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Jüdische Rundschau · 1934-03-20 · Heft 23 (20.3.1934) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
39 (1934)
Issue
Heft 23 (20.3.1934)
Date
1934-03-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite' 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 23, 20. Hl.!934 per Anwaltsberuf galt als Feld des jüdischen Ah.!- demikers, Jahrzehnte war der jüdische Jurist von der Beamtenkarrierc ausgeschlossen, liine vollkommen gleichmäßige Berufavcrtcilimg setzt voraus, dal! alle Berufe offen stünden, daß cs in eiii/elncn Berufen keine besonderen Schwierigkeiten fjir Juden gäbe, da jede Berufswahl neben der eigenen Fähigkeit mich mit den Berufsaussichten reimet. Im Jahre 1925 zählte man in Preußen 2250 jüdische Anwälte. Die in der Presse wiedergegebene Ziffer spricht von Ti 15 jüdischen <1• h. wohl n ic 111 a r i 8 c h c n Anwälten. Die Differenz erklärt sich wohl in der Hauptsache aus dem Umstande, daß in der Berufszählung vom Jahre 1025 die freireligiösen, getauften, sowie die Nachkommen 1111s Mischehen nicht als Juden gezählt wurden, Durch den Ausschluß vom Frühjahr 1033 wurden 36 «/n der jüdischen Anwälte betroffen. Ihre Verteilung in Preußen ist nicht uninteressant. Es gab jüdische Anwälte in Preußen ך־*'“" r■־ . W ג ר■ | ^׳—N ך־ (יילן r* < u, fV Vor der NeureSela■( Oberlamicsgerkht in סי׳ «!•(h dtmlbcn in ״/o Berlin 1908 51 1203 39 Königsberg 105 '20 53 16 Marienwcrdcr 17 H 10 9 Breslau 361 31 239 26 Stettin 59 M «17 1 1 Kiel 51 14 46 9 (.־eile 81 10 56 7 11.1 mm 158 13 90 8 Kassel 41 18 31 14 Naumburg <)5 12 53 7 Düsseldorf MI 16 88 11 Köln 121 13 77 O Frankfurt a. M. 275 45 165 33 2158 21 ■(Nach Mit < Dr. len Kalo: 1357 3515 30 Der jüdische Einfluß in Deutschland.) nbgcbmitcn Anwälten Preußens und den aus dem übrigen Deutschland — deren genaue Ziffern nicht vorliegen — handelt es sieh also um zirka 2000. Die Halb- und Viertel-Semiten, die sich darunter befinden, mögen an Zahl ungefähr so viel ausmaclu'ii, wie von rein jüdischen An• w,alten freiwillig die Advokatur niedcrlegten. Inklusive der 2000 Studierenden, Referendare und Assessoren haben also Tiind •1000 jüdische Juristen ihren Beruf verloren und werden sieh entweder in Deutschland umstellen oder ins Ausland begehen. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß unsere Zählungen nur die Juden berücksichtigen, die der jiidi• sehen Gemeinschaft angeboren. Mit den Hainjuden wären die Ziffern jeweilig noch etwas großer, — Eine eigentliche Statistik der jüdischen Beamten gibt es nicht. Wir kennen mir einige recht allgemein gch.1l• tene Statistiken. So gab cs!')'25 in Preußen berufstätige Juden in Verwaltung, Rechtspflege, Strafvollzug Post- und Telegraphen wesen Reichshahn Wohlfahrtspflege und soziale Fürsorge Nur ein Teil der hier Gezählten sind Akademiker, meisten wohl in der Rechtspflege und in der Verwaltung, ziemlich viele gerade nach dem Krieg ein Fortkommen warteten. Außerdem gab es z. B. diplomierte Volkswirte, in gehobener Stellung, in leitender Position in großen, gemeinnützigen Institutionen, Verbänden, Krankenkassen, Handelskammern, in Wirtschaftsorganisationen, sozialen und politisehen Gremien, kurz, überall, wo wir Angestellte als Beamte ansprcchciy arbeiteten. Der Titel ״Beamter" bezeichnet heute einen behördlich unkündbaren Funktionär der Verwaltung. Ihre Tätigkeit deckt sich in vielen Punkten mit denen der Prlvatbeamtcn. Daher haben wir die Beamten im weitesten Finne gefaßt und die Zahl der jüdischen Beamten in Reichsrind Staatsstellungen mit KXX) und die akademischen, nicht öffentlich mehr «der fest Angestellten, ebenso hoch angenommen. Wir erhalten daher für diese Kategorie gleichfalls eine Ziffer von 2000 berufstätigen ״Beamten“. iidisehe Philologen gab es in Deutschland un- .0 lies Minis; in einer Sitzung der maßgebenden Führer der mittolfränkischeu Wirtschaft in der Industrie- und 1 tandclskainmcr Nürn- 1י e r g sprach der bayerische Siaatsiuinistcr Esser über wirfschaftspolitische Fragen. Nach dem Bericht in der ״Frankfurier Zeitung" vom 18. Marz führte er u. a. folgenden ans: Die politische Revolution sei auf der ganzen Front siegreich dtircbßcfiilirt worden. Das Werk sei erst dann vollendet, wenn cs gelingt, dem Volk Brot und Arbeit zu geben. Die Wirtschaft dürfe niemals so organisiert werden, daß jeder Stand mir mehr an sich und seine Interessen denke. An Stelle des politischen Partikulnrisnuis darf nicht der Partikularismus der Stände kommen. Das deutsche Wirtschaftsleben lasse sich nicht durch revolutionäre Maßnahmen neu gestalten. Die der bayerischen Staatsregierung unterstellten Behörden und Organisatioiu'11 müßten 11 a e h den R i c h 11 i n I c n «I c r Reichsr e g i e r 11 n g arbeite 11. Sie seien gegeben durch das übersichtliche Programm des Reichswirisclinftsmmkters. ״Wer gegen Männer, die das Vertrauen des Führers besitzen, revolutituliert oder ihre Arbeit stört, ist ein Verräter der nationalsozialistischen Entwicklung.“ ln wirtschaftlichen Fragen stehe Deutschland in einem Existenzkampf der ganzen Welt gegenüber. Das Gesetz des Handelns sei uns hier in gewisser 1iinsieht vorgczcichnef■.... Die Organisationen der Bewegung, die Deutsche Arbeitsfront, die Organisationen des Mittelstandes unlersliit/ten den Staat in seinem schweren Amt der Ueberwachiiug de» Wirtschaftsleben». Ucb erwachen heiße aber noch nicht selbständig ein greifen. Die Willkür sei der Anfang vom Ende. Alle Maßnahmen, die not* wendig seien, mn Wirtschaft sschädl in ge auszuschalten, müßten sich auf das deutsche Recht beziehen können. Es müsse ein 152b 213 193 608 am w0׳ erdie 1. Mediziner 2. (uristen 3. Zahnärzte• 4. Philologen usw. 5. Redakteure und Schriftsteller 6. Sänger, Schauspieler 7. Angestellte Apotheker, Chemiker und Studierende 8. Beamte' (Schätzung) 9. Akademiker in technischen Berufen (Ingenieure, Architekten usw.) (Schätzung) 10. Sonstige Berufe (Dozenten, Volkswirte,. Tierärzte, Künstler, Dipl.-Kaufleute in akademischen Stellungen) _ 7000 6500 1000 3000 1200 1200 700 »XXI 2000 1400 Gefühl der Sicherheit hcrrsclieii, denn sonst s-chwind׳■ alle Liebe zur Arbeit. Wenn aber der Staat den Schutz Willkür gewährleiste, so müsse von der Wirtschaft ein barer Wille zur Mitarbeit gefordert werden. Zur Fragt <u" Rückführung des jüdischen Kapitals {n ן deutsche Wirtschaft äußerte Staatsministcr Esser nsi dem Bericht des DNB.,dafl cs {entstehe, daß der Jude ans politischen Leben in I )cutsehlarul aiisgeschaltct sei, daSt , keine öffentlich-rechtlichen Fuiiktioiien mehr ausübt, djfl aber der Jude, der bei uns kaufen wolle, im tcrcssc der deutschen Wirtschaft daran gehindert werden solle. nnicht VerJmuonsmcinneif in den Bolrloban Als V e r t r a 11 c 11 s m ä 1111 e r in den Betriebt» können nach einer amtiidicn Mitteilung diejenigen abstimmiingshcrcrhtigteit Personen bestellt werden, die den bcsoii". deren Voraussetzungen des jj 8 des Gesetzes entsprechen. |j״ Gesetz schreibt vor: ,,Vertrauensmann soll mir sein, wer d« 25. Lebensjahr vollendet hat, mindestens ein Jahr dein Iktrkb oder Unternehmen angehört und mindestens zwei Jahre 1m gleichen oder verwandten Berufs- oder Gewerbezweige 1Jtj, gewesen ist. Er muß die bürgerlichen Ehrenrechte besitzen der Deutschen Arbeitsfront fingt linrcn, durch vorbildliche mcnxchlirlie Eigenschaften ausgezeichnet sein und die Gewähr bieten, daß er jederzeit rückhaltlos für den mtio. nak'11 Staat eint ritt. Von der Voraussetzung einer einjährigen Bctricbsan gehörigkeit kann hei der ersten Ernennung von Vertrauensmännern, die nach dem Inkrafttreten dieses q(. setze» erfolgt, abgesehen werden." für Juden gefälir 2250; wozu noch zirka 750 Studierende kamen, Ein erheblicher feil der Jüngeren wird in Deutschland selbst in jüdischen Schulen nickt luitcrkommcn. Von den etwa 121X1 Redakteuren und Schriftsteilem (')(X) in Preußen allein) finden viele in Deutschland keine Existcnzmöglirhkeit. Aehniiche Verhältnisse liegen vor für die Angehörigen der Bühne. Preußrn zählte 1025 rund 450 jüdische Sänger und -150 Schauspieler und Regisseure, also in Deutschland etwa 1200, Ferner wurden noch ermittelt in Preußen angestellte Apotheker «ml Studierende mit 250, ebensovicle Che- 1 וזו k e r, über 1000 Zahnärzte. Es ergeben sich demnach für die Akademiker folgende Ziffern: Es waren in Deutschland in den einzelnen Berufen ent- Weder bereits im Erwerbsleben oder ln Ausbildung begriffen als: zirka 26 (XX) Wfr veranschlagen damit eile Zahl der jüdischen Aknde- SnikiT mit zirka 20(XX), von denen die Schauspieler keine reinen Akademiker sind und von denen auch unter eien Rcdakteuren und Journalisten viele ohne Hochschulbildung sich bcfinden. Dafür fehlen vollwertige Akademiker, die ins kaufmännischc Leben abgewandert sind und die in den Berufs- Zählungen nicht ausgegiiedert sind. Diesen Zahlen tnuß man die teils gesetzlich normierten, teils sich aus allgemein-wirtschaftlichen mul gesellschaftlichen Verhältnissen ergebende Einschränkung der Arbeitsmöglichkeiten für die akademischen Berufe unter den Juden gegenüberstellen, um zu einem Urteil über die Zukunit der jiidi• scheu Akademiker zu gelangen. Man wird gewiß nicht fehl* gehen, wenn man zu der Ansicht kommt, daß ein sehr großer Teil der heute vorhandenen oder in der Ausbildung befindliehen jüdischen Akademiker sich anderen Berufen 7,u* wenden oder den Weg der Auswanderung beschrciten muß. In jedem Fall wird im deutschen Judentum der nächsten Jahrzehnte die Rolle, die die Akademikerschaft bisher gespielt hat, grundlegend verändert sein. Dir badische VerwaltnngsgcricliNiof ln Karlsruhe hat in■ einer Entscheidung vom 6. Februar 1631 (Akt.Z, 186 33) eine l'nbehlicßiiMg des Bezirksamts Mannheim vom 17. August 1033 aufgehoben, in der einem jüdischen Schankwirt die Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaff verweigert worden war, weil er als Jude zur Führung einer Wirtschaft grundsätzlich nicht geeignet erscheine, Der Badische Verwaliungsgcrirhtsliof hat sich ltn Gegensatz zu dieser Entschließung des Bezirksrates auf den Stand-!milkt gestellt, daß die des Schutzes tl e r deutscheu G e s e t z g c b 1111 g überhaupt würdigen I u ־ ,den in Deutschland diesen Schutz, des Gesetz.e» genießen und gerade auf dem Gebiete der freien Wirtschaft und des Ocwcrbes nicht anders behandelt werden dürfen als nach Maßgabe des geltenden Rechts. Die Eigenschaft des Judcseins könne daher allein nicht die Annahme rechtfertigen, daß ein Jude die für den Gewerbebetrieb eines Schankwirts erforderliche Zuverlässigkeit nicht besitze. Der Verwnltimgsgerichtshof sagt weiter, der Umstand, daß das fragliche Lokal fast ausschließlich von Juden besucht werde, lasse einen Schluß auf eine mangelhafte Zuverlässigkeit des Gastwirts — als Witt gerade clncX solchen Lokals — nicht zu. Der Umstand, daß fast ausschließlich Juden in dem l okal verkehrten, könne nicht zu der Folgerung führen, daß tler Wirt nicht auch Jude sein dürfe, denn damit würde in (irr Praxis der Erfolg cintreten, daß Niclilarier schlechthin von dem Schankgcwcrbc ausgeschlossen wären. Bei der heutigen Einstellung des deutschen Volkes würden arische Gäste zu einem jüdischen Wirt k a u 111 i 11 g e n ii g e 11 <1 c r Z a 111 kommen; wenn ein jiidischer Wirt überhaupt das Gastwirtsgewerbe mit Erfolg ausüben wolle, müsse er eine Wirtschaft wählen, in der seine Rasscnqcnosscn zu verkehren pflegen. Solange die Gesetz* gebung ein Verbot der Erlaumiisertcilung für das Wirtsgewerbe an Nichtaricr nicht ausspreche, sei es aus Rechtsgründen nicht möglich, einen Juden lediglich wegen seiner Abstammung von diesem Gewerbe auszuschlicßcn, Zum Darmstädter Betrugsurfeil Der l.andesnressedieiist des Deutschen Nachrichtenbüros in Darnistadt teilt folgendes mit: ״Uni jedem etwaigen Mißverständnis zu begegnen, wird zu dein Gerichtsbericht vom 13. März d. J. über die Verband- 11mg ain D.irmstädter Sondergcricht gegen den früheren Angestellten des Hcrrusheimer Arbeitsamts Ernst und seine Ehefrau, in der beide wegen Verbreitung von Greuelnach richten und wegen Betrugs zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt wurden, folgendes mitgctcilt: Weder der Staatsanwaltschaft noch dem Gericht lag daran, dem Zeugen Kiefer aus Worms, der mit den Angeklagten Ernst anscheinend längere Zeit ein intimes Verhältnis unterhielt, irgendwie ein Führungszeugnis in bezug auf seinen anständigen Lebens- Wandel aiiszustollen. Der Staatsanwalt bezciclinctc im Liegenteil das Verhalten Kiefers als eine Provokation der gesamten nationalsozialistischen Bewegung, die höchstwahrscheinlich noch die Behörden beschäftigen werde, was im Rahmen dieser Verhandhmr׳ aber nicht möglich war. Es wurde aber in der Verhandlung weiter fcstgestellt, daß Frau Ernst Erpressungsvcrsuchc auch bei einer Reihe anderer Juden vor n a 11 m, gegen die an sich kein Anlaß zur Kritik bestand. Sowohl der Staatsanwalt wie auch der Vorsitzende brachten bei der Strafzumessung u. a. zum Ausdruck, d a ß s 0 wie jeder Deutsche auch Juden, die die Gesetze des nationalsozialistischen Staates e i n h a I t c 11 und s i c 11 anständig betragen — damit konnte nach den vorherigen Ausführungen keinesfalls Kiefer gemeint sein — vor derartigen unlauteren Eie- 111 e 111 e n zu s c 11 ii t / c n s c i e 11,“ König Leopold III. von Belgien hat sich bereit erklärt, den Ehrenschutz über den belgischen Pavillon auf der Lmatc-Messe In TeRÄwiw zu übernehmen.. Kleine Nachrichten ln der Zeit vom 21• April bis zum 3. Juni wird in Berlin eine Ausstellung .,Deutsches Volk — Deutsch c Arbeit" statt finden. Wie die ״Deutsche Allgtmtint Zeitung“ initteiit, sollet! durch die Verbindung des Thein« ״Deutsche Arbeit“ mit den Problemen der Rassenfor• schung auf dieser ersten großen Ausstellung der Reichs- Hauptstadt über Erb- und Kasscnpflegc Bevölkerungskreise erfaßt worden, die von der grundlegenden Bedeutung der Erbgesundlidtspflrge und Rassenpolitik noch nicht überzeugt sind, Auf der Ausstellung sollen 11. a. unter drin Thenn ״Rasse in Not" die ״Ausmerzung mul Verhütung mimler• wertigen Nachwuchses, der Gchurtcudruck aus dem Osten, das Ucbcrwuchcrn der IThgesimdeii durch den Erbkranken, die Bastarde aus der Zeit der Rhcinlandhcsctzung und die geistige Ucberfrcmdung durch die Juden" zur Darstellung gelangen. In einem Erlaß des Badischen Ministeriums für Kultus, Unterricht und Justiz, wird bestimmt, daß jeder Student einer badischen Hochschule im Laufe seines Studiums gewisse Pflichtvorlesungen, darunter eine mindestens cinstündige Voriesting über R a s s e 11 k 11 n d e, zu besuchen hat. Diese Bc- Stimmungen gelten für alle Studenten, die sich nach dem 1. September 193} einer Staats- oder Handclshochschulpriifung unterziehen. Das Sächsische Iniicnitiin isforitim 11,1t dem Landesverband der sächsischen israelitischen Religionsgemeinschaft mitgeteilt, daß cs gegen die Stellungnahme des Rates der Stadt Plauen und der krcishauptm.innschnft Zwickau, dcrzufolge Juden vom Besuch der städtischen Badeanstalten zu ihrem eigenen Schutze ausgeschlossen sind, nichts einzuwenden habe. In der am 9. März abgehobenen Jahresversammlung des Alpen Vereins wurde nach dein Bericht des ״Berliner Tageblattes" vom 18. 3. zunächst die Satzungsänderung bc* schlossen, welche zur Anglcidumg. an die Normalsatzungen der rcichsdcutschen Sektionen notwendig geworden war. So mußte die Einführung des Arierparagraphcn und de* Führerprinzips zum Beschluß erhoben werden. Die vorgekgte labrcsrechnimg spiegelte die Folgen zahlreicher zum größten Teil durch den Arierparagraphen verursachter Mit• gliederaustritte und der Grenzsperre gegen Oesterreich wider. Frankreich und Jüdische Emigranten polnischer Staatsangehörigkeit Aus Paris wird nach einer Ost-Fxpreß-Mcldung aus Wai schau vom 16, März berichtet, daß laut Verfügung der französischen Behörden die jüdischen Emigranten ausOcutscnland, die polnische Staatsangehörige sind, nach Polen zurückkehren müssen. Verbleiben dürfen nur solche, denen «1 Strafverfahren in Polen droht, in erster Linie also Juden, die sich der Dienstleistung im polnischen Heere entzogen haben. Es handelt sich um etwa 100(X) Personen, die nach Ju' rück kehren sollen, und sowohl den Arbeitsmarkt wie auch du Gcschäftslcben belasten würden. Das Emiflrar,tcnproI)!cm in der Tschechoslowakei Prag, 15. März. (J. T. A.) Im Hinblick darauf, daß die Mittel der in Prag bestehenden Hilfskomitees erschöpft sind, werden von den mit der Fürsorgearbeit befaßten Stellen Vorschläge zur endgültigen Unterbringung der 600 bis 700 Auswanderer aus Deutschland, die sich derzeit noch in!,rag aufhalteii, gemacht. Es wird betont, daß eine wesentliehe Voraussetzung für solche Maßnahmen die endgültige Regelung der Palifrage dnrstcllt. Möglichst viele Personen seien durch das in London errichtete Büro des Emigrantenhitfswerka in überseeischen Ländern unterzubringen. Die in Schulaicdhmgcn untergebrachtcn Juden aus Deutschland werden nach Abschluß ihrer Vorbildung in noch stärkerem Maße als bisher nach Palästina auswandern, 100 Personen sollen in einer Lchrslcdlung nach dem Muster der in Frankreich, Holland und England bestehenden Einrichtungen zusammengefaßt werden. Die bestehenden Kollektiven sind zu produktiven Kollektiven umzugestalten. An die ischechoslowakische Regierung wird der Appell gerichtet, dem verbleibenden Rest von schätzungsweise 20 Personen die Arbeitserlaubnis zu gewähren, Die HÜfsarbeit des internationalen Studenlenwerks Genf, 18. März. (J. T. A.) Das International« Studentenwerk, dem durch den Oberkommissar! Auswandererfürsorge, James G. MacDonald, arbeit zugunsten der aus Deutschland ausgewandert Hochschüler übertragen worden ist, hat einen new veröffentlicht, in dem fcstgestellt wird, daß in den le'/I neun Monaten über 101X1 aus Deutschland stammenden ג * deuten durch das Internationale Studentenwerk ״״'« Form von materieller Unterstützung oder auf andere WE,•. geboten wurde. Für die Durchführung vier Hilfsaktion, in der Hauptsache den Büros des Internationalen Student werks in Genf, Paris und London obliegt, wurden oisn 3000 Pfund aufgewandt. Die Jüdische Jußcndhllfe c. V. (Berlin-Charlottenburgi Bleibtrcustr, 50) organisiert die Ucbersiciiluug jüdischer j gciidiichcr aus Deutschland nach Palästina■ Hie P»RS:11 . Regierung hat vor kurzer Zeit 350 Jugcndiertinkate Verfügung gestellt, von denen noch ca. 35 frei s,n״• ... Zertifikate müssen bis Ende April beantragt wcrVJt־n» rend die Alijah erst im Laufe des Jahres vor sich ,lC1.h• wird. Die Jugendlichen, deren Alter zwischen 15 und l< J ren liegen muß, werden in Gruppen in Siedlungen lästinas geschickt und dort in Landwirtschaft, Darin י Baumschule, Handwerk, Hauswirtschaft, MilchwirtscImji . fliigelzucht, Bienenzucht und Kinderpflege ausgebild«• Ausbildung dauert zwei Jahre. Am Ende dieses ^citr verschafft die Siedlung den Jugendlichen einen Aroeitsp Die Kosten für Unterhalt und Ausbildung betragen mon ca. RM. 50,—. In Einzclfällen können sie etwas herabg werden. Die Summe muß für ein Jahr voraiisgczahlt w für das zweite Jahr muß ein Bürge gestellt werden.

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