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Neue jüdische Presse · 1905-05-05 · Heft 17 (5.5.1905) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 17 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17: Seite 3. So kamen die beiden Herausforderer vor das Kriegsgericht und die schöne Geschichte an die Oeffentlichkeit. Beinahe wäre letzteres nicht der Fall gewesen, denn der Anklagevertreter hatte „Ausschluß der Oeffentlichkeit" beantragt, und nachdem dieser Antrag denn doch abgelehnt worden war, verschweigt wenigstens die gesamte sächsische „Ordnnngs"-Presse schamhafterweise ihren Lesern den wahren Tatbestand. Brest. Ztg. Elberfeld. Israelitisches Pensions- und Gesellschafts haus für >v eibliche An gestellte. Am 1. Stpril ist dem Beispiele anderer Städte folgend, auch hier, Untergrünewalderstraße 4, ein Israelitisches Pensions- und Gesellschaftshaus für weibliche Angestellte eröffnet worden. Das aufs beste eingerichtete Haus liegt im Mittelpunkte der Stadt an den Straßenbahnlinien Barmen-Elberfeld. Dort wird den Damen gute Pension zum Preise von JjO—HO Jt. monatlich, je nach Lage der Lcwünschten Schlafräume, geboten. Ter Borstand ist aber ermächtigt, in Ausnahmefällen eine Ermäßigung des Pensionspreises eintreten zu lassen. Alle Räume sind luftig, mit Warmwasserheizung versehen und entsprechen allen hygienischen Anforderungen der Neuzeit. Ein Speise- sowie ein Gesellschaftszimmer sind eingerichtet. Jni Sommer bietet der hinter dem Hause gelegene schöne Garten mit Gartenhaus Erholung nach des Tages Arbeit. Im Winter wird beabsichtigt, möglichst jeden Monat einen Gesellschaftsabend zu veranstalten- Borträge belehrenden und unterhaltenden Inhalts sind in Aussicht genommen. Die Pensionärinnen haben das Recht, hierzu die ihnen bekannten Damen und Herren einzuladen. Eine gebildete und erfahrene Dame wird dem Hause vorstehen. Anmeldungen nehmen die Vorstandsdamen: Frau Daniel, Hofaue 83, Frau Dr. Levy, Erholungsstraße 12, Frau Rindskopf, Bleichste. 7 entgegen. Die genannten Damen sind auch zu jeder ferneren mündlichen oder schriftlichen Auskunft gerne bereit. Dortmund. Das Anstaltsgebäude des Asylvereins für Westfalen, welches bei Bad Königsborn errichtet wurde, steht nun fertig da. In wenigen Monaten wird es seine Pforten den Siechen öffnen. Es ist ein herrliches Haus geworden, dessen Einrichtung nichts zu wünschen übrig läßt. Prachtvolle gesunde Räume, schöne Wandelgänge, ein stimmungsvoller Betsaal, freundliche Lese- und Unterhaltungszimmer sind eingerichtet. Die Lage ist herrlich, man ist jetzt dabei, rund herum Garten- und Parkanlagen zu schaffen. Zahlreiche Anmeldungen, hon demnächstigen Pfleglingen liegen schon vor, auch von solchen außerhalb Westfalens. Der Bereinsvorstand ist hochherzig genug, alle zu berücksichtigen, wenn die zur Verfügung stehenden Mittel ausreichen toerden. Da die vorhandenen Barmittel durch den Bau und die innere Einrichtung aufgebraucht sind, so wird der Haushalt hauptsächlich durch die Jahresbeiträge der Bereinsmitglieder unterhalten werden. (L.) Alsfeld. In unserem durch seine Leinenindustrie weithin bekannten Städtchen wird jetzt eine Spezialität dieser Branche hergestellt, die für die Anhänger des gesetzestreucn Judentums von besonderer Wichtigkeit ist. Ten Bemühungen unseres Probinzialrabbiners, Herrn Dr. Hirschfeld in Gießen, ist es gelungen, die angesehene hiesige Firma C. Grün ewald u. Soh nzur Fabrikation von Watt i e r h a n f l e i n e n in ihrer Weberei unter seiner Aussicht zu veranlassen. Der von dem Herrn Rabbiner bestellte. Schäumer versieht das Fabrikat mit einem Stempel, der außer dem Namen der Firma, die Bezeichnung „Koscher, hergesteltt unter Aufsicht des Provinzialrabbiners Dr. Hirsihfeld-Gießen" enthält. Herr Dr. Hirschfeld darf 'das Verdienst in Anspruch nehmen, mit seiner Einrichtung einem dringenden Bedürfnis abgeholfen zu haben, und cs bleibt nur zu wünschen, daß jüdische Geschäfte ihren Bedarf an Kvscher-Leinwand nunmehr bei obengenannter Firma decken. Oesterreich-Ungar«. Wien, den 30. April. Entführung eines i s r a e l i t i s ch e n M ä d ch e u s. In der heute Albend stattgefundenen Generalversammlung der Oester - reichisch-israelitischen Union kam ein Fall des Verschwindens eines 14jährigen Mädchens in Galizien zur Sprache, und es Ivurdc beigefügt, daß die Staatsbehörden bei der Verfolgung der mutmaßlichen Entiührer keine Hilfe leisten wollten. 'Am 19. März d. I. erschienen im Hause des Kaufmanns Leon Weitmann in Husiatyn die beiden Töchter des Gerichtsschreibcrs Morinowski und übcrbrachten der Tochter des Kaufinannes den Auftrag der Lehrerin Piotkowska, mit den Mitschülerinnen zu ihr zu Besuche zu kommen. Seit dieser Zeit blieb das Mädchen verschwunden. Sowohl die beiden Mitschülerinnen als auch die Lehrerin gaben an, nichts von dem Mädchen zu wissen. Der nach Husiatyn entsandte Sekretär der „Union". Herr Fleischer, hat nun an Ort und Stelle erhoben, daß am selben Tage eine Barmherzige Schwester aus dem Spitale in Husiatyn nach der Mutteranstalt der Barmherzigen Schwestern in Krakau abgereist und daß sie auf einer nahen Station mit dem Mädchen zusammengetroffen war. Der genannte Verein hebt nun in einer Eingabe an das Justizministeriunl — unterfertigt vom Vizepräsidenten kaiserlichen Rat 'Anninger — Insbesondere hervor. Frankfurter Israelitisches FamMenblatt. daß Herr Weitmann all dies am 21. März beim Husiatyner Bezirksgericht zu Protokoll gegeben habe, und daß trotzdem 14 Tage lang — also in der günstigsten Zeit — nichts zur Verfolgung der Spure» der Schuldigen geschah. In einer zweiten Eingabe an das Ministerium des Innern — unterfertigt vom ehemaligen Gemeinderat Sieg. Mayer — wird um die Weisung an die Unterbehörden gebeten, dem Vater, Herr» Weitinan», bei der Ausforschung und Rückstellung des Mädchens die gesetzmäßige Hilfe zu leisten. Großbritannien. London, 2. Mai. Die Beratung über die Einwandernngsbill im Unterhaus. Das Unterhaus trat wieder nach den Osterferien zusammen. Im Lause der Beratung der ain 18. April eingebrachten Bill betr. die Einwanderung sprechen sich C h a r l e s D i l k e und andere Liberale gegen de» Gesetzentwurf aus unter Hinweis darauf, daß er keine Vorsorge treffe in Fällen, in denen es sich um Opfer Politischer oder religiöser Verfolgung handle. Trevelyan (liberal) sagt, eine wahre allgemeine Sympathie bestehe für das unterdrückte russische Volknicht nur russische Inden, sondern auch Na- Uonalrussen flüchteten aus Rußland, um der Konskription zu entgehen. Diese Leute würden von England ferngeholten und würden noch größere Schwierigkeiten haben, Amerika zu erreichen, wenn die Bill angenommen würde. Evans Gordon (kons.) befürwortete de» Gesetzentwurf und sagt, der Gesetzentwurf verstoße nicht gegen das seit alter Zeit bestehende englische Ashlrecht für politische Gesetzesübertreter. Wenn Äapon oder Gorki nach England kämen, würden sie auf Grund der Bestimmungen der Vorlage nicht von dem englischen Boden ausgeschlossen werbe». In dem weiteren Verlaufe der Beratung der Eintoanderungsbill spricht A s q u i t h (liberal) .für die Bestimmungen der Vorlage betr. fremdländische Verbrecher, aber gegen die Bestimmungen über politische Flüchtlinge, da sie in der vorliegenden Form England für die große Mehrheit solcher Flüchtlinge verschließen würden. Der Staatssekretär des Innern Akers Douglas erklärt im Namen der Regierung, die Bill richte sich nur gegen unerwünschte Einwanderer, sie wahre die Interessen der politischen Flüchtlinge. Er weise den Gedanken zurück, daß sich die Regierung bei der Einbringung des Gesetzentwurfes von irgend welchen antiiemitischen Gefühle» hätten leiten lassen. Rußland. Petersburg. Das grausame Vaterland. Unter dieser Aufschrift veröffentlicht die „R 0 w 0 st i" in ihrer Nummer 92 folgenden Artikel: Im belagerten Port Arthur erschien am 29. November ein Regimentsbefehl an das 27. 0 st sibirische S ch ü tz e u r e g i m e n t, der mit folgenden Worten begann: „Der Gefreite der 7. Kompagnie Josef Triimpcldor schreibt in seiner Eingabe an seinen Hauptmann vom 24. ds. wie folgt: „Bei mir ist nur eine Han d geblieben, aber das ist d i c r e ch t c. Ich bitte daher, da ich gemeinsam mit de» Kameraden weitcrkämpfcii will, mir einen Säbel und einen Revolver geben zu lassen." Im Befehl ist dann weiter gesagt, daß diese Worte in die Geschichte des Regiments mit goldenen Buchstaben verzeichnet werden müßten, „umsomehr, als Trumveldor Jude ist". Es ist selbstverständlich, daß die Obrigkeit dem tapferen einhändigen Streiter seine gerechte, ivenn auch ungewöhnliche Bitte nicht abschlagen konnte und gestattete, ihm Degen und Revolver zu geben, aber cs entstanden hierbei Schwierigkeiten rein formalen Charakters, da es, wie es im Befehl weiter heißt, „für den Gemeinen nicht geziemt, ohne Gewehr zu streiten". ^Allerdings fand sich ein leichter Ausgang, den Bittsteller zum jüngeren Unteroffizier zu befördern, aber Trumveldor ist ein Jude. Der Verfasser des Befehls mußte zu einer weitläufige» 'Apologie Zuflucht nehmen, um die Beförderung des tapferen Kämpen zum Vize-Unteroffizier zu /.entschuldigen". Er mußte sämtliche Kriegsverdienste des bescheidenen Helden (es gab deren eine ganze Anzahl!>, die erhaltenen Belohnungen aufzählen, er »küßte bemerken, daß Trumpeldor „von feinem Rechte, als Invalide entlassen zu werden, keinen Gebrauch gemacht hat", und „das; er die Geiahr verachtend, sein Leben auis neue zum Kampf gegen den Feind anbot. Auf diese Weise." schließt der Befehl, „bringt Trumpeldor auf deni Asiar des Vaterlandes mehr, als unser Eid verlangt". Als Belohnung dafür, daß er mehr gebracht hat, als man verlangte, erhielt er mehr, als ein Jude erhalten darf, selbst wenn er außergewöhnliche Heldentaten verübt. Er wurde zum jüngeren Unteroffizier ernannt. Die ganze Pyramide unerschütterlicher Gründe beruhigte aber den Verfasser des fraglichen Regimentsbefehls nicht, er dachte wohl. wie die S ch w e st e r d c s GeneralsStössek, die ausrief, als eine Zeitung die Nachricht brachte, daß sie von Inden abstamme: „Unsere Ahnen würden sich im Grabe umdrehen, wenn diese gemeine Verleumdung bis zu ihnen dringen könnte", denn er ruft pathetisch aus: „Ich befördere Trumpeldor zum jüngeren Unteroffizier für seine Verdienste und Unerschrockenheit, die er oft bewiesen hat. Seine gute Äildnng (er ist Zahnarzt) gibt mir Grund zu der Ueberzeugung, daß er als Vorgesetzter nicht weniger Nutzen bringen wird, denn als Gemeiner, und daß er andererseits seine Untergebenen nicht fühlen lassen wird, daß er Andersgläubiger ist, daß er im Gegenteil als Vorgesetzter sich ihre herzliche, nicht nur äußerliche Achtung gewinnen wird. Und wie soll man einen Menschen nicht achten, insbesondere einen andersgläubigen, der im Dienste des Vaterlandes sein Leben aufs Spiel setzt» wenn er hierzu nicht mehr verpflichtet ist!" Diese Begründung müßte selbst ans die empfindlichen Ahnen des Generals Stöffel beruhigend wirken . . .. Trumpeldor aber kämpfte tapfer mit seinen Soldaten auf den Wällen, bis sich die Festung ergab und er mit der übrigen Garnison „glü ckl ich erweise" i» Gesa 11 g e n s ch a f t und nicht ins Vaterland zurück ging, für das er mehr getan, als sein Eid ihn verpflichtet. Wir sagen glücklicherweise, weil wir seine Geschichte mit der eines anderen Helden vergleichen, der das Unglück hatte, in das Vaterland z u r ü ck k e h r e n zu müssen, für das er, ohne zu murren, sein Blut vergossen hatte. Folgendes ist die Geschichte: Ein gewisser Wainer, Reservist, dev int Dorfe Rach inan 0 w, Kreis Kremenetz, beheiniatet ist, diente in Odessa in einem Geschäft. Zum Dienst einberufen, nahm er an den Kämpfen am S ch a h 0 Teil und erlitt Verwundungen an der Hand und an der Seite. Drei Monate lag er im Charbiner Hospital und wurde als Invalide nach seinem Domizil Rachmanow abgcschickt. Mit 4 Rubel in der Tasche wandte sich Wainer an den Klcitibürgerältesteii mit der Bitte um einen Paß, ohne welchen er nicht nach Odessa gehen konnte. In seinem Paß war trotz des kaiserlichen M a n i s e st e s, .wonach sämtlichen Teilnehmern des jetzigen Feldzuges freier ''Aufenthalt ohne Beschränkung gewährt worden war, der Vermerk enthalten: „I nhaber darf sich nur im Ansiedlungsrayo» au sh alte n". Wainer kam schließlich bis zur Kreisstadt Kremenetz, wo er bei seiner militärischen Behörde um Beförderung zu seiner Familie nach Odessa bat. Man verweigerte es ihm mit der Antwort: „Ich kann nichts machen, gehe zu Deinen Juden, sie sollen Dir helfen". Einen ganzen Tag irrt nun der Arme bettelnd in de» Straßen uniher, sein leidendes Aussehen, sein zerrissener Mantel lenkten die Aufmerksamkeit ans ihn und znm Glück fanden sich noch mildtätige Menschen, die es ermöglichten, daß er zu den Seinige» nach Odessa kam. So enipfängt das Vaterland seine Heldenverteidiger, wen» sie — Juden sind. Hat Trumpeldor es in seiner Gefangenschaft nicht besser? jedenfalls gibt cs dort keine Aeltesten, die es sich erlauben dürfen, ungestraft den kaiserlichen Manifesten Hohn zu sprechen und er braucht dort wohl auch die eine Hand, die ihm geblieben ist, nicht bettelnd nach Almosen ausstrecken. Und dann spricht man von Grausamkeit in der japanischen Gefangenschaft. Welche Heuchelei! Sosnowice, 25. April. Unter den hiesigen Arbeitern sind AnfrufedesKomiteesderpolnischen Sozialdemokraten im Umlauf, in denen die Arbeiter aufgefordert werden, den Aufreizungen zu Judenhetzen nicht Gehör zu geben, vielmehr die Hetzer zu prügeln. Berittene Patrouillen durchziehen die Stadt. Bulgarien. Philippovel, 28. April. Unruhen Mehr wie überall versetzten die Pessachtage die jüdische Bevölkerung von Bulgarien in Besorgnis vor Blutbeschuldigung. In Lomm und Plewen bereiteten sich die Antisemiten zu einem Aufstande gegen die Juden vor. Dank der Verwendung des einflußreichen Bürgermeisters von Philippopel wurden von der Polizei in den genannten Städten Maßregeln dageaen ergriffen. Ernster gestaltete sich die Gefahr in Kuistendil, wo die Leiche eines 22jährigen jungen Mannes in einem Sacke gefunden wurde. Ergrimmt rotteten sich die Bulgaren in den Straßen zum Angrisfe auf die verzagten Juden zusammen. Doch kam sofort von Sofia ein Telegramm mit dem Inhalte, daß solche Ausschreitungen im „freien Bulgarien" nicht geduldet werden. Zum Glücke sind dieses Jahr die Bulgaren mit der niazedonischen Frage vollauf beschäftigt, so daß der Haß gegen Griechen und Türken die Feindschaft gegen die Juden in den Hintergrund setzt. Kanel. Amerika. Rew-Aork. Ein interessanter Einwanderer. Auf Ellis Island erregte jüngst unter den Ankömmlingen ein Mann Aufsehen, der nicht weniger als sechs Kriegs- und Tapferkeitsmedaillen auf der Prüft trug. Der mit den vielen Mzeichen Dekorierte war Elias Leiser, ein Israelit, der unter britischer Flagge in drei Weltteilen gedient hat. Leiser traf im Zwischendeck der „Oceanic" ein und begab sich zunächst nach dem jüdischen Jmmigrantenheim, 402 Cherry Str. Der 42jährige Mann ist in Manchester in England geboren. Schon sein Vater war in. Amerika, und auch er fand, wie der Sohn nach ihm, am Kriegshandwerk Gefallen. Leiser senior machte, wie der Sohn durch dokumentarische Belege bewies, vor mehr als einem halben Jahrhundert den Krieg gegen Mexiko mit. Die eine der Medaillen, die Elias Leiser auf der Brust trägt, ist ein prächtiges goldenes Kreuz mit einem Diamanten in der Mitte. Das Kreuz trägt die Aufschrift: „kor Bravery, Kim-

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