Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 58 (19.7.1935)
- Date
- 1935-07-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 58, 19. VII. 1935 Theodor Herzl, der Denker Markstein im Erwachen der Sprache. Der Dichter, der Sammler, der Erzieher, der Erneuerer des Schabbat und anderer Vulksbräuche, der liebende und zürnende Kritiker der Laster seines eigenen Volkes, er gab dem Volk den Stoff seines geistigen Lebens und damit die Grundlinie seines Lebenssinnes. Bialik war ein glühender Nationalist, aber für ihn stand alles Tun vor dem Richterstuhl des Geistes, und zwar des jüdischen Geistes. Da er auch das Politische nur als geistige Kategorie sah, betrachtete er das politische Getriebe mit seinen Eitelkeiten als Verirrung, una darum zweifelte er in tiefster Seele, ob Herzls ״Politisierung“ des Judenturns fruchtbar sein kann, besonders angesichts der Unzulänglichkeit dieses Volkes, das des verantwortlichen Gemeinschattshandelns entwöhnt ist und daher leicht in das Unwesentliche der politischen Scheinwelt abgleitet. Mag Her/l.s Intention noch so groß gewesen sein, er schuf die Arena, wo weit kleinere Menschen Wort und Tat, Schein und Sein verwechseln konnten. Bialik hat diesen seinen Zweifel an den ungewollten Nachwirkungen Herzls — aus dem er auch sonst im Gespräch kein Mehl machte — in einem klassischen Gedicht zum Ausdruck geltracht, das er nach dem 17. Kongreß (1(U1) schrieb (jetzt in deutscher Ueberset/ung unter dem Titel ,.Den Versagenden“ in den deutschen Bialik-Bnnd von Ernst Müller aufgenommen). Er fürchtete, dali der jüdische Nationalismus immer mehr verflachen, immer mehr sich fremden Vorbildern äußerlich angleichen, immer mehr seinen eigenen geistigen Kern verlieren könnte. Denn die Politik und die Kongrdltrilnme, so meinte er, bietet auch noch dem leersten Pnseur eine Möglichkeit, eine Rolle zu spielen, während der Weg der Verwirklichung und der Treue zum Geist, der indische Weg, ein schwerer, alle seelischen Kräfte beanspruchender ist. Diese -Mahnung Bialiks ist ein Vermächtnis, das das jüdische Volk bewahren muß. Her/! selbst, wenn er Bialik hätte verstehen können, wäre vielleicht in diesem Punkt gar nicht so weit entfemt gewesen. Denn auch er betrachtete ja die Politik nur als Mittel zum Zweck, vor allem als sein persönliebes Instrument, und er litt genug an der Kleinheit der vielen, die nur den Betrieb rnitmaehten, ohne die Größe der Konzeption und Vision. Aber die positive Seite der jüdischen Verwirklichung sah Herzl nicht, dazu war er zu sehr entfernt. Die dreißig Jahre zwischen Herzls und Bialiks Tod waren dazu da, die Lücke auszufüllen. 13 ie Westjuden, die durch Herzl zu jüdischem Bekenntnis gebracht wurden, die sein Tiefblick und seine Erkenntnis der Situation zu innerst erschütterte, sie haben i!1 langsamer Arbeit sich wieder dein Judentum genähert, sich zum Verstehen Bialiks durchgeningen. Und die Massen der Ostjuden, die zwar noch jüdisch fühlten und in jüdischem Volkstum lebten, aber nicht politisch handein konnten, haben durch Herzls Tat und Ruf neue Lebenshoffnung gewonnen, Vertrauen zu sich selbst. Erlösung aus düsterer Apathie. Er hat sie, die nur träumten, wollen gelehrt, und ihnen gesagt: Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen. Herzl und Bialik: sie verstanden einander nicht oder kaum, aber an uns ist es, sie beide zu verstehen. Wir können keinen von ihnen missen. Der neue Jude braucht Haltung, Selbstvertrauen, Mut und Klarblick, — dies kann uns Herzl lehren. Der neue Jude aber braucht auch den alten Juden, er muß den Geschlechtern vor uns die Hand reichen und ihre Weisheit hören, und er braucht die erlösende Berührung mit dein jüdischen Gei-t und seiner Sprache. Das gibt uns Bialik. Wenn wir diese beiden Elemente wirklich (und nicht nur äußerlich) zu verbinden vermögen, dann wird die jüdische Wiedergeburt, die Geburt des neuen Hebräers, Wirklichkeit geworden sein. Wir trauern heute um zwei Große unseres Volkes. Wir denken daran, was sie uns noch hätten sein, was sie uns noch haften geben können, wenn sie uns nicht so früh genommen worden wären. Aber zugleich erkennen wir es als Zeichen der Gnade, daß unsere Generation, in Ost und West, Menschen hervorbringen konnte, die sagen, was das Volk leidet; und was es ersehnt, nicht um eitlen Glanzes willen, sondern um es selbst sein und seiner Berufung dienen zu können. Und die zugleich Führer waren. Eine Herzl-Bialik-Broschüre Der KKL hat anläßlich der Iahrzeit von Theodor Herzl tmd Chain! Naciiinan Bialik soeben eine Broschüre herausgegeben, die diesen beiden Männern als Erzieher des Volke? gewidmet ist. Das Heftchen wird in den Kreisen der jüdischen Jugend wie auch weit darüber hinaus seinen Zweck erfüllen, eine erste Einführung in das Wesen und die Leistung dieser beiden Pührergestaltcn des Zionismus und des Judentunis überhaupt zu geben. Eine Einleitung von Joachim Prinz zeigt kurz die beiden Wege, die diese Männer gegangen sind, Dr. Alex Bein, Jerusalern, der Verfasser der bekannten Her/i-Biographie, schreibt über Theodor Herzl und Palästina und stellt in seinem Aufsatz Herzls Beziehungen zum Lande dar. Heber Bialik ist ein kurzer biographischer Abriß beigegeben, dem sich ein Aufsatz von Ernst Simon zum Thema ״Die Idee der jüdischen Befreier,g in Bialiks Werk'‘ anschließt. Dieser Aufsatz zeichnet in sehr prägnanter Weise Bialiks Vorstellung von jüdischer Freiheit. Schließlich enthält die Broschüre einige Beiträge von Bialik selbst, nämlich eine Ansprache, die er im lahre 1929 in Berlin gehalten hat und das Thema der neuen jiklisehen Kultur in Palästina behandelte, sowie zwei Gedichte im Originaltext und in deutscher Uebertragung. Der KKL hat sieh durch die Herausgabe der Broschüre ein Verdienst erworben. 11 r,■:• י!׳.:!! ׳ i!rr: I)r. Robert W c 11 < r h. FirrIin-Charlolfcnburg 9. Stellvertreter: Kurt Lotvrrnstein, Berlin W 15. Anzeijjenletrerin und verantwortlich für den Inhalt der׳ Arueigcn: Rut Pose ne r, Berlin W 30. Gültig : Anreißen-Preisliste 2 vom 1. Januar 1935. Verla״ und Anzeigi-nvcn.va'mn״: [üdische Rundschau, Berlin W 15, Meinckcstr. 10. D.-A. Juni 34 000. — Druck: Siegfried Schoicm, Berlin-Sdiönebcrg. Politischer oder Kulturzionismus? Von Dr. Siegmund Kaznclson Wir veröffentlichen den nachstehenden Aufsatz als einen Beitrag zur Diskussion über die Grundproblem(• der zionistisehen IC. ’■•■;ic. Dr. Kaznclson hat bereits in den Kümmern 36 und 37 zur Frage der Stellung lierzls im Rahmen der zionistischen Ideenentwicklung zwei Aufsätze publiziert. Wir stimmen mit einer Reihe der vom Verfasser vertretenen Thesen nicht überein, glauben aber, daß ihre Veröffentlichung einen wertvollen Beitrag zu einer Erörterung darstelll, die auch unter den gegenwärtigen Gesichtspunkten der zionistisehen Arbeit von weittragender Bedeutung ist. (Red.) 1. Die zionistische Ideologie and die Theorie der Palästina - Arbeit Es gab und gibt keine einheitliche Ideologie des moderneu Zionismus. Ebenso wie seine aus den verschiedensten Kulturkreisen und den mannigfachsten Ursprüngen und Motiven herkommenden und sich in einer Organisation vereinigenden Anhänger strömen in der zionistischen Theorie die verschiedensten Quellen und Gedankenrichtungen zusammen. Damit und noch mehr mit der Kürze oder dem ganzliehen Mangel einer Zeit rein theoretischer Vorbereitung vor dem Stadium der Realisierung mag es Zusammenhängen, daß im Zionismus, ungleich anderen geistigen Bewegungen derselben Zeit, es zu keiner ״wissenschaftlichen“ Fundamentierung, zu keiner ausgeprägten offiziellen und ebenso auch zu keiner einheitlichen oppositionellen ״Lehrmeinung“ und deshalb auch kaum zu Schulbildungen kam. Bereits in den acht Jahren, in denen Theodor Herzl die alleinige und unbestrittene Führung der Organisation innehatte, schien die Verwirklichung des zionistischen Gedankens so nahe, daß rein theoretische Ueberlegungen gegenüber der in nahe Aussicht gestellter! Lösung, die die Wirklichkeit geben sollte, müßig und sinnlos erschienen. Nach Herzls Tode begann dann die sofortige, wenn auch dem Herzischen Programm gegenüber viel langsamere, die ungesicherte und nur schrittweise Realisierung, die seither ohne Unterbrechungen undatiert. Deren Wirkuug war und ist bis heute das Entstehen und Dominieren einer überaus umfassenden Theorie der Palästina-Arbeit, der Kolonisationstätigkeit, von der die reine zionistische, die Ideologie des zionistischer! Programms, fast ganz verdrängt oder überwuchert wurde. Die Erörterung der Postulate der ״reinen Vernunft" trat im Zionismus ganz zurück hinter diejenige, die sich mit den Fordeningen der ״praktischen Vernunft“, das sind diejenigen des Tages und der Stunde, beschäftigte. Nur so ist die außergewöhnliche Buntheit und Vielfalt, die geringe Dogmatik und die mantrclnde Prinzipientreue, die große Wirklichkeitsnahe und Elastizität, aber auch die große Unklarheit und Formlosigkeit des Gesamtkomplexes zu erklären, den man unter dem Begriff der Theorie oder der Ideologie des Zionismus zusammenfaßt. 2, Die ״konventionelle Läge“ des Kulturzionismus Ar! einem Beispiel aus der Geschichte des Zionismus läßt sich besonders klar erkennen, wie die zwei an und für sich voneinander unabhängigen Gedankenreihen: die geistigen Voraussetzimgen und Inhalte der zionistischen Lösung der Judenfrage und die Vorstellungen über die besten Methoden der praktischen Durchführung dieser Lösung, ineinander übergehen, sich vermischen und verwischen und das bis heute andauernde Chaos der zionistischen Idecnrichtnngen, der undeutlichen und verkehrten Terminologien, der falschen, ja der oft geradezu vertauschten geistigen Fronten herbeigeführt haben. Nach Herzls Tode und dem ziemlich raschen Abschluß der Epoche, in der die Führung der Organisation in den Händen David Wolffsohns lag, schien der Sieg der ״nraktischen“ Zionisten über die ״politischen“ vollständig zu sein. Das galt nicht so sehr für das Gebiet der Palästina- Arbeit, auf dem die praktische Kolonisationstätigkeit mit den politischen Bemühungen Hand in Hand ging, und zwar in llebereinstimmung mit der W e i z m a n nschon Forderung vom ״synthetischen" Zionismus. Der ..praktische“ Zionismtis, der eit! solcher des oräßten Teils der ..Oestier“ gegenüber dem ..nolih'scben“ Zionismus der ״We'+,er“ war, errang seinen größten Sieg auf einer ganz anderen Ebene, der ״eisti״-kleologischen: in Gestalt des ..K n 1 tu r 7 i o n i s m 1! s“ Achad Haams über den ״politischen“ Zionismus Theodor Herzls. lind damit beginnt jenes bis zum heutigen Tage unverändert fortwirkende Phänomen des kritiklos hingenommenet! und mechanisch nach״eheteten Parteidogmas, das nur als die ״konventionelle Lime“ des Kulturzionismus zu bezeichnen ist. Durch die Konf11ndierun׳T und VereuLkung der zwei völlig verschiedenen ,.!.ehren“ im Zionismus, der ideologischen und der methodologischen, ferner unterstützt durch zahlreiche irreführende Svnonvmc, wie ״politischer״ Zionismus (wohl zu unterscheiden 'וייס־ ..Cbarter“-7ionismus. der die Praktische Arbeit einer ..Infiltration“ ablehntel und ״synthetischer״ Zionismus auch auf idec110״isch-pron'ramma‘i'chem Oehie*e, entstand der in dreißig fahren nicht crs״hüFerfc Glaube, als stelle der Zionismus der nachherzischen Periode auch ideell eine Synthese. <lie:eni״e zwischen politischem und Kidturzionismus, 7wi:<"l>r*u Herzl und A־׳hnd H״am, dar. Das war schon nach dem Prinzip der Unm"!׳dichkeß <1(>r Ve<׳eini1״mg des Unvereinbaren u1v־irhti׳r und unwrk'Hi. ln Wirklichkeit wurde mit dieser Parole nur der S!e׳r des Knlturzionismus und die völlige Ausschaltung der politischen Könrzerition Herzls für die indischen Massen verdeckt. Der K!1!t11r/ioni?mus allein hätte die Masse, für deren Not er kein Atme 11m| Ohr besaß, ebenso kalt ״e’essen, wie früher die 7ie!c der Chowewe-Zion. Die für die baldige Aufnahme der SiVdhimrst.aVkeit eintre• tende, sogenannte ״praktische“ RLhtung in der Rewe-!rung des politischen Zionismus stand im Gegensatz zu der Richtung der ״Charte r“-7.io״istcn, die den Beginn der Kolonisation von der vorherigen völkerrechtlichen Sicherung dieser Arbeit abhängig machen wußten 0,׳»$ war aber keine <rrn*״t׳-:i*׳!!che und weLanschmdirhe Di'ferenz, sondern nur eine solche hinsichtlich des Arbeitstempos oder des richtigen Zeitpunkts des Beginnens. Doch wurden diese ״p r a k t i - sehen“ Zionisten mit dem prinzipiell und grundlegend andersgerichteten Kulturzionismus identifiziert, bzw. sie identifizierten sich selbst mit ihm. Der Kulturzionisnius leugnet den entscheidenden Ausgangspunkt und das Endziel des politischer! Zionismus, die Lösung der Judenfrage, die er für unmöglich erklärt, während durchführbar und erstrebenswert allein die Schaffung einer hebräischen Kultur, die Rettung des Judentums, nicht der Juden, durch ein nationales Zentrum in Palästina sei. —- Daß die ״Praktiker“ gemaß Weizmamis Wort vom s v 1! 111 e t i s c 11 e n Zionismus genau solche politische Zionisten waren, wie jene im prägnanten Sinne dieses Wortes, ״politische“ Zionisten genannt, die richtiger als ״Cliartcrzionisten“ zu bezeichnen sind, haben sie nach wenigen Jahren kolonisatorischer ״Praxis“ (1911—1911) bald beweisen müssen und sehr gut bewiesen. Sie, unter ihnen zahlreiche Schüler und nahe Anhänger Achad Haams, haben damit die beste politische Tradition und das kostbarste Vermächtnis Theodor Herzls fortgesetzt und sogar ganz konkret an dessen vorher geleistete politische Arbeit angeknüpft. Und eine besonders feine Ironie der Geschichte wollte es, daß auf dem ersten Zionistenkongreß nach dem Weltkriege (dem Xli. in Karlsbad) gerade W c i z!1! a 11 n (ebenso vorher Sokolow) sich gegen den Vorwurf des ״Diplomatisierens“ wenden mußte* 1). Er appellierte im nächsten Zusammenhang mit diesem ״Scherzwort“ au die Geutlemen-Gefühle seiner damaligen Gegner. Im Jahre 1807 aber hat Weizmanns Lehrer Achad Haam sein Urteil über den I. Zionistenkongreß in einem bösen, trotz aller spateren Rechtfertigungsversuche'-) nur als demagogisch zu charakterisierenden Worte zusammengefaßt: ״Das Heil Israels muß durch Propheten kommen, nicht durch Di p 1 om a t e!1“. Auf demselben (dem XII.) Kongreß und in derselben Rede hat Wciz.rnann übrigens aus der praktischen Erfahrung seiner Tätigkeit im Weltkriege heraus die treibenden Kräfte des Zionismus genau so formuliert wie fündundzwanzig Jahre vorher Herzl — ohne diesen allerdings zu nennen. (Hierüber weiter unten!) Der Führer der früheren ,,praktischen“ Richtung und ,,demokratischen Fraktion“, der Schüler Achad Haams hat also Herzls Politik weitergeführt und sich dazu ■der Herzischen Argumentation bedient — wenige Jahre, nachdem der Kulturzionismus die geistige Führung der Bewegung unter dem Vorgeben einer ,,Synthese“ übernommen und damit Herzl und seinem politischen Erbe in der Geschichte, in der Ideologie und in der Wirkung auf die Zukunft des Zionismus einen falschen und minderen Platz zugewiesen hatte, bestenfalls geeignet, Herzls völlige Entthronung als politischer Führer durch die verklärende Aureole des Märtyrers zu vernebeln. 3. Achad Haam über Herzl Hier die literarischen Zeugnisse der damaligen Zeit für diese ״konventionelle Lüge des Kulturzionismus“, die heute, fünfundzwanzig Jahre später, noch genau so geglaubt wird wie damals und die, seitdem nicht nur der Weltkrieg, sondern auch das Jahr 1933 die erschütterndste Bestätigung der Herzlsehen Lehren gebracht haben, freiupd reumütig als falsch atizuerkennen bisher kaum einer der Vertreter der kult(frzionistischen Richtung den Mut gehabt hat. (Nur Robtrt Weltsch hat in dem Artikel ״Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck!“ in einer entscheidenden Stunde des deutschen Judentums dieses auf die grundlegenden Gedankengänge Herzls hingewiesen,) — In seiner Einleitung zum 3. Bande von ״Al parascliath derachim“•*) hat Achad H a a m, der ״an der Bahre des großen Toten“ nochmals betont, daß er ״zu den Gegnern der Anschauungen und Taten des toten Führers“ gehöre, zuerst die Parole ausgegeben, die dann, von seinen Schülern weiter ausgeführt, Gemeingut der ganzen Bewegung des ״politischen“ Zionismus geworden ist. Er spricht von dem ״Wunder, daß ein Mmm einer ungeöthlfen Menge den fester! Glau■ ben an I) i n ge, die jenseits!1er m e n s c 1! 1 i c 11 e n Na- 111 r u n <1 d 0 s n! e n s, c 1! lieh e n V e rstamlrs Heg e n, einzuhammem vermag und imstande ist, die Glieder eines!uulnäekigen und vieleriahreneu Volkes <lji1in2u!>ringen, daß sie ihm mit geschlos eenen Augen überallhin ׳Dinen, wohin sein Wille sie führen will, seihst au einen Ort. wo sieh ein Abgrund zwis e h e 11 seinem und des Volkes Geist mittut . . . ,,Im Grunde jeiloeh ist es!!er alte 0! e s s i a 11 1 s e h e Glaube, der Glaube an. die persönliche Ivrait. eines Uebermeno'hcn, der SO stad! ist, das doppelte Wunder z!1 vollbringen: zuerst das Land unserer Veiler, gleichgültig, oh durch /.eichen und Wunder oder durch diplomatischen Zauber, aus der Hand seiner jetxigcn Bewohner und Bebauer zu befreien und mit: einem Schlage dem in!1er Derne dt/.enden und auf die Erlösung wartenden Volke zu übe! geben, und dann!bis arme, über die \\ eil zrastnaife Volk, gleichgültig, ob mit birimbi-eher Hilfe oder durch menschliche Mittcl, wieder in der Heimat ni vereinigen, so daß kaum ein Rest in den 1 di ml cm der Zero reuung zurijckblcibt. Nur die hypnotische Wirkung eines Menschen, der hierzu geregnet ist. konnte eine große Masse zu dem Glauben an diese W u n d e Z bringen, mal nur die-cr Gbmlie ist es. der!Im Zionismus zu einer ״ewallicon Vfns«onbewegt!n״ gemaeht lind aus den engen Grenzen geliibrt ha•, in denen er so lange cingcschlnsscn war, bis der Vollbringer der Wunder aut!rat. Denn wäre nicht dieser Glaube Rewesen, der ‘teil Zionismus als Kode der I י:s p o. ׳ b und als Lösung der Judenfrage in ihrem vollen Dmfauge erklärt, so wate für den Zionismus nur sein moralisches Zu-! gchb.cbcn: die Wiederhelcbung der Herren!los Volkes und seine W ieikn Vereinigung im Geiste durch die Schaüung eines konkreten und freien nationalen Zentrums.“ Und dann stellt Achad Haam weiter die Vermutung auf, daß nach Herzls Tode ״nur diejenigen übrig bleiben werden, denen der Zionismus ein national-ethisches Ideal ist, das von äußeren Nöten überhaupt nicht abhängig ist“, und daß ״der tote Führer in Zukunft zu einer großen bewegenden Kraft 1) Protokoll des XII. Zionistenkongresses, Berlin 1922, S. 276-77 und S. 280. -׳) Vgl. die Aufsätze ״Judenstaat und Judennot“, ״Politik und Kolonisation“ im 2. Bande von ״Am Scheidewege‘ (Deutsehe Ausgabe), Berlin 1923. ■י) Deutsche Ueberset/.ung im ״Gedenkbueh zum 25, Todestag Theodor Herzls“, Berlin 1929. 1) Das hat Herzl nie behauptet, nicht einmal im ״Juden- Staat“ (vgl. S. 29-30 von Band I der Herz[-( irsamtausgabe), ganz abgesehen von seiner ausdrücklichen Erklärung: ״Ich glaube nicht an die Ausführung des Gedankens, wie ich ihn in meiner Schrift (״Der Judenstaat“) entworfen. Aber .ich glaube, daß der Fudcnstaat entstehen wird, unter teil• weisem Fortbestände der Diaspora, weil in so!• eher Diaspora jetzt alle Völker leben.“