Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 58 (19.7.1935)
- Date
- 1935-07-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 58, 19. VII. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 werden wird, vielleicht sogar zu einer größeren als der lebende Führer“: ״Als Herd lebte ■— da war es noch durchaus möglich, an manchen seiner Worte und Talen Zweifel zu hegen, und wer seine Augen der rechten Einsicht nicht verschließen wollte, war gezwungen, ihm manchmal mit aller Energie zu widersprechen, sogar gegen manche Mittel, deren er sich bediente, Stellung zu nehmen. Aber llcrzl, das ideale, Bild, wie es jetzt vor unseren Augen im Geiste des Volkes geschaffen wird — wie herrlieh wird sein Anblick sein und wie groß seine Macht, wieder auf den Geist des Volkes selbst seine Wirkung zu üben!. Der Anfang einer solchen Wirkung zeigt sich sogar schon, ehe die dreißig Tage der Trauer verstrichen sind; schon hörten wir z. B. von einem Vorschlag, seinem Manien ein Denkmal zu setzen durch Gründung eines speziellen nationalen Fonds für Zwecke der nationalen Erziehung in Palästina und ähnliches mehr.“ Man denke: beinahe hätte der tote Herzl die beispiellose Wirkung ausgeübt, die dem lebenden versagt geblieben ist, daß nämlich sein Name mit dem kurz darauf wirklich gegründeten und ebenso kurz dann wieder verschwundenen Kulturfonds ״Kedem“ verbunden worden wäre! So bewundernswert Achad Haam diese ״historische Leistung“ Herzls erschienen sein mag, wir finden Achad Haaras bis heute fortwirkende Leistung noch viel erstaunlicher: daß es ihm und seinen Schülern gelang, in den Zionisten den ״hypnotischen Glauben“ zu erwecken, das von Herzl entdeckte ״Naturgesetz.“ der Judenfrage■') liege ״jenseits der menschlichen Natur und des menschlichen Verstandes“, und Herzls, des Dichters und Träumers, aus klarster und schärfstcr Verstandesüberlegung gefundene Lösung der Judenfrage sei der ״alte messianische Glaube“, während das von Achad Haam, dem evolutionistisclicn Rationalisten, konstruierte ״kulturellc Zentrum“ des Judentums, das Achad Haam auf dem religiösen Phänomen einer ״Wiederbelebung der Herzen“ zu begründen einsichtsvoll genug war, kein ״Glaube an Wunder“ sei und keines ״diplomatischen Zaubers“ bedürfe. Den Religionsersatz, den sich jüdische Reform und jüdischer Liberalismus im IQ. Jahrhundert geschaffen hatten, darunter die bekannte Missionstheorie vom Judentum, die gerade der unbestechliche Denker Achad Haam erbarmungslos zerpflückt hat, hat auch der Kulturzionismus für sich verwirklicht durch den akrobatischen Sprung aus dem ״Reich der Freiheit“ in das ״Reich der Notwendigkeit“, aus der Ebene der politisehen und sozialen Wirklichkeit in die quasireligiöse Sphäre der Hcilscrwartungen durch Propheten und durch Umkehr der Herzen. Die letztere ist ausgeblieben, geblieben ist aber die Umkehrung des geistigen Tatbestands, der darin bestellt, daß nicht Herzls, sondern Achad Haams Lehren irrtümlich, utopisch und irreal sind, daß das moderne Surrogat für Religion, ״Kultur“ genannt, kein Gegenstand freier menschlicher Planung, Reglementierung und Schöpfung, kurz, der Politik, ist, genau so wenig wie sein Urbild, die Religion, und daß das ״national-ethische Ideal“ des Kulturzionismus angesichts seines kalten Sichabfindens mit der angeblich nicht behebbaren jüdischen Massennot und seines ״realistischen“ Glaubens an die Ewigkeit der jüdischen Diaspora-Mehrheit weder ethisch noch ideal ist. Diese Umwertung der Werte des politischen Zionismus und diese Abwertung der gedanklichen Leistung Herzls, die einem heute noch immer unter der Terminologie des ״synthetischen“ Zionismus begegnet, kann darum nicht anders als die ״konventionelle Lüge des Kulturzionismus“ genannt werden. 4. Herzls Bild in der Gegenwart Die Formel, die Achad Haam und nach ihm Martin B u b c r, Robert Weltsch u. a. für Herzl gefunden haben und mit der abgestempelt sein Bild seither auch der jungeren zionistischen Generation erscheint, hat Jahrzehnte vorher Friedrich Nietzsche auf Schopenhauer angewendet, in einem Vierzeiler von stärkster Prägnanz: \V a s er lehrte, ist abgetan, . Was er lebte, wird bleiben stahn: Seht ihn nur an — Niemandem war er untertan! In Bubers Essay zu Herzls 50. Geburtstag ״Er und wir“ (1910), vielleicht der schönsten Würdigung Herzls, die je geschrieben wurde, wird der gleiche Gedanke so ausgedrückt: ״Theodor Herzls Fahrten nach dem Ziel mögen Irrfahrten gewesen sein. Aber wenn er von seinen Fahrten sprach, zitterte die Seele der Millionen vor Sehnsucht, vor Erwartung, vor Glück. Vor Glück über ihn! Vor Größe, vor Größe durch seine Größe zitterte die Seele, die stumme Seele der Millionen, wachte, stammelte, lebte.“ ״Theodor Herzl dachte über die jüdische Sache anders als wir, er sah sie anders.... Die Erkenntnis, daß die wahre Judenfrage eine innere und individuelle ist, nämlich die Stellungnahme jedes einzelnen Juden zu der ererbten Wesensbesonderheit, die er in sich vorfindet, zu seinem inneren Judentum, und daß dieses allein das Volk statuiert, war Herzl versagt... Der Elementaraktivc (Herzl) wandelt im Lichte, auch wenn er irrt. Der Problcmatiker leidet im Dunkel, auch wenn er erkennt. Der Irrtum des einen ist zuweilen furchtbarer als die Erkenntnis des anderen.“ Und Robert Weltsch schrieb in seinem Beitrag ״Theodor Herz.l und wir“ zum Sammelbuch ״Vom Judentum“ des Prager ״Bar Koch ha“ (Leipzig 1913): ״Der Weg, den wir Jungen gehen, ist nicht der Weg Theodor Herzls. Wir, die ihn recht zu verstehen glauben, können ohne Scheu das zugebeii. Herzl ist zu groß, als daß wir ihn zu fälschen brauchten.... Nicht Herzls mißlungene diplomatische Aktionen, nicht seine politischen Methoden, selbst nicht die Einzelzüge seiner Vorstellung von der Lösung der Judenfrage sind wesentlich. Nicht, was er gewollt, sondern d a ß er gewollt und wie er gewollt. Das ewige Erbe, das er uns gelassen hat, ist dieses: der Mythos von seinem Leben.“ Es ist der gleiche Gedanke, den Achad Haam nach Herzls Tod ausgesprochen hat: ״Ob jene Taten Herzls groß waren: daß er uns den Kongreß, die Organisation, die Bank, den Nationalfonds gegeben hat — kann man noch nicht wissen. Alles hängt davon ab, ob diese Werke Bestand werden und in welcher Form. Aber eines hat uns Herzl u n bewußt gegeben, das größte vielleicht von allem, was er mit Bewußtsein geschaffen: er gab 5) Vgl. hierzu den Aufsatz ״Der unbekannte Herzl“ in ״Jüd. Rundschau“ vom 3, Mai 1935. uns sich selbst als den Gegenstand des Epos unserer Wiedergeburt«) .. Was er lehrte, ist abgetan.... Herzls Konzeption des Zionismus war ein Irrtum, ein heroischer zwar, aber doch ein Irrtum.... seine Lehren waren Irrlehren.... Man fälschte sie nicht, das war gar nicht nötig, da man ihnen doch öffentlich abgeschworen hatte; aber man fälschte Herzls Bild, indem man dem großen politischen Denker, dein Staatsmann die ausschließliche Rolle des Märtyrers seiner Idee zuwi es. Nicht der lebende, der tote Herzl hatte Recht. Er war eine historische Figur geworden, zu der man mit größter Ehrfurcht als zu dem ״ragenden Symbol der jüdischen Bewegung unserer Zeit7)“ aufsah, doch er war seither tot. Man lese über diesen Sieg des Kulturzionismus, was ein Nichtzionist, ein Außenstehender, der Historiker Simon Dubnow im X. Band seiner ״Weltgeschichte des jüdisehen Volkes“ (S. 33S ff.) in dem Kapitel ״Der geistige Zionismus Achad Haams“ schreibt: ״Der Kulturzionismus Achad Haams stellte das erste wesentliche Korrcktiv zum politischen Zionismus das.“ ln dem Kapitel über die eigene Theorie Dubnows, den Autonomistnus, wird von ihm sehr richtig — heute ist das von besonderem Interesse ■ die enge Verwandtschaft zwischen Autonomismus und Kulturziomsmus betont: BczügHrh des pn-itivcti Programms de-. /iimi-imo ionkrlon die Autonomi-ten Mretige l'nte!M!Ki*l!1!1g zwj.׳lu!1 t'f.ן׳,!<■ und Realität, wehe! -in liei aller Sympathie iur den \V;edm .mth.m Palästinas nicht umhin konnten, vor der Ablenkung aller Kralle nach die-er einen Richtung zu warnen, da hierdurch die Otg.mü .'ierune ,!er Dia-pora in Frage ge-ielH werden mtHM■. Atu nachs f e ti 5 1 a n d 11 e in A u t ü n o m i s in na der ״eiet je e /ion! s m u s, in.aoiern der letztere sieh zum Ziele ye.ctzt hatte, in Palästina aut der Grundlage normalen VirtsGiatislohens einen Oucl! iiuverfährh! er jüdischer Ktiltti! hervoi sprudeln zu lassen, der vor allem der Diaspora zugute kommen sollte.‘■ Tatsächlich wäre es gar nichts anderes als eine Krönung des Galiith-Nationalismus, wenn dieser sich sogar dem Luxus eines von der Diaspora wirtschaftlich ermöglichten, von einem winzigen Bruchteil des Gesamtjudentiims getragenen Kulturzentrums erlauben könnte, das dann als Gegenleistung die Emanationen dieser Kultur in die Wcltjudenheit ausstrahlt. Dubnow fährt au der eben zitierten Stelle folgendermaßen fort: ״Das!.eben selbst sollte bald den Beweis erbringen, daß die Autonomsten den richtigen Weg cingeschiagen hatten.“ Dieser Satz war zuletzt im Jahre 1929 publiziert worden. Wenige Jahre später hatte das ״Leben selbst“ einen ganz anderen Beweis erbracht: den des völligen Zusammenbruchs aller jüdischen Autonomiebestrebungei! in den dafür in Betracht kommenden Diasporaländern, angefangen von Oesterreich, Rumänien, Litauen bis zu Lettland und eben erst zu Polen. Und ebenso ist seit dein Jahre 1933 die Galuththeoric des Zionismus, der Kulturzionismus Achad Haams, der ״geistige“ Bruder des Autonomismus, auch vom ״Lebet! selbst“ ad absurdum geführt worden. Das Bild mag sich wieder ändern, wie es schon einmal in der Zeitspanne der Fall war, •die zwischen der Gelmrtsstunde des politischen Zionismus, derjenigen der Degradation des unschuldig verurteilten Alfred Dreyfus, und dessen mm fast vierzig Jahre später erfolgtem Tode, liegt. An der Grundsätzlichkeit und Unerschii tte rlichkcit der Herzischen Erkenntnis von dem dauernden Bestehen der Judenfrage in den Ländern der Zer- Streuung kann und wird dies nichts ändern. Und es ist endlieh an der Zeit, d i e W a I! r heit ii b er di c Herzls c h e L e 11 r e u n <1 ü b e r die (i r u!1 <1 1 a g e 11 des politis c h e n 7. i o 11 i s m 11 s gegenüber den Indianern und Ent- Stellungen der Vergangenheit wiederherzustellen. 5. Der kopernikanische Gedanke Theodor Herzls Fast zwei Jahrtausende hatte das jüdische Volk auf alle Todesdiohnngeii des ihm verhängten furchtbaren Schicksals immer wieder mit der einen Haltung geantwortet, die ihm zur Rettung wurde: 111 i t der Flucht. Vorder körperlichen Bedrohung ergriff es die körperliche Flucht, vor dem nationalen Untergang floh es in die ihm eigene Geistigkeit, und schließlich floh es sogar vor sich selbst in die Assimilation. So blich Ahasver am Leben, «loch ohne leben und sterben zu können. Das Gespenst der Judenfrage: die Judennot, die körperliche, die wirtschaftliche und die sittliche Judennot, lastete und lastet noch immer auf der Welt und auf den Juden selbst. Theodor Herzl war nach Pinskor der erste Jude, der nicht mehr floh und das Schicksal Ahasvers nicht als unabänderlich gegebene Naturtatsaclie liimialmi, solidem der, nachdem er deren Naturgeset/Hchkeit erkannt und formaliert hatte, die geniale, •die kopernikanische Wendung vornahm, die auch die historische Wendung im Schicksal des jüdischen Volkes darstellt. Herzl hat zuerst in der Judennot, dieser ungeheueren Kraft vier Zerstörung und der Negatiou des Judentums, die ebenso starke Position, die Position einer grundsätzlich neuen jüdischen Politik erkannt. Er hat sie schon im ״Jiideristaat“ als die ״treibende Kraft“ formuliert, auf die es ankomme. Vielleicht noch schärfer als Herzl hat der Fortsetzer seines politischen Werkes und dessen Vollender, Cliaim Weizmann, diesen kopernikanischen Gedanken Herzls in seiner bereits oben erwähnten Rede am XII. Zionistenkongreß (1921) formuliert: ״England mit seinem weltumspannende» Blick hat vielleicht aus (.!»linden, die ich andeuten mochte, ticlei und früher als irgendeine andere Nation ver-landen, daß die Judenfrage, die wie ein S c h a t t e n über <1 i e Welt licrutn-pazicrt, zu c i ri e r «1 n g e h e u e r e n K 1־ a t I <1 e י A u t l> a u s und zu einer ungeheueren Kraft de ־ Destruktion werden kann, tcml England ha! es verstanden -- und 11.1 liegt vielleicht ein kleines Verdienst von uns, daß!vir zu diesem Ve!-tiiudnis beigetragen haben —, daß diese Au-nütziing des jüdischen guten Willens lind die Kanalisierung der jiidi-eben koiislruktiven Kulte durch Palästina einen ungeheueren Nutzen bringen wird. t'nd 11.11 um waren 0s nicht die englischen Generäle und!lieht die englischen Imperialisten, sondern die engli-rhon Intellektuellen, die zunächst zur Grundlage unserer Politik und unserer Arbeit winden. Balfour hat die ltnlfour-Deklaration schon lange vor dein Klinge erkannt, der Krieg hat nur zu ihrer Be-ehleuingimg beigetragen. f) Achad Haam, Einleitung zum 3. Baud von ״Al paraschatii derachim“, l.c. ’) Robert Weltsch, ״Theodor Herzl und wir“, Lc. Aus der I laftarali für Sdiabbat, den 20. Juli 1035 SEINE Rede geschah zu mir, sprach: Ehe ich dich bildete im Mutterleib habe ich dich gewußt, ehe du aus dem Schoße fuhrst habe ich dich geheiligt, als Künder den Weltstömmen habe ich dich gegeben. Jirmeiahu 1, 4-5 Verdeutscht von Martin Bubet 1 nd darum waren es Männer wie ('. P. Scott und andere, auf die wir uns mit Siciunbcä snj!/rr1 kennten .... Dar zweite Grundlage war der Wille d c י j 11 d i s c 11 c n Volkes zu Paläst in a. Da, v.jirn die Grundpieiier, aut denen sh h das ganze Geh, utile, des Ikd! um -1 h׳k he an11! ׳. San Remo, das Mandat mit all seiiien Fehlt m und Klippe n au:g, baut hat. Das w a r c n die z w 1׳ i I . c k p t e i I t r ... Das ist die gleiche Erkenntnis von der ״treibenden Kraft“ der Judennot und von der ״Triebkraft“ der jüdischen Staatsidee, der Zions.selinsticht, die ftmfiiml/w ati ׳ig Jahre früher ller/l in der Einleitung /um ״Judciislaat“ ausgesprochen batte. Fast zwei Jahrtausende wirkten die beiden Kräfte, die der A h s t o ß 11 11 g ebenso w ir׳ die der A!1 / i e 11 t! 11 g, getrennt und imglcieh/eitig nebeneinander. Keine allein vermochte dem jüdischen Volke /u einem neuen I eiten auf seiner eigenen Erde zu verhelfen: der Abstoßung entzog es sich durch die Flucht, und die Kraft der Anziehung reichte allein nicht aus, die sieh cntgcgciiiürmciidcn ungeheueren Schwierigkeiten zu überwinden. Eist seit llcr/l wurden nt der zioliisiisdien Erkenntnis der judenfrage und in dem organisierlen Willen der zionistischen Bewegung Kraft und < iegenkraft vereinigt und zur Grundlage der zionistischen Politik. (ietrageu von diesen beiden Kräften, als Sprecher der Judennot und der J udciisclmsucli!, wurde die Stimme des jiidisehen Volkes, die aus dem Mumie llcr/ls und Wcizmanns sprach, von der Welt gehört und um ihr beantwortet. Ohne diese beiden Realitäten des politischen Zionismus batten weder Her/I noch seine Nachfolger in vier Führung trotz des starksteil Einsatzes ihrer Persönlichkeiten, wie ihn einmalig Herzls Leben und Sterben zeigt, beim jüdischen Volk ein Echo gefutulen und ohne sie auch nicht von der Welt zum ersten Male eine Antwort auf die tausendjährige jüdische Forderung erhalten. Dali Herzl, der Wesfjudo, kein Verhältnis zur hebräischen Sprache und zur jüdischen Kultur batte, ist gewiß ein Mangel, der gleiche, wie von einem anderen Standpunkt seine mailgebuie Religiosität oder das Fehlen einer Beziehung zur ״Wissenschaff des Judentums“ (auch einem ״Religionsersatz.“ des ntodernen Judentums, neben den anderen schon genannten und neben der sogenannten jüdischen ״Kultur“ und der hebräischen Sprache diese in ihrer modernen (iestalt ist bekan 111lieh nicht das Produkt der nationalen, sondern, ganz int Gegenteil, der A 11 f k 1 ä r 11 n g s - Bew egung I). 1 )och es ist müßig und kindlich zugleich, darüber zu streiten, ob cs ein ״Fehler“ des Kopernikus war, nicht auch die Relativitätstheorie zugleich mit der seinen entdeckt /u haben, b/\v. ob dem politischen Zionisten Elieser Ben Jehuda oder dem Kulturzionisten Achad Haam ein groll er es Verdienst an dem Wiederaufleben der hebräischen Sprache in Palästina zukoimne. Kroelsnnl, Zunz, S, I). Lii/atto, Moritz Steinschneider tww־, waren bestimmt bedeutendere Kenner des geschichtlichen Judentums lind bessere Hebraisten als der völlig assimilierte ller/l — aller ist das ein Eimvand gegen dessen erst- und einmalige gedankliebe und organisatorische 1 eistttng, die ja gerade auf eine S ä k u 1 a r i s 1 er 11 11 g <1 e s J u d e n t u m s binauslief? Mail möge doch endlich mit elieser unklaren, logisch unsauberen und fließenden Methode der Betrachtung aufhören, rite von HOTEL au ZÜRICH Lage, Einrichtung und Führung!}(;gründen seinen Weltruf Zimmer ab Ft. 9,— Pension ab Fr. 18,~ zwei v 0 I I i g v e r s c 11 i e <1 e 11 e 11 E h e n e!1 aus argumeiltiert und die die Hauptschuld an der Zerfahrenheit und Gestaltlosigkeit der Gedankenwelt des Naehkricgs-Zionismus bat! — Nur infolge der Preisgabe Herzls durch die offizielle zionistische Doktrin konnten sieh auch die Revisionisten seiner bemächtigen und ihrerseits ein gänzlich falsches Bild von ihm verbreiten. (Es sei nur an die Groteske erinnert, daß der Humanist Herzl, von ue'm das Wort vom Zionismus als einem ״endlosen Ideal“ stammt, und der schon in den ersten Jahren der Bewegung von deren Wcitcrfiihruiig zum Zwecke der Emanzipation der Neger träumte, als geistiger Schirmherr des Revisionismus ausgegeben wird. Wer Herzls zionistische Schriften gelesen und erfaßt hat, kann nicht im Unklaren über die geradezu radikale Haltung sein, die Herzl z. B. in der Araberfrage eingenommen hatte — jedenfalls eine dem Revisionismus ganz entgegengesetzte. Deshalb existierte die Araherfrage für Herzl nicht; nicht alier, weil er sie nicht gesehen hat. Auch diese Behauptung gehört zu den ״konventionellen Lügen des Kulturzionismus“.) Gerade <1 er Zionismus in Deutschland braucht sich, tun die W a 11 r 11 e i t ii her die g e s e 11 i c!111 i c 11 e und über die jetzt noch f o r t w i r k e n d e B e d e u < 1111 g Theodor Herzls, des Denkers und des Staatsmannes, zu erfahren, nur die Frage vorzulegen, ob auch nur die Zionisten in Deutschland, geschweige denn iiichtzionistische Juden aus Deutschland in dieser Zahl den Weg nach Palästina gefunden hätten — 0111!c das Jahr 1933. Der Staatsmann und Organisator llcrzl ist ohne den Denker Herzl ebenso undenkbar wie der Wille des politischen Zionismus ohne den zionistischen Gedanken.