Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 39 (1934)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1934)
- Date
- 1934-03-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 ) 0 DI S CHE RUNDSCHAU Deutsche Palästinakinder auf Reisen KarI Götz: ״Das Kinderschiff". J. Engelhorns Nachfi,, Stuft* gart 1031. Im Jahre 10 in fahrt der Verfasser dieses Buches, Lehrer In einer Tcmpkrkolunie Pal.istiiu״., mit einer Schar v m Kindern der <k11־t:M׳l1rn Sjcdjcr in Palästina nach der dciiisrhen Heimat, um diesen Kindern /um cr>tcmt1al in ihrem Lehen das l and /.u /eigen, aus dem ihre Litern einst ausgewandert sind. Fs ist nicht unsere Aufgabe, diesen Hauptinhalt des Ihn lies zu schildern b/w. /u ihm Stellung /u nehmen, obwohl es aufSerordentlich intcre-sant ist, 711 erfahren, wie nach dem Bericht dieses der Welt und der Jugend aufgeschkwscnrn l ehrers die Berührung mit dem alten 1 Icimatbodcn auf die Kinder wirkt, Fiir uns ist ein anderer Teil des Huches wichfig, in dem nämlich von Palästina selbst die Rede ist und in diesem Zusammenhänge auch von dem jüdischen Aufbauwerk. Karl G״t/ schildert sowohl im ersten wie auch im letzten Kapitel seines Huches bei seiner Darstellung des Lebens in PaU-tinn das jüdische Aufhauwerk und die tnenschliehen Typen, die ihm aus diesem I ehettskreis heraus bekanntgeworden sind. Lin jüdisches k'iiicler'dori, die Siedlungen des Fmck Jesred, Tel-Awiw, die Geschichte des Zionismus von Her/1 bis zur Halfoiinleklaratinn und darüber hinaus werden in kurzen Impressionen erwähnt; auf der Rückfahrt trifft die Gruppe deutscher Kinder mit Ghaluzint, mit .alten Juden und mit anderen l inwamlercni zusammen, die alle nach Ercz. Israel streben. Manches Gesagte über die Diskussionen zw׳i- Mhcn den Olim, die auf dem Schiff geführt worden sind, ist richtig, anderes verfehlt wiedergegeben. Merkwürdig ist bei alledem der starke innere Vorbehalt dieses Lehrers gegenüber all dem, was er nn Jüdischem in Palästina sieht oder hört. Tel-Awiw erscheint ihm durch seinen Mangel an Geschmack auffällig und dünkt ihm ״ziisri mm engen lirfelt". Pie Kolonien des Finck sind ״:irniseüg". Jo-eplius, der den jüdischen Krieg beschrieben hat, ist ״zweifelhaft" und schreibt ״mit pomphafter t'ebertrcihung". Ihm taucht die Frage auf, ״wie weit das zionistische Streben ehrlich ist". Geber,all ,,fehlen die liebevoll erhaltenden pflegsainen Anstrengungen‘‘. Die Juden sind ein ״anmaßender Eindn11:.׳ii11g“ den Arabern gegenüber. Die Mädeiten und Frauen der (Jlinlu/im sitzen ״mit zartfarbenen Schuhen in öligen Winkeln zwischen den Dcckmaselüiien und haben Toilettckdtferchen. l’uikrpiiastcn und Schmtnkstiftc itn Schoße liegen". Und so ließen sich die Urteile, die Gütz über die judUche Arbeit fallt, noch vermehren. Gewiß ist manches nn Kritischem richtig׳, aber man empfindet immer wieder eme» Grundafft kt des Verfassers, der sich gegen' die Tat- Sache der jüdischen Nachbarschaft richtet. Sollte er nicht auf die Idee gekommen sein, nachdem er sah, wie die deutschen Kinder, die er auf der Re Ke betreute, in so elementarer Weise auf die Berührung mit ihrem alten Heimatboden reagierten, daß bei allem Unterschied, der hier schon durch die Zeitdatier •der Trennung gegeben ist, auch für diese Juden, die auf pabstiueiiMschem Hoden leben, das Urlebnis der Rückkehr gewaltig ist, und daß der, der die Gelegenheit hat, es von außen zu beobachten, daran andere Malistabe legen sollte, als die eines von vornherein gegebenen Vorurteils? L, ״Mosnßjim״ Zu Beginn des Jahres 01>)ל wurde das Organ des hebräischen ScluiftsUik’r-Vorbandcs in Lire/. Israel ip eine Monatsschrift umgewandelt, die׳ von den Literaturkritikern E, L n c 11 o w c r und Jakob Fielt m amt redigiert wird, im ersten Heft he/eichiiete die Sdiriftleitung in knappen Darlegungen als Aufgabe der Zeitschrift, in den Wirrnissen und Sturmen der gegenwärtigen Zeit zum ernsten Denken aiizurcgen, den kritischen Sinn zu pflegen, die Idee gegenüber dem Dogma hoch/ulinltcn. Sowohl bei der Beurteilung aktueller /.citproblcme, wie auch in der Bewertung dichterischer Beiträge will sie nicht einer bcstimmten Partei oder I iferatiirsclmle huldigen, ln der Fcstigütig unserer nationalen Kultur erblickt sie ein wesentlichste.'! Mittel, du' Schäden im Leben der jüdischen Ciemeinschaft zu beheben. Die bisher erschienenen fünf Hefte der neugeformten Zeitschrift zeugen vom ernsten Streben der Redaktion, ihrer Aufgabe gerecht zu werden. ״Mosnajim“ bietet ein Spiegel* bild des gegenwärtigen Standes der bcbräisclt-litcrartscheu Schaffenskräfte. Von den zahlreichen Mitarbeitern seien bcsonders liervorgeliobcn: CI1. N.!Jini i k, S. T.s c 11 c r nicliotvsky, S. Sch 11 cur, Ch. liasas, E. Steinm a n 11, J. K a u f m a n n, D. S c h i רוו e n o w i t /, Hugo Bergmann A. Ba rasch, J. Steinberg. Auch die Redakteure selbst haben Beiträge geliefert. Ls würde zu weit fuhren, liier auf die einzelnen Arbeiten näher cinzngehen. Wir können es uns aber nicht versagen, die drei Gedichte von B i a 1 i k ״הימנות׳/ ״שבעה״ und פדרה״« zu erwähnen. Ls sind erschütternde Schilderungen ans der frühen Jugendzeit des Dichters; die Trauer nach dem Tode des Vaters, der elende Witwenstand der Mutter und die Trennung von ihr finden darin eine ergreifende Darstellung. Diese Dichtungen reihen sich nicht nur würdig nn Bialiks Meisterschdpfungen früherer Jahre an, sondern zeigen in Form und Stilbildung eine Entwicklungslinic über sie hinaus. Ein paar Bemerkungen seien auch zu S t c i n m a n n s _ Essay über ״Zivilisation und Kultur“ gemacht. Steinmann zählt zu den begabtesten Erneuerern hchriiisehcr Sprachkunst. Eine Fülle originaler Atisilriicksinöglkhkcitcn gesellt sielt bei ihm zu einem Reichtum an scharfsinnigen, geistessprühenden Gedanken. Wie Bialiks Gedichte im poetischen Teil, bildet Steinmanns Abhandlung den Höhepunkt im kulturanalytischen Teil der Zeitschrift. Josef Lin, Haifa. /tm 5. ßlSuz ' des Jahres 1933, also ganau vor einem Jahro, beginnt die Artikalaaria der ״Jüdischen Rundschau“, die in dem Buch : QMM* r zusarnmongefaOt Ist. Dieses Buch lut unbostritten das maßgebende Dokument des deutschen Judentumo im Schicksalsjahra 1933.! Wer das Buch noch nicht besitzt, bestelle es sofort I (Preis RM 2,8» VERLAG ״JÜDISCHE RUNDSCHAU", BERLIN W15 Auall,lsru״a (Ur DuchhttndUm UUdlaahir Verlag• Berlin W BO, Budapteltr SlrtBe 11 -•׳ -■ngi —» '’ffUryfftfH Nr. 23, 20. Ilf, I Henri Jßcrqson und der Iftrchcnhisioriker Loisy f f!׳■*# ד׳־יו | M V a I;’, “ St d.i ID . W.je j ךי־# ך*?« *“r* י״י* ׳! *י**■*• i <LLi» #■•יי m>,-a »1Aäw In zwei Aufsätzen in Nr. 52 und 78 des Jahrganges 19J3 hat die ,,Jüdische Rundschau" zum letzten Werk Henri Bcrgsons: ״Die beiden Quellen der Religion und Morn!" Stellung getiotnmcn. Ls waren kritische Referate über die philosophischen Grundprinzipien des Buches, Bcrgsons Konzeptioncri haben den Vorzug aller metaphysischen Thnkgebihle von ursprünglichem Format. Mari kann aus ihnen einen ganzen Makrokosmus von natürlichen oder historischen Tatsachen erklären. 1111 Anfang1׳ war das Prinzip und hinterher kam, was gedanklich in ihm schon steckte. Die großen historischen Erscheinungen Judentum und Christentum werden Anwendungsfalle des imciaphysischcn Prinzips und wie sic sich, nach Bergson, zu ihm verhalten, sich sozusagen vor ihm rechtfertigen, das wollen wir in Ergänzung der beiden erwähnten Artikel befrachten. Der ewige Lebenssfrotn, der ״Gan vital", steigt auf seiner höchsten Stufe zum Mcnschenrrich auf. Das nächste, was wiederum liier Wirklichkeit werden kann, ist Moral und Religio n. Freilich, der naturalistische Ursprung der nietaphysischen Grumlkraft, der ei.in vital, kann sieh selbst in diesen Entäußerungen erhalten. Dann haben wir, aus der Quelle des Instinktes, die ״gebundene“, die ״geschlossene" Moral und wir haben eine ״statische“ Religion. Nur wo die naturalistische Komponente ganz, überwunden wird, wo der Mensch ans der allerhöchsten, nur ihm zugänglichen Kraft- und Frleuchhmgsqucile schupfen kamt, aus der ״Intuition״, da -'feigen Moral und Religion zu ihren sublimsten Formen auf, zur ״offenen .Moral“, zur ״dynamischen Religion". Von diesen Kriterien aus entscheidet stell für Bergson die alte Streitfrage, ob zwischen Judentum und Chris t e n 111111 in c t h i s c h - r c I i g 1 ö s e r Beziehung ein Einschnitt nrttrennender Bedeutung b c - stehe. Bergson bejaht die Frage. Fr führt Moral und Religion des Judentums auf den instinktiv-naturalen Ursprung zurück und läßt beide auch nur zu den unteren Stufen, zu der ״geschlossenen" Mora!, zu der ״statischen" Religion kommen. Her Instinkt habe hier seinen Zweck und die Atittcl der Zueckdürchfuhrung erkannt. Er habe gewußt, was dem lndivithmm geboten und verboten werden müsse, damit das soziale Gebilde Judensiaaf, Judentum gedeihen könne. Die zehn .Gebote .sind, noch Bergson, nur die Formulierung instinktjv vermittelter Maximen für Volksbesiand und Staatsraison; selbst die Psalmen erkühnten sielt nirgends des Verstichcs, sich an höhere Quellen der Erleuchtung zu halten. Dabei, sei dann eben nur die gebundene Moral und die statisch e R e I i g i o n fteratisgekommeit und das zeige sich, wo immer man im Alten Testament auf die Ergebnisse achte. Alles bleibe Satzung und Lehrinhalt. Höchstens die Form des Handelns sei ethisch, die Handlung selbst könne bestenfalls klug und tauglich sein. Das Gebaren sehe religiös aus, die Bekundung könne bestenfalls richtig oder wahr sein. Dem C 11 r i s t c n t ti ni und Ihm .allein sei es Vorbehalten, aus der mystischen Intuition zu schöpfen. Das konnten selbst die Brnhm,•inen nicht, das konnten nicht Plato, nicht die Propheten. Und danach sahen die Ergebnisse, die ״offene Moral“ und die ״dynamische Religion“ aus. Hier, in der christlichen Ethik, wird die Zweckmäßigkeit nach praktisch-utilitaristischen Gesichtspunkten n!s Kriterium der sittlichen Würde völlig abgelehnt. Eine Handlung ist liier aus sich und um ihrer seihst willen gut oder verwerflich. Von außen entscheidet sich nichts. Erst nach Abstreifung aller Vorsätze nach dem Maßstab des etti bono kann eine Tat schlechthin sittlich sein. Genau so in der Religion. Manches kann religiös ausschauen, rvilgios ist aber mir, was der Intuition entkeimt. Die GrundiMltting des Geistes, gewisse Erfahrungen, Eindrücke lind Eriehnisse unmittelbar auf Gott und das Jenseits zu beziehen, ohne Gedimkenexpcrlnicnte lind Beweisverfahren, sie ist mystisch-intuitiv. Sie stellt ״eine besondere Kategorie des Vcrhitlfcns gegenüber dein Universum dar und jede der mystischen Intuition hält uns in den Kl K,;!:.v.׳ | uiinimi cp ginsen Eigenbercichs, der dynamischen Reegn,!), <y . ׳!.. nur das Christentum erhoben habe. So ist für' [<tr•״'?[' f Christentum ursprünglicher Prägung eine ganz im״,!' neue Grolle. Das Verhältnis von M u111?' t T o c 11 t e r k u 11 u r könne hier nur in / e i 111* c' R Z u t a m ni c 11 h a n g verst a 11 d c 1t w e r d e 11. i!n f: sei diese Tochter aus der Art geschlagen; religio» uini'^‘ lisch habe sie einen Auf-ticg genommen, der nur duf0:״"I radikale Abkehr vom Judentum zu erreichen war. *"י Bei liergsons Haltung zum Judentum mul Christirm 'י wiederholt sich eine historische Sachlage. Spinor! K*’ e Ethik und Religion des antiken Imientiirns eine ahiii'V""״ weisende. Haltung entgegengebr.v/ht; wie Bergson betr* ■ £'£ er das Christentum als eine völlige Loslosung und Befreiung von der jüdischen Kulturerh-ehaft. Fr nuiilt׳ 'pf von christlichen Theologen seiner Zeit sagen lassen g.' 1! die Einheit der Entwicklungstendenz verkenne, den' des Judentums für. die sittlich-religiöse Kultur unter^h,gl'11 י Ungefahr das gleiche erwidert der Kirchenhi-.torik<r"1'Cl’ Loisy dem. Philosophen Bergson, der Katholik dein i o t (Alfred Loisy; Gedanken zu Bcrgsons: ״Zwei Quellen,״'.I Religion und Moral“.) Die schroffe Trennung von V»-.lg tiver und mystischer Herkunft der Moral und Religion"V,."p entsprechend die der statischen und dynamischen Rt\ der geschlossenen um! offenen Moral, 'welche Berg-on'-l Judentum und Christentum verteilt, gibt es nach Ui.11• •׳ f m der logischen Analyse, nicht im historischen Tatsj(-׳..| bereich. 011 nt״ ein Minimum mystischer Intuition sei r»'.I§ Haupt kein Gebilde sittlich-religiöser Prägung möglich, 'gf ״dcrerscits sei aber auch keine sittlich-religiöse Schöpfung ..1.״ Zusatz von ״statischen“ und ״geschlossenen“ Forniprinz;״,.-S möglich. Das Judentum batte sie reichlicher, im Clmäc!;*; I seien sie aber auch vorhanden. In der Idee der cluUfo!״ f Gerechtigkeit, gipfelnd in der Vorstellung von! jüngsten ü׳.| rieht, könne man ohne weiteres bloß legale, bloß statKgeschlossene Elemente finden. Das dürfe und müsse so!r rmter der Idee der Gerechtigkeit litte die Idee der (!'•:. als ״Erfüllung des. Willens Gottes auf Erden“ keinen $0־,. den. Wiederum sei aber auch diese Idee klar im Prophet;-( mus vorbereitet. ״Wie kann“, fragt Loisy ״Henri Buge/ der so tief in alle Emotionalitäten dringende Philosoph, ei Zutrauen zu dieser Gute in einem Psalm überhören, der r licht; ,Und ob ich auch wanderte im finstern Tal?׳ k wage .noch heute nicht, vor Ergriffenheit trockenen Ayp, ZU bleiben bei dem Gehet, das David in der höchsten Seele;■- not und Gewissensfoltcr angesichts seiner schlimmsten Miss■■ tat zum Herrn gesendet: ,Verwirf mich nicht von Deinem As״ gesicht und nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir. und Henri Bergson sollte kühl und gelassen vor dieser Appell an Gottes Gute bleiben, sollte das herrliche Gebet p: nicht als Appell an seine Güte erkennen können?“ Unseres Erachtens ist Bergson bei seiner Unlerschatzur.; des Judentums das Opfer seiner metaplivsisehen liruniikoimg tionen geworden. Die Lehre vom ״ei;m vital“ hat ihn duverführt. Die ewige I ebensschwunghraft erzeugt im Us״ verstim niemals bloße Variationen bestehenJer Zustände,, aut; in der Geschichte nicht. Sie schafft immer neue Position« Mag dabei viel biniibergerettet sein; von der Gesaattgesir. betrachtet ist das Veränderte ein total Neues. Nach dieser Schema hat Bergson die geschichtliche Etappe ״Chridentur gegenüber ״Judentum“ abgegrenzt. Die Anwemlum׳■ seine! metaphysischen Prinzips zwang ihn, das ״absolut", ursprüng liehe mit charakteristischen Typen auszustatfen. (kscliiciibö geht Bergson fehl, und das muß ihm Loisy, der streng pHlo״ logisch verfahrende Kirchenhistoriker, natürlich verübeln. Dr. Bruno Altmann. Ein Buch zur Judenfrage Rudolf Huchs Israel um! Wir. Ein Zwiegespräch zwischen einem Alten und einem in mittleren Jahren. Nationaler Vorlag Joseph Garibaldi Huch, Berlin-Wilmersdorf, 1934. Preis 1,8(1 RM. Rudolf Iftieh, ein Bruder von Ricarda Huch, beginnt dieses Zwiegespräch mit einem Ausflug In das Alte Testament und stellt die These auf, daß die Juden ursprünglich ein kriegstüchtiges, naturnahes Hirtenvolk waren, das durch den Einfluß der Pricsterschaft späterhin entscheidend gewandelt worden ist. Er sucht dann den Unterschied zwischen deutscheut und jüdischem Geist zu analysieren und glaubt, daß das Judentum sich im wesentlichen auf die rationale Geisteshnlttmg beschränkt, in der Praxis, meint Huch, müsse man zwischen Juden ttnd Juden einen Unterschied machen, und zwar zwischen denen, die nach seiner Ansicht nach den Weisungen einer geheimen Zentrale handeln und denen, die bereit sind, sich einztigliedcrn. Huch scheint also im Grunde eine Art von neuer Assimilation zu propagieren, wobei er glaubt, daß manche Juden die Fähigkeit hätten, diejenigen Kräfte wieder in sich z.u entwickeln, die ״einst in ihnen gelegen haben, aber durch die geschichtliche Entwicklung verdrangt worden sind. So unterscheidet er zwischen Ostjudcu und dem ,,achtbaren Judentum" und sucht Differenzierungen zu schaffen, nach denen sich die Stellung zu den Juden richten müsse. Wir glauben nicht, daß es erforderlich Ist, diesen Ausfiihntngen im einzelnen entgegenzutreten; sie sind teilweise von antisemitischen Vorstellungen bestimmt und teilweise — das gilt besonders für die geschichtlichen Partien — nach dem zu beweisenden Ziele aiisgeriehtct, das eben in der Hauptsache darauf hinausläuft, bei Bewahrung des grundsätzlieh nntijüdischcn Standpunktes doch für einen Teil der Juden die Möglichkeit einer, allerdings nur mit dem Schiagwort: ״liier Europa, dort Asien" gekennzeichneten Eingliederung zu geben. Wir wissen, daß diese Haltung heute nicht gerade aktuell ist und können sic vom jüdischen Standpunkt ans gewiß nicht akzeptieren, da cs für uns nicht möglich ist, innerjüdisch zu differenzieren, und da auch die Voraus- Setzungen dieser Differenzierung — nämlich die Annahme, daß es Juden gibt, die als Gruppe Herrschaftsgelüste irgendwelcher Art besitzen, und die sich dadurch auch psychisch von den anderen Juden unterscheiden — völlig unzutreffend sind. st. Eid Rothschild-Film. Wie die ״Times“ vom 17. März melden, ist am 15, März in New York ein Film mit dem Titel ״The House of Rothschild“ uraufgeführt worden, der die Geschichte des Bankhaus(» durch zwei ßcucrationen hindurch verfolgt. Politische Dokumente Dr, Sack: Der Reichstagsbrandprozeß. Mit einem VorwrrtvoJ Professor Grimm. Verlag Ullstein, Berlin. Dr. Emil Franz Jos. Müller: Das katholische Episkopal in nationalen Revolution Deutschlands 1933. Verlag Kipa, Ff‘> bürg (Schweiz). Preis 1,20 RM. Diese beiden Schriften sind ftir jeden, der die Geschickt‘ des vergangenen Jahres in Deutschland studiert, von Bedeutung, da sie zugleich die Rolle einer Qucllensamm11 j* spielen. Dr. Sack, der Verteidiger Torglers int Kc1.ch*lX brandprozeß, gibt in seinem Buch eine ebenso umlawiju wie reich mit Tatsachenmaterial belegte Darstellung ober “l״ Anlaß des Pro/esses, seinen Verlauf und Ausgang, ״ über die beteiligten Personen und den rechtlichen und IG tischen Hintergrund. — In der Sammlung der Aeußcru1;*׳׳‘ des katholischen Episkopats während der ä aalen Revolution werden die Aeiißerungen der ‘"scf,9e1״!: auch die wichtigsten Dokumente, die von Regiertingsseit ׳; von anderen maßgebenden Stellen Deutschlands ns 1 ״ Frage ergangen sind, wiedergegeben, ln drei Atwcn j_ werden die Reichstagswahl vom 5. Mär/_ 1933, die söhnung zwischen Kirche und Nationalsozialismus Bejahung des neuen Staates behandelt. Die Dorsten ne nicht nur. unter politischen Gesichtspunkten, sondern aj den interessant, der sich in erster Linie um die Erlass« s gcistcsgeschichtlichen I lindergrundes bemüht. iUdischc Geschichte“ von Joachim Prinz. 11. Auf!• B(jn^ sehe Verlagsbuchhandlung, Berlin. _ . Wir haben bereits im vergangenen Jahre aul die .üdisclte Geschichte" von Joachim Prinz ”,ng ״j e nunmehr in II. Auflage erscheint. Das Werk *> pj; e allerjungste Vergangenheit vervollständigt *°\ ,!yd«! tzte Abschnitt beschäftigt sich mit der Stellung 1 modernen Staat und fallt die aktuelle» Gegcnwart»!^.^ trz zusammen. Der Gang durch die jüdische v״■- nt der Antike bis in unsere Tage ist mit d«?יי ef5 :0■ :Lsterung geschrieben, die alle Bücher dieses \ er ״e , iclmet. Es wird gewiß keine wisseiiscliMtlichc die Probleme, die die jüdische Geschichte au j jjrt :strebt, sondern ein Geschichtsbuch, das in tici. pjc«!voreingenommenen Lesers als Leitfaden dienen k Lifgäbe erfüllt das Pritmehe Ruch ausgezdehnet. ,tulera wichtig ist hierbei natürlich die Darstcliu g> Kapitel unter dem Thema ״GhcttodnrnnierunR ird und auch die Geschichte der Juden?f1'. , .״,igc«■11''‘ ttion in ihren Qnmdziigen behandelt. Emv Kcmi1;h1i״ßr«Pt'l( r Bilder illustrieren den Text. Die beigefugte Ap# irftc fiir den, der sich mit der Materie etwa. > *r ohne doch die Mögi.chke.t