden einige Einzelheiten über die Jndenmetzeleien in Shitomir, Gouvernement Wolhynien. Die Katastrophe soll von langer Hand vorbereitet gewesen und aufreizende Flugblätter ölten massenhaft verteilt worden sein. Die geängstigte jüd. Einwohnerschast wandte sich an das Stadthaupt um Schutz. Dasselbe beruhigte sie aber mit den, Hinweis, daß alles Einbildung sei und nichts geschehen würde. Die Administration legte ebenfalls den Hetzereien keine Bedeutung bei, und o wurde nichts getan, um die Katatrophe z „ verhüten. Odessa. Selany, der Bürgermeister von Odessa, sagte in einer Rede in bet Senistwö-Bersammlung, die in Cherson tagte, daß die innere Lage Rußlands sich nur dann besser gestalten werde, wenn die Regierung eine Volksvertretung, bestehend aus s ä m tlichen Nationalitäten ohne Unterschied von Religion und Rasse, cinsetze. Aeußernngen wie diese ind in den letzten Monaten von vielen angesehenen Zersönlichkeiten gemacht worden. Mohtlew, den 1. Mai. > Behördlich konzessionierte Aufruhr-Vorbereitungen! In der Gouvernenrsdruckerei hergestellte Massenproklamationen, welche zur Plünderung und Mord gegen die Juden auftufen, iverbeu in der Stadt verbreitet. Seit einigen Tagen hat sich auch viel unbekannter Pöbel eingestellt, der die Läden aufsucht, aber nichts kaust; anscheinend, um sich zu informieren. Vor einigen Tagen richtete außerdem noch das hiesige Regierungsblatt „Goubernski Wedomosti" die Beschuldigung gegen die Juden, daß sie Ich vom Militärdienst drücke», welcher Umstand „d i e Progrome gegen die Juden rechtfert i g e". Als darauf die Juden eine Berichtigung einandten, daß von den Verwundeten und Gefallenen aus dem Gouvernet Mohilew die Inden 24»/» ausmachen, während ihre Bevölkerungszahl im Verhältnis zu den Nichtjuden nur 12 Prozent ist, v e r w e i g e r t c der Redakteur die Aufnahme dieser Berichsignng. Italien. Rom. In M a i l a n d wurde Dr. Lazarus Frizzi zum Präsidenten der sanitären Einrichtungen der 'ladt vom Stadtrat gewählt. — In Turin erhielt an der Universität Dr. Marius Tonati eine Privatdozentur für praktische Chirurgie. — In Padua heirateten eine Komtesse und ein Generalstabshauptmann — im Tempel. Die Braut ist die Komtesse Paula Corinaldi, der Bräutigam, der Sohn eines Artillerieobersten, heißt Roberto Legre. — Das jüdische Waisenhaus.in Rom beherbergt 300 Kinder. — Der Oberrabbiner von Turin, Bolaffio, wurde vom König von Italien zum Wtter der ital. Krone ernannt. — In Venedig wurde die Verwaltung der Polizei dem Zldv. Ravä übertragen. Amerika. New-Nork, 2. Mai. Ein Ausschuß namhafter Bürger beschloß, den bevorstehenden 250. Jahrestag der ersten Landung von Juden in Amerika großartig zu feiern. Die gegenwärtige gesamte Ziffer der amerikanischen jüdischen Kolonie beläuft sich 1500000, die überwiegend in der Stadt Newyork ansässig sind. China. Shangai, 7. April. Wie der „Jsrael's Messenger" berichtet, .schrieben 45 in Hymedian (Japan) kriegsgefangene russische Juden an die Newyorkec Glaubensgenossen einen Brief folgenden Inhalts: „Wir sind Inden, unsere Religion strenge haltend, und find wegen der bevorstehenden Pesach-Feiertage in großer Verlegenheit. Vergangenes Jahr waren wir Söhne der Freiheit (? eine traurige Freiheit. D. R.); wir saßen iin Kreise unserer Familie an, eigenen Tisch und hielten den Seder ab. In diese». Fahre sind wir gefangen in einem freniden Lande, weit weg von unseren teuren Eltern, Geschwistern und Frauen." Ein daraufhin erlassener Aufruf zur Beschaffung von Mazzos für die Gefangenen ergab in Shanghai und Singapore rund Doll. 540, die sofort nach Kvbe geschickt wurden. Des Weiteren bewilligte die jüdische Gemeinde in Kobe Pen 500, die Nagasaki Jewish Benevolent Assocaition Pen 50 und „ein nicht genannt sein wollender Wohltäter" Jen 17.21. Herr S. D. Leßner in Naxsasaki hat über 2000 Pfd. Mazzos von Newyork beordert, und wie er dem „I. M." schreibt, 'hat er die Verteilung an die Gefangenen in Fukuoka und Dairy besorgt, während die Verteilung an die Gefängenen in Hyniedian und Hineji von Herrn Lyons aus Kvbe veranlaßt wurde. Kadimah (Ostwärts). Erzählung von S a m u e l G o r d o Frei übersetzt von. SR. Pulverman,,. (Fortsetzung). Herr Kronemann," fuhr Inda mit Begeisterung fort, „ich habe auf den Bahnhöfen jüdische Gepäckträger gesehen, die Lasten getragen, manchmal so schwer als ihr eigenes Körpergewicht; ich habe jüdische Schifferknechte gesehen, die die Holzstöße Meilenweit gegen den Strom gezogen, und ich habe Tausende

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