Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 58 (19.7.1935)
- Date
- 1935-07-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Sport 11 1: ■ו *11 II II 41 s c NR. 58, 19. JULI 1935 Der Sieg des Makkabi Sämtliche RjF. mit 3272 Punkten Differenz Staffeln vom Makkabi gewonnen geschlagen — Nur 2000 Zuschauer Aus dem zwischen dem Deutschen Makkabikreis und dem Sportbund des RjF. ausgetragenen Leichtathletikverbandskampf konnte der Makkabi erwartungsgemäß als Sieger hervorgehen. Die Durchführung auf dem Sportplatz Orunewald ließ gute Leistungen leider nicht zu, da die trotz besonderer Vorbereitung zu weiche Laufbahn und die ungünstigen Sprunganlagen ein schweres Handicap für die Athleten bedeuteten. Schon eine Stunde vor Anfang kamen die ersten Besucher und wenn auch nur die für einen solchen Kampf nicht übermäßige Zuschauerzahl von 2000 Menschen erreicht wurde, so lag doch über Zuschauern und Wettkämpfern eine Erregung, wie man sie selten bei jüdischen Sportfesten erlebt hat. Trafen doch zum erstenmal die beiden großen jüdischen Sportverbände mit ihren Besten zusammen, um endlich die Frage zu klären, in welchen Reihen sich die besten jüdischen Leichtathleten Deut-'^dands befinden. Die Aschenbahn hat för den Makkabi entschieden. Gleich die erste Konkurrenz brachte einen Makkabisicg. Schon nach 200 Metern setzt sich Orgler (Makkabi) an die Spitze des 800-m-Feldes, um die Führung nicht mehr abztigeben. In seiner leichten und bestechenden Manier, sich für die übrigen Wettkämpfe schonend, bringt er unangefochten seinen Sieg in 2:04,1 Min. nach Hause. Fröhlich (RjF.) kann noch an Bergmann (RjF.) vorbeikommen und den 2 Platz belegen. Das von uns erwartete Duell Orgler—Bergmann kam leider nicht zustande, da Bergmanns Zeit vorbei zu sein scheint. Überraschend kam das schlechte Absehneiden Pctzalls, von dem man schon bessere Rennen gesehen hat. Die von uns vorausgesagte Sensation gab es im 100-m- Laut für Frauen. Während bis vor wenigen Monaten die Sprinterinnen des RjF. den Vorrang im jüdischen Frauensport Deutschlands hatten, belegten diesmal die Makkablsprlnterinnen die drei ersten Platze über 100 m. Ein herrliches Retinen lief Lore Meyer (Makkabi) und siegte überlegen in 13,3 Sek. vor Kcndziorra (Makkabi) (13,7 Sek.) und Le es er (Makkabi) (13,8 Sek.). Bemerkenswert war die Niederlage, die Finkenstein (RjF.) von Alsberg (RjF.) hinnehmen mußte, die auf dem 5. bzw. 4. Platz endeten. Eine Wiederholung dieser Ueberlegenheit der Fragen des Makkabi in den kurzen Strecken brachte die 4xlOO-n1-Staffel, die vom Makkabi in der Aufstellung Schmidt, Leeser, Meyer, Kcndziorra vom Start a*t, führend, sicher gewonnen wurde. Den zweiten Sieg Orglers, der an diesem ereignisreichen Tag im ganzen dreimal als Sieger das Zielband zerreißen konnte, gab es über 400 m. Auch hier konnten ihm seine Gegner nie gefährlich werden. Er durchlief diese Strecke in 52,7 Sek., während der Zweite, Hen och (RjF.), 53,4 Sek. und der Dritte, Fröhlich (RjF.), 54,2 Sek. benötigten. Ueberraschcnd war die Niederläge von Falke 11 berg, der seine Ueberlegenheit über Hen och beim internationalen Sportfest des Bar Koeiiba in der olympischen Staffel bewiesen hatte. Audi Sorkin konnte damals über die gleiche Strecke Fröhlich schlagen. Man muß daher annehnicn, daß die Abmessung der Außenbahnen, die beide Läufer diesmal gezogen hatten, an diesem schlechten Abschncidcn die Schuld trägt. Die schlechten Leistungen In technischen Konkurrenzen bewiesen, daß der jüdische Sport hier noch große Aufgaben hat. Hier hatte der RjF. das bessere Material. Vor allem im Speerwerfen und Weitsprung für Männer, wo er mit Pförtner (46,14 in), Preiß (45,11 in), Klaber (42,87 m), sowie mit Po Hak (6,30 m), Schild (6,23 m) und Salmang (6,22 m) die Sieger stellen konnte. Der Makkabi, dessen beide besten Weitspringer, Fritz Herzstcin und Fritz Wasser, die in dieser Konkurrenz die beiden ersten Plätze belegt hätten, aus Deutschland ausgewandert sind, mußte fühlen, wie sehr seine Arbeit in sportlicher Beziehung durch Auswanderung nach Palästina Verluste erleidet. Die favorisierte Gretel Bergmann (RjF.) eine vielseitig veranlagte Sportlerin, die leider ihren guten sportlichen Eindruck durch Crack-Allüren stört, konnte — anders als wir voran־.:csagt hatten — nur den Hocksprung gewinnen. Hier brauchte sie sich allerdings nicht auszugeben und nur 1,40 111 zu überspringen, um ihre Gegnerinnen zu distanzieren. In die Punkte des zweiten Platzes teilten sich Fried, Le es er (beide Makkabi) und M c 11 o (RjF.), die 1,35 m übersprangen. Im Weitsprung (4,93 m) und Kugelstoßen (10,97 in)!nullte sich Bergmann mit dem zweiten Platz begnügen und im Diskuswerfen (30,10 m) sogar mit dem dritten Platz vorlieb nehmen. Dagegen war bei den Frauen Marti Jacob sehr erfolgreich Zwei erste Plätze, und zwar im Diskuswerfen (33,38 rn) und im Kugelstoßen mit der beachtlichen Leistung von 11,54 m waren die Ausbeute dieses für die ehemalige deutsche ' 1» ־<־,• I 1. Marti Jacob (Makkabi) konnte zwei erste Plätze and einen zweiten Platz belegen. 2. Der llochsprungsiegcr lilir.ik (Makkabi) überspringt 1,78 m. 3■ Leicht siegt Franz Orgler (Makkabi) über 800 m vor Fröhlich (RJF). 4. Der 200-m-Lauf sieht die drei Makkabi-Sprinter Schatlmann, Sternlieb und Dr. Lewin, der nicht ausläujt, in Front. 5. Die Zaungäste nehmen lebhaften Anteil an den Vorgängen. 6. Ueberlegen gewinnt Lore Stcver (Makhahi) den lOO-m-Lauj vor Kcndziorra (Makkabi) und Lecser (Makkabi) Foto«: 2 und 6 J. Abraham, 1. 3, 4 und 5 11. Sonn »leid Meisterin erfolgreichen Tages, der ihr auch noch einen zweiten Platz im Speerwerfen mit nur 2 cm hinter der Siegerin Karo (RjF.) (31,92!11) brachte. Die vielseitig veranlagte Sportlerin hat bewiesen, daß mit ihr noch für absehbare Zeit zu rechnen ist. Dritte im Speerwerfen wurde C/.einpin (Makkabi) (33,35 ni), Dritte im Kugelstoßen Schulmann (Makkabi) (10,37!11), die im Diskuswerfen sogar den zweiten Platz vor üretl Bergmann mit 31,87 in belegen konnte, im Weitsprung der Frauen konnte sich Finkenstein (RjF.) für ihre Niederlage über 100 in revanchieren und Lrstc mit 5,18 in werden. Bei den Männern wurde Burg (RjF.) im Kugelstoßen mit 11,88 111 Erster und im Diskuswerfen mit 32,87111 Zweiter. Hermann (Makkabi) erreichte im Kugelstoßen mit 11,72111 den zweiten und im Diskuswerfen mit 31,50 111 mir den dritteil Platz. Hier wurde R 1> s t’ 11 h a 11 111 (RjF.) mit 31,01 m Erster. Dritter im Kugelstoßen wurde Jacob (Makkabi) mit 11,14 111. Eine gute Leistung Im Hochsprung not 111 a 11 c k 1 (Makkabi), der die angesichts der schlechten Hochsprunganlage beachtliche 1 lohe von 1.78 in überspringen konnte. Zweiter wurde Urin! e bäum (Makkabi) mit 1,63 ni, die übrigen vier Springer konnten mir 1,58 m erreichen und teilten sich in die Punkte. 1 )en einzigen Laufsteg des RjF. brachte W i c 11 s k o w i t z über 3000 m nach Hanse. In sieherer Manier ging er an dem anfangs führenden Wert hen (Makkabi; vorüber und brachte sein Kennen unangefochten nach Hause. Auch Abt (RjF.) konnte überraschenderweise noch an Werthen, der nicht sonderlich in Form zu sein schien, vorubergehen. Unverständlich erscheint es, wieso man einen Mann wie Rosengarten, der nach der Makkabiah mehrere Wochen in Palästina an Dysenterie erkrankt war, hat starten lassen und nicht auf l.oscliinski, der sich zur Zeit in guter Form befindet, mul sicher in der Ent- Scheidung ein Wort mitzlircdeu gehallt hatte, zurückgegrifteil hat. Die kurzen Strecken brachten Überlegene Sprintersiege des Makkabi Schild (RjF.) konnte niemals ernsthaft in die Lntscheidüng cingreifen und zeigte sich der Klasse der Makkabi- Sprinter nicht gewachsen. Während er über 100in Dritter hinter Dr. L e w i n (11,4 Sek.) und S c 11 a 11 in a 11 11 (11,6 Sek.) werden konnte — Vierter wurde hier Sternlieb (Makkabi) —, waren die 200m eine ausschließliche Makkabi-Angelegenhcit. Mit beträchtlichem Vorsprung durchliefen Schattmann (23,5 Sek.), Stern lieb (23,7 Sek.) und Dr. Le will in dieser Reihenfolge das Ziel, wobei Dr. Lewin nicht auslief. Bei dieser Ueberlegenheit der Makkabisprinter war die 4 mal 10()-m-Staffel des Makkabi, die in der Aufstellung Rothschild. Dr. Lewin, Auf richtig und Schuttmann gelaufen wurde, nie in Gefahr und konnte vom Start ab in Führung sicher in 11,8 Sek. vor dem RjF., der 45,4Sek. benötigte, gewinnen. Die 4x400-m-Staffcl bewies den irregulären Ausgang des 400-m-Laufes. Blum, der als erster Mann für Makkabi gegen Bergin 3 1111 1 lief, konnte einen Vorsprung von 8 m in einem prachtvollen Rennen herausholem in dem er sieh wie auf der Makkabiah als zuverlässigster Mann der 4 :400-111- Staffel bewies, Sorkin und F a 1 k e 11 b e r g, die als Zweiter und Drifter gegen Frohsinn und llenoch liefen, liefen mit ״Kopf" und ließen ihre Gegner jedesmal bis auf wenige Meter herankomineii, um ihnen dann in prachtvollem Finish wieder davoiizu/iehen und noch einige Meter Vorsprung für den Makkabi herauszuholen. Hierbei zeigte sich, eiaß sie den beiden RjF .-Läufern fraglos überlegen waren und das Rennen jederzeit sicher in der Hand hatten. Für Orgler als Schlußmann blieb weiter nichts zu tun übrig, als in seinem sympathischen Stil seine Strecke ah zu machen und das Zielband mit 10 m Vorsprung zu zerreißen. Eine 15 x 15 - R 11 11 d e 11 s t a I f e I, die außerhalb des Verbandskampfes /.wischen Bar Kochha-I inkoah und JTSG.05 ausgetragen wurde, gewann der Bar Koehba-1 lakoali überlegen, obgleich ein Läufer kurz vor dem Wechsel stürzte und Makkabi - Leichtathletik - Meisterschaften Die leichtathletischen Mrikkabimcisterschaften finden in Leipzig am 18. August statt. kostbares Terrain dadurch verloren ging. Wegen der bei diesem Wechsel vorgekommenen Regelwidrigkeit wurde allerdings die BKH.-Staffel vom obersten Schiedsgericht disqualifiziert. Wenn man auch mit dem Siege des Makkabi gerechnet hat, so war inan doch gespannt, ob die RjF.-Sportler nicht die eine oder andere IJ e berr a s c 11 ti n g bringen würden. Dies ist nicht geschehen, ln den technischen Hebungen hatte der RjF. das erwartete bessere Durchschnittsmaterial, wällrend in den Laufübungen er entgegen unseren Erwartungen enttäuschte. Wenn der RjF. nicht auffallend vom Glück begünstig! gewesen wäre, wäre das endgültige!,unktergebnis von 28 Dj: 2191-, sicher noch günstiger für den Makkabi ausgefallen. Der Deutsche Makkabikreis darf auf diesen Erfolg besonders deswegen stolz sein, weil er auf Grund seiner /jonistischcn Einstellung seine besten Menschen nach Palästina abgibt und so seine guten Sportler, die in früheren Jahren die Farben des Makkabi vertreten haben, auf der Makkabiah innerhalb des Makkabi Ercz Israel gegen sich starten gesellen hat. Der RjF. hat den größten Teil jener Sportler in seinen Reihen, die bis zum Jahre 1933 in nichtjüdischen Vereinen waren und dort die Vorteile guten und systematischen Trainings genossen haben. Hinzu kommt, daß sein führender Leiclitathletikkluh, der JTSC, 05, ebenso wie der Makkabi, auf ein 30 jähriges Bestehen zurückbliekcn kann, ohne daß die Reihen seiner Sportler 'durch Auswanderung nach Palästina geschwächt werden. Unter Beriieksichtigung dieser Gesichtspunkte ist der eindeutige Sieg des Makkabi über den RjF. ein neuer Markstein in der (jesclüchte der Makkabibewegung. p|.