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Jüdische Rundschau · 1935-07-19 · Heft 58 (19.7.1935) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 58 (19.7.1935)
Date
1935-07-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 fODiSeMl*UNDSCHAO Nr. 58, 19. VII. 1935 Um unser Kulturgut Von Hugo Bergmann, Jerusalem Bialik spricht י - Eine Sammlung der Reden und Gespräche Bialiks war noch zu seinen Lebzeiten geplant. Es ist bekannt, wie der Dichter es leidenschaftlich liebte, zu anderen zu sprechen, wie er im Gespräch sein Restes bergab, wie er immer bereit war, sich an einen Gesprächspartner — gleichgültig wer es war — zu verschwenden. Was er so gelegentlich im Gesprach änderte, war oft viel bedeutsamer als was er schrieb oder in vorbereiteter Rede vortrug. Die Sammlung dieser Gespräche — selbst auf die naheliegende Gefahr hin, daß Fälschungen vorgenommen werden, oder Ungenauigkeiten der Wiedergabe Vorkommen, — wäre eine unserer wichtigsten Pflichten dem Toten gegenüber. Die Ankündigung eines Bandes mit dem Titel ,,Bialik spricht'‘ — ,,Bialik: Dwarim scheb’alpe“ (Verlag I )wir. Tel-Awiw) — wurde zunächst so verstanden, daß liier diese Sammlung der Gespräche gegeben werden wird. Das ist in diesem ersten Bande noch nicht geschehen, vielmehr sind hier die Reden gesammelt worden, welche Bialik über Juden und Judentum, jüdische Kultur und hebräische Sprache in den Jahren 1921 bis 1953 gehalten hat. (Vier Reden gehen bis 1911 und 1917 zurück.) Das Huch tragt die Bezeichnung 1״. Band“, und so sieht zu hoffen, daß weitere Bande das wirklich lebendige Material ries Gespräches geben werden. Um gleich eine tadelnde Bemerkung vorwegzunehmen: man hatte gewünscht, daß eine solche Ausgabe nach dem T oile des Dich!ers mit größerer philologischer Genauigkeit vorgenommen werden wurde; es fehlt diesem Bande ein verantwortlichcr I lerau-gi her; der Verlag nennt in seinem Vorwort ״den jungen Mann U. Amitai“, welcher viel Mühe auf die Verwirklichung die-er Ausgabe verwendet habe. Es fehlt vor allem das Verzeichnis der Duellen, denen diese Reden entnommen wurden. Der grollte Teil von ihnen ist seinerzeit im Stenogramm da oder dort veröffentlicht worden, und man hatte erwarten!missen, daß die Herausgeber diese Quellen angeben wurden, ['s ist unbegreiflich, warum sie es der Bialik-Forschung spaterer Zeilen so schwer gemacht haben und die Quellen ausließen, aus denen sie schöpften. Von den Reden, die hier vereinigt worden sind, ist wohl die bedeutsamste die grolle Rede, welche Bialik im Sommer 1932 im Seminar der Arbeiter-Partei in Nahalai gehalten hat. Er hat dort ein ausführliches Programm jenes Gedankens der ״Sammlung“ (Kinns) gegeben, für welche er durch viele Jahrzehnte eingetreten ist, und in welcher er die Aufgabe der heutigen Generation sah. (Die Rede umfaßt hier 40 Seiten. Sollte sich eine entsprechend redigierte deutsche Ausgabe nicht empfehlen?) Bialik sali hier insbesondere die kulturelle die Veröffentlichung des Briefes. ״Brief des Dr. Herzl an Sir Francis Montefiore in London“ Wien, am 14. Dezember 1903 Mein lieber Sir Francis! Sie haben mir den Wunsch aiisgedrückt, daß ich mich jetzt über das ( mtafrika-Rrojckt außen! möge und über die Politik, welche die Mitglieder des A.-C. nach meiner Ansicht befolgen sollten. l.as-cn Sie mich vor allen Dingen meine Stellung klar 111,'!(dien. Scäi misi rem Ict/u 11 k'ong! c-׳-e haßen die iingereimtesten Behauptungen freien Hanf bekommen. Man hat mir Tmchgesagt, daß iah tm-ere Bewegung vii :1 hei;1 1 .:uidc ab/iehen und nach ()stalrika limlenken mochte. Nichts kann von der Wahl!!eit weiter e!1t lernt sein, h h bin ein Zionist und tjeist uber/engt, daß die Hnomg unserer Volksfrage nur in diesem Hand!- Paki-uma crlulgcn kann, mit dem die nationale Existenz u 11 ■011־ - Volkes gc•■,. Im 1,(11.11 mul ״i-fühl-maßig unzertrenn!!! h \ erluimlen i-t. Kein Heek der Erde könnte daher in meinem Sinne den Platz emuchmen oder ersetzen, den Palästina hat als das Ziel unseres Streben». Aber da die britische Regierung uns in Ausdrücken von besonde. er Großniut und Rücksicht den Vorschlag einer autonomen Siedlung machte, war es sicherlich vernünftigerweise nicht möglich, etwas anderes 711 tun, als einem solchen Anträge unsere sorgfältigste Erwägung angedeihen zu lassen. Nach meiner Ansicht waren 4 Voraussetzungen erforderlich, wenn wir die Anregung der britischen Regierung in den Kreis unserer praktischen Politik einbe/idien odlien: I. Das Territorium hatte genügend ausgedehnt sein müssen, um eine Einwanderung in solchem Umfange zu ermöglichen, daß sie eine wirkliche Erleichterung vorstellen könnte im Drucke, der heute für die östliche Judenheit besteht. II. Es ergibt sieh auch von selbst, daß das Territorium eines hätte sein müssen, das von einem Volke wie das unsrige besiedelt werden kann. III. Die Konzession hätte mit solchen autonomen Rechten ausgestattet sein müssen, daß der jüdische Charakter der An- Siedlung gewährleistet bliebe, und IV. die Voraussetzung der Voraussetzungen — der Enthusiasmus unserer Leute für den Vorschlag hätte von solcher Natur sein müssen, daß er die offenbaren Schwierigkeiten überwältigen könnte, die seihst unter den günstigsten Bedingungen bei der Schaffung einer solchen Niederlassung entstehen mußten. Wir müssen uns darüber klar werden, daß die 4. Voraus- Setzung nur in einem verschwindend geringen Maße wirklich eintraf. Davon bin ich weder überrascht, noch bedauere ich es. Ich stelle lange genug in unserer Bewegung, um zu wissen, wie tief und beharrlich die Liehe ist, die unser Volk für Palästina empfindet. Wenn es auch meine Pflicht war, den Vertretern unserer Bewegung den englischen Vorschlag eines Zufluchtsortes zu unterbreiten — wenn ich auch im Hinblick auf Kiscliinew, Mohilew und Ilonui gewiß nicht das Recht gehabt hätte, unserem Volke die Möglichkeit vorzuenthalten, daß es auf diese Anregung eingehe —, so kann ich doch nur mit großer Genugtuung die Tatsache verzeichnen, daß die stärkste Opposition gegen den Plan, die stärkste Aufforderung, Aufgabe Palästinas. Ob Palästina neue kulturelle Werte in naher Zeit schaffen wird, kann noch niemand sagen. Aber das W erk der Sam m lung des Bestehenden — Sammlung heißt hier Sichtung, Ordnung und Neubildung zugleich — kann das Judentum mit Recht von Palästina erwarten. Bialik sieht in dem Unternehmen der Sammlung des Bestehenden, das immer wieder von Zeit zu Zeit neu geschehen muß, eine Charakteristik unserer geistigen Geschichte. Eine solche Sanimlung war die Bibel, die Mischna, die Gcmara, die Masson, der Mischne Thora des Rainbam, der Schulchan Aruch. Immer wieder hat das Volk, gewissermaßen in den Zeiten des Atemholens und der Pause zwischen entscheidenden Epochen, seine Besitztümer einer neuen Musterung unterworfen, die Ruhezeit benutzt, um die Kampftruppen seiner geistigen Kämpfe neu zu ordnen und für die nächsten Schlachten vorzubereiten. Unsere Zeit ist wiederum eine solche Zeit der Sammlung. Die gewaltigen Veränderungen, welche das Judentum in den letzten Generationen erschüttert und verwandelt haben, verlangen eine neue Einstellung zu unserer Vergangenheit. Wir können die Vergangenheit nicht einfach übernehmen, wir müssen sic uns neu erobern, das überkommene Erbgut von dem Standpunkt aus, auf dem wir stehen, neu in uns aufnehmen, (lieber die Wandlungen, welche der Begriff des ״Kinus“ im Denken Bialiks im Laufe der Jahrzehnte durchgemacht hat, hat kürzlich Lachover in der Monatsschrift ״Mosnajim“ einen sehr instruktiven Artikel geschrieben und gezeigt, daß Bialik darunter zunächst das Werk der Be- Schränkung, gewissermaßen der Erleichterung unseres g־cistigen Gepäcks verstanden habe, daß ihm aber der Gedanke dann aus dem Ideal der Beschränkung sich verwandelte in ein Ideal der Erweiterung, Ausbreitung und Neubildung. Der Gedanke eines Abschlusses, welcher zunächst die Parallele zum Schulchan Aruch bedingte, wurde von Bialik im Laufe der Jahre mehr und mehr zurückgedrängt.) Dieses Werk der Sammlung unseres geistigen Erbgutes muß von der Hebräischen Universität und einer an sie anzugüedernden Akademie ausgehen. Bialik bezeichnet in der genannten Rede einige der wichtigsten Aufgaben, die ihm vorscliwebten: jüdische Bibelforschung, hebräische Ausgaben der Apokryphen, eine hebräische Philo-Uebersetzung, philologische Durchforschung der gesamten nachbiblischen hebräischen Literatur mit schließlicher Absicht der Schaffung eines Thesaurus der hebräischen Sprache. Der praktische Gesichtspunkt der Bereicherung des gesprochenen Hebräisch müßte dabei immer mit in Betracht gezogen werden. Die Aufgabe des ״Kiuus“ sieht Bialik noch unter einem anderen Gesichtspunkt: er sieht in der Zusammenfassung der im Laufe vieler Jahrhunderte gesammelten geistigen Werte auf Max Nvrdau verübten Attentat eintraf, unterließ Herz! (Red.) die an uns gerichtet wurde, standhaft nur an Palästina zu denken, gerade von denjenigen Leuten kam, deren Augen die Greuel jüdischer Metzeleien gesehen haben und die noch immer und beständig den Schreckenslärm in den Ohren haben müssen. Andererseits können wir uns aber nicht über die Tat- Sache hinwegtäuschen, daß eine recht kräftige lokale Opposition in Ostafrika und in England durch den Vorschlag der britischen Regierung hervorgerufen wurde, und ich hatte mich mit der Frage zu beschäftigen, inwiefern diese Opposition die Geneigtheit der britischen Regierung in dieser Angelegenheit beeinträchtigen würde und sie airhalten könnte, der Kon- Zession, die sie geben wollte, in den früher mit I., II. und III. bezeichiu'ten Punkten dasjenige Maß zu geben, das für uns unerlälilich ist. Die Darlegungen der englischen Regierung hierüber haben mich davon überzeugt, daß die erwähnten oppositionellcn Kundgebungen geeignet sind, die Aktion der britisehen Regierung so zu behindern, daß sie nicht imstande wäre, uns ohne die allergrößten Schwierigkeiten solch einen definitiven Vorschlag zu machen, der die erstgenannten 3 Voraussetzungen erfüllen könnte. Nur dürfen wir nicht vergessen, daß die Art, in der der Antrag der britischen Regierung gcstellt wurde, diese Güte und Großmut, uns die Pflicht auferlegt, sie nicht ungebührlich zu einer Sache zu drängen, die unter solchen Umständen so außerordentlich schwer ist. Wir haben gesehen, daß einerseits unser Volk keine große Begeistern 11 g für und zum Teil heftige Opposition gegen den Plan gezeigt hat, und andererseits können wir nicht von der Gutwilligkeit derjenigen versichert sein, in deren Mitte die AnsieiJlung zu machen wäre und deren Wohlwollen immerhin die beste Garantie für den Erfolg der Unternehmung hätte sein müssen. Wenn ich mir nun sagen muß, daß der Ostafrika-Plan mit solchen Nachteilen beladen ist, daß die Ausführung unpraktisch wird, so wird doch kein Jude jemals vergessen, welch’ einen glänzenden Dienst die von humanen Erwägungen geleitete englische Regierung unserer Saeiie erweisen wollte. Großbritannien ist seit langem für die Welt ein Muster in der Behandlung der jüdischen Staatsbürger, in diesem ganzen weiten Reiche. Der Brief, den Sir Clement Hill an Mr. Greenberg riehtete, damit er unserem Kongresse vorgelegt wurde, war ein weiterer Beweis für den Geist von Duldung und Freisinn, welcher das britische Volk im großen und ganzen erfüllt. Daß dieser Brief gleichzeitig die zionistische Bewegung anerkennt als die organisierte Vertretung der Judenheit, war ein Stolz für uns, dessen sich jeder Zionist wohl bewußt sein mag. Daß wir eine solche Anerkennung nach erst siebenjähriger Arbeit gefunden haben, angesichts einer solchen Opposition, wie sie gegen uns entfesselt ist, kann uns guten Mut geben in der weiteren Verfolgung des Werkes, das wir so glücklich begonnen haben, und mag uns mit vermehrtem Vertrauen darein erfüllen, daß, wenn wir unsere Energie in der begönneneu Arbeit nicht sinken lassen, wir eines Tages unsere besten Hoffnungen verwirklicht sehen werden im endlichen Erfolge. Ich verbleibe, mein lieber Sir Francis, mit Zionsgruß Ihr treu ergebener Herzl. eine Aufgabe, welche einer ganzen Generation, ja vielleicht mehreren Generationen gestellt ist, gleichwie etwa die Zusammenfassung der Qemara ein Werk vieler Generationen ist. Bialik glaubt an die anonyme Schöpfung. Selbst wo das Werk der Sammlung von Einzelnen getan worden ist, wie beim Mischne Thora, sieht Bialik im Autor eher den Willensvoll- Strecker mehrerer Generationen, die ihm voraufgingen, als einen individuellen Verfasser. Und das gemeinsame Werk schafft die Einheit der Generation oder der Generationen, die es vollbringen. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß Bialik Herbei zugleich eine Lösung des Problems der Schaffung einer einheitlichen jüdischen Kultur in Palästina sah. Die Frage: wie können wir, nachdem die alte Form zerbrach, noch in uns neue formende Kräfte finden, hat ihn ja, wie aus seinen Dichtungen hervorgeht, unaufhörlieh bedrängt. Nun sah er in einer gemeinsamen geistigen Aufgabe des neuen Palästina eine gewisse Lösung. Sicherlich wollte er nicht alle Juden in Palästina zu Wissenschaftlern verwandeln; er bemerkt dies auch gelegentlich in seiner Antwort auf einen Einwand, der ihm in Nahalai entgegengehalten wurde. Aber die Arbeit Einzelner, der Priester und Leviten, wie er sagt, strahlt auf das ganze Volk zurück. Mit Bitterkeit wendet er sich gegen die Praktiker, die glauben, erst müsse zärich Touring Hotel Garni '-5* I ca. 250 m vom Hauptbahnhof 0׳ Spleta Telefon in sltnfllch. Zimmert I das Land ökonomisch und politisch aufgebaut werden, dann erst werde die Zeit kommen, wo man solche geistigen Werke in Angriff nehmen kann. ״Ehe nicht das obere Jerusalem aufgebaut wird, werden wir im irdischen Jerusalem nicht um einen Schritt vorwärts kommen.“ So sah Bialik in einem großen geistigen Werke die Möglichkeit einer ״Sammlung der Zerstreuten“. Dabei sollte aber diese Sammlung in keiner Weise die Vielfältigkeit des Volkes beeinträchtigen. Es sollte keine mechanische Einheit sein, sondern eine organische, lebendige. Aus dieser Anschauung heraus hielt Bialik einen wichtigen Vortrag vor der sephardischeti Jugend in Jerusalem, in dem er sie beschwor, die Eigenart ihres Stammes zu wahren und zu pflegen, ja wo er sich sogar dagegen wendete, daß sephardische Kinder an der Hand aschkenasischer Jugendbücher erzogen werden. ״Auch die Steine auf dem Brustschild des Hohepriesters hatten jeder seine besondere Farbe.“ Nebenbei: in diesem Vortrag vor der sephardischen Jugend unternimmt Bialik eine Ehrenrettung Mendelssoll ns und der Aufklärungsepoche gegen ihre Verächter und schildert mit begeisterten Worten den belebenden Einfluß, der von dieser Epoche ausging, in der der Dichter den Wegbereiter der nationalen Bewegung sah. Trotz aller Kämpfe der nationalen Bewegung gegen die Aufklärungsepoche — Bialik vergleicht sic mit dem Streit zwischen Sohn und Vater — ist die nationale Bewegung die rechte Erbin der Aufklärung. Bialik unterstreicht hier einen Gedanken, den unter den westlichen Zionisten meines Wissens Adolf Böhm zum erstenmal betont hat. Das neue Menschturn der Aufklärung bedeutete auch ein neu befruchtetes Judentum — Bialik findet gelegentlich scharfe Worte gegen die Trennung von Judentum und Menschentum, wie sie sich in dem Schlagwort ״Judentum und Menschentum“ zuin Ausdruck brachte. Eines der von ihm bezeichneten Ziele seiner ״Sammlung“ soll sein, die Scheidewand zwischen Judentum und Menschentum einzureißen. Auf viele wichtige Gedanken des Buches kann hier nicht eingegangen werden, so auch nicht auf Bialiks merkwürdige Theorie eines ursprünglichen Dualismus in Israel, die Bialik 1922 in einem Berliner Vortrag vorbrachte, wohl ohne zu wissen, daß er sich hier mit Gedanken berührte, die viele Jahre vorher Buber in den ״Drei Reden“ vorgetragen hatte. Nur auf eine kleine Nebenbemerkung Bialiks, die tief in seine Weltanschauung blicken läßt, sei noch zum Schlüsse hingewiesen. In jener Rede in Nahalai erwähnt er in einer Para!- leie den ״Kissc Hakawod“, den Thron der Herrlichkeit, und paraphrasiert diesen Ausdruck — als wäre es selbstverstündlich — mit ״Die Kultur des Volkes“. Dieses ganz unvermerkte Hinübergleiten von einem Begriff der theologischen Symbolik zu einem Begriff der nationalen Ideologie der Gegenwart offenbart, gerade weil Bialik diese Bemerkung ganz nebenbei tut, wie sehr der theologische Wortschatz, dessen er sich bediente, von einem ganz neuen und andersartigen Gedankeninhalt durchsetzt war. Man könnte ohne Mühe zu dieser Paraphrase eines theologischen durch ein nationalweltliches Gedankengut Parallelen bei Achad Haam oder bei Shmarya Levin finden. Es war eben die Denkungsart einer ganzen Generation, die, aufgewachsen im religiösen Gedankengut, aber ihm zugleich geistig entwachsen, in dieser Weise am Bedeutungswandel ihres Sprachschatzes selbst den geistigen Weg manifestierte, den sie ging. Bialik ist dieser Weg der Säkularisierung nicht leicht geworden, das zeigen seine Gedichte; aber auch in diesem Buche wiederholt er (Seite 10, 120, 137, 198) seine Bemühungen, dem von ihm geschaffenen Begriff der ״zionistischen Mizwoth“ eine sichere Prägung zu geben. Immer wieder kommt er auf den Gedanken zurück, daß wir ohne bestimmte verbindende und verpflichtende Form nicht leben können. Diese Reden zeigen in immer neuer Form und von immer neuen Gesichtspunkten aus sein Ringen um dieses Problem. UDD7T זת AI HtiKiLL und DlALllv Erzieher des Volks Diese neue Broschüre enthält Aufsätze von Alex Bein, Jerusalem/ Ernst Simon, Jerusalem und von Joachim Prinz, Berlin. Preis Ferner: Gedichte/ lORpf. Biographie und Rede von Ch. N. Bialik. KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Zionistische Vereinigung für Deutschland Berlin W 15,Meinekestr. 10/ Postscheck 28247 <KKL> Ablehnung des Uganda-Pro!ekles Wir entnehmen den nachstehenden Brief Theodor Herzls an Sir Francis Montefiore in London dem 5. Band der im Jüdischen Vertag erschienenen Gesammelten Zionistischen Werke Herzls. Der Brief, der in unserer in der vorigen Ausgabe erschienenen Würdigung Sir Francis Montefiores erwähnt ist, sollte ursprünglich in der ״Welt" erscheinen. Als die Nachricht von einem

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